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Karriere mit Knick "Du bist einfach dämlich"

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Corbis

Sind Frauen die besseren Chefs - oder deckeln sie Mitarbeiterinnen besonders unbarmherzig? Die Buchhalterin Silke Langer hat jahrelang gelitten und sich kaum gegen Demütigungen gewehrt: ein Kampf Frau gegen Frau, ein Ringen um Macht mit der früheren Kollegin und neuen Vorgesetzten.

Am Tag vor der Hochzeit reichte die Vorgesetzte zwei Briefe rein. "Alles Gute zum Fest" - keine Gratulationen, sondern Abmahnungen. Die höhnische Stimme und das falsche Lächeln verfolgten Silke Langer (Name geändert), 38, bis in die Hochzeitsnacht. Auch später, in den Flitterwochen, und noch heute hat sie diesen Ton im Ohr, wenn die Chefin in ihr Zimmer kommt. Tatsächlich war der Grund für die Verwarnungen harmlos. Die üblichen Kunden hatten sich beschwert, die, von denen jeder im Büro wusste, dass sie immer meckerten. Heute spricht keiner mehr davon. Silke Langer aber sagt: "Das werde ich ihr nie verzeihen."

Es war nicht der erste persönliche Angriff. Silke Langer nennt sie "heimtückische Attacken". Seit zehn Jahren arbeitet sie als Debitorenbuchhalterin in einem großen Unternehmen, treibt Forderungen von Kunden ein, die nicht zahlen. Eine undankbare Arbeit, besonders während der Wirtschaftskrise. "Bei vielen Käufern gibt es einfach nichts mehr zu holen."

Ihre Chefin bekam Druck von oben. Sie trat nach unten und schrie: "Du bist einfach dämlich." Die Beleidigung hat gesessen, die Botschaft hat Silke Langer genau verstanden: "Ich bin klüger, ich kann das besser." Sie kennt ihre Abteilungsleiterin, schließlich waren sie jahrelang Kolleginnen. Aus der Zeit kommt auch das "Du". Heute wäre Silke Langer gern wieder beim "Sie". "Dann könnten wir vielleicht sachlich reden."

Die Kollegen taten es als Zickenkrieg ab

Liegt McKinsey falsch? Laut einer Studie der Unternehmensberatung sind gerade Frauen in Führungspositionen einfühlsamer und verständnisvoller als ihre männlichen Kollegen und somit wichtig für den Erfolg einer Firma. Silke Langer ist überzeugt: "Das heißt nicht, sie sind lieb und nett." Sagt auch die Berliner Psychologin und Mediatorin Regina Michalik, die ausschließlich mit Frauen im Beruf arbeitet: "Frauen in Führungspositionen sind meist die besseren Chefs. Aber oft reagieren sie besonders hart. Damit niemand denkt, sie könnten nicht durchgreifen wie ein Mann."

Macht das Frauen zu Mobbern? Das ständige Nörgeln ihrer Chefin hat Silke Langer störrisch gemacht: "Ich weiß, wie meine Arbeit geht." Als Buchhalterin schickt sie Mahnungen raus, vereinbart Ratenzahlungen, und wenn alles nichts nutzt, schaltet sie ein Inkasso-Unternehmen ein. Sie hört geduldig zu, wenn Alleinerziehende um Aufschub betteln oder Rentner versprechen: "Im nächsten Monat zahle ich, bestimmt." Sie hat Verständnis, wenn Hartz-IV-Empfänger weinen: "Wir sparen, ehrlich."

Sie schickt die Briefe trotzdem. Nur dass sie manchmal zuvor ein paar Tage gewartet hat, ob das Geld vielleicht doch noch kommt. "Aber deshalb bin ich noch lange nicht dämlich, wie meine Chefin meinte."

Wer sich nie wehrt, wird zum dankbaren Opfer

Der erste Krach vor vier Jahren: Der alte Abteilungsleiter war noch nicht weg, da stand die bisherige Kollegin und künftige Chefin schon im Büro. Frontalangriff vor allen anderen: "Du klagst über zu viel Arbeit?" Natürlich hatte Langer mal über Querulanten gelästert. Das machte schließlich jeder. Jetzt ärgerte sie sich. "Warum behauptet die, dass ich meine Arbeit nicht schaffe?" Sie weiß nicht, was sie mehr wurmte: "Dass mich meine Chefin niedermachte oder ich mich nicht wehren konnte."

"Vielleicht aber auch, dass es eine Frau war?", vermutet Regina Michalik. Sie kennt die unbewussten Verhaltensmuster und weiß: "Kritik von Frauen nehmen andere Frauen oft persönlich. Einem Mann verzeihen sie Fehler schneller."

Die zukünftige Vorgesetzte musterte die Aktenwand und mäkelte weiter: "Warum brauchst du sechs Ordner für Inkasso?" Merkwürdige Frage, schließlich war Silke Langer für Inkasso zuständig. Doch wieder schwieg sie, so wie immer. Und tobte erst zu Hause: "Was will die Hexe überhaupt?" Sie fand eine eigene Antwort: "Die ist wütend, weil sie mir den Job auch angeboten haben." Sie hoffte, irgendwann würde sich das schon geben.

Für die Kollegen herrschte Zickenkrieg, Frau gegen Frau, da halten wir uns raus. In Wirklichkeit prallten zwei Persönlichkeiten aufeinander: Die eine - zurückhaltend, häuslich, fleißig - gegen die andere, offen, forsch, ehrgeizig. Tradition gegen Emanzipation. Kompromisse wurden nicht gemacht. Silke Langer verlor einen Kampf, den sie nie wollte.

