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Recruiting-Trends So gelingt 2016 die Jobsuche

Skypen, statt persönlich zu treffen: Darauf setzen immer mehr Arbeitgeber Zur Großansicht

Skypen, statt persönlich zu treffen: Darauf setzen immer mehr Arbeitgeber

Was kommt im nächsten Jahr auf Bewerber zu? Karriereberaterin Svenja Hofert hat sieben Trends auf dem Arbeitsmarkt identifiziert - und erklärt, wie man am besten auf sie reagiert.

Zur Autorin
  • Ann-Christine Krings

    Karriereberaterin Svenja Hofert hat mehr als 25 Bücher geschrieben, darunter das "Slow-Grow-Prinzip. Lieber langsam wachsen als schnell untergehen" und "Am besten wirst du Arzt... Wie Eltern ihren Kindern wirklich helfen".

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1. Spezialkenntnisse sind gefragt

Es gibt immer noch genügend Bewerber auf freie Stellen, von flächendeckendem Fachkräftemangel an Akademikern kann keine Rede sein. In Norddeutschland kommen nach meiner Erfahrung etwa 30 bis 40 Bewerbungen auf viele Fach- und Führungspositionen, in beliebten Feldern wie Marketing, vor allem im Produktmanagement, sind es oft drei bis vier Mal so viel. Aber: Die Anforderungen an die Spezialkenntnisse steigen.

Immer noch bewerten Firmen konkrete Fachkenntnisse höher als andere Fähigkeiten. So ist es oft schwierig und langwierig, die Branche oder Funktion zu wechseln. "Sie haben ja kein Netzwerk in der Branche." "Ihnen fehlen die Programmierkenntnisse in Y." "Sie kennen das Tool X ja gar nicht." Selbst Bewerber, die bereit wären, zurück auf Start zu gehen, treffen selten auf Wohlwollen. Hier hilft nur eins: systematisch Kaffee trinken mit den richtigen Leuten. Und Geduld haben.

Mein Tipp: Versuchen Sie, klassische Bewerbungswege zu vermeiden, denn dort wird fast nur nach formalen Kriterien gesiebt. Suchen Sie das persönliche Gespräch, und wenn Sie jemanden kennen, gehen Sie immer den Weg über die Empfehlung.

2. Geld verdienen ist nicht alles

Zu Beginn eines Beratungsgesprächs lege ich meinen Kunden ein Karrierestandortfinder-Modell vor. 2015 haben besonders viele mit dem Finger auf einen Kreis getippt mit dem Wort "Sinn". Es waren Marketingleute, die keine Konsumenten mehr beeinflussen wollen, Vertriebler, die ehrlich zu ihren Kunden sein möchten. Die Sinnsuche beschäftigt längst nicht mehr nur Bewerber der Generation Y.

Mein Tipp: Es kann für die Neupositionierung Richtung Sinn nur individuelle Lösungen geben. In jedem Fall brauchen Sie Willenskraft und Strukturiertheit, um Veränderungspläne konsequent umzusetzen. Ein bisschen "Sinn-Shopping" beim Karriereberater bringt nichts, man muss auch umsetzen, Durststrecken akzeptieren, eventuell Geld zuschießen. Und aufhören zu denken, dass es normal sei, sechsstellig zu verdienen.

3. Nicht-technische Akademiker haben es schwer

2015 haben so viele hochqualifizierte Menschen wie noch nie meinen Rat gesucht. Viele haben promoviert und sogar mehrere Studienabschlüsse parallel erworben. Doch die Akademisierung ist nicht auf dem Massenmarkt angekommen. Es gibt nur wenige Stelleninserate, die sich explizit an Akademiker richten. Und in den meisten Online-Bewerberformularen lässt sich nur ein Studienabschluss eintragen.

Viele Abschlüsse wirken sich nicht immer nur positiv auf die Karriere aus - vielfach punkten die besonders hochqualifizierten Bewerber genau wegen ihrer Vita nicht. Mein Eindruck ist, dass Arbeitgeber zwar eine enorme Spezialisierung im technischen Bereich fordern, die nicht-technischen Akademiker aber schwer aufnehmen und auch nicht entwickeln wollen. Ich bin ja der Meinung, dass ein Sprachwissenschaftler, der sich mit Dekonstruktion und ähnlichen Themen beschäftigt hat, auf einer verbalen Ebene mindestens so analytisch denken kann wie ein Physiker, was etwa im Online-Marketing super wertvoll wäre. Das wird indes selten so gesehen.

Mein Tipp: Wer über einen Master als Zweit- oder Drittstudium nachdenkt, sollte sich genau überlegen, wo er damit hinwill. Bekannte, vermeintlich sichere Fächer sind meist nicht jene, die zum Arbeitsmarkt passen.

4. Besser gefunden werden auf Xing und LinkedIn

Seit einiger Zeit versucht Xing mir mit immer neuen Vorschlägen seine Keywords schmackhaft zu machen. Statt "Karrierecoaching Ausbildung" sollte ich bitte "Coaching" bieten. Täglich belehre ich die Maschine: Passt nicht, passt nicht, auch nicht. "Haben wir Sie richtig verstanden?", fragt Xing. Meistens nicht. Mein Profil ist aber auch etwas speziell. Die Suchmaschine lernt schnell - so bin ich zuversichtlich, dass sich das Blatt für die meisten Xing-Nutzer durch immer spezifischere Suchwörter zum Besseren wenden wird. Dass die Trefferquote steigt, habe ich dieses Jahr auch bei Kunden gemerkt. Es werden mehr über Xing und LinkedIn angesprochen und die Anfragen werden spezifischer. Ich habe nicht mehr so oft von Fällen gehört, bei denen jeder per Serienbrief angesprochen wurde, der "Java" im Profil stehen hat.

Mein Tipp: Xing und LinkedIn zuarbeiten, um besser gefunden zu werden.

5. Skypen erspart lange Anreisen

Skype-Interviews werden für immer mehr Firmen und Personalberater zum Recruiting-Instrument. Nicht mehr nur Berufseinsteiger, sondern auch Führungskräfte der zweiten Ebene werden vor den Computer gebeten. Skype ist jetzt häufiger der zweite Schritt nach dem Telefonat. Das finde ich eine gute Sache, denn so können sich beide Seiten manch teure Anreise sparen, um wichtige Fragen zu klären und den ersten Eindruck zu checken.

Mein Tipp: Bereiten Sie sich vor und machen Sie einen Test: Wie sitzen Sie, was sieht man in Ihrem Umfeld? (Wie die perfekte Vorbereitung aussieht, lesen Sie hier.)

6. Ab zum Eignungstest

Im langfristigen Trend immer beliebter werden Tests. Leider, denn die meisten Unternehmen wenden diese stümperhaft an. Wenn ein MBTI nach drei Vorstellungsgesprächen angewendet wird, um zu prüfen, ob die gesuchte Person ein "ENTJ" ist, also eine richtige Führungsperson im Klischeebild von Menschen, die nicht wirklich verstehen, was sie da tun, dann läuft da eine ganze Menge schief. Dieser Typenindikator ist erstens nichts fürs Recruiting und zweitens war die Idee nie, Menschen in Schubladen zu zwängen. Ich kann nur an HR-Abteilungen appellieren, verantwortungsvoll mit Persönlichkeitstests umzugehen. Im Recruiting haben nur wirklich valide Methoden etwas zu suchen - und die lassen sich an einer Hand abzählen.

Mein Tipp: Fragen Sie, welchen Stellenwert ein Test im Prozess hat. Und fordern Sie eine Rückmeldung, was die Ergebnisse waren und wie diese in die Entscheidung einbezogen werden oder nicht.

7. Englisch, ehrlich, aber ohne Foto

Früher gab es die Regel: Englische Stellenanzeige, englische Bewerbung. Deutsche Stellenanzeige, deutsche Bewerbung. Inzwischen stelle ich fest, dass immer mehr Bewerber nur noch ihren englischen Lebenslauf nutzen und damit gut fahren. Eine Zeitlang war es notwendig, zwei Versionen parallel zu pflegen - in internationalen Umfeldern ist das nicht mehr so. Ein Lebenslauf reicht, Anschreiben ist oft nicht wichtig oder nicht nötig. Internationale Unternehmen mögen auch kein Foto, was eher schwer in die Köpfe deutscher Bewerber zu bekommen ist. Weiterer Trend ist die ehrliche Bewerbung, in der Bewerber auch mal sagen, was sie nicht können.

