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Jobs abseits der Firma Die Einzelkämpfer - völlig losgelöst

2. Teil: Der IT-Supporter - "Mir fehlen die Korridorgespräche"

Kyeck: "Ich habe nicht mal mehr einen Schreibtisch in der Hamburger Filiale" Zur Großansicht
Jörg Römer

Kyeck: "Ich habe nicht mal mehr einen Schreibtisch in der Hamburger Filiale"

Marcel Kyeck, 39, IT-Projekt-Manager und Support

"Ich habe nur ganz wenige von meinen direkten Team-Kollegen schon einmal persönlich getroffen. Die meisten kenne ich nur durch Telefonkonferenzen oder vom Mailen. Das ist schade, aber das wäre im Büro auch nicht anders. Denn ich arbeite nur virtuell und habe seit zehn Jahren keine Kollegen in Deutschland.

Als IT-Applikationsspezialist arbeite ich bei einem großen Energiekonzern in einem internationalen Team, meine Kollegen wohnen in den USA, Großbritannien, Polen oder Malaysia. Seit zwei Jahren arbeite ich fast nur noch von zu Hause. Mein Arbeitgeber findet das gut, er spart so Kosten. Davor war ich mehrmals pro Monat innerhalb von Europa auf Dienstreisen. Inzwischen habe ich im Büro unserer Hamburger Niederlassung nicht mal mehr einen eigenen Schreibtisch.

Die tägliche Fahrt an den Arbeitsplatz hat einfach keinen Sinn mehr ergeben. Außerdem habe ich bei einer Stunde pro Weg einfach zu viel Zeit verloren. Das Familienleben bekomme ich besser hin, wenn ich zu Hause arbeite. Meine Frau muss sehr früh aus dem Haus. Da ist es schon praktisch, dass ich meinen Sohn um die Ecke in den Kindergarten bringen kann und dann in fünf Minuten wieder am Schreibtisch bin.

Der australische Chef sorgte für schlaflose Nächte

Zu meinem Arbeitsalltag gehören viele Telefonkonferenzen, die wir über das Internet führen. Ich hatte mal einen Chef, der in Australien gearbeitet hat, das war immer schwierig mit der Zeitumstellung.

Durch das Home Office kann ich meinen Arbeitstag viel flexibler gestalten. Die Pausen nehme ich zwischen Meetings, da gehe ich Joggen oder meinem Hobby nach, dem Musikmachen. Die Arbeitszeit ist die Gleiche, aber ich bin länger über den Tag erreichbar. Außerdem ist es zu Hause schwieriger mit dem Abschalten, denn der Rechner steht ja immer im die Ecke im Arbeitszimmer. Zu Anfang war das im Home-Offfice nicht leicht, ich habe ich mich als Einzelkämpfer gefühlt, obwohl ich eigentlich sehr gerne im Team arbeite. Das musste ich erst lernen, das war ein Prozess.

Was mir zu Hause fehlt, sind die Korridorgespräche, da habe ich früher einfach mehr mitbekommen. Deshalb fahre ich etwa einmal die Woche doch ins Büro. Inzwischen arbeiten sehr viele Kollegen aus dem Unternehmen so wie ich. Deshalb haben IT-Mitarbeiter aus unserer Niederlassung vor einiger Zeit einen gemeinsamen IT-Officeday eingerichtet. Die Leute freuen sich, dass sie zwischendurch mal wieder gemeinsam über die Arbeit quatschen können, auch wenn sie nicht in meinem Team arbeiten.

Ich glaube, dass die Menschen in Zukunft noch flexibler arbeiten werden. Für meinen Job brauche ich nur einen Computer und eine schnelle Internetleitung. Deshalb kann ich fast von überall arbeiten. Egal wo ich mich gerade aufhalte."

