ThemaJobdoppelRSS

Alle Kolumnen


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Federleicht vs. tonnenschwer Arbeit mit Fingerspitzen und Bulldozern

2. Teil: Schrotthändler Florian Pietruschinski, 25: "Ich habe immer einen Magneten dabei"

Florian Pietruschinski arbeitet auf dem größten Schrottplatz EuropasZur Großansicht
TSR

Florian Pietruschinski arbeitet auf dem größten Schrottplatz Europas

"Ich bin in der Nähe des Ruhrgebietes aufgewachsen und habe mich schon früh für Stahl und Metall interessiert. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Vielleicht, weil man aus Schrott wieder etwas machen kann. Eine Cola-Dose kann Teil eines Fensterrahmens werden oder auch eines Autos. Ein Kollege hat es mal auf den Punkt gebracht: Wenn man Schrott einmal berührt hat, kommt man nicht mehr davon los.

Als ich zum ersten Mal die Schrottinsel in Duisburg besucht habe, war ich mächtig beeindruckt. Mit 135.000 Quadratmetern ist sie der größte Schrottplatz Europas - und jetzt mein Arbeitsplatz. Wir lagern hier die Metalle, schreddern oder pressen sie und verkaufen sie weiter. Unsere Abnehmer sind zum Beispiel Aluminium- und Kupferhütten.

Ich bin Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Die meisten haben sich nach der Lehre für einen Bürojob entschieden, aber das wäre nichts für mich. Ich sitze zwar auch oft am Schreibtisch und schreibe Angebote oder kalkuliere Einkaufspreise, bin aber sonst viel unterwegs und besuche unsere Lieferanten. Das kann der kleine Schrotthändler an der Ecke sein, aber auch ein Entsorgungsfachbetrieb mit mehreren zehntausend Quadratmetern Fläche.

Handschlag statt Unterschrift

Viele unserer Lieferanten kenne ich schon lange. Ein Handschlag ist so viel wert wie eine Unterschrift. Diese Beziehungen zu pflegen ist besonders wichtig, denn ich möchte ja, dass sich unsere Lieferanten erst bei mir melden, wenn sie neues Material bekommen und nicht bei den Mitbewerbern.

Als guter Metallhändler habe ich zum Prüfen des Materials immer einen Magneten bei mir. Bei unbekannten Metallen oder Legierungen hole ich mir bei erfahrenen Kollegen Rat: Wie schätzen sie das Material ein? Kaufen oder nicht kaufen?

Den Metallhandel finde ich besonders reizvoll: Weil die Preise täglich neu kalkuliert werden müssen, verfolge ich genau die Kurse an der London Metal Exchange, an der Kupfer, Aluminium, Nickel und Blei gehandelt werden. Ereignisse aus Politik und Wirtschaft wirken sich auf die Börse aus - und somit auf unser Geschäft. Jedes Jahr handeln wir mit acht Millionen Tonnen Stahl und 500.000 Tonnen Metall. Das ist das 850-fache Gewicht des Eiffelturms. Wegen dieser großen Mengen und ihrem hohen Wert gelten auf unseren Schrottplätzen hohe Sicherheitsanforderungen."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
alles aus der Rubrik Berufsleben
alles zum Thema Jobdoppel

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP