Von Bärbel Schwertfeger
Dreieinhalb Stunden dauert die Prüfung, bei der Interessenten zeigen sollen, ob sie das Zeug zum MBA-Studium haben. Gemessen werden verbale, mathematische und logische Fähigkeiten. Der Test läuft ausschließlich auf Englisch und immer am Computer. Besonders tricky: Je nachdem, ob eine Frage richtig oder falsch beantwortet wurde, wählt der Computer den Schwierigkeitsgrad der nächsten Frage aus. Wer also bereits am Anfang Fehler macht, hat kaum noch Chancen, am Ende einen sehr hohen Punktwert zu erreichen.
Der kann zwischen 200 und 800 Punkten liegen, üblich sind Ergebnisse zwischen 400 und 600 Punkten. Dabei gilt: Je renommierter eine Schule, desto höher ist auch der durchschnittliche GMAT-Wert ihrer Studenten. In Stanford und an der Wharton School liegt er derzeit bei 730, in Oxford bei 685.
Wer bestehen will, muss trainieren
Dabei betonen alle Schulen, dass der GMAT lediglich eines von mehreren Aufnahmekriterien ist. Nur wenn Studiennoten, Testergebnisse sowie berufliche Leistungen und Referenzen stimmen, gibt es einen der begehrten Studienplätze. "Ein hoher GMAT-Wert allein sichert nicht die Zulassung, aber ein niedriger Wert schließt einen oft vom weiteren Bewerbungsprozess aus", so fasst es Jörn Meissner zusammen. Bei einer Topschule sei ein Wert von 650 schon das absolute Minimum, sagt der Inhaber von Manhattan Review, einem Anbieter von GMAT-Vorbereitungskursen, von dem auch die Übungsfragen in unserem Quiz stammen.
Je klangvoller der Name einer Wirtschaftsschule, desto höher der Bewerberandrang und die Testanforderungen. "Der Schlüssel heißt: üben, üben und noch mal üben", sagt Meissner und gibt als groben Richtwert hundert Stunden Büffeln an.
Wie man sich vorbereitet, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Manche setzen sich jeden Abend hin und arbeiten den "Official Guide to GMAT Review" durch, andere trainieren mit der kostenlosen Software GMATPrep am Computer oder besuchen Vorbereitungskurse.
Wie der Test funktioniert
Der GMAT gliedert sich in mehrere Abschnitte. Zunächst müssen die Kandidaten zwei je halbstündige Essays verfassen. Es geht darum, seine Meinung zu einem vorgegebenen Thema gut begründet darzustellen. Beim zweiten Essay soll eine vorgegebene Argumentationskette stichhaltig kritisiert werden.
Zum verbalen Teil zählen Fragen zum Verständnis und zur Interpretation von Textpassagen (Reading Comprehension), logische Schlussfolgerungen (Critical Reasoning) und die Auswahl der sprachlich effizientesten Lösung (Sentence Correction) - ein harter Brocken gerade für Teilnehmer, deren Muttersprache nicht Englisch ist.
Ab Juni verändert sich der Test. Der "Next Generation GMAT" enthält eine neue Sektion "Integrated Reasoning" mit vier Fragetypen. Die Bewerber müssen Tabellen und Graphiken analysieren, verschiedene Quellen akkumulieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Dafür fällt eines der beiden Essays weg, an der Gesamtdauer ändert sich daher nichts.
Im Geschäftsleben zählen Zahlen
Die neue Sektion ist auch eine Reaktion auf die Kritik, dass die Testaufgaben nicht mehr den komplexen Aufgaben eines Managers gerecht werden. Doch besteht überhaupt ein klarer Zusammenhang zwischen einem Prüfungsergebnis und dem Studienerfolg? "Bewerber mit einem guten GMAT-Score gehören meist auch zu den besten Studenten", sagt Heidrun Hoffmann, Programm-Managerin für den MBA an der Koblenzer WHU. Das bestätigt auch Jörn Meissner, der sechs Jahre im MBA-Programm an der britischen Lancaster Universität unterrichtet hat. Ein guter Manager brauche nun mal gute analytische Fähigkeiten - im Geschäftsleben gehe es letztlich immer um Zahlen.
Vom GMAT verschont bleiben die Bewerber einiger Executive-MBA-Programme. Wer sich hier bewirbt, hat meist bereits berufliche Erfolge vorzuweisen und damit bewiesen, dass er analytisch denken kann. Auch eine Promotion oder ein PhD befreit Kandidaten oft davon, gleichschenklige Dreiecke berechnen zu müssen.
Verwaltet wird der Test vom Graduate Management Admission Council (GMAC), einer Nonprofit-Organisation, hinter der zahlreiche Business Schools stehen. Die Teilnahme kostet 250 Dollar, die Anmeldung erfolgt zentral über die Website www.mba.com. In den dort ausgewiesenen Zentren absolviert man den Test - und bekommt direkt danach das Ergebnis der Multiple-Choice-Fragen. Die Essays werden später ausgewertet.
Manche Bewerber nehmen ein Dutzend Anläufe
Das offizielle Ergebnis wird vom GMAC an die Schulen geschickt, die der Kandidat angibt. Experte Meissner empfiehlt, zunächst immer das Ergebnis abzuwarten und dann erst die Schulen anzugeben - selbst wenn das zusätzliche Gebühren kostet. Denn schneidet man schlecht ab, bekommen die Schulen automatisch auch den niedrigen Wert.
Wiederholen kann man den Test aber problemlos. "Koreaner und Japaner machen ihn mitunter sogar zwölf Mal", weiß Caroline Diarte Edwards, Zulassungsdirektrorin an der französischen Vorzeigeschule Insead. Das sei kein K.o-Kriterium, aber besser sehe es natürlich aus, wenn man schon beim ersten Mal gut abgeschnitten hat. "Die meisten schaffen es beim zweiten oder dritten Mal", sagt WHU-Mitarbeiterin Hoffmann. Dort gilt ein Wert von 600 als Minimum.
Manche Schulen bestehen auch darauf, dass Bewerber den Test noch einmal machen, obwohl sie bereits zugelassen wurden. So wollen sie ihre eigene Statistik verbessern. Denn ein hoher Durchschnittswert steigert das Prestige, wirklich nur die klügsten Köpfe zuzulassen. Das ist wichtig für die Akkreditierung der Schule und einige Rankings - und es beeindruckt auch potentielle Arbeitgeber der Absolventen.
Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass der GMAT deutlich Amerika-lastig ist und dass Bewerber aus Ländern, die nicht mit Multiple-Choice-Tests und (amerikanischem) Englisch vertraut sind, daher Nachteile haben. Das weiß auch Testexperte Meissner: "Der größte Fehler der Deutschen ist es, dass sie den Test nicht ernst nehmen."
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