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Hürdenlauf zum MBA-Studium Der erste Härtetest

Wer sich um einen MBA-Studienplatz bewirbt, kommt an diesem Test kaum vorbei: Höhere Mathematik, Essays, Textaufgaben, und das alles in gepflegtem Englisch - an weltweit über 5000 Wirtschaftsschulen ist der GMAT ein harter Brocken. Probieren Sie's mal aus.

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MBA: Business Schools mit weltweitem Renommee
Wann haben Sie zuletzt die Kantenlänge von gleichschenkligen Dreiecken berechnet? Oder knifflige Textaufgaben gelöst und Textpassagen interpretiert? Wer sich mit dem Graduate Management Admission Test (GMAT) beschäftigt, fühlt sich schnell an die Schulzeit erinnert. International gibt es kaum eine größere Business School, die darauf verzichtet.

Dreieinhalb Stunden dauert die Prüfung, bei der Interessenten zeigen sollen, ob sie das Zeug zum MBA-Studium haben. Gemessen werden verbale, mathematische und logische Fähigkeiten. Der Test läuft ausschließlich auf Englisch und immer am Computer. Besonders tricky: Je nachdem, ob eine Frage richtig oder falsch beantwortet wurde, wählt der Computer den Schwierigkeitsgrad der nächsten Frage aus. Wer also bereits am Anfang Fehler macht, hat kaum noch Chancen, am Ende einen sehr hohen Punktwert zu erreichen.

Der kann zwischen 200 und 800 Punkten liegen, üblich sind Ergebnisse zwischen 400 und 600 Punkten. Dabei gilt: Je renommierter eine Schule, desto höher ist auch der durchschnittliche GMAT-Wert ihrer Studenten. In Stanford und an der Wharton School liegt er derzeit bei 730, in Oxford bei 685.

Wer bestehen will, muss trainieren

Dabei betonen alle Schulen, dass der GMAT lediglich eines von mehreren Aufnahmekriterien ist. Nur wenn Studiennoten, Testergebnisse sowie berufliche Leistungen und Referenzen stimmen, gibt es einen der begehrten Studienplätze. "Ein hoher GMAT-Wert allein sichert nicht die Zulassung, aber ein niedriger Wert schließt einen oft vom weiteren Bewerbungsprozess aus", so fasst es Jörn Meissner zusammen. Bei einer Topschule sei ein Wert von 650 schon das absolute Minimum, sagt der Inhaber von Manhattan Review, einem Anbieter von GMAT-Vorbereitungskursen, von dem auch die Übungsfragen in unserem Quiz stammen.

Je klangvoller der Name einer Wirtschaftsschule, desto höher der Bewerberandrang und die Testanforderungen. "Der Schlüssel heißt: üben, üben und noch mal üben", sagt Meissner und gibt als groben Richtwert hundert Stunden Büffeln an.

Wie man sich vorbereitet, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Manche setzen sich jeden Abend hin und arbeiten den "Official Guide to GMAT Review" durch, andere trainieren mit der kostenlosen Software GMATPrep am Computer oder besuchen Vorbereitungskurse.

Wie der Test funktioniert

Der GMAT gliedert sich in mehrere Abschnitte. Zunächst müssen die Kandidaten zwei je halbstündige Essays verfassen. Es geht darum, seine Meinung zu einem vorgegebenen Thema gut begründet darzustellen. Beim zweiten Essay soll eine vorgegebene Argumentationskette stichhaltig kritisiert werden.

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Es folgen Multiple-Choice-Sektionen. Bei den quantitativen Fragen gibt es zwei Typen. Beim Mathematik-Abschnitt "Problem Solving" muss man Textausgaben aus den Bereichen Algebra, elementare Geometrie, Prozentrechnung und Statistik lösen. Besonders knifflig sind die Fragen zu "Data Sufficiency": Statt nur das Ergebnis der Aufgabe zu ermitteln, soll man beantworten, welche der beiden vorgegebenen Informationen zur Lösung benötigt werden.

Zum verbalen Teil zählen Fragen zum Verständnis und zur Interpretation von Textpassagen (Reading Comprehension), logische Schlussfolgerungen (Critical Reasoning) und die Auswahl der sprachlich effizientesten Lösung (Sentence Correction) - ein harter Brocken gerade für Teilnehmer, deren Muttersprache nicht Englisch ist.

