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IT-Crew auf Kreuzfahrtschiff Draußen Delfine, drinnen defekte Drucker

IT-Crew auf Kreuzfahrt: Kommen die Gäste noch in ihre Kabinen? Fotos
André Boße

Serverabsturz statt Sonnendeck: IT-Experten auf Luxuslinern schieben 20-Stunden-Schichten und schlafen in fensterlosen Kabinen. Wer sich wacker schlägt, kann es bis zum Offizier schaffen.

Die Passagiere auf dem Luxusliner "Mein Schiff 3" suchen nach Delfinen, die IT-Crew an Bord sucht den Fehler. Das Kreuzfahrtschiff passiert gerade die Straße von Messina und wird bei diesem Manöver von einem Dutzend Meeressäuger begleitet, die neugierig aus dem Mittelmeer springen. Ein Spektakel für die Kreuzfahrttouristen, die flott ihre Kameras zücken.

Michael Müller hat für die Tiere keinen Blick. Zum dritten Mal an diesem Tag kommt ein Mitarbeiter des Maschinenraums in die winzige IT-Zentrale des riesigen Schiffes: Sein Bordtelefon funktioniere immer noch nicht. Liegt's am Satellitennetz? Oder am Gerät?

Das Problem muss jetzt gelöst werden, Delfine hin oder her. Und danach bitte direkt ins Back-Office der Rezeption, dort streike der Drucker. "So ist das, wenn man einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff hat", sagt der IT-Spezialist und grinst. "Draußen das Paradies, drinnen kaputte Drucker."

Michael Müller, 29, und Marius Vogt, 31, arbeiten als IT-Administratoren auf "Mein Schiff 3", einem Luxusliner des Kreuzfahrtanbieters Tui Cruises. Zusammen mit ihrem Chef Hans-Peter Fischer, 43, bilden sie das IT-Trio an Bord: Drei Mann für ein Schiff mit 2500 Passagieren und 1000 Besatzungsmitgliedern. "Der Anspruch an unsere Arbeit wird schon an den Zahlen deutlich", sagt Fischer.

Wochenende? Nur vom Hörensagen

Moderne Kreuzfahrtschiffe haben wenig mit dem Klischee vom "Traumschiff" zu tun, auf dem sich der Chef-Stewart persönlich um alle Probleme kümmert. Die Pötte der neuesten Generation sind technisch hochgerüstete Urlaubsplattformen. Ob Restaurant-Logistik oder Umweltmanagement, die Buchung der Landausflüge oder die interaktiven TV-Bildschirme in den Kabinen - alles digital, alles vernetzt.

"Egal, wo wir fahren, das Schiff ist immer mit dem Land verbunden", sagt Hans-Peter Fischer. In Hamburg, dem Sitz von Tui Cruises, sitzen die Kollegen von der "Fleet IT", die viele der Prozesse steuern. "Die Kollegen dort sind nicht permanent verfügbar", sagt er. "Wir aber halten an Bord jeden Tag die Stellung, rund um die Uhr." Wochenende? "Kennen wir nur vom Hörensagen." Feierabend? "Eine glückliche Fügung."

Die IT-Crew teilt sich die Arbeit im Schichtdienst auf, Landgänge sind immer mal möglich, Pausenzeiten werden ernstgenommen. Doch wenn es im System hakt, muss die Truppe ran, da spielt der Dienstplan keine Rolle. An bestimmten Tagen dauert die Schicht bis zu 20 Stunden, zum Beispiel am "Embarkation Day", wenn die neuen Passagiere aufs Schiff kommen: Halb fünf in der Früh bauen Fischer und Co. die IT für den Check-in auf, spät am Abend stehen sie bei der Notfallseeübung parat, bei der jeder Passagier auf den Musterdecks digital erfasst wird. Und auch dazwischen gibt es immer was zu tun: Bordtelefone, IP-Fernseher, RFID-Systeme, Satellitenverbindung - irgendwo hakt es immer.

"Das ist auf einem Schiff nicht anders als an Land", sagt Hans-Peter Fischer - mit dem Unterschied, dass man auf hoher See nicht schnell eine neue Festplatte beschaffen kann. Fischer: "Daher haben wir alles doppelt da, und wenn gar nichts mehr geht, wird improvisiert. Hauptsache, das System läuft schnell wieder." Im Fokus stehen die Sicherheit und die Zufriedenheit der Passagiere. "Wenn ich in einem Büro das Netz für eine halbe Stunde ausstelle, gehen die Leute einen Kaffee trinken. Passiert das hier an Bord, beschweren sich zu Recht die Gäste."

