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Internes Papier Deutsche Post muss "Mobbing-Leitfaden" erklären

Einige Postboten arbeiten ihren Vorgesetzten nicht schnell genug Zur Großansicht
DPA

Einige Postboten arbeiten ihren Vorgesetzten nicht schnell genug

Führungskräfte der Deutschen Post AG haben laut "Stern" einen Leitfaden zum Mobbing leistungsschwacher Mitarbeiter formuliert. Darin teilen sie die Postboten in vier Typen ein: vom "Motzbruder" bis zum "Sozialfall". Zur Leistungssteigerung empfehlen sie, Überstunden verfallen zu lassen.

Hamburg - Motzbrüder haben eine negative Grundeinstellung, sind uneinsichtig und beratungsresistent. Und gehören damit zu "Typ zwei" der Postangestellten. So steht es in einem "absolut vertraulichen" Papier der Deutschen Post AG, aus dem das Magazin "Stern" vorab zitiert.

In dem Leitfaden teilen Führungskräfte der Post ihre Angestellten in vier Typen ein: Typ eins arbeitet zuverlässig, aber extrem langsam, zu Typ zwei gehören die Motzbrüder, bei Typ drei handle es sich um "Sozialfälle", die für die Briefzustellung ungeeignet seien. Typ vier könne wegen seines hohen Alters den Schalter nicht mehr umlegen.

Das Schreiben ist laut "Stern" das Ergebnis eines Arbeitskreises von Führungskräften in Nordrhein-Westfalen. Die Verfasser fordern darin die Leiter einzelner Bezirke auf, "eine Liste mit auffälligen Kräften zu erstellen" und diese "den einzelnen Charakteren zuzuordnen".

Auf Anfrage des "Stern" räumte die Deutsche Post AG die Existenz des Papiers ein, distanzierte sich aber von den Inhalten. "Die Vorschläge wurden nie umgesetzt", so ein Sprecher der Post. "Besagte Unterlage ist vor längerer Zeit in einer einzelnen Niederlassung entstanden. Der Fall wurde zusammen mit dem Betriebsrat aufgeklärt."

Doch allein die Existenz des Papiers verrät viel über die Mentalität von Post-Managern und über den Leistungsdruck, der im Konzern herrscht.

Um die Leistung der Mitarbeiter zu steigern, empfehlen die Führungskräfte in dem Leitfaden beispielsweise samstags und montags oder vor Feiertagen nie freizugeben. Alternativ könne man die Mitarbeiter auch dazu überreden, Überstunden verfallen zu lassen.

Christiane Brors, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität Oldenburg, sieht in den Typisierungen, die die Post vornimmt, einen "massiven Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer".

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!
DJAG 29.02.2012
Es sollte hier mal die Führungskräfte auf Ihre einzelnen Einsstellungen und Charakter untersucht werden! Unabhängig der Leistungsunterschiede der einzelnen Mitarbeiter, beginnt die Fürsorgepflicht in der Führung eines Unternehmens. Es besteht offensichtlich enormer Nachholbedarf in der Schulung der Führungskräfte. "Beratungsresistenz" findet sich sicherlich auch hier. Wertschätzung für die Mitarbeiter erhöht deren Leistungsbereitschaft für das Unternehmen!
2.
KaWiDu 29.02.2012
"Um die Leistung der Mitarbeiter zu steigern, empfehlen die Führungskräfte in dem Leitfaden beispielsweise samstags und montags oder vor Feiertagen nie freizugeben. Alternativ könne man die Mitarbeiter auch dazu überreden, Überstunden verfallen zu lassen." Ach, mir wird beim Lesen ganz warm ums Herz: Leistungssteigerung durch Motivation. Und es geht höher, schneller, weiter, besser ... Naja, ich gebe zu, dass ich sowieso der Ansicht bin, dass eine Arbeitszeit vom mehr als maximal 30 Stunden in der Woche (inkl. Fahrtweg) inhuman ist. Vor allem in einer Gesellschaft, die politisches, soziales und ziviles Engagement, kulturelles Interesse, das Gründen einer Familie, Kochen wie Großmutter, sportliche Betätigung und dabei auch noch ein gelassenes Gemüt und psychische Stabilität wünscht bzw. fordert.
3.
phrasenmaeher 29.02.2012
Zitat von sysopdpaFührungskräfte der Deutschen Post AG haben laut "Stern" einen Leitfaden zum Mobbing leistungsschwacher Mitarbeiter formuliert. Darin teilen sie die Postboten in vier Typen ein: vom "Motzbruder" bis zum "Sozialfall". Zur Leistungssteigerung empfehlen sie, Überstunden verfallen zu lassen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,818351,00.html
Ich sehe darin vor allem einen "massiven Verfall der moralischen wie geistigen Stabilität der Arbeitgeber" - wenn es nicht so traurig wäre, was da im Bereich des allgegenwärtigen "Managements" und damit der Führungsebene eines Konzerns (das ist ja das Gute an diesen Posten: Man kann den "normalsterblichen" Arbeitnehmer auch inoffiziell gerne mal wie im vorliegenden Sachverhalt gänzlich jenseits von Gut und Böse typisieren, muss aber den meist gut bezahlten eigenen Arsch nicht öffentlich hinhalten, weil niemand die Herzchen kennt, die dahinter stecken - Öffentlichkeitsarbeit und Vorstandsvorsitz leisten andere) ab und an ans Licht dringt, man könnte ja beinahe darüber lachen. Soziale Kompetenzen scheinen da doch auf breiter Front wegzubrechen.
4. genauer!
autocrator 29.02.2012
OK, da hat sichalso das mittlere Management einer "einzelnen Niederlassung" ganz gehörig vergaloppiert. Klar ist: überall in der freien Wirtschaft herrscht inzwischen ein Arbeits- und Leistungsdruck, der mit "normal" und "gesund" nichts mehr zu tun hat. Früher wurden die Menschen in Kriegen verheizt, heutzutage in der Wirtschaft. Aber geht es vielleicht auch genauer? - Welche Niederlassung war das? Mit welchem Betriebsrat wurde das aus der Welt geschafft? Waswusste die darüberliegende Ebene (Top-Management) davon? Auf wessen Initiative/Einladung hin trafen sich denn diese "Führungskräfte"? Welche Funktionen haben diese - und in welchen Bereichen, ggf. Querschnittsbereiche o.ä., arbeiten sie? Gab es personelle Konsequenzen? Der Witz ist ja: Gar so unrecht hat das Papier ja nicht. Kennt jeder ausseinem persönlichen Arbeitsumfeld: Die Dauernöler, die Lahmen, die alten unbeweglichen Säcke. Dass es diese Typen gibt ist nun beileibe keine neue Erkenntnis. Die Frage ist: Was macht man mit diesem Wissen? - Überstunden verfallen zu lassen (wohl unter einer subtil formulierten Androhung, ansonsten den Stuhl vor die Tür gesetzt zu bekommen) oder Urlaubsbegehren nicht zu gewähren dürfte wol allesandere als motivierend sein. Aber gut: das ist die freie Entscheidung der Post AG, welche Form der Personalführung sie betreibt. Schlecker macht's ja gerade vor, wie wiet man mit motiviertem Personal kommt. Würde ich bei der Post arbeiten, wäre dieser Artikel ein Grund für mich, zu kündigen. Diesen Wahnsinn kann ja mitmachen wer will – ein vernunftbegabter Mensch macht das sicher nicht freiwillig mit. Dann lieber Hartz4 als zum Mickerlohn der Post, der kaum mehr ausmacht, diesen Schwachsinn auch noch mitzumachen! Es stellt sich immer die Frage, wer hier wen braucht.
5. Mobbing Leitfaden
flieder2 29.02.2012
Ist das Satire? Ich wurde auch gemobbt, meistens weil ich meinen Job immer sehr gut gemacht habe (mir konnte nie ein Fehler oder Fehlverhalten nachgewiesen werden) und andere neidisch gemacht habe. Und nun?
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Der Konzern
Die Deutsche Post ist mit einem Umsatz von 55,5 Milliarden Euro und mehr als 424.000 Mitarbeitern einer der größten Konzerne der Republik. Das Unternehmen wurde in den neunziger Jahren privatisiert und ging 2000 an die Börse.
Die Geschäftsfelder
Der langjährige Post-Chef Klaus Zumwinkel baute die Deutsche Post durch zahlreiche Zukäufe zum größten Logistik- und Postunternehmen der Welt aus. Zu den wichtigsten Konzernbereichen gehören außer dem deutschen Briefnetz das Express-Geschäft (unter anderem Paket- und Kuriersendungen) und das globale Logistikgeschäft per Schiene, Straße, Luft und See.
Der Chef
Frank Appel ist seit 2008 Vorstandschef der Deutschen Post und damit Nachfolger des in Folge einer Steueraffäre zurückgetretenen Klaus Zumwinkel. Nach dem Studium arbeitete Appel mehrere Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey, bevor er 2000 in den Bonner Post-Tower wechselte.


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