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Festival-Veranstalter "Dann wollen die Cola in den 200-Euro-Whiskey!"

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Festival-Fans im Schlamm: "Ein mieser Sommer hat auch Vorteile"

Die Saison ist eröffnet. Hinter den Kulissen eines Musikfestivals geht es sonderbar zu: Ein Organisator erzählt von 60 Tonnen über Nacht herangekarrtem Sand, Hitzerekorden und Schlammschlachten, von Extrawürsten für divenhafte Musiker.

Konrad M. organisiert seit Jahren ein größeres Musikfestival im Westen Deutschlands. Seinen echten Namen möchte er hier aber nicht verraten.

"Wenn nur das Wetter hält. Im vergangenen Jahr hatten wir ein unfassbares Unwetter hier, es war schwärzer als in jedem "Harry Potter"-Film. So was an unserem Festival-Wochenende - das wäre unser Untergang. Es ist nun mal so: Ich kann alles planen, kontrollieren, organisieren. Nur das Wetter eben nicht. 25 Grad wären mir am liebsten.

Die letzten Jahre hatten wir immer mal wieder Pech. Es hat aus allen Wolken geregnet - da kommen natürlich weniger Zuschauer. Und dann auch noch die Pfützen: Sie sind ein Unfallherd, das kann man so nicht lassen. Also haben wir schon mal über Nacht 60 Tonnen Sand organisiert, um sie zuzuschütten. Unser Netzwerk funktioniert super, da ruft der Karl den Udo an, und morgens um acht stehen ein paar Laster da. Jeder bekommt eine Schaufel in die Hand gedrückt, so geht das.

Die Zahl unserer Zuschauer liegt im hohen fünfstelligen Bereich, viele kommen auch spontan. Es ist nicht wie "Rock am Ring" oder "Wacken", wo die Leute einfach über Nacht bleiben. Es geht etwas spartanischer zu, schon allein im Backstage-Bereich. Da können die Kollegen von "Rock am Ring" nur lachen, denn die haben jede Menge Platz. Die Künstler, die bei uns auftreten, müssen schon etwas enger zusammenrücken.

Diven gibt's wirklich in jeder Preisklasse

Es gibt Musiker, die treten für 10.000 Euro auf, ich habe auch sechsstellige Angebote auf dem Tisch. Das hängt von der Bekanntheit des Künstlers ab. Mit der Dauer ihres Auftritts hat es nichts zu tun. Nur ein, zwei Lieder spielen und wieder gehen, das macht sowieso keiner. Und wenn, dann würde deren Agent sagen: 'Lassen Sie uns mal kurz allein' und die Sache regeln. Ehrlich, es gibt keine Band, die nicht scharf darauf ist, mindestens eine Stunde zu spielen.

Die Unterschiede sieht man eher an den Listen, die wir vorher kriegen - die einen schicken seitenweise Sonderwünsche, die anderen halten's schlicht, sind dann aber vor Ort anstrengend. Und das hat nichts damit zu tun, welchen Status die Band hat. Diven gibt's wirklich in jeder Preisklasse.

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Typologie der Festivalbesucher: Flirter, Jünger, Vandale, Kinnbart
Ihre Wünsche erfüllen wir natürlich trotzdem so gut es geht. Wobei ich schon manchmal denke: Mein Gott, die haben einen Knall. Gut, da hat einer Laktose-Intoleranz, das kann ich verstehen. Aber zehn Seiten mit Wünschen fürs Catering? Kein Mensch kann so viel essen! Weil sie ja nie wissen, worauf sie an einem bestimmten Tag Appetit haben, schreiben sie halt einfach alles auf, was sie gern essen.

Unter uns: Ich würde es nicht anders machen. Wenn ich Künstler wäre und auf Tour wochenlang immer nur Container und Tageszimmer in Hotels sähe, nur Hotelessen bekäme, dann hätte ich auch Lust auf ein Spiegelei wie von Mama.

Eigene Notfallnummer nur fürs Gelände

Bei uns bestand mal einer auf schwarzen Handtüchern, keine Ahnung warum. Eine andere Band wollte einen Whiskey für 200 Euro. Aber dann stand auch dabei, dass sie den mit Cola auf Eis trinken. Den teuren Whiskey! Ehrlich, bei solchen Leuten stimmt irgendetwas nicht, ich habe dann da angerufen und gesagt, dass das nicht geht. Wenn einer unbedingt auf einer schwarzen Ledercouch für Backstage besteht, haben wir oft einfach eine aus irgendeinem Jugendzentrum ausgeliehen. Die hatte halt dann leichte Gebrauchsspuren.

