27. Januar 2013, 09:44 Uhr

Jobs in der Teleshopping-Branche

Komm' ich jetzt ins Fernsehen?

Entertainer, BWLer, Fitnessexperten: Die Teleshopping-Sender nehmen sie alle. Die Jobs vor der Kamera sind rar, doch dahinter bietet die Millionen-Branche die verschiedensten Tätigkeiten. Denn wenn die neueste Wunder-Anti-Falten-Creme feilgeboten wird, geht die Arbeit erst richtig los.

Er möchte jede Frau zur Prinzessin machen - und was will die Zielgruppe weiblich, Ü50, Haufrau lieber hören? Der Designer Harald Glööckler hat das Einkaufen über den Fernseher als Absatzmarkt für seine Produkte entdeckt. Doch man muss kein ausgeflippter Modemacher sein, um in der Teleshopping-Branche einen Job zu finden. Zwischen Porzellanpuppen, Küchenzubehör, Schmuck und Bauch-weg-Höschen finden sich mehr Einsatzbereiche als nur der des Moderators oder Mode-Experten.

Wer Prestige will, kann hier schon aufhören zu lesen. Auch wenn die Sender Millionen umsetzen, will kaum einer schon jemals dort eingekauft haben, geschweige denn die Sendungen schauen. Auf der Fernbedienung sind die entsprechenden Kanäle auf den hinteren Plätzen zu finden.

Doch der Vorteil ist: Die Branche ist im Aufschwung. Die großen Player wie QVC und HSE24 setzen zusammen mit einigen kleineren Sendern im Jahr 2011 Produkte für 1,37 Milliarden Euro um, hat eine Studie der Strategieberatung Goldmedia herausgefunden. Allein für QVC arbeiten 3900 Menschen, bei HSE24 sind es 2580. Der Umsatz in der Branche ist zuletzt kräftig gewachsen: QVC verbuchte 2011 rund 770 Millionen Euro, bei HSE24 waren es 470 Millionen Euro - in beiden Fällen ein Plus von 7 Prozent.

Der bekannteste Job im Fernsehstudio ist der des Moderators. "Günstig wie nie", "begrenzte Anzahl" und "einmaliges Angebot": So preisen die Frontfrauen und -männer von der Beauty-Creme bis zum Fitnessgerät alles an, von dem der Kunde vorher nicht wusste, dass er es so dringend benötigt. Seite an Seite mit TV-Sternchen wie Designer Harald Glööckler, Big-Brother-Gewinnerin Alida-Nadine Kurras oder Schauspieler Ralf Bauer zu moderieren, erscheint attraktiv. Doch dabei geht es um knallhartes Verkaufen, eine Menge Frauen jenseits der 50 müssen zu Produkten vom Gurkenraspler bis zum Ganzkörperpeeling überredet werden. Beim Teleshopping zählt nicht die Quote, sondern der Umsatz.

Eine weitere Herausforderung: Die Moderatoren sind live auf Sendung. Während bei anderen Shows oft Teleprompter verwendet werden, arbeiten die Teleshopping-Moderatoren ohne doppelten Boden. Bei Aussetzern oder Lachanfällen müssen sie einfach immer irgendwie weiterreden. "Die freie Rede ist eine Herausforderung", sagt Alida-Nadine Kurras, die bei Channel 21 moderiert.

Doch die meiste Arbeit steht an, bevor und nachdem die neueste Puppenkollektion angepriesen wird: Teleshopping-Sender sind Medienhäuser und Vertriebsunternehmen in einem. Viele Stellen gibt es im Fernsehstudio, beispielweise an der Kamera, als Kabelträger und Beleuchter. Bei HSE 24 arbeiteten etwa 30 Prozent der Mitarbeiter in Jobs rund um das Fernsehstudio.

Von Beruf Experte für ausgefallene Küchengeräte

Dort ist auch noch eine andere Aufgabe zu Hause: Die des Produktexperten. Er präsentiert zusammen mit den Moderatoren die Waren und erklärt Material oder Funktion. "Die Experten werden zum Teil von den Lieferanten selbst geschickt", sagt Irmgard Jarosch von QVC. Zum Teil seien es aber auch unabhängige Fachleute. Bevor sie auf Sendung geschickt werden, durchlaufen sie ein Casting, in dem etwa ihre Kameratauglichkeit getestet wird.

Daneben gibt es in den Fernsehstudios noch weitere Tätigkeiten: Gebraucht werden TV-Direktoren, die mit Regisseuren vergleichbar sind, sagt Jarosch. Es gibt Promo-Producer, die Werbefilme herstellen und Grafikdesigner. "Wer sich für einen der Jobs interessiert, sollte sich direkt bei den Sendern bewerben", empfiehlt Jarosch.

Zum großen anderen Teil ist ein Teleshoppingsender einfach ein Handelsunternehmen, in dem die gleichen Aufgaben anfallen wie bei anderen Versandhändlern. Jobs gibt es beispielweise im Vertrieb: Gesucht werden etwa Einkäufer für Mode oder Beautyprodukte, sagt Jarosch von QVC. Zum Teil würden die Einkäufer auch selbst neue Marken entwickeln, so Stefanie Maute von HSE24. Für Controlling, Vertrieb und die Finanzabteilung sind vor allem Fachkräfte mit einer kaufmännischen Ausbildung gefragt.

Viele Stellen gibt es auch in der Logistik. Für die Zentren, von denen aus die Pakete verschickt werden, werden Fachkräfte gesucht. Daneben gibt es Arbeitsplätze in den Callcentern, in denen die Bestellungen der Zuschauer entgegengenommen werden. Schließlich werden für den IT-Bereich System-Administratoren gesucht.

mia/dpa


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