Mein Tipp: Schreiben Sie eine Erläuterung dazu, wenn Sie einen fantasievoll benannten Studiengang belegt oder in einem weniger bekannten Unternehmen gearbeitet haben, zum Beispiel "Firma xy ist weltweiter Marktführer im Bereich x".

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1. Kein Abi, kein Studium, trotzdem auf Jobsuche!
Det_onator 28.12.2015
Gibt's eigentlich für spon und KarriereSpiegel außer Studierten und Akademikern auch noch andere jobsuchende Arbeitnehmer in diesem Land? Ich fühle mich mit normalem Schul- und Berufsabschluss so langsam aber sicher medial diskriminiert! Wie wäre es, wenn Sie auch mal den großen Rest der arbeitenden und arbeitssuchenden Bevölkerung in ihren Artikeln mit berücksichtigen würden? Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar. Nicht jeder hat Abitur oder Studium, sucht aber trotzdem händeringend einen Job. Nicht jeder spricht fliessend englisch, sucht aber in DEUTSCHland eine Beschäftigung. Soviel ich weiss,wird in diesem Land DEUTSCH gesprochen! Ich hoffe Sie merken selbst, wie elitär abgehoben und realitätsfern ihre Tipps oftmals sind. Kommen Sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, besten Dank.
2. Kein Abi, kein Studium, trotzdem auf Jobsuche!
Det_onator 28.12.2015
Gibt's eigentlich für spon und KarriereSpiegel außer Studierten und Akademikern auch noch andere jobsuchende Arbeitnehmer in diesem Land? Ich fühle mich mit normalem Schul- und Berufsabschluss so langsam aber sicher medial diskriminiert! Wie wäre es, wenn Sie auch mal den großen Rest der arbeitenden und arbeitssuchenden Bevölkerung in ihren Artikeln mit berücksichtigen würden? Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar. Nicht jeder hat Abitur oder Studium, sucht aber trotzdem händeringend einen Job. Nicht jeder spricht fliessend englisch, sucht aber in DEUTSCHland eine Beschäftigung. Soviel ich weiss,wird in diesem Land DEUTSCH gesprochen! Ich hoffe Sie merken selbst, wie elitär abgehoben und realitätsfern ihre Tipps oftmals sind. Kommen Sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, besten Dank.
3. können se vergessen
peterkamm-mueller 28.12.2015
"Ich hab Sprachwissenschaft studiert und will nun als Physiker arbeiten....weil ich gut in 'Dekonstruktion' (A.d.Verf., was das auch immer ist) bin, werde ich auch bestimmt gut als Physiker arbeiten können!". Ja, in welcher Welt leben manche Leute eigentlich? Wir haben heute schon wenig Nachfrage nach Physikern und dann kommt auch noch ein "Nicht-Physiker", will Physiker spielen und die fast nicht vorhandenen Stellen für Physiker besetzen. Manchmal frage ich mich, in welcher Welt diese "Äitsch-AAA" Personaler leben. Die Geschichte mit den 200 Bewerbungen auf eine Marketingstelle habe ich auch schon mehrfach gehört. Scheint keine gute Idee zu sein, "Marketing" zu studieren! Überhaupt, wieviel Arbeitslosigkeit verstecken wir eigentlich in unserer "Akademisierung" und den 3-4 (?) Millionen Studenten?"...
4. Brauchen Sie gar nicht ...
nochnbier 28.12.2015
Zitat von Det_onatorGibt's eigentlich für spon und KarriereSpiegel außer Studierten und Akademikern auch noch andere jobsuchende Arbeitnehmer in diesem Land? Ich fühle mich mit normalem Schul- und Berufsabschluss so langsam aber sicher medial diskriminiert! Wie wäre es, wenn Sie auch mal den großen Rest der arbeitenden und arbeitssuchenden Bevölkerung in ihren Artikeln mit berücksichtigen würden? Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar. Nicht jeder hat Abitur oder Studium, sucht aber trotzdem händeringend einen Job. Nicht jeder spricht fliessend englisch, sucht aber in DEUTSCHland eine Beschäftigung. Soviel ich weiss,wird in diesem Land DEUTSCH gesprochen! Ich hoffe Sie merken selbst, wie elitär abgehoben und realitätsfern ihre Tipps oftmals sind. Kommen Sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, besten Dank.
