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Karriere-Kleiderordnung Das Diktat der Etikette

Dresscode: Erfolg ist im Anzug Fotos
dapd

Das Äußere entscheidet maßgeblich über die Karriere. Denn die Elite erkennt ihresgleichen an kleinen Zeichen wie den offenen Knopflöchern an den Ärmeln eines Maßjacketts. Zu kurze Röcke oder zu billige Aktenkoffer, Kreppsohlen oder die falsche Uhr - schon kann die Reputation erheblich leiden.

Sie gelten als geheime Losung für den Zugang zum Zirkel der Vornehmen und Erfolgreichen - die Knopflöcher an den Ärmeln eines Jacketts. Sind sie zugenäht, weiß der kundige Betrachter sofort: Das schlichte Stück stammt von der Stange. Offene Knopflöcher hingegen zeugen davon, dass ein Maßschneider am Werk war.

Die kleine Lektion in puncto exklusiver Kleidung erscheint Ihnen kurios? Dann schauen Sie doch mal auf den eigenen Blazer. Und? Beim Herrenausstatter auf der Kö oder am Ku'damm erworben? Alles bestens, sofern Sie ordentlich Geld investiert und sich einen Designeranzug gekauft haben. Ansonsten sind die Löcher zu.

Falls Sie der Sache immer noch nicht trauen, werfen Sie einen Blick auf die Sakkoärmel eines hochmögenden Geschäftspartners. Wenn er Ihnen den Test leicht macht, hat er den untersten Knopf nicht geschlossen. Diesen Hinweis auf die Vertrautheit mit den Spielregeln finden Profis wie die Stilberaterin Nandine Meyden allerdings "ziemlich peinlich".

Menschen bilden sich binnen Sekunden ein Urteil

Noch ein paar Beispiele aus dem Dresscode für die Topetage? Bitte schön: Schuhe sollten handgefertigt sein, vorzugsweise aus Pferdeleder und niemals mit einer Kreppsohle versehen. Ein gesticktes Monogramm ist nahezu Pflicht, jedoch nicht auf der Manschette und auch nicht auf der Brusttasche (das Maßhemd hat meist ohnehin keine Tasche), sondern ganz dezent seitlich über dem Hosenbund. Und schließlich geht kein Mann von Welt ohne edle Manschettenknöpfe aus dem Haus.

Dergleichen Details - sowohl für den Businessman als auch für dessen weibliches Pendant - gibt es viele. Gönnen Sie sich ein paar Minuten der Lektüre, die Ausbeute wird sich lohnen. Denn nichts außer der Leistung beeinflusst die Karriere mehr als das Reglement der Äußerlichkeiten.

Wer sich nicht anpasst, der eckt an. Der gefährdet den eigenen Aufstieg. Der läuft Gefahr, mit anzüglichen Bemerkungen gemobbt zu werden. Etwa weil die Bereichsleiterin einen zu kurzen Rock trägt ("In der Gürtelabteilung gekauft?") oder weil der Kollege rosafarbene Hemden präferiert ("Wohl beim Christopher Street Day gewesen?").

Welchen Zweck verfolgt eigentlich dieser für die höheren Ränge ungeschriebene, für das mittlere und untere Management auch mal schriftlich niedergelegte Kodex? Wie hat er sich im Laufe der Zeit verändert? Ist der Druck zur Konformität gestiegen; sind die Sanktionen für Abweichler härter geworden?

"Das Tuscheln auf den Fluren nahm kein Ende"

Untersuchungen belegen: Menschen bilden sich binnen Sekunden ein Urteil, das nur schwer zu revidieren ist. Trägt also der Kandidat für die Stelle des Vorstandsassistenten teureres Tuch als der Patron selbst, braucht er sich auf den Job kaum Hoffnungen zu machen. Sublimer läuft es ganz oben: Bricht ein Geschäftsführer die Konvention, schadet er seiner Reputation - selbst wenn es sich nur um Petitessen handelt.

Diese Erfahrung machte vergangenes Jahr auch Heinrich Hiesinger, damals noch designierter Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp. Der Ex-Siemens-Manager erschien zu einer Pressekonferenz mit einem relativ billigen Aktenkoffer, und zu allem Übel posierte er damit vor den Fotografen.

"Am nächsten Tag nahm das Tuscheln auf den Fluren der Essener Zentrale kein Ende", klagt einer aus Hiesingers Entourage. Ausgerechnet bei ThyssenKrupp, dessen Ehrenvorsitzender Berthold Beitz mehreren Managergenerationen als perfekt gewandetes Vorbild diente, trat der künftige Chef mit einem Köfferchen an, das nicht einmal über besondere Beschläge und Schlösser verfügte!

Gertrud Höhler, Vortragsreisende und Aufsichtsrätin, kann die Empörung verstehen: "Die mindere Qualität der Hülle lässt auf die Bedeutung der Akten schließen." Für die Mitarbeiter sei dies ein demotivierendes Signal. "Die wollen doch sehen, dass es sich lohnt, die mühselige Strecke nach oben zurückzulegen", so Höhler. "Wie soll das funktionieren mit einem Equipment, das sich auch weniger gut Honorierte leisten können?"

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