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Innovationen Reinfall? Glücksfall!

Innovationen: Reinfall? Glücksfall! Fotos
Illustration: Mone Beeck/ Foto: Arnt Haug für Harvard Business Manager

Nicht selten kommt das Neue über Umwege in die Welt. Manchmal entsteht es sogar unverhofft. Ob Porzellan oder Teflon, Penicillin oder Viagra - die Geschichte der Forschung ist voll von Zufällen und Fehlern. Und ohne die wäre unsere Welt heute weniger bunt, gesund und annehmlich.

Dem schwäbischen Chemiker Christian Friedrich Schönbein muss gehörig der Schreck in die Glieder gefahren sein: Beim abendlichen Experimentieren in der heimischen Küche hatte er Schwefel- und Salpetersäure verschüttet. Eilig benutzte er eine Schürze seiner Frau zum Aufwischen. Kaum hatte er den Baumwollstoff zum Trocknen über dem Ofen aufgehängt, ging dieser in Flammen auf und verpuffte.

Was Schönbein da per Zufall entdeckt hatte, war Zellulosenitrat, ein Stoff, der bei der Umsetzung von Zellulose mit Nitriersäure entsteht und wegen seiner explosiven Eigenschaften später auch als Komponente für Raketentreibstoff genutzt wurde.

Die Welt der Forschung ist voll von Errungenschaften, die zunächst beinahe auf dem Müll gelandet wären - wenn es nicht findige Köpfe gegeben hätte, die ahnten, dass man nicht immer bekommt, was man will, aber häufig das, was man braucht. Eine kleine Auswahl:

  • Malimo, das ostdeutsche Frottee, soll das Ergebnis einer fehlerhaft programmierten Strickmaschine gewesen sein.
  • Teflon wurde entdeckt, als ein Chemiker auf der Suche nach einem Kältemittel für Kühlschränke mit dem Gas Tetrafluorethylen experimentierte und eines Morgens nur noch weiße Krümel in der Flasche vorfand: ein Polymer, das heute als Teflon bezeichnet wird.
  • Der Wirkstoff des Haarwuchsmittels Propecia wurde in der Tumortherapie eingesetzt - dort wurde man auf das besonders dichte Haar der Probanden aufmerksam.
  • Der erste Käse entstand aus vergorener Milch.
  • Das europäische Porzellan wurde von einem Alchemisten entdeckt, der tönte, Gold herstellen zu können.
  • Die Membran Gore-Tex wurde als Isoliermaterial für elektrische Geräte verwendet - bis ihre Dehnbarkeit auffiel.
  • Mauvein, den ersten künstlich hergestellten Farbstoff, fand ein Forscher, als dieser sich mit einem vermeintlichen Malariamedikament das Hemd ruiniert haben soll.
  • Die keimtötende Wirkung von Penicillin fiel nur auf, weil eine Bakterienkultur mit einem Schimmelpilz verunreinigt war.
  • Die SMS war ursprünglich nur für die Meldung von Netzstörungen gedacht.
  • Tesafilm war als Pflaster entwickelt worden, reizte jedoch die Haut.
  • Post-its entstanden aus einem Abfallprodukt der Klebstoffindustrie, die mit der Haftwirkung einer Entwicklung unzufrieden war.
  • Und Viagra sollte eigentlich Herzkranken helfen - erzeugte bei diesen jedoch Herzklopfen ganz anderer Art.

© 2011 Harvard Business Manager

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insgesamt 3 Beiträge
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    Seite 1    
1. heldin
laszlo_szell 29.09.2011
um den wichtigsten und wohl traurigsten reinfall aller nicht zu vergessen: heroin, was in der marktfähigen synthetischen form eine deutsche entwicklung (der farbenfabriken elberfeld, heute beyer leverksuen) war. als medikament zur bekämpfung des hustenreizes (und der morphin entzugserscheinungen!) wurde sie hergestellt und als glorreiches mittelchen 1898-1914 vermarktet - daher auch der produktname.
2. ... und ...
piiter 29.09.2011
Zitat von laszlo_szellum den wichtigsten und wohl traurigsten reinfall aller nicht zu vergessen: heroin, was in der marktfähigen synthetischen form eine deutsche entwicklung (der farbenfabriken elberfeld, heute beyer leverksuen) war. als medikament zur bekämpfung des hustenreizes (und der morphin entzugserscheinungen!) wurde sie hergestellt und als glorreiches mittelchen 1898-1914 vermarktet - daher auch der produktname.
... nicht zu vergessen, die irrtümliche Entdeckung von Indien mit den bekannten Folgen für die Indi-aner.
3. Arzneimittel bieten hier wirklich viel "Stoff"
HaDOS 29.09.2011
Zitat von laszlo_szellum den wichtigsten und wohl traurigsten reinfall aller nicht zu vergessen: heroin, was in der marktfähigen synthetischen form eine deutsche entwicklung (der farbenfabriken elberfeld, heute beyer leverksuen) war. als medikament zur bekämpfung des hustenreizes (und der morphin entzugserscheinungen!) wurde sie hergestellt und als glorreiches mittelchen 1898-1914 vermarktet - daher auch der produktname.
Da kann man glatt die Stoffgruppe der Benzodiazepine ergänzen. Der erste Vertreter, Chlordiazepoxid (Librium), war auch ein Zufallstreffer in der Synthese beim Versuch ein verbessertes Barbiturat zu erhalten. Tja, und die Barbiturate wegen des Abhängigkeitspotentials mit den Benzos abzulösen erwies sich dann auch als Geschichte vom Teufel und Beelzebub.
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