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Luxus-Flugmaschine Agenten-Spielzeug aus Itzehoe

Luxus-Spielzeug: Wunschzettel für Millionäre Fotos
Jetlev-Flyer

Wer fast alles hat, will mehr. Zum Beispiel abheben wie James Bond. Ein deutscher Unternehmer macht diesen Traum wahr. Seit sein Fluggerät als Sportboot anerkannt wurde, tourt Lars Ramcke von einer Luxusyacht zur nächsten und bringt Scheichs und Oligarchen das Fliegen mit Wasserkraft bei.

Rucksack auf, Düsenantrieb an - Fliegen kann so einfach sein. Lars Ramcke, 45, macht seit knapp zwei Jahren nichts anderes mehr. Er verkauft sogenannte Jetlev-Flyer, Fluggeräte, mit denen man bis zu 8,50 Meter hoch und 50 km/h schnell über Wasserflächen düsen kann. Im Winter 2010 wurde seine Konstruktion vom Germanischen Lloyd als Sportboot anerkannt. Seitdem gleicht sein Berufsleben einer Weltreise.

79.900 Euro plus Mehrwertsteuer kostet die günstigste Jetlev-Flyer-Variante mit 220 PS. Die meisten Kunden fragen aber gar nicht nach dem Preis. Sie sind Scheichs oder Oligarchen, Banker oder Manager - und meistens mehrfache Millionäre. Ramcke bringt ihnen das Fliegen dort bei, wo sie es möchten; im Roten oder im Schwarzen Meer, vor der Küste von Thailand oder Monaco.

Drei bis fünf Tage dauern die Schulungen, so lange übernachtet Ramcke auf den Yachten oder in den Gästehäusern seiner Kunden, "da wohnt man schon ganz gut", sagt er und lacht. Wenn seine Flugschüler kein Englisch sprechen, nimmt er seine Freundin mit, sie ist Russin - und Russisch sprechen viele von Ramckes Kunden.

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Im Dienst der Reichen: Mein Geld, mein Schloss, mein Porsche
Nächste Woche fliegt er nach Katar, dann nach Saudi-Arabien, "im letzten Jahr war ich mehr Tage im Ausland als zu Hause", sagt er. Zu Hause, das ist für ihn Itzehoe, ein 34.000 Einwohner-Städtchen, 60 Kilometer von Hamburg entfernt. Hier hat der gelernte Bankkaufmann mit seinem Vater Jetskis vertrieben - bis ihm ein Freund in den USA den Chinesen Raymond Li vorstellte.

Li ist großer James-Bond-Fan, vor allem eine Erfindung hat es ihm angetan: der Raketenrucksack aus dem Film "Thunderball" von 1965. Bond flieht damit vor seinen Verfolgern, vom Dach eines Landhauses aus startet er senkrecht in die Luft. Li wollte das auch. Er recherchierte und tüftelte, und irgendwann kam er auf die Idee mit den Wasserstrahlen als Antrieb. Jetlev nannte er seine Erfindung, "Jet" für Düse und "lev" für levitation, Schweben.

Das Gerät besteht aus zwei Komponenten: einer Art Rucksack und einem kleinen Boot. Das Boot saugt Wasser an, über einen Schlauch wird es in den Rucksack gepumpt und kommt als Wasserstrahl aus zwei Düsen wieder heraus. Dadurch wird der Träger in die Luft katapultiert, das Boot zieht er hinter sich her. Lars Ramcke und sein Vater Hermann waren sofort überzeugt.

Sie gründeten die MS Watersports GmbH, beteiligten Li mit 20 Prozent und schraubten im Gewerbegebiet von Itzehoe am Prototyp. Die Stör, ein Nebenfluss der Elbe, wurde ihre Teststrecke. Das Geld für die Entwicklung mussten sie privat auftreiben. "Für so etwas Verrücktes gibt es keine Förderungen", sagt Lars Ramcke.

Schwarze Zahlen nach eineinhalb Jahren

Doch kaum hatte er die ersten Fotos ins Internet gestellt, meldeten sich schon Interessenten. Einen Monegassen konnte er sofort als Teilhaber gewinnen. 20 Fluggeräte und unzählige Bauchlandungen im Wasser später war der Jetlev-Flyer fertig. Dann begann der Kampf um die Zulassung. Er dauerte zwei Jahre.