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Nie wieder!
fridericus1 17.02.2012
4 Jahre lang war ich als angestellter Consultant immer als Einzelkämpfer unterwegs. Mein Kontakt zum Arbeitgeber bestand aus Reisekostenabrechnungen und Gehaltszahlungen. Beim Kunden war ich nie richtig integriert, denn als "Externer" gehört man nun mal nicht dazu. Die langen Abenden in landweiligen Hotels sind mir noch sehr präsent. Ich bin kein übermäßig empfindlicher Mensch, aber in dieser Zeit habe ich mich manchmal sehr einsam gefühlt. Würde ich so jedenfalls nie wieder machen.
2. Telefonsex-Hotline.....
fatherted98 17.02.2012
....dolles Beipspiel...wow....soll das jetzt ein Beispiel für "seriöse" Jobs abseits der Firma sein? - Wie wärs mit Strassenstrich...da ist man auch selten im Büro und hat meist wenig Kontakt zu Kollegen...bei freier Zeiteinteilung....Super SPON.
3. Wie man's nimmt
Schelm 18.02.2012
Zitat von fridericus14 Jahre lang war ich als angestellter Consultant immer als Einzelkämpfer unterwegs. Mein Kontakt zum Arbeitgeber bestand aus Reisekostenabrechnungen und Gehaltszahlungen. Beim Kunden war ich nie richtig integriert, denn als "Externer" gehört man nun mal nicht dazu. Die langen Abenden in landweiligen Hotels sind mir noch sehr präsent. Ich bin kein übermäßig empfindlicher Mensch, aber in dieser Zeit habe ich mich manchmal sehr einsam gefühlt. Würde ich so jedenfalls nie wieder machen.
Ich bin seit 24 Jahren als "Einzelkaempfer" unterwegs. Koennte mir nie vorstellen tagein tagaus ins gleiche Buero zu gehen, dort die gleichen Menschen zu treffen. Da sind mir die endlosen, einsamen Weiten mit landweiligen Hotels in Nordwest-Amerika lieber!! Kommt halt immer auf den Menschentyp an...
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Für flexible Arbeitszeiten gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Modellen. Manche werden in vielen Unternehmen, andere nur ausnahmsweise praktiziert. Insgesamt arbeiten gut 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mit einem solchen Stundenplan. Ein kleines Glossar der modernen Welt der Arbeitszeiten.
Reduzierte Tagesarbeitszeit
Der Klassiker, der kaum Freiräume ermöglicht. Ein Angestellter arbeitet zum Beispiel nur vormittags oder nachmittags. Die Zeitfenster ändern sich nicht.
Reduzierte Wochenarbeitszeit
Eine fast ebenso gängige Variante: Drei- oder Viertagewoche, die übrigen Tage sind frei, und Teilzeitmitarbeiter bestimmen in Absprache mit ihrem Team den freien Tag oft selbst.
Reduzierte Monatsarbeitszeit
Wenig verbreitet: Man verteilt ein Zeitbudget beliebig auf den Kalendermonat. Drei Wochen am Stück arbeiten, eine Woche frei - das geht.
Gleitzeit
Auch "gleitende Arbeitszeit" genannt, bedeutet, dass Beginn, Ende und Dauer der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt sind, sondern zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern verabredet werden. Man unterscheidet "einfache" und "qualifizierte" Gleitzeit. Bei der "einfachen" Gleitzeit wird eine feste "Kernarbeitszeit" und ein "Gleitzeitrahmen" festgelegt, z.B. 7-20 Uhr Gleitzeitrahmen / 10-17 Uhr Kernarbeitszeit. Bei der "qualifizierten" Gleitzeit wird die "Kernarbeitszeit" noch einmal reduziert oder ganz abgeschafft. Vereinbart wird meist eine bestimmte Stundenzahl in der Woche, im Monat oder im Jahr. Die weitere Planung der Arbeitszeit übernimmt der Arbeitnehmer in eigener Verantwortung.
Arbeitszeitkonten
Viele Unternehmen haben mittlerweile Konten eingeführt, auf welchen die Arbeitszeit laut Vertrag, Tarif oder Vereinbarung mit der tatsächlich geleisteten Arbeit verrechnet wird. Besonders bei Modellen wie Gleitzeit oder bei Schichtarbeit werden sie eingesetzt; zudem gibt es meist Vereinbarungen, wie viel "Guthaben" oder "Schulden" auf einem solchen Konto angesammelt werden dürfen.
Sabbatical
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Jahresarbeitszeit
Streng genommen eine Variante der Gleizeit: Arbeitgeber und Angestellte verteilen in Absprache das Arbeitszeitvolumen eines Betriebs nicht gleichmäßig, sondern flexibel über ein Jahr. Dieses Modell bietet sich dann an, wenn es vorhersehbare saisonale Schwankungen im Arbeitsaufkommen gibt.
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Dieses Arbeitszeitmodell hat kaum noch mit dem genauen Zeitraum zu tun, der für Arbeit aufgewandt werden muss. Es orientiert sich eher an einem bestimmten Arbeitsziel, einem Produkt zum Beispiel, das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein soll. Bei der Vertrauensarbeitszeit liegt es weitgehend in der Verantwortung des Arbeitnehmers, seine Zeit und seine Arbeit zu organisieren. Überstunden gibt es bei diesem Modell nicht, dafür auch kein Zuspätkommen. Eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit aber sehr wohl, sie wird jedoch meist nicht kontrolliert.

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