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Weinsommelier vs. Biersommelier Prost!

Alkohol trinken und dabei Geld verdienen - diesen Traum haben sich Carsten Laade und Markus Böhm erfüllt. Beide arbeiten als Sommeliers, hantieren aber mit ganz unterschiedlichen Getränken: Laade verkostet Wein, Böhm verkostet Bier. Warum sie nicht tauschen möchten, berichten beide im Jobdoppel.

Ein Sommelier ist ein "speziell für die Getränke, vor allem den Wein, zuständiger Kellner". So steht es im Duden, und so kennt man ihn oder sie: mit einer Weinflasche in der Hand. Auf Carsten Laade, 44, trifft diese Beschreibung zu. Er organisiert Weinproben und berät Restaurants bei der Auswahl. Sogar für die Queen von England hat er schon einen Wein probiert, 2000 Euro hat die Flasche gekostet.

Mit solchen Preisen kann Markus Böhm nicht mithalten. Auch er ist Sommelier - für Bier. Ausspucken, wie man es bei Weinverkostungen macht, ist bei seinen Proben verpönt. Denn nur beim Schlucken kann die Qualität der sogenannten Hopfenbittere, des bitteren Geschmacks, beurteilt werden. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es noch zwischen ihren Berufen gibt, erzählen die beiden hier:

  • Weinsommelier Carsten Laade: "Mindestens drei alkoholfreie Tage pro Woche"

Carsten Laade, 44, hat schon für die Queen vorgekostet Zur Großansicht
Ole Blaubach

Carsten Laade, 44, hat schon für die Queen vorgekostet

"Mein erstes Erlebnis mit Wein war furchtbar. Ich war 16 und wollte mit einem Freund einen philosophischen Weinabend zelebrieren. Wir holten weiße Tischdecken, Kerzenleuchter, amerikanische Literatur von Thoreau und eine günstige, bauchige Supermarktflasche Chianti Classico. Das Ergebnis war noch bitterer als der Wein: Der Chianti schmeckte alkoholreich, herb und nach Trauben, die zu lange in der Sonne hingen - und am nächsten Tag hatten wir gehörige Kopfschmerzen.

Nach meiner Ausbildung zum Hotelfachmann begegnete ich immer besseren Weinen: Ich arbeitete in der Nähe von London im Stately Home Cliveden, einem imposanten Fünf-Sterne-Herrenhaus, in dem schon Charlie Chaplin, Winston Churchill und Anthony Hopkins übernachtet haben. An einem Abend war Queen Elisabeth II. zu Gast. Für sie und ihre Gäste servierten wir einen 61er Château Latour. Für diese Ikone aus Bordeaux zahlt man schon im Einkauf mindestens 2000 Euro - und ich durfte mit dem Sommelier des Hauses den Wein vorab verkosten.

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Ein Weinsommelier schenkt ein: Duft nach Trüffel und Tabak
Er hatte eine wunderbare, erdige Süße und duftete nach Trüffel und Tabak. Das war ein Gigant von Wein. Selbst nach dem Herunterschlucken blieb der Geschmack noch minutenlang im Mund. Wir nennen das die Länge am Gaumen, je länger, desto besser. Wenn der Wein über viele Jahre im Fass lagert, machen komplizierte chemische Reaktionen den Geschmack einzigartig. Das Tannin, welches bei jungen Weinen einen körnigen und rauen Belag auf der Zunge auslöst, wird weicher, seidiger und schmilzt mit zunehmender Flaschenreife. Die Fruchtaromen kommen stärker in den Vordergrund und geben dem Wein, zusammen mit der Säure, einen langen, weichen und harmonisch ausbalancierten Geschmack.

