Jobdoppel - Zeche vs. Zugspitze Arbeit mit Höhen und Tiefen
2. Teil: Steffen Korff, Gastro-Chef auf der Zugspitze - "Nachts die Terrasse gegen Wanderer verteidigen"
"Wenn die Sonne scheint, verkaufen wir eine Tonne Pommes frites in drei Tagen. Wenn es regnet, nicht mal ein Kilogramm. Das macht die Planung für mich als Leiter der Gastronomie auf der Zugspitze sehr schwierig - aber auch spannend.
In meinem Team arbeiten 48 Leute in drei Restaurants und einem Café. Die "Gipfelalm" und die "Panorama Lounge" sind zehn Meter unter dem Gipfel der Zugspitze, auf einer Höhe von 2952 Metern Höhe. Der "Gletschergarten" und das "SonnAlpin"-Restaurant befinden sich auf dem sogenannten Zugspitzplatt auf rund 2600 Metern.
Arbeitsbeginn ist um 7 Uhr, dann fährt die erste Seilbahn zum Gipfel, an manchen Sonntagen bereits um 5.30 Uhr. Meist drängen sich schon Touristen in der Station und wollen mitfahren, aber die erste Fahrt ist für die Mitarbeiter reserviert.
Einer von uns muss immer auf dem Zugspitzplatt übernachten, nach dem Rechten sehen und alles vorbereiten. Wir haben nur eine halbe Stunde Zeit, bis die ersten Gäste kommen - mit dem Brötchenbacken würde man also sonst gar nicht nachkommen.
Allein mit der Notbeleuchtung
Für die Mitarbeiter gibt es ein kleines Zimmer über dem "SonnAlpin"-Restaurant mit Fernseher und Dusche. Als ich das erste Mal dort übernachtet habe, fand ich es richtig gruselig: Das Gebäude ist sehr groß, es gibt vier Ebenen und unendlich viele Türen. Nachts ist nur die Notbeleuchtung an, das Licht muss man überall einzeln anschalten. Und auf einmal war der Lastenaufzug nicht mehr da. Er war in den Keller gefahren - obwohl ja niemand außer mir im Haus war. Dazu gab es noch alle möglichen Geräusche, das war wirklich unheimlich. Am nächsten Tag habe ich erfahren, dass der Fahrstuhl nachts immer automatisch in den Keller fährt.
Ich musste das Haus nachts auch schon einmal verteidigen - gegen zehn Wanderer, die partout dort übernachten wollten. Außer dem Gästezimmer für die Mitarbeiter gibt es im Gebäude nur noch eine Notliege. Ich habe die Wanderer schließlich mit Decken auf der Terrasse untergebracht.
Im Winter wird unweit des Restaurants für Besucher ein Iglu-Dorf errichtet. Dann ist man zumindest vom Gefühl her nicht ganz so allein, manchmal werden aus dem Iglu-Dorf auch Gäste herübergebracht. Manche vertragen die Höhe nicht oder fühlen sich in fensterlosen Räumen unwohl - für solche Fälle haben wir die Notliege.
Auf der Gipfelstation übernachtet zwar ein Seilbahntechniker, aber um vom "SonnAlpin"-Restaurant dort hin zu kommen, müsste man eine 300 Meter hohe Steilwand überwinden. Etwas weiter unten am Berg liegt das Schneeferner Haus, eine Forschungsstation, aber auch dort kommt man im Dunkeln unmöglich zu Fuß hin.
Zehn Tonnen Lebensmittel pro Woche
Eine große Herausforderung ist das Wetter. Bei einer Windstärke von 80 Stundenkilometern fliegen sogar Biertische und -bänke. Und einmal habe ich morgens die Tür geöffnet und stand bis zur Brust im Schnee. Da muss man sich erst einmal durchpflügen.
Wenn es heftig schneit oder der Wind zu stark ist, fährt die Seilbahn nicht, man kommt aber immer noch mit der Zahnradbahn zum Zugspitzplatt. Nur bei richtigem Unwetter steht auch die still. Eine Kollegin von mir war einmal drei Tage lang eingeschneit. Keine schöne Vorstellung, aber zumindest ist es warm, und verhungern kann man auch nicht.
Zweimal pro Woche bekommen wir fünf Tonnen Lebensmittel mit der Zahnradbahn geliefert. Wir haben ein großes Lager auf dem Berg, aber die Kalkulation der Bestellungen ist oft schwierig. Manchmal kommen 4000 Besucher am Tag, manchmal nur 80. Bevor ich in der Zuspitzgastronomie angefangen habe, habe ich eine Autobahnraststätte geleitet, da war die Zahl der Gäste viel leichter einzuschätzen.
Das Publikum auf der Zugspitze ist sehr international. Im Sommer kommen viele Araber, deshalb haben wir zum Beispiel einen eigenen Gebetsraum mit Gebetsteppich eingerichtet und auf den Toiletten Handbrausen installiert. Für die indischen Gäste bieten wir jetzt immer ein indisches Gericht an, bei größeren Gruppen engagieren wir sogar einen indischen Koch - das kommt bei den Besuchern gut an.
Meine Lieblingsmonate auf der Zugspitze sind Februar und März. Da liegt noch Schnee, aber es ist warm, man hat eine klare Sicht. Bei schönem Wetter ist der Ausblick phantastisch. Ohne Sonnenbrille und Sonnenschutzcreme mit Lichtschutzfaktor 50 geht aber nichts. Beides kriegen wir gestellt - als Arbeitsmittel."
- 1. Teil: Arbeit mit Höhen und Tiefen
- 2. Teil: Steffen Korff, Gastro-Chef auf der Zugspitze - "Nachts die Terrasse gegen Wanderer verteidigen"
- 3. Teil: Zugspitze vs. Zeche - die Jobs, die Licht- und Schattenseiten im Vergleich
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