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Karriere mit Ecken und Kanten Wie werde ich ein Typ?

Manager mit Piercings und Tattoos: Macken formen den Charakter Zur Großansicht
Corbis

Manager mit Piercings und Tattoos: Macken formen den Charakter

Klassische BWL-Studenten langweilen - das sagt nicht Rainer Langhans, sondern einer der führenden Personalberater Deutschlands. Führungskräfte dürfen auch Macken haben, findet Thomas Tomkos. Im Interview verrät er, wen er für Top-Jobs sucht und wem seiner Meinung nach die Zukunft gehört.

Frage: Herr Tomkos, was macht eine Persönlichkeit aus?

Tomkos: Das, was man typischerweise als Ecken und Kanten erkennt. Ein Typ ist jemand, bei dem ich sagen kann: Der steht für etwas - und der steht für etwas ein. Und zwar in profilierter Art und Weise.

Frage: Leute mit Ecken und Kanten haben oft auch Macken.

Tomkos: So sei es! Aber sie zeichnen sich nicht zuletzt in kritischen Situationen durch eine klare Haltung aus. Zum Beispiel wenn es darum geht, unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen. Typen stehen für ihre Überzeugung ein, oft sogar allein. Und wenn es sie den Kopf kostet, dann ist es halt so.

Frage: Solche Typen sind ungemütlich in bestimmten Situationen.

Tomkos: Aber Sie wissen, woran Sie bei ihnen sind. Und Sie wissen, dass das Gesagte belastbar ist. Sie finden bei diesen Persönlichkeiten einen Charakter, den Sie packen, den Sie greifen können. Von dem Sie sagen können: In bestimmten Situationen weiß ich, wie der denkt, wie der tickt. Und ich weiß auch, dass er sich seine Unabhängigkeit bewahrt.

Frage: Ab welcher Hierarchieebene darf man denn Typ sein?

Tomkos: Sie sind kein Typ, sondern besserwisserisch und arrogant, wenn Sie frisch von der Uni kommen und sich für vollendet halten. Ab dem Augenblick jedoch, wo Sie ein größeres Team leiten, müssen Sie es prägen. Dann sind Sie derjenige, der für dieses Team steht, spricht und sich dafür einsetzen muss. Ab da wird es wichtig, dass Sie Ihren Charakter weiter formen, Ecken und Kanten bilden.

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Frage: Ich setze also auf die Liste meiner beruflichen Ziele: Ecken und Kanten bilden…

Tomkos: Ganz ohne Basis geht es auch hier nicht. Sie müssen Erfahrungen gesammelt haben. Sie werden schon mal gegen eine Wand gelaufen sein. Sie werden Ihre Misserfolge erlebt haben. Und daraus die Souveränität für sich abgeleitet haben, mit einer schwierigen Situation auf Ihre Weise umzugehen.

Frage: Wie gelingt es mir, aus meinen Erfahrungen diese Souveränität abzuleiten?

Tomkos: Durch Reflexion. Und diese ist schwach, wenn Sie keine breite Bildungsbasis besitzen. Sie müssen den Mix kreieren aus Wissen, von anderen lernen, Ihrer eigener Reflektion und die vielfältigen Erfahrungen, die Sie im Laufe der Zeit sammeln, nutzen. Das alles führt im Idealfall dazu, dass Sie zu einer Haltung finden und so Situationen und Fakten für sich einordnen können.

Frage: Wer reflektiert denn besser - Männer oder Frauen?

Tomkos: Frauen sind häufig etwas reflektierter. Vermutlich, weil sie früher und häufiger als Männer vor fundamentalen Fragestellungen stehen: Mache ich Karriere, oder kriege ich ein Kind. Heirate ich jetzt schon, oder warte ich noch? Das sind Lebensentscheidungen, die sie dazu veranlassen, darüber nachzudenken, was man eigentlich will. Das muss ein Mann nicht unbedingt. Für den ist häufig klar: Er rennt da jetzt weiter, macht Karriere, lernt vielleicht eine nette Frau kennen, das läuft dann schon alles. Möglicherweise stellt diese ihm irgendwann mal die Frage, ob er vielleicht auch ein halbes Jahr zu Hause bleiben will - der Höchstfall, aber das Leben ändert sich dadurch nicht grundlegend.

Frage: Lassen Sie uns über Bildung reden, den Spiegel fürs Reflektieren. Was muss ich wissen?

Tomkos: Man sollte historisch solide bewandert sein und wissen, welche wichtigen Ereignisse dazu geführt haben, dass beispielsweise kulturelle Unterschiede so sind, wie sie sind. Dass Staaten und Machtstrukturen so sind, wie sie sind, dass wirtschaftliche Vorteile in einzelnen Ländern so sind, wie sie sind. Dies beinhaltet auch eine politische Grundbildung, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft organisiert ist.

Was ich auch wichtig finde, ist ein Basiswissen in Naturwissenschaften: ein grundsätzliches Gefühl dafür, ob wir tatsächlich in der Wirtschaft auf ewiges Wachstum setzen können. Wie es sich mit den fossilen Energieträgern verhält, welche Abhängigkeit wir von unserem Mutterschiff Erde haben. Meines Erachtens nach - gewissermaßen als Königsdisziplin - sollte immer auch Philosophie dazu gehören und damit auch ein Stück weit das, was man Ethik nennt. Und vielleicht eine Prise Rhetorik. Die Kunst, sich interessant zu artikulieren und einen Diskurs führen zu können, statt über Schlagzeilen nicht mehr hinauszukommen.

