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In der Daddel-Falle Wie man sich selbst austrickst

Arbeits-Ablenkungen: Wo war ich gerade? Fotos
TMN

Das Internet ist eine großartige Erfindung - und die schlimmste Störquelle im Büroalltag. Es gibt so viele kleine Zeitfresser, die den Insbürogeher von der Arbeit ablenken. Mit Spezialprogrammen kann man sie ausblenden. Und braucht trotzdem einen starken Willen.

Worum ging's grad noch mal…? Ach ja: Viele kleine Ablenkungen bremsen die Arbeit am Computer enorm. Ewig lockt ein kleiner Chat mit den Facebook-Freunden, einer postet dieses fluffige Tier-Video, die Lieblings-Nachrichtenseite kommentiert den Rücktritt des Bundespräsidenten, und unablässig klackern neue E-Mails in die Mailbox. Diese fiesen kleinen Zeitfresser. Und dabei sollte man sich doch unbedingt nur mit dieser einen wichtigen Sache beschäftigen. Klappt wieder nicht.

Wo die Aufschieberitis grassiert, im Fachbegriff Prokrastination, hat die Wissenschaft einen wenngleich schwachen Trost: Dass wir Menschen uns so leicht ablenken lassen, ist ein Resultat der Evolution. Sobald sich in der Umgebung etwas rührt, richtet sich die Aufmerksamkeit darauf. Man kennt das aus südeuropäischen Kneipen, wo stets der Fernseher läuft - auch wer sich eigentlich gar nicht für das Spiel von Osasuna gegen Getafe interessiert, schaut immer wieder hin. Weil sich da was bewegt.

Orientierungsreaktion nennen das Psychologen. Früher diente das dem Überleben. Es könnte ja ein Säbelzahntiger um die Ecke biegen. Im Büroalltag kommen Säbelzahntiger eher selten vor und andere lebensgefährliche Bedrohungen ebenso wenig. Der Instinkt aber bleibt. Und der werde in der "schnelllebigen Arbeitswelt" mit zahlreichen Ablenkungen gefüttert, sagt Andreas Zimber von der Fachhochschule Heidelberg. Etwa mit den immer wieder aufpoppenden E-Mails, der modernen Büroseuche. Hinzu kommt: "Weil das Medium so schnell ist, erwarten alle, dass man auch schnell antwortet", sagt der Professor für Wirtschaftspsychologie.

"Da regiert das Lustprinzip"

Daraus ergeben sich zwei Probleme. Zum einen fehle häufig die Konzentration für wichtige Aufgaben, sagt Zimber: "Aus Befragungen wissen wir, dass Unterbrechungen der Arbeit als eine Haupt-Störungsquelle gelten." Wer sich nur einem Thema widmet, arbeitet effizienter, muss sich aber trotzdem weniger anstrengen. Zum anderen böten die vielen Ablenkungen dankbare Gelegenheiten, um unliebsame Punkte auf der To-do-Liste zu umgehen: "Da regiert das Lustprinzip, ich wähle die angenehme Aufgabe."

Also ist Disziplin gefragt, es ist ein ständiges Ringen mit sich selbst. Was tun? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung - es hilft herauszufinden, womit man eigentlich jeden Tag seine Arbeitszeit verdaddelt. Zum Beispiel mit dem Zeitfressermesser von KarriereSPIEGEL: ein simples Online-Tool, mit dem man verschiedene Tätigkeiten abstoppen kann, die Uhr läuft im Hintergrund mit.

Auch einige Spezialprogramme erfassen, wie viel Zeit für welche Aktivitäten draufgeht. Die Software RescueTime für Windows- und Mac-Computer dokumentiert in der kostenlosen Basisversion, welche Programme und Web-Seiten geöffnet sind; die kostenpflichtige Variante bricht den Zeitverbrauch auf einzelne Dokumente herunter. Beides kann entlarvend sein. Zudem bietet das Programm an, für eine "Focus Time" bestimmte Aktivitäten zu blockieren.

Gute Seiten, böse Seiten

Psychologe Zimber rät zu einer Abschottungsstrategie. Wer kann, sollte feste Büro- und Sprechzeiten einrichten, für wichtige Aufgaben das E-Mail-Fach schließen und seine zeitweilige Isolation auch offensiv nach außen zu kommunizieren. So seien nicht drei oder vier Informationskanäle gleichzeitig offen. "Das wird von den Kollegen in der Regel akzeptiert", sagt Zimber. Auch wenn man Telefonate phasenweise per Anrufbeantworter vermeidet, ist selten jemand böse.