denn Sie sind auf den "Bewerberzirkus" der sogenannten Personaler nicht hereingefallen! Außer Allgemeinplätzen kann man in den Bewerberkolumnen von SPON, ZON usw. ohnehin nichts substantielles lesen. In Deutschland hat sich eine "Industrie" gebildet, die sehr gut davon lebt Bewerber zu verunsichern, um ihnen teure Ratgeber und Coachings aufzuschwatzen. In keinem anderen Land der Welt wird so viel Klamauk um Bewerbungen und Bewerber veranstaltet wie in Deutschland! Die Berufsgruppe der Headhunter und Personaler ist mindestens genauso dubios und überflüssig wie Immobilienmakler, die viel Geld für wenig Leistung einstecken. Die Krönung ist der Tipp im Artikel: "Hier hilft nur eins: systematisch Kaffee trinken mit den richtigen Leuten." Aha! Die Autorin rät zu "Vitamin B" und Vetternwirtschaft. Das zeigt doch mehr als deutlich, dass bei Einstellungen mehrheitlich "aus dem Bauch heraus" entschieden wird und Einstellungstests, Interviews und Bewerbungsunterlagen eher eine untergeordnete Rolle spielen. Deshalb mein Tipp an die Unternehmer und Chefs für 2016: Verlassen Sie sich lieber auf Ihre eigene Fachkompetenz und Menschenkenntnis! Schicken Sie Ihre HR, die Personaler und Headhunter in die Wüste! Sprechen Sie mit den Bewerbern auf Augenhöhe und verzichten Sie auf Psychotricks, Einstellungstests und unsinnige Bewerbungsrituale. Das spart Geld, Stress und vermeidet falsche Entscheidungen. Sie finden damit viel bessere und motiviertere Mitarbeiter, versprochen!
5. Keine Angst...
fatherted98 28.12.2015
Zitat von Det_onatorGibt's eigentlich für spon und KarriereSpiegel außer Studierten und Akademikern auch noch andere jobsuchende Arbeitnehmer in diesem Land? Ich fühle mich mit normalem Schul- und Berufsabschluss so langsam aber sicher medial diskriminiert! Wie wäre es, wenn Sie auch mal den großen Rest der arbeitenden und arbeitssuchenden Bevölkerung in ihren Artikeln mit berücksichtigen würden? Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar. Nicht jeder hat Abitur oder Studium, sucht aber trotzdem händeringend einen Job. Nicht jeder spricht fliessend englisch, sucht aber in DEUTSCHland eine Beschäftigung. Soviel ich weiss,wird in diesem Land DEUTSCH gesprochen! Ich hoffe Sie merken selbst, wie elitär abgehoben und realitätsfern ihre Tipps oftmals sind. Kommen Sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, besten Dank.
....diese Berufsblindheit ist bei Medienvertretern und Politikern chronisch....da man selbst studiert hat, nur mit Akademikern Umgang pflegt...nimmt man den Rest der arbeitenden Bevölkerung nur noch schemenhaft (wenn überhaupt) wahr. In Berichten und Reden kommen diese gar nicht mehr vor...daran krankt unser Land seit Jahrzehnten...deshalb auch kein Nachwuchs mehr in Industrie und Handwerk....dafür volle Unis und BWLer, Kunstgeschichtler und Germanisten ohne Ende (und auch oft ohne Job). Zur Englischen Sprache....auch hier kann ich Sie beruhigen...in den wenigsten Jobs ist fließendes Englisch gefragt....meist ist einfaches Schulenglisch ausreichend. Ich selbst habe 2 Jahre in England gelebt/gearbeitet....übersetzte hin und wieder mal was oder nehme mal ein Telefonat an (weil sich die Kollegen nicht trauen)....mit ein bißchen Selbstvertrauen könnten die anderen das aber auch....also alles mach/schaffbar.
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