Frage: Klingt ein bisschen nach Pisa für Fortgeschrittene. Sind Führungskräfte denn so dumm, dass Sie klassische Bildung so vehement fordern müssen?

Tomkos: Ich finde in der Tat zu viele Gespräche erstaunlich dünn. Sie fragen, welchen Zeitungsteil jemand liest, nachdem er die Wirtschaftsseiten seiner Zeitung durch hat, was ihn darüberhinaus interessiert oder treibt - und hören oft erschreckend wenig. Vielleicht etwas aus der aktuellen Debatte, dazu aber keine eigenständig entwickelte Haltung oder Meinung. Das Fatale ist: Über je weniger Bildung ich verfüge, desto weniger grundsätzlich kann ich reflektieren. Desto eher nehme ich ausschließlich auf: Aha, die Hartz-IV-Sätze sind erhöht worden, vorgestern war es noch ein völlig anderes Thema, davor war es möglicherweise die Finanzkrise.

Frage: Ich schwimme sozusagen auf der dünnen Welle dessen mit, was täglich so passiert.

Tomkos: Mir fehlt die Grundlage, auf der ich meine grundsätzlichen Gedanken hierzu entwickeln kann, auf der ich reflektieren kann: Wie stehe ich, wie unser Unternehmen in diesem Kontext. Wie führen wir unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter heute? Was verschiebt sich momentan in dieser Gesellschaft? Was bedeutet das für die Menschen und ihr Leben? Was für mich? Woher kommt die Unsicherheit in den Köpfen? Wenn ich das zu interpretieren versuche, reicht Betriebswirtschaft nicht aus! Aber der Ungebildete könnte das glauben.

  • Das Interview führte Helene Endres, Redakteurin beim manager magazin

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Jaja . . .
Tschock 28.03.2011
. . . der schönen Worte hören wir allzugern, allein es fehlt die Tat . . ! Und bei der nächsten Einstellung wird dann doch wieder gerne der stromlinienförmige BWLer genommen, der doch so toll "Ja" sagen kann
2. einfach affig
Nichdoch 28.03.2011
Wer einen Farbpinsel benötigt, um zu beweisen, daß er etwas Besonderes ist, der sollte Anstreicher werden. Ich erkenne in einem Gespräch nach 5 Minuten, wen ich vor mir habe. Leute, die mit Gewalt auf die Bühne wollen, sind nicht unbedingt die Besten sondern eher die Blender.
3. .
Haio Forler 28.03.2011
Zitat von Tschock. . . der schönen Worte hören wir allzugern, allein es fehlt die Tat . . ! Und bei der nächsten Einstellung wird dann doch wieder gerne der stromlinienförmige BWLer genommen, der doch so toll "Ja" sagen kann
Immerhin sagt mal jemand zumindest die Worte ;)
4. und wieder mal "führungskräfte"
zynik 28.03.2011
Zitat von sysopKlassische BWL-Studenten langweilen - das sagt nicht Rainer Langhans, sondern einer der führenden Personalberater Deutschlands. Führungskräfte dürfen auch Macken haben, findet Thomas Tomkos. Im Interview verrät er, wen er für Top-Jobs sucht und wem seiner Meinung nach die Zukunft gehört. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,751602,00.html
Süss, wie da jetzt so etwas wie Authentizität simuliert werden soll. Die Ausbildung unserer "Führungskräfte" ist doch eben genau auf das Gegenteil ausgelegt: Stromlinienform, unreflektierte Übernahme ideoligischer Thesen und Anpassungsfähigkeit bis zur Unkenntlichkeit. Na dann mal viel Glück bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich seh schon diverse Unternehmensberater am casual friday ganz rebellisch mit Lederjacke auflaufen ;-) P.S. Wird übrigens im Umkehrschluss auch der Nicht-"Führungskraft" die ein oder andere Macke zugestanden?
5. Wer etwas Neues wagt, trägt das volle Risiko
Olaf 28.03.2011
Zitat von Tschock. . . der schönen Worte hören wir allzugern, allein es fehlt die Tat . . ! Und bei der nächsten Einstellung wird dann doch wieder gerne der stromlinienförmige BWLer genommen, der doch so toll "Ja" sagen kann
Ganz genau. In den Medien wird schön rumschwadroniert und bei den Einstellungsgesprächen wird dann doch auf Bewährtes zurückgegriffen. Wehe dem, der in Deutschland ausgetrampelte Pfade verlässt und nicht 100% Erfolg damit hat. Der wird in der Luft zerfetzt. Wer immer schön alles so macht wie alle anderen auch, dem kann das nicht passieren. Das kann zwar auch schiefgehen, aber dann war das eben nicht zu Vermeiden. Das bestätigen sich dann im Nachhinein auch alle Gegenseitig.
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Zur Person
Russell Reynolds Associates
Thomas Tomkos ist Partner und Deutschlandchef der Personalberatung Russell Reynolds Associates. Nach Studium und Promotion als Physiker an der Universität Hamburg arbeitete er bei den Beratungsfirmen Gemini und Cell, dann bei der Fluggesellschaft LTU, bevor er 2005 bei Russell Reynolds einstieg.
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