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Achterbahntester Ingenieur im Adrenalin-Rausch

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DPA

Sicherheitsingenieur Falk: TÜV für die Holzachterbahn

Loopings sind für ihn Routine, Höhenangst kennt er nicht. Und wo andere kreischen, bleibt Christian Falk cool. Für den TÜV prüft der Ingenieur Achterbahnen und sorgt in Freizeitparks für Sicherheit. Sein letztes Projekt: Wodan, ein Ungetüm aus 21.000 Holzbalken.

Auf Wodans Spitze pfeift der Wind. Christian Falk steht in 40 Metern Höhe und trägt einen blauen Helm. Unter ihm türmen sich Tausende Balken zur neuesten Attraktion des Europa-Parks in Rust auf - einer Achterbahn ganz aus Holz. Seit wenigen Wochen rauschen bis zu 18.000 Menschen pro Tag über die Schienenstränge mit dem martialischen Namen.

Falk, 40, durfte schon lange vor der Premierenfahrt am 31. März einsteigen und den knapp dreieinhalb Minuten langen Adrenalin-Kick bei über 100 Stundenkilometern erleben. Aus rein beruflichen Gründen. Denn Falk ist Sicherheitsingenieur des TÜV Süd. "Wir arbeiten, damit sich andere sorgenlos ins Vergnügen stürzen können. Unser Job ist es, auch die kleinste lockere Schraube zu entdecken", sagt er.

Ingenieure konstruieren solche spektakulären Bahnen, Ingenieure kontrollieren sie auch. Bei Wodan - der Name stammt von einem alten Germanen-Gott - könnte es davon mehr als genug geben. Etwa 100.000 Schraubenverbindungen und zwei Millionen Nägel halten die 315 Tonnen-Konstruktion, die im Island-Themenbereich des Parks steht, zusammen. Falk und seine Kollegen kontrollieren zusätzlich die Stahl- und Elektronikteile, das Bremssystem und die Sicherheitsbügel der Sitze.

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Dazu gehört auch das Mitfahren. Doch bevor der Ingenieur und sein Team zugestiegen sind, setzten sie Testpuppen in Fahrt. Die wurden mit Wasser gefüllt und auf den Achterbahnsitzen platziert. Mit Größe und Gewicht simulieren sie die Passagiere.

Für Bauingenieur Falk ist Wodan ungewohntes Terrain: Neue Achterbahnen aus Holz wie die in Deutschlands größtem Freizeitpark sind in dieser Größenordnung selten. Der Spezialist für Fahrattraktionen in Vergnügungsparks und auf Volksfesten nimmt auch Kinderkarussells und Wildwasserbahnen unter die Lupe. Bevor ein Fahrgeschäft freigegeben wird, wird es wie jede andere Maschine vom TÜV getestet.

"Bei der Beschleunigung ist die Grenze erreicht"

Falk reist für diese Job rund um die Welt. "Erstens prüfen wir die technischen Unterlagen und zweitens die Anlage an sich", sagt er. Für den Sicherheitscheck klettern die Ingenieure über Schienen und auf Türme. Ein mulmiges Gefühl dürfen sie nicht haben, sie müssen zu 100 Prozent schwindelfrei sein. Das wird regelmäßig von einem Arbeitsmediziner überprüft.

Die Fahrt mit Achterbahnen soll bewusst als gefährlich empfunden werden. In Wirklichkeit ist sie es nicht, sagt Falk. Nach menschlichem Ermessen könne kein Unfall passieren: "Wenn die Besucher mit dem Auto kommen, dann haben sie den gefährlichen Teil des Tages eigentlich schon hinter sich. Hundertprozentige Sicherheit gebe es jedoch auch nicht. "Überlebenswahrscheinlichkeit" heißt das im Ingenieurs-Deutsch.

Fahrattraktionen in Freizeitparks und auf Volksfesten müssen mindestens einmal jährlich vom TÜV überprüft werden. Denn sie sind im Dauereinsatz, transportieren Millionen Menschen. Ausgelegt sind sie auf eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren, die meisten sind aber weitaus länger in Betrieb. Extreme Neuheiten erwartet Falk nicht mehr: "Bei der Beschleunigung ist die Grenze erreicht. Mehr geht nicht, das sagen uns die Werte der Flugmedizin."

Privat steigen die Achterbahntester eher selten in Fahrgeschäfte. "In der Freizeit mag ich es gemütlich", sagt der TÜV-Experte. Den Spaß am Fahren während der Arbeitszeit hat Falk sich aber erhalten, trotz der beruflichen Routine. Und mit seinen beiden Töchtern geht es jedes Jahr aufs Oktoberfest - Fahrt auf der Achterbahn inklusive.

Jürgen Ruf, dpa/jör

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