Von Maria Huber
Ihr Name ist Nebraska. Kixka Nebraska. Sie ist Agentin mit Schirm, Charme und iPhone, täglich auf der Jagd nach Bösewichten. In ihrem Fall verstecken die sich in E-Mail-Signaturen, Profilen und auf Blogs: üble Mail-Adressen, finstere Profilfotos, gefährlich langweilige Twitter-Accounts.
Kixka Nebraska ist Profilagentin, ihre Kunden kommen aus den verschiedensten Bereichen: Architektur, Modedesign oder Gastronomie, auch eine Konzertpianistin und die PR-Agentur "Mann beißt Hund" hat sie schon beraten. Gemeinsam hat ihre Kundschaft eins: Sie will ihre digitale Identität verbessern, stärker sichtbar werden im Internet, ihr Profil schärfen. Kixka Nebraska hilft ihr dabei.
Weil sie für ihre Kunden oft undercover in sozialen Netzwerken unterwegs ist, arbeitet sie nicht unter ihrem echten Namen. Kixka Nebraska ist ein Künstlername, ihr Agentendeckname. "Das ist eine Überlegung, die man einmal treffen muss: Trete ich unter meinem richtigen Namen auf, oder benutze ich einen Künstlernamen?" Wer wie Nebraska mit dem bürgerlichen Namen unzählige Namensvetter hat, sollte sich überlegen, einen Künstlernamen zu benutzen, sonst bleibt er unsichtbar unter Tausenden von Treffern bei Google.
Xing ist zu spießig für Musiker
So beginnt die Arbeit der Profilagentin an einer digitalen Identität stets: mit einer Google-Suche. Was ist da zu finden? Gibt es vielleicht einen berühmten Rechtsanwalt, den man nie überrunden wird? Oder tauchen unliebsame Aktionen von früher auf? "Natürlich vergisst das Internet keine Jugendsünden, aber man kann daran arbeiten, diese nach unten zu verdrängen und positive aktuelle Inhalte nach oben zu bringen."
Wie das geht? Durch Bloggen, Twittern, einfach durch Aktivität. Muss jetzt jeder bloggen und twittern, in jedem sozialen Netzwerk präsent sein? "Natürlich sollte man nicht blind loslegen, je nachdem, was man erreichen will, macht das eine oder das andere Werkzeug mehr Sinn", sagt die Profilagentin.
Während Xing vom klassischen Angestellten bis zum Vorstandsmitglied weiterhilft, können viele Künstler, Musiker und andere Kreative in der "relativ spießigen" Atmosphäre nicht die wirklich gewinnbringenden Kontakte knüpfen. "Ansonsten ist Xing aber für viele Berufsgruppen zurzeit noch unverzichtbar, man kann mit dem ersten Praktikum einsteigen, und dann ist es ein Profil, das mitwächst, indem man jede weitere Station kurz einträgt."
LinkedIn ist etwas für Amerika-Freunde
Überhaupt ließen sich viel zu viele davon abschrecken, dass die Pflege des digitalen Profils angeblich Unmengen Zeit schlucke. "Mit einigen ganz wenigen Handgriffen kann man schon sehr weit kommen, das dauert nicht lange", so Kixka Nebraska.
Ein Tipp von ihr ist, dass Frauen sich nicht nur als "Musiker" bezeichnen, sondern auch als "Musikerin", da viele ja auch gezielt weibliches Personal suchen. "Wenn man aufzählt, was man anbietet, muss man kurz überlegen, was ein potentieller Kunde genau suchen könnte." Eigentlich ganz naheliegend, aber: "Viele bleiben da zu abstrakt."
LinkedIn ist ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht jeder überall präsent sein muss: Nur wer erwägt, international zu arbeiten und vor allem auch Kontakte in Amerika sucht, dem hilft das Netzwerk.
Während Profile auf diesen Seiten relativ statisch sind, muss sich bei Facebook immer etwas tun. "Wer dort eine Seite hat, ob als Firmenpage oder als Person, sollte immer für frischen Content sorgen und auch bei anderen kommentieren. Relevante Beiträge stärken die Sichtbarkeit und den Eindruck, dass man nicht nur 'dabei' ist, sondern etwas zu sagen hat." Ein Pluspunkt bei Facebook ist, dass sich eine Seite mit dem eigenen Namen anlegen lässt, die man wie eine Homepage nutzen kann.
Pausenlos im Nachrichtenstrom
Das Profilfoto spielt auf allen Kanälen eine große Rolle, Kixka Nebraska widmet sich diesem Aspekt besonders gern. Was ist wichtig? "Der Wiedererkennungswert", sagt sie. Sie selbst hat, da sie in ihrer Tätigkeit als Profilagentin weder mit Namen noch Foto auftritt, ihre roten Haare als Merkmal benutzt. Seitlich mit den Haaren schwungvoll vor dem Gesicht fotografiert, nutzt sie das Bild, manchmal auch abgewandelt, indem die Konturen und Farben des Bilds abstrakte Form annehmen.
Kixka selbst ist in allen Netzwerken aktiv, hat einen Blog als Agentin und einen unter ihrem eigenen Namen. Sie muss alle neuen Tools immer ausprobieren, auf die sie als "digitale Flaneurin" stößt - da kann sie nicht widerstehen. Sie twittert, auch beruflich in ihrem Hauptjob als Öffentlichkeitsarbeiterin, neben dem Leben als zweifache Mutter. Wie schafft man das zeitlich? "Um halb sieben checke ich die ersten Mails am iPhone, um Mitternacht klappe ich den Laptop zu, egal was ist - meistens." Auch im Urlaub verzichtet sie nicht auf den Twitter-Strom.
Ihren Kunden rät sie zu Twitter nur dann, wenn sie es schaffen, auch regelmäßig etwas mitzuteilen. "Man muss nicht zwei Tweets pro Stunde schicken, nur eine Regelmäßigkeit finden: Erst jeden Tag zehn Posts und dann drei Wochen nichts - das wird nicht funktionieren." Gleichzeitig sei es der Tod jedes Twitterers, wenn er nur mitteilt, was er selbst geschrieben hat, etwa auf einem Blog.
Kongresse in der Signatur
Retweeten, kommentieren, auf Themen anderer reagieren, nur so funktionieren die Instrumente des Web 2.0. Wer viel nutzt und aktiv ist, sollte dann noch den Zusatznutzen schaffen, alles zu verlinken, also vom Blog auf Twitter und die Facebook-Seite verweisen und zurück.
Auch in der E-Mail-Signatur sollten natürlich alle Kanäle auftauchen - doch oft fangen die Probleme schon viel früher an: "Mit E-Mail-Adressen wie bienchen28@web.de kann man sich nicht seriös um Aufträge bewerben." Außerdem gehören Telefonnummer und E-Mail-Adresse unter die Nachricht, bei einem Geschäft mit Laufkundschaft auch die Postanschrift.
Wer Vorträge hält, kann seinen nächsten Auftritt in der Signatur nennen. Kixka macht das nun auch so. Immer öfter wird sie jetzt zu Kongressen eingeladen, ihr Thema ist gefragt. Bei diesen Anlässen stößt sie dann meist auf ihre Kunden, die sich über die Infos im Vortrag hinaus noch persönlich beraten lassen.
Was das kostet? "Ich vergleiche meine Leistung immer mit einem guten Friseur, der richtig was an meiner Erscheinung verbessert. Und für den muss ich auch mit 70 Euro aufwärts in der Stunde rechnen." Wer die digitale Dauerwelle oder multimediale Strähnchen wünscht, legt eben noch drauf.
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