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Arbeitswelt Jeder Dritte ist rund um die Uhr für den Chef erreichbar

"Ja, klar habe ich grad Zeit": Viele Arbeitnehmer sind immer auf Stand-by Zur Großansicht
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"Ja, klar habe ich grad Zeit": Viele Arbeitnehmer sind immer auf Stand-by

Eröffnen Diensthandys neue Freiheiten - oder sind sie nur elektronische Fußfesseln des Arbeitgebers? Ein Drittel der Beschäftigten ist laut einer neuen Umfrage immer für die Firma erreichbar. In den meisten Fällen, weil der Boss es verlangt.

Ein Drittel aller Berufstätigen macht mindestens einmal pro Woche Heimarbeit, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbandes Bitkom ergab. Täglich tun dies demnach sogar 21 Prozent. Wer außerhalb des Büros tätig ist, arbeitet laut Umfrage zudem häufig auch unterwegs: 55 Prozent erledigen etwa im Auto, in der Bahn oder in Cafés und Restaurants ihre Arbeit.

Für die Studie wurden 505 Berufstätige und Personalverantwortliche von 854 Unternehmen befragt. Dabei scheinen die Erfahrungen mit der schönen neuen Arbeitswelt durchwachsen zu sein: Fast vier von fünf Befragten sagen, durch Arbeit von zu Hause ließen sich Beruf und Familie besser vereinbaren. Gut die Hälfte gibt an, Heimarbeit mache sie zufriedener. Ähnlich viele Beschäftigte sagten in der Umfrage allerdings, durch die Arbeit von zu Hause vermischten sich Beruf und Freizeit zu stark. 47 Prozent der Befragten klagen, Heimarbeit führe zu Isolation.

Bitkom fragte auch, wer nach Büroschluss noch für Chefs und Kollegen erreichbar ist. Das gilt für 77 Prozent der Beschäftigten. Ein Drittel der Befragten ist sogar rund um die Uhr ansprechbar. So lesen beispielsweise 62 Prozent auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten ihre E-Mails. Die Arbeitgeber verlangen diese Erreichbarkeit laut Umfrage von ihren Beschäftigten auch: 71 Prozent möchten, dass die Mitarbeiter zumindest in Ausnahmefällen per Handy oder E-Mail erreichbar sind.

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Diese Extraarbeit ist in den meisten Fällen nicht klar geregelt, kritisiert Bitkom: 62 Prozent der Unternehmen hätten gar keine Regelungen zur Erreichbarkeit außerhalb der regulären Arbeitszeit. In nur sechs Prozent der Betriebe gebe es dazu eine Betriebsvereinbarung, in weiteren sechs Prozent sei es individuell in den Arbeitsverträgen geregelt. Mündliche Vereinbarungen gebe es in 20 Prozent der Unternehmen.

Diese Unklarheit wiegt aus Sicht des Verbandes schwer: "Viele Berufstätige leiden unter Stress, wenn sie sich in einem dauernden Standby-Modus befinden", sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Daher sei ein bewusster Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln unabdingbar. Notwendig sind klare Vereinbarungen zwischen den Parteien, um Grundsätze für Arbeitszeiten und Erreichbarkeit im Home Office und in der Freizeit zu etablieren. Zudem sollten Mitarbeiter im effizienten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln besser geschult werden.

afp/dpa-afx/mamk

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insgesamt 36 Beiträge
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    Seite 1    
1. selber schuld!
vegas333 16.04.2013
sind doch alle selber schuld wenn die den blödsinn mitmachen!
2. ...kann mich dem Vorredner nur anschließen - selber Schuld!
ing.wolf 16.04.2013
Natürlich kann es Chefs geben, die das verlangen und wenn man Geschäftsführer, Prokurist o.Ä. ist, dann soll das von mir aus so sein. Jeder Andere sollte sich einfach klar machen, dass man sich nicht so wichtig nehmen sollte. Lieber mal ein bißchen LEBEN
3.
querulant_99 16.04.2013
Zitat von vegas333sind doch alle selber schuld wenn die den blödsinn mitmachen!
Nein, schuld sind meist nur einige wenige sehr ehrgeizige Kollegen. Die meisten anderen müssen zähneknirschend mitmachen, sonst sind sie beim Chef sehr schnell unten durch.
4. das regelt sich mit zunehmender lebenserfahrung
ijf 16.04.2013
Klar, hab auch ich fast zwanzig jahre so agiert und reagiert - das macht man so, wenn man jung und ehrgeizig ist, oder einfach auch nur spass am gewaehlten beruf hat ;-) aber irgendwann wird man aelter, hat unzaehlige berufliche situationen zum gefuehlt hundertsten mal so oder aehnlich erlebt, die naechtlichen mails, abendlichen confcalls mit kollegen von anderen kontinenten (oder dem Chef, der seinerseits vom vorturner abends oder am wochenende aufgescheucht wurde) und dann kommt der zeitpunkt (oft verbunden mit einem unerwarteten break, wie erkrankung, etc), an dem man feststellt, es geht auch anders ;-) dann lernt man nein sagen, abends einfach nicht mehr ranzugehen, mails zwar zu lesen, aber erst am montag zu beantworten... Und stellt fest: huch - das wird akzeptiert :) aber vermutlich eher als verhaltensmuster von grauen woelfen - welpen muessen sich ihren platz im rudel erst erkaempfen... Das ist das im artikel genannte "drittel der beschaeftigten"
5. Definition
kritischerleser50 16.04.2013
Zitat aus Wikipedia: "Freizeit im Sinne von arbeitsfreier Zeit sind Phasen, über die der Einzelne frei verfügen kann und in denen er frei von bindenden Verpflichtungen ist. Diese Zeit steht für die Erholung von den Anstrengungen beruflicher und sonstiger Obliegenheiten zur Verfügung" Ende des Zitats. Also wenn ein Chef eine Erreichbarkeit "verlangt", handelt es sich hier klar um Arbeitszeiten - und da läuft dann dieser Chef Gefahr, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Ich bin bei meinem Arbeitgeber durchaus in gehobener Position und habe auch ein "Firmensmartphone". Aber ich lasse überhaupt keinen Zweifel daran, dass Freizeit eben Freizeit ist. Dieses Smartphone dient als Kontakt während Dienstreisen - aber ganz sicher nicht als "Freizeittöter". Aber ich verkenne nicht, dass jüngere, die sich den Aufsteig noch "erdienen" müssen, das durchaus anders sehen - aber auch dort: Wehrt euch !! Wenn eure Firma irgendwann Kosten einsparen will und Leute entlässt...dann nützt die bis dahin gelebte "permanente Erreichbarkeit" auch nichts....das schützt dann auch nicht vor Kündigungen.
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