Einige Textverarbeitungsprogramme machen von sich aus die Schotten dicht. Der Focus Writer zum Beispiel überdeckt alle offenen Fenster und zeigt nur den Text in einer reduzierten Ansicht. Die Bedienung taucht erst auf, wenn Nutzer den Mauszeiger zum Bildschirmrand bewegen. Wer sich motivieren will, kann sich Schreibziele setzen, entweder eine bestimmte Dauer oder eine bestimmte Zahl an Wörtern. Das kostenlose Programm läuft auf Windows, Mac OS X und Linux.

Oft lauert die Ablenkung aber woanders - etwa wenn man etwas Wichtiges im Internet nachgucken muss, aber dann doch bei YouTube hängenbleibt. Zwei Browser-Erweiterungen versprechen, zielloses Surfen zu stoppen. Stay Focused begrenzt für Chrome die Online-Zeit auf ein frei einstellbares Limit. Welche Websites auf die Tabu-Liste sollen, bestimmen Nutzer selbst. So lassen sich typische Zeitkiller wie Videoportale, Spiele oder soziale Netzwerke ausblenden, nützliche Seiten wie Wörterbücher oder Wikipedia bleiben zugänglich.

Gewiefte Selbstbetrüger umgehen jede Sperre

Leech Block erledigt den gleichen Job für Firefox oder den Explorer: Wer eine blockierte Seite aufruft, bekommt ein Verbotsschild zu sehen. Der kostenlose URL-Blocker arbeitet unabhängig vom Browser.

Freiberufler, deren Zuhause zugleich ihr Büro ist, tun sich einen Gefallen, wenn sie für Arbeit und Freizeit jeweils einen eigenen Rechner haben. So lässt sich die Informationsflut kanalisieren, man kommt nicht so leicht auf dumme Gedanken. Und bei den Hardware-Preisen von heute ist ein Zweitrechner auch bezahlbar.

Einen Funken Einsicht braucht es aber immer, und der entsteht meist aus Leidensdruck. Denn zum einen müssen Aufschieber die Zeitkiller ehrlich auflisten - am besten in einem Moment der Reue. Zum anderen können gewiefte Selbstbetrüger auf andere Browser ausweichen oder den Rechner neu starten und so die Programme austricksen.

Wichtig ist, dass die Tools gegen die Ablenkung nicht selbst zur Ablenkung werden. "Technische Hilfen sind nur nützlich, wenn sie nicht noch zusätzlich Arbeit machen", sagt Psychologe Zimber. Und er mahnt: "Technische Lösungen machen nicht das Problem der fehlenden Selbstdisziplin wett."

