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Job "Erschrecker" Horror-Clown mit Einfühlungsvermögen

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"Monster gesucht", stand in der Stellenanzeige. Rene Seidel fühlte sich spontan angesprochen. Seit sechs Monaten arbeitet er jetzt als Erschrecker im Berliner Gruselkabinett. Seine Arbeitsmontur: In einem schaurigem Clownskostüm springt er auf die Besucher los.

"Du brauchst doch gar keine Maske." Ein beliebter Witz, wenn Rene von seinem Job als Erschrecker erzählt. Und tatsächlich sieht Rene auch ohne Verkleidung nicht unbedingt nach dem höflichen, zurückhaltenden jungen Mann aus, der er ist: massiges Gesicht, Glatze, nur im Nacken kräuseln sich ein paar blonde Locken. Aber wenn er von seiner Arbeit im Berliner Gruselkabinett erzählt, bleibt vom Eindruck des bulligen Kerls mit Gruselfaktor wenig übrig.

Rene, 26 Jahre alt, Student der Theaterwissenschaften, ist ein nachdenklicher Typ. Darüber, wie genau er seinen Nebenjob als Erschrecker ausgestaltet, hat er sich viele Gedanken gemacht. Beim Arbeiten trägt er die Maske eines bösen Clowns. Warum? "Uns ist aufgefallen, dass viele Leute besonders auf Clowns reagieren. Dass da ein gewisses Trauma bezüglich der Clowns vorhanden ist."

Die naheliegende Erklärung: Der Horrorfilm "Es" von Stephen King hat Spuren hinterlassen. Der Clown, der in der Kanalisation lebt und Kinder frisst - für viele, die den Film aus dem Jahr 1990 gesehen haben, immer noch eine sehr gegenwärtige Inkarnation des puren Horrors. Also zieht Rene sich eine Clownsmaske über. Und wartet still im Gang auf neue Opfer.

Für jeden Besucher die passende Dosis Horror

Das Berliner Gruselkabinett, gelegen in einem alten Luftschutzbunker am Anhalter Bahnhof, ist eine Geisterbahn zum Durchlaufen. Die Besucher erleben einen "Spaziergang des Schreckens", wie das Gruselkabinett wirbt. Zwei Stockwerke, versehen mit unzähligen Räumen voller zuckender Skelette, lange Gänge ausstaffiert mit seitlichen Luken, in denen mittelalterliche Arztbehandlungen zu sehen sind oder Plastikhände aus der Friedhofserde winken.

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Zwischen all dem Grusel-Equipment steht Rene in seiner Ecke. Bis jemand kommt. Dann springt Rene auf seine Besucher los und macht als schrecklicher Clown seine tierischen Grunzgeräusche. Auch die hat er vorher wohlbedacht einstudiert.

Ist er ein Naturtalent? "Man bekommt ja am Anfang schon eine Schulung, wo man das alles richtig lernt", sagt er. Was genau man in einer Erschreck-Schulung durchmacht, darf er nicht erzählen. "Aber das hilft schon weiter." Zum Beispiel weiß Rene jetzt, dass Einfühlungsvermögen wichtig ist. Er versucht, seine Opfer zu analysieren. Dafür bleiben ihm nur wenige Augenblicke. Kinder oder Erwachsene? Sorte "hartgesotten" oder "sensibel"? Für jeden Besucher gibt es die passende Dosis Horror.

Und eigentlich trifft Rene immer das richtige Maß. Nur einmal, da wollte es nicht klappen. Da wollte er mit seiner Akustikperformance den Grusel beginnen. Und dröhnte aus seiner dunklen Ecke mit seinem "animalischen Geräusch mit tiefer Stimme", wie er es beschreibt. Die Besucher kamen näher und näher, liefen sogar an ihm vorbei - und ignorierten seine Horrorlaute. Für einen Erschrecker die wohl größtmögliche Niederlage.

Im Scheinwerferlicht erkannte Rene dann, dass sich die Besucher in Gebärdensprache unterhielten. "Da habe ich es auf die visuelle Art versucht", erzählt er. Hat geklappt.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Katja Döhne (Jahrgang 1985) arbeitet als freie Journalistin in Berlin für Online, TV und Radio.

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