Bei den Technikwünschen ist ein Trend deutlich: Es wird immer aufwendiger. Als Peter Fox vor ein paar Jahren bei uns auftrat, haben die eine komplette LED-Videowand mitgebracht. Mit 20 Mann haben wir die ganze Nacht durchgearbeitet, um das Ding aufzubauen. Für einen einzigen Act! Es war spektakulär - aber das muss nicht unbedingt noch einmal sein.

In jenem Sommer hatten wir einen Hitzerekord. Wir hatten extra Leute vorne an der Bühne postiert, die regelmäßig die Zuschauer mit einem Schlauch bespritzt haben. Wenn man sich bei so einem Wetter schon mittags dorthin stellt, um abends seinen Star zu sehen, kippt man leicht um. Deshalb haben wir auch fast ein kleines medizinisches Ambulanzzentrum hier, es gibt sogar eine eigene Notfallnummer nur fürs Gelände.

Ein mieser Sommer hat aber auch Vorteile: Bei schlechtem Wetter gibt es immerhin weniger Alkohol- und Kreislaufprobleme. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, haben wir schon einen Wetterdienst eigens für unser Festival beauftragt. Die haben uns unsere eigene Wetterprognose berechnet.

Eigentlich sollte jetzt nichts mehr schiefgehen. Aber hundertprozentig sicher ist keine Veranstaltung. Die Festivaltragödien im vergangenen Jahr haben ja gezeigt, wie schnell es brenzlig werden kann, gerade bei Sommergewittern."

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insgesamt 57 Beiträge
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1.
pepe_sargnagel 14.06.2013
Zitat von sysopDPADie Saison ist eröffnet. Hinter den Kulissen eines Musikfestivals geht es sonderbar zu: Ein Organisator erzählt von 60 Tonnen über Nacht herangekarrten Sand, Hitzerekorden und Schlammschlachten, von Extrawürsten für divenhafte Musiker. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/hinter-den-kulissen-eines-musikfestivals-a-863032.html
Ein Festival-Veranstalter: "Dann wollen die Cola in den 200-Euro-Whiskey!" Spricht er über die unverschämt hohen Getränkepreise auf den Festivals, die den Gästen zugemutet werden? War mein erster Gedanke, als ich diese Überschrift gelesen hab.
2. Diese
paulx3 14.06.2013
Typologie der Festivalbesucher scheint nur darauf ausgelegt zu sein, was für Knallköppe ein Festival besuchen...
3. ohne Cola: 199,- €
cassandros 14.06.2013
Zitat von pepe_sargnagelEin Festival-Veranstalter: "Dann wollen die Cola in den 200-Euro-Whiskey!" Spricht er über die unverschämt hohen Getränkepreise auf den Festivals, die den Gästen zugemutet werden? War mein erster Gedanke, als ich diese Überschrift gelesen hab.
Nein. Gemeint sind Getränke dieser Art: Unsere Whiskies : 40 Jahre : Glenfarclas (http://www.glenfarclas.co.uk/de/pages/114,40-Jahre.html) Für 1 Flasche dieses Alters sind schon einmal 200,- € fällig. Es soll Menschen geben - obschon man es nicht glauben möchte - die Zuckerkoffeinbrause in solch edle Gär- und Destillationsprodukte gießen! Shocking!
4. Na dann sollten
hermes69 14.06.2013
Zitat von pepe_sargnagelEin Festival-Veranstalter: "Dann wollen die Cola in den 200-Euro-Whiskey!" Spricht er über die unverschämt hohen Getränkepreise auf den Festivals, die den Gästen zugemutet werden? War mein erster Gedanke, als ich diese Überschrift gelesen hab.
sie sich mal darüber informieren wer die Kohle einsackt. idR läuft es nämlich so, dass der externe Caterer dem VA einen Betrag X pro Besucher zahlt. Da würden sie mit den Ohren schlackern wenn sie wüssten wie wenig dabei am Ende rumkommt. Zumal sie dabei niemals die Kosten die entstehen vergessen sollten. Da häuft sich was an. Der VA verdient an der gesamten Geschichte so wenig das die meisten Menschen die immer auf die bösen, profitgierigen VA schimpfen, ganz kleinlaut werden.
5.
pepe_sargnagel 14.06.2013
Zitat von paulx3Typologie der Festivalbesucher scheint nur darauf ausgelegt zu sein, was für Knallköppe ein Festival besuchen...
Das gleiche könnte man faktisch bei allen Veranstaltungen fragen. Welche Knallköpfe besuchen Opern, Tennisspiel, Fußballspiele, Rockkonzerte, Diskussionsrunden, ... Eine sehr subjektive Betrachtungsweise. Deswegen sind aber nicht alle Personen, die eine Veranstaltung besuchen, die ich nicht besuchen würde aus meiner Sicht Knallköpfe (außer sie verstehen den Begriff positiv belegt, denn diese Zuschauer schaffen häufig gute Stimmung und gute Laune für die anderen)...
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