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insgesamt 101 Beiträge
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1. Dümmliche Chefin
Ulrich Stewering 17.08.2011
Die einzig Dämliche ist hier die Chefin, da sie nicht einmal die einfachsten arbeitspsychologischen Grundregeln kennt. Wer MitarbeiterInnen herunterbügelt, muss auch mit den entsprechenden betriebswirtschaftlichen Konsequenzen leben...
2. Der Artikel beweist nur, dass es auch unfähige Chefinnen gibt.
Michael Giertz, 17.08.2011
Zitat von sysopSind Frauen die besseren Chefs - oder deckeln sie Mitarbeiterinnen besonders unbarmherzig? Die Buchhalterin Silke Langer hat jahrelang gelitten und sich kaum gegen Demütigungen gewehrt: ein Kampf Frau gegen Frau, ein Ringen um Macht mit der früheren Kollegin und neuen Vorgesetzten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,780573,00.html
Irgendwo, tief im Artikel, aber noch auf Seite eins steht eine für mich unhaltbare Behauptung - jedenfalls anhand dieses Beispiels: [quote=SPON]Laut einer Studie der Unternehmensberatung sind gerade Frauen in Führungspositionen einfühlsamer und verständnisvoller als ihre männlichen Kollegen und somit wichtig für den Erfolg einer Firma. Silke Langer ist überzeugt: "Das heißt nicht, sie sind lieb und nett." Sagt auch die Berliner Psychologin und Mediatorin Regina Michalik, die ausschließlich mit Frauen im Beruf arbeitet: "Frauen in Führungspositionen sind meist die besseren Chefs. Aber oft reagieren sie besonders hart. Damit niemand denkt, sie könnten nicht durchgreifen wie ein Mann." "Verständnisvoll" asoziiere ich, als "tumber Mann", mal eben auch mit "lieb und nett", oder eben "umgänglich". Die Behauptung von Frau Michalik kann ich nicht nachvollziehen, erstens, weil sie offenbar keine männlichen Chefs kennt (so versteht sich der Artikel), zweitens, weil gerade das vorliegende Beispiel zeigt, dass auch Frauen völlig unfähige Chefinnen sein können. Warum? FALSCH! Wer sich auf so ein Niveau herablässt, ist schlichtweg unfähig. Egal ob es nun ein Chef oder eine Chefin ist. Sowas muss man / frau sich schlichtweg nicht bieten lassen. Da ist keine "versteckte Botschaft" drin, es ist schlichtweg ein Angriff auf die Person. Und das sollte ein(e) gute(r) Chef(in) einfach unterlassen. Würde ein Chef gegenüber seinem Untergebenen derart lospoltern, insbesondere gegenüber einer Frau, wäre gleich von "Mobbing" die Rede, die Arbeitsgerichte hätten ggf zu tun. Also nochmal die Frage: wo beweist dieser Artikel, dass Frauen pauschal die besseren Chefs sind?
3. Titel
Blackhole 17.08.2011
Hmm, das ist sehr interesanter Bericht über ein erlebtes Arbeitsverhältnis. Meiner Meinung nach ist dies ein sehr weiblich geschriebener Artikel. Man hat mal darüber gesprochen. Wie jedoch nun die Person sich wehren kann und dann auch noch richtig, erfährt man leider nicht. (Oder sollte dies die Hilfe sein? - Männer sprechen über Ziele, Regeln und Co....)
4.
ohne_sorge 17.08.2011
M.E. geht es hier nicht unbedingt darum, dass wir hier eine Beziehung Frau gegen Frau haben. Die Chefin ist wie so oft auch bei männlichen Chefs aus der Garde der autoritären Chefs. Diese mögen bei sich oft wechselnden Aushilfskräften wirklich betriebswirtschaftlich besser für das Unternehmen sein. Hat so ein Chef aber fest angestellte Leute unter sich, werden diese vorzeitig verschlissen und das bringt keinen weiter. Leider schaffen es diese Chefs trotzdem schnell nach oben, da sie kurz nach dem Aufstieg bereits die Leute knechten und so kurzfristig mehr aus den Leuten rausholen. Meist werden sie dann schon weiterbefördert, bevor die ersten aus der Mannschaft zusammenklappen und dann hat der nächste Chef das Problem... Komischerweise machen gerade in Deutschland diese autoritären Chefs oft schneller Karriere. Für Frauen, die in der Mannschaft dann unterdrückt werden ist das Dilemma oft noch größer, denn Firmen reißen sich nicht gerade um Mütter mit Kindern, weswegen ein Arbeitsplatzwechsel meist sehr schwer wird. Hätte diese beschriebene Chefin viele Männer unter sich, wäre sie vermutlich bald alleine in ihrer Abteilung...
5. Horror Chefin
topomoos, 17.08.2011
Über die Mär, dass Frauen die besseren Vorgesetzten seien, habe ich mich immer gewundert. Das bösartigste und anhaltendste Mobbing habe ich von weiblichen Vorgesetzten erlebt. Vor allem scheuen weibliche Vorgesetzte den offenen Konflikt, sondern versuchen durch hinterhältige Intrigen ihre Gegner zu vernichten...und das mit vernichten meine ich fast wörtlich. Nie wieder eine Frau als Chef!Horror pur.
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Männer oder Frauen als Vorgesetzte? Erstaunlichen 57 Prozent der Arbeitnehmer ist das egal. Von den übrigen 43 Prozent würden sich gut drei Viertel für einen Mann entscheiden. Das zeigt zumindest eine Umfrage des Demoskopie-Instituts Allensbach. Für die Studie "Kommunikationsstile und -welten von Männer und Frauen" wurden 1852 Menschen befragt.
Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
Lob und Tadel
Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.


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