Seit Beginn letzten Jahres läuft der Verkauf. Wie viele Menschen schon einen Jetlev-Flyer erworben haben, will Ramcke nicht verraten. Nur so viel: Die Zahl sei dreistellig und "der Break-even ist schon erreicht".

20 Mitarbeiter hat MS Watersports mittlerweile, zehn bis zwölf Jetlev-Flyer bauen sie jeden Monat. Vier bis sechs Wochen dauert die Lieferung, bestellt werden kann im Internet oder über Händler in Russland, Kasachstan, Großbritannien, der Ukraine oder der Türkei. Ramcke will die Produktion im nächsten Jahr auf 50 Geräte erweitern, er plant 20 neue Arbeitsstellen, vom Bootsbauer bis zum Mechaniker.

Luxusartikel zum Anschauen

Immerhin hat es sein Fluggerät schon in den teNeues-Bildband "Luxury Toys. Volume 2" gebracht. Ein Bildband wie ein Schaufenster: Hochglanz-Detailaufnahmen von platinveredelten Handys, futuristischen U-Booten, diamantenbesetzten Poker-Chips, maßgeschneiderten Samurai-Rüstungen. Mit seiner Firma darf sich Ramcke dort einreihen zwischen Namen wie Porsche und Bugatti, Hublot und Schimmel. Das Buch sei mehr als ein Buch, heißt es im Vorwort: "Es ist eine exklusive Wunschliste".

Kaum einer wird sich wohl eines der Luxusspielzeuge aus dem Bildband leisten können. Lars Ramcke ist sich dessen bewusst und hat - ganz Geschäftsmann - eine zweite Einnahmequelle entdeckt: Rundflüge für zwischendurch.

250 Euro kostet ein einstündiger Flug mit dem Jetlev-Flyer auf der Stör - ferngesteuert. "Viele Leute tun sich schwer, gleichzeitig zu lenken und Gas zu geben", sagt Ramcke. Er hat deshalb eine Fernbedienung entwickelt. Mit der kann er am Ufer stehen und die Geschwindigkeit dosieren.

Werbevideo von MS Watersports

Für Mobilnutzer: Hier klicken, um das Video zu sehen

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insgesamt 13 Beiträge
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    Seite 1    
1. sehr gut!
spiegel_135 19.08.2012
Ein schönes Spielzeug. Und sich mit 200PS zu bewegen ist erheblich ökologidcher, als die 10.000PS der Jacht anzuschmeißen.
2. olympisch?
Emil Peisker 19.08.2012
Zitat von spiegel_135Ein schönes Spielzeug. Und sich mit 200PS zu bewegen ist erheblich ökologidcher, als die 10.000PS der Jacht anzuschmeißen.
Auf der Boot in D'dorf hat die Firma das Teil vorgestellt. Für gelangweilte Eigner ein "must have" Es soll schon Rennen gegeben haben. Vielleicht wird es ja auch irgendwann olympisch?
3. .
TS_Alien 19.08.2012
Eine nette Idee. Hoffentlich kommt keiner - ob Mensch oder Tier - dem Wasserstrahl in der Nähe der Düsen zu nahe. Das kann böse enden. Und lautloses Wasserfliegen wäre auch schöner. Der Preis geht in Ordnung, wenn man sich die Kundschaft ansieht. Die will eigentlich immer viel ausgeben, denn das ist ja ein Zeichen von Qualität und Luxus.
4. Bald gibts das Plagiat....
gerd33 19.08.2012
... aus China. Dann kostet das Teil max. 20.000 EUR und ist damit auch für Durchschnitts-Wassersportler erschwinglich.
5.
totalmayhem 19.08.2012
Zitat von gerd33... aus China. Dann kostet das Teil max. 20.000 EUR und ist damit auch für Durchschnitts-Wassersportler erschwinglich.
Oder aus Frankreich... Franky Zapata verkauft den Bausatz fuer sein FlyBoard erheblich billiger. Fuer das Basispaket werden 4500 Euro faellig, mit allem Schnickschnack ist man mit etwa 6500 Euro dabei. Preise ohne Steuern und Versand.
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