Jeder mit Liebe und Leidenschaft hergestellte Wein hat eine Geschichte zu erzählen. Er kann nach vielen Aromen schmecken, zum Beispiel Johannisbeere, Lakritz, Veilchen, Aprikose. Wenn ich Weinproben organisiere, halte ich aber keine stundenlangen Vorträge über Geschmack oder die technischen Daten des Weinguts. Ich erzähle meinen Gästen lieber eine Geschichte über den Wein, seine Entstehung und was für ein Typ der Winzer ist. Viele Winzer sind Grenzgänger, loten das Extreme aus, um große Weine herzustellen und sind gleichzeitig sehr feinsinnig: Sie sind oft musikalisch, lieben Kunst und schreiben poetische Texte.

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Geschmacksmalereien: Ein Bild von einem Wein
Ich sehe mich ein wenig als Übersetzer der Weine und ihrer Geschichten. Den Kunden helfe ich bei der Entwicklung ihres Geschmacks, indem ich ihnen aufmerksam zuhöre. Weinproben oder -veranstaltungen und deren Organisation füllen meine Wochenenden. Unter der Woche recherchiere ich Geschichten zu den Weingütern, suche neue Weine oder berate Restaurants bei der Auswahl. Dabei ist Disziplin in unserem Beruf sehr wichtig: Mindestens drei Tage in der Woche sind bei mir alkoholfrei. Durch Laufen, Schwimmen und Radfahren halte ich mich fit.

Einen generellen Lieblingswein habe ich nicht. Ein Wein muss immer zum Erlebnis passen. Wenn ich mit meiner Freundin an einem warmen Sommerabend auf einer Wiese picknicke oder am Elbstrand sitze, kann ein Schluck glockenklarer Riesling von der Mosel für sieben Euro wunderbar erfrischend schmecken. In diesem Augenblick würde mir wahrscheinlich auch nicht einfallen, eine Flasche des 61er-Château Latour zu entkorken."

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Hmm
MartinK. 12.02.2013
Zitat von sysopStadtbrauerei Spalt/ Ole BlaubachAlkohol trinken und dabei Geld verdienen - diesen Traum haben sich Carsten Laade und Markus Böhm erfüllt. Beide arbeiten als Sommeliers, hantieren aber mit ganz unterschiedlichen Getränken: Laade verkostet Wein, Böhm verkostet Bier. Warum sie nicht tauschen möchten, berichten beide im Jobdoppel. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/jobdoppel-sommelier-wein-und-bier-trinken-als-beruf-a-882267.html
Mag sein das sie wirklich all das rausschmecken was sie einem erzählen, aber der Großteil ihrer Kunden tut es nicht. Und nickt dann immer nur dumm rum. So ne Verkostung erinnert mich immer an Hape Kerkelings Hurz-Nummer mit den selbsternannten "Kennern" ;)
2. 2000 Euro hat die Flasche gekostet.
BettyB. 12.02.2013
Noch ein Grund, nie wieder irgendwelche Erbfolgen einzuführen und die Erbschaftssteuer drastisch zu erhöhen...
3. So so...
BettyB. 12.02.2013
Die erste Flasche und der Chianti schmeckte nach Trauben, die zu lange... Schon da ist klar, der Mann schnackt. Für gutes Geld. Es sei ihm unbenommen, doch...
4.
nymousano 12.02.2013
"Mein erstes Erlebnis mit Wein war furchtbar. Ich war 16 und wollte mit einem Freund einen philosophischen Weinabend zelebrieren. Wir holten weiße Tischdecken, Kerzenleuchter, amerikanische Literatur von Thoreau..." Da hab ich aufgehört zu lesen und mich zum Biersommelier weitergeklickt. Manche Leute haben raus, wie man sich ruckzuck unsympathisch macht.
5. Mit 16...
domusz 13.02.2013
... hab ich mir ne 1,5 l Flasche Sangria gekauft und lag Achterbahn fahrend im Bett und hatte nen dicken Kopf am morgen! Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und der eine mag lieber Wein und der andere lieber Bier! Ich mag beides aber kann diese Celebrierung der Weinauswahl einfach nicht ausstehen!
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