Von Christof Kerkmann, dpa/jol

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insgesamt 5 Beiträge
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    Seite 1    
1. L'enfer c'est les autres
darkbaroon 18.02.2012
Zitat von sysopDas Internet ist eine großartige Erfindung - und die schlimmste Störquelle im Büroalltag. Es gibt so viele kleine Zeitfresser, die den Insbürogeher von der Arbeit ablenken. Mit Spezialprogrammen kann man sie ausblenden. Und braucht trotzdem einen starken Willen. In der Daddel-Falle: Wie man sich selbst austrickst - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,816004,00.html)
Meiner Meinung nach ist der Groeßte Effizienzvernichter innerhalb der Bürowelt das Großraumbüro. Der ständig wechselnde Laermpegel, die häufige berechtigte oder unberechtigte Störung durch Kollegen die "kurz mal" was wollen, sowie der Zwang sämtliche Telefonate etwas lauterer Kollegen mithören zu muessen (ich bin diesbezüglich selbst eine Katastrophe), ist ein absoluter Effizienzkiller. Traurigerweise verschwenden Arbeitgeber lieber Geld für teure Überwachungsprogrammen oder Blockade-Software anstatt das Geld in ein paar Wände oder Türen zu investieren.
2. jaaaaaaaaaa
faustjucken_tk 18.02.2012
Zitat von darkbaroonMeiner Meinung nach ist der Groeßte Effizienzvernichter innerhalb der Bürowelt das Großraumbüro. Der ständig wechselnde Laermpegel, die häufige berechtigte oder unberechtigte Störung durch Kollegen die "kurz mal" was wollen, sowie der Zwang sämtliche Telefonate etwas lauterer Kollegen mithören zu muessen (ich bin diesbezüglich selbst eine Katastrophe), ist ein absoluter Effizienzkiller. Traurigerweise verschwenden Arbeitgeber lieber Geld für teure Überwachungsprogrammen oder Blockade-Software anstatt das Geld in ein paar Wände oder Türen zu investieren.
Da muss ich Ihnen 100% zustimmen. Ich kenne dieses Problem auch. Mir völlig unverständlich, wieso deutsche Unternehmen diese Unsitte der Amis kopiert haben, Mitarbeiter wie Vieh in Großraumbüros zu pferchen. Und als "Krönung" und Eingeständnis gibt es dann ein Meter große Lärmschutzwände genannt "Cubicles" auf dass der letzte dumme Mitarbeiter erkennt, was er ist, eine zur Schlachtreife (hier Entlassung) hin gezüchtete Eierlegwollmichsau.
3.
Oberleerer 18.02.2012
Es gibt Menschen, die brauchen ihre Ruhe und wollen sich auf eine Sache konzentrieren und das Ergebnis ist meist besser und leider auch aufwändiger, als es gebraucht wird. Diese allerdings erledigen die Arbeit. Sie benutzen email und empfinden es als grobe Belästigung angerufen zu werden und würden dies selber nur im Notfall tun. Es gibt Menschen, die können nicht alleine sein. Die brauchen immer jemand zum Quasseln, die brauchen den Wirbel um sich herum und sind in ihre Netze eingebunden. Denen macht es in der Regel sogar Freude mit anderen Menschen zu tun zu haben. Dieser Menschenschlag ist predestiniert zum Verkäufer und Manager. Er kann viele Dinge gleichzeitig erledigen, wenn auch nur in ausreichender Qualität. Diese Leute reden dann von Teamwork und ein Großraumbüro ist dann ihr bevorzugtes Habitat. Deswegen gibt es diese Managerausrichtung zum Großraumbüro. Ich kann mich mittlerweile ganz gut psychisch vom Großraumrummel abschotten. Der größte Störfaktor ist das Telefon oder die direkte Ansprache von Kollegen, die sich noch scheuen eine mail zu schreiben, weil ich ja nur 2m weg sitze. Dies verursacht: 1. Unterbrechung für die Dauer des Anrufs. 2. Nebenher Zusammendampfung meiner vorherigen Gedanken auf das Nötigste um dann später irgendwie an dem Punkt weitermachen zu können. 3. Gedankliche Nachverarbeitung des mittlerweile beendeten Gespräches, ggf. Ausführung eine Tätigkeit. 4. Remotivation; Nachdenken, was alles zu tun ist, was ich als letztes vor der Unterbrechung tat, Abwägen, ob das noch das Dringlichste ist, Kaffee holen, Arbeit wieder aufnehmen. Mittlerweile benutzen die Kollegen mein Telefon, weil andere Kollegen bei ihren eigenen Rufnummern schon nicht mehr rangehen. Das sagt mir, ICH BIN NICHT ALLEINE! Auffälligerweise sind die Hektiker oft auch Lerchen. So versuche ich nur noch ab 16:00 Uhr zu planen. Der Anfang des Tages wird ganz alleine durch lauter Kleinkram in Echtzeit gefüllt. Von 16-18 Uhr werden dann die Restarbeiten des Tages erledigt, von 18-20 Uhr die Dinge, die ich selber in meinem Gebiet machen will.
4. So möchte ich auch mal arbeiten können
kioto 18.02.2012
Hallo, Obwohl in meiner Firma der Internetzugang kaum kontrolliert wird, habe ich für den im Artikel erwähnten Käse aus dem Internet gar keine Zeit oder müsste noch mehr Überstunden machen (Als AT natürlich unbezahlt) .In 8 (und häufig mehr) Stunden schaffe ich mit Mühe gerade mal die allerwichtigsten Sachen zu erledigen.Alles, was nicht brennt, muss verschoben werden oder sich von selbst erledigen. mfg Kioto
5. Zweitrechner?
keekabes 20.02.2012
Ein Zweitrechner für die Trennung von Spass und Arbeit? Wofür gibt's denn Virtualisierungssoftware, und auch noch gratis?
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