Ab Juni verändert sich der Test. Der "Next Generation GMAT" enthält eine neue Sektion "Integrated Reasoning" mit vier Fragetypen. Die Bewerber müssen Tabellen und Graphiken analysieren, verschiedene Quellen akkumulieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Dafür fällt eines der beiden Essays weg, an der Gesamtdauer ändert sich daher nichts.

Im Geschäftsleben zählen Zahlen

Die neue Sektion ist auch eine Reaktion auf die Kritik, dass die Testaufgaben nicht mehr den komplexen Aufgaben eines Managers gerecht werden. Doch besteht überhaupt ein klarer Zusammenhang zwischen einem Prüfungsergebnis und dem Studienerfolg? "Bewerber mit einem guten GMAT-Score gehören meist auch zu den besten Studenten", sagt Heidrun Hoffmann, Programm-Managerin für den MBA an der Koblenzer WHU. Das bestätigt auch Jörn Meissner, der sechs Jahre im MBA-Programm an der britischen Lancaster Universität unterrichtet hat. Ein guter Manager brauche nun mal gute analytische Fähigkeiten - im Geschäftsleben gehe es letztlich immer um Zahlen.

Vom GMAT verschont bleiben die Bewerber einiger Executive-MBA-Programme. Wer sich hier bewirbt, hat meist bereits berufliche Erfolge vorzuweisen und damit bewiesen, dass er analytisch denken kann. Auch eine Promotion oder ein PhD befreit Kandidaten oft davon, gleichschenklige Dreiecke berechnen zu müssen.

Verwaltet wird der Test vom Graduate Management Admission Council (GMAC), einer Nonprofit-Organisation, hinter der zahlreiche Business Schools stehen. Die Teilnahme kostet 250 Dollar, die Anmeldung erfolgt zentral über die Website www.mba.com. In den dort ausgewiesenen Zentren absolviert man den Test - und bekommt direkt danach das Ergebnis der Multiple-Choice-Fragen. Die Essays werden später ausgewertet.

Manche Bewerber nehmen ein Dutzend Anläufe

Das offizielle Ergebnis wird vom GMAC an die Schulen geschickt, die der Kandidat angibt. Experte Meissner empfiehlt, zunächst immer das Ergebnis abzuwarten und dann erst die Schulen anzugeben - selbst wenn das zusätzliche Gebühren kostet. Denn schneidet man schlecht ab, bekommen die Schulen automatisch auch den niedrigen Wert.

Wiederholen kann man den Test aber problemlos. "Koreaner und Japaner machen ihn mitunter sogar zwölf Mal", weiß Caroline Diarte Edwards, Zulassungsdirektrorin an der französischen Vorzeigeschule Insead. Das sei kein K.o-Kriterium, aber besser sehe es natürlich aus, wenn man schon beim ersten Mal gut abgeschnitten hat. "Die meisten schaffen es beim zweiten oder dritten Mal", sagt WHU-Mitarbeiterin Hoffmann. Dort gilt ein Wert von 600 als Minimum.

Manche Schulen bestehen auch darauf, dass Bewerber den Test noch einmal machen, obwohl sie bereits zugelassen wurden. So wollen sie ihre eigene Statistik verbessern. Denn ein hoher Durchschnittswert steigert das Prestige, wirklich nur die klügsten Köpfe zuzulassen. Das ist wichtig für die Akkreditierung der Schule und einige Rankings - und es beeindruckt auch potentielle Arbeitgeber der Absolventen.

Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass der GMAT deutlich Amerika-lastig ist und dass Bewerber aus Ländern, die nicht mit Multiple-Choice-Tests und (amerikanischem) Englisch vertraut sind, daher Nachteile haben. Das weiß auch Testexperte Meissner: "Der größte Fehler der Deutschen ist es, dass sie den Test nicht ernst nehmen."

  • Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA und betreibt das Blog "Schwertfeger-MBA-Channel".