Beim Landgang Schuhe shoppen

Von den drei IT-Experten ist Hans-Peter Fischer der einzige mit Offiziersrang - und den damit verbundenen Privilegien: Kabine mit Fenster, Wäscheservice, die Erlaubnis, in den öffentlichen Restaurants zu essen. Die jungen Kollegen genießen diese Vorzüge nicht. "Unser Platz ist der Crew-Bereich", sagt Michael Müller, "dort gibt es aber auch ein Außendeck und eine Bar, da will ich mich nicht beschweren." Er schläft in einer fensterlosen Kabine, das Bad teilt er sich.

"Geht schon", sagt Müller, wobei für ihn klar ist: Der Offiziersrang soll irgendwann her. Und die Chancen stehen gut, glaubt sein Chef Hans-Peter Fischer: "Die Kreuzfahrtbranche boomt, es gibt immer mehr Schiffe, die IT wird immer komplexer." Tui Cruises wird bis Mitte 2016 zwei weitere Luxusliner vom Stapel lassen, auch die anderen Anbieter stocken auf.

Die üblichen Arbeitsverträge laufen 18 Monate, der Rhythmus: vier Monate an Bord, dann zwei Monate Urlaub an Land - wobei sich gerade für Berufsneulinge die Frage stellt: Wo dann wohnen? Marius Vogt hält sich ein Zimmer bei seinen Eltern frei. Das sei jetzt nicht sein Traum, mit 31 zurück zu Papa und Mama in die Eifel zu ziehen. "Dafür gibt es andere Vorzüge, bei denen andere neidisch werden", sagt er und zeigt auf seine schicken neuen Schuhe: gestern auf einem Landgang gekauft, in einem Schuhgeschäft in der italienischen Hafenstadt Civitavecchia.

Die Delfine haben sich schnell wieder verzogen. Das edle Schuhwerk wird ihn noch länger erfreuen.

  • Marcus Pietreck
    André Boße (Jahrgang 1974) ist freier Journalist und arbeitet in Köln. Er schreibt zu Kultur-, Sozial- und Karrierethemen, unter anderem regelmäßig für den UNI SPIEGEL.

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insgesamt 30 Beiträge
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    Seite 1    
1. Chef-Stewart?
el_jefe 22.07.2015
Da hat wohl einer zu oft die Minions geguckt.
2. Das Übliche
rickmarten 22.07.2015
Immer mehr Branchen haben eine sogenannte Rotation, wo die Beschäftigten nach einigen Wochen oder Monaten teilweise auf Firmenkosten nach Hause fliegen. In manchen Branchen kommen die Leute bei günstigem Turnus auf sechs Monate des Jahres nach Hause. Allerdings sind die anderen sechs Monate ohne Wochenenden und Feiertage im Job.
3. Lustig ...
GanzSchlauer 22.07.2015
"Wenn ich in einem Büro das Netz für eine halbe Stunde ausstelle, gehen die Leute einen Kaffee trinken. Passiert das hier an Bord, beschweren sich zu Recht die Gäste." Je nach Unternehmen kann ein deratiger Netzausfall Millionen kosten und/oder ein riesiges Sicherheitsproblem darstellen. Da wären meckernde Touristen dann wirklich das kleinere Problem ... nichts für ungut ...
4. Erschreckend
h_harz 22.07.2015
Was soll uns der Artikel sagen? Das in der Urlaubsbranche die Leute bis aufs Blut ausgebeutet und wie Sklaven behandelt werden? 20 Stunden Arbeit am Stück stellen nach dem Deutschen Arbeitsrecht einen Straftatbestand dar, der mit bis zu 15.000,-- Euro Bußgeld pro Verstoß geahndet werden kann. ...oder gilt das Deutsche Arbeitsrecht auf einem Deutschen Schiff nicht? Eine Firma mit ca. 2.500 Mitarbeitern hat, je nach Branche, eine IT Abteilung von ca. 30 bis 50 Mitarbeitern alles zusammen, vielleicht auch mehr. Die haben drei Hanseln, die offensichtlich auch nicht besonders clever sind, sonst hätten sie wohl einen vernünftigen Job gefunden.
5. In den Notaufnahmen...
alice-b 22.07.2015
arbeiten die Ärzte die gleich Stundenanzahl.
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