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. Höhere Mathematik?
heineborel 10.02.2012
Zitat von sysopWer sich um einen MBA-Studienplatz bewirbt, kommt an diesem Test kaum vorbei: Höhere Mathematik, Essays, Textaufgaben, und das alles in gepflegtem Englisch - an weltweit über 5000 Wirtschaftsschulen ist der GMAT ein harter Brocken. Probieren Sie's mal aus. Hürdenlauf zum MBA-Studium: Der erste Härtetest - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,814404,00.html)
Das ist Mathe auf Realschulniveau, die echte Herausforderung an diesen Tests ist die knapp bemessene Zeit. Höhere Mathematik beginnt für mich bei Differenzial- und Integralrechnung. Bei diesen Test (ob GMAT oder GRE) reicht es wenn man logisch denken und (lineare) Gleichungen aufstellen und lösen kann und noch ein wenig elementare Geometriekenntnisse mitbringt. Ich will damit nicht sagen dass dieser Test einfach ist, Übung macht hier definitiv den Meister, aber vom mathematischen Anspruch her ist der Test relativ leicht...
2. Englischkenntnisse
ASDFZUIOP 10.02.2012
Zitat von heineborelDas ist Mathe auf Realschulniveau, die echte Herausforderung an diesen Tests ist die knapp bemessene Zeit. Höhere Mathematik beginnt für mich bei Differenzial- und Integralrechnung. Bei diesen Test (ob GMAT oder GRE) reicht es wenn man logisch denken und (lineare) Gleichungen aufstellen und lösen kann und noch ein wenig elementare Geometriekenntnisse mitbringt. Ich will damit nicht sagen dass dieser Test einfach ist, Übung macht hier definitiv den Meister, aber vom mathematischen Anspruch her ist der Test relativ leicht...
Würde ich so unterschreiben. Das Problem ist tatsächlich die englische Sprache. Wenn man nicht weiß, dass "equal triangle" gleichschenkliges und nicht gleichseitiges Dreieck bedeutet, helfen einem die besten Mathekenntnisse nicht. Auch die Textaufgaben waren sehr fordernd. Auf Deutsch wäre der Test allerdings ein Klacks.
3. .
new-yorker 10.02.2012
Zitat von ASDFZUIOPWürde ich so unterschreiben. Das Problem ist tatsächlich die englische Sprache. Wenn man nicht weiß, dass "equal triangle" gleichschenkliges und nicht gleichseitiges Dreieck bedeutet, helfen einem die besten Mathekenntnisse nicht. Auch die Textaufgaben waren sehr fordernd. Auf Deutsch wäre der Test allerdings ein Klacks.
Die hearte sind nicht die Aufgaben an sich, sondern der sehr knapp bemessene Zeithorizont, den man hat. Und man muss eine Tonne an Fragen beantworten, steht also mehrer Stunden total unter strom und muss die erste Frage genauso fix beantworten koennen wie die letzte. Und eine Frage mehr oder weniger richtig beantwortet kann am Ende den utnerschied zwischen Annahme und Ablehnung an der Wunschuni ausmachen. Kenne genug Leute, die um 2-4 Punkte verbesserung ihrer Ergebnisse den Test oft wiederholt haben.
4.
RainerKrauss 11.02.2012
Frage 2: 40.000 ist also 50% größer als 80.000? Mir kommen so einige Antworten bei dem Test SEHR merkwürdig vor. Nicht nur diese.
5.
Vorzeichen 11.02.2012
Zitat von RainerKraussFrage 2: ... Mir kommen so einige Antworten bei dem Test SEHR merkwürdig vor. Nicht nur diese.
Es ist schon erstaunlich genug, wie man aus R > S mal eben R < S folgert und dann einfache Arithmetik betreint. Dabei ist schon die Formulierung "is 50% greater than" mitnichten dasselbe wie S = 2R (oder R = 2S, das ist wegen des ersten Fehlers ja nicht klar). Der Aufgabentyp ist ja interessant, aber wenn dann soviel Bockmist drin vorkommt, wundert es mich nicht, wenn MBA-Absolventen nicht mal mit Excelsheets klarkommen. Also: Aus "capacity(S) is 50% greater than capacity(R)" und capacity(R) = 40 würde ich capacity(S) = 60 folgern. R ist zu 90% voll (R=36) und S ergibt sich zu 60*0.4 = 24, Delta ist 12. Als Mathematiker kann mir egal sein, ob da am Ende 9 oder 12 herauskommt, andererseits ist das eine Abwechung um ein Drittel. In wirtschaftlichen Zusammenhängen ist das schon was.
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