"When I was starting out I got one great piece of advice: Men can be lazy, women can't." Weise Worte, gesprochen von der toughen Anwältin Diane Lockhart in der US-Serie "The Good Wife". Bezeichnenderweise ist die Figur Lockhart kinderloser Single und hält die Ehe für "eine mysteriöse Institution".
Das ist der Status Quo, in dem die Gleichberechtigungsbewegung feststeckt wie ein Karren im Dreck: Ja, Frauen können an die Spitze gelangen - wenn sie mehr leisten als Männer und wenn sie ihr Familienleben zurückstellen. Noch immer ist Frausein ein Handicap für die Karriere, und von den wenigen weiblichen Spitzenkräften denkt man weiterhin, sie hätten es "trotzdem" geschafft.
Gerecht ist das nicht. Doch wie schafft man Gerechtigkeit? Wie transformiert man eine ganze Gesellschaft? Wie modelt man ein Dickicht Jahrhunderte alter Stereotypen um?
Mit die beste Idee scheint derzeit noch die Frauenquote zu sein. Und das ist keine gute Nachricht. Wer will die Quote? Traditionell eine alte Garde von Idealisten, zu denen nun aber eine Gruppe aus Politik und Wirtschaft stößt. Die wünscht sich den Aufstieg der weiblichen Führungskraft, weil die "andere" Hälfte der Bevölkerung ein ungenutztes ökonomisches Potential ist und weil personelle Vielfalt ("Diversity") als Treiber für Qualität in Unternehmen und anderen Organisationen wirkt.
Was ist schlimmer als das Etikett Quotenfrau?
Wie steht die Zielgruppe zur Quote? Das kommt darauf an. Die im engeren Sinn Betroffenen, nämlich die Frauen, die tatsächlich Führungspositionen ausfüllen oder anstreben, geben ein klares Votum ab. Wer bereits unter beträchtlichen Opfern den harten Weg nach oben angetreten hat, der kann man wenig Schlimmeres antun, als sie zur Quotenfrau zu küren. Die bisherige Direktive "Men can be lazy, women can't" enthält ja eine Auszeichnung für jede, die es "trotzdem" geschafft hat.
Die erste Paradoxie der Quote besteht also darin, dass sie Frauen abwertet, bevor sie anderen Frauen helfen kann.
Eine größere Gruppe ist jedoch gar nicht so betroffen und gibt sich darum neutral. Die meisten Frauen wollen nämlich gar keine Führungsposition. Die Gründe dafür korrespondieren klar mit klassischen Rollenvorstellungen: Hinwendung zum Privaten, ein harmonisches Leben, Kooperation und Beziehung statt Konkurrenz und Netzwerken. Wer diese Werte leben möchte, wird sich mit der 70-Stunden-Woche des DAX-Vorstands schwertun. Aber auch für eine mittlere Führungsposition wird es eng.
Die zweite Paradoxie der Quote lautet daher: Sie bringt eine Segnung, die zwar alle gut finden, die aber für sich selbst kaum eine Frau haben will.
Diese Tatsache muss man anerkennen. Manche prangern sie auch polemisch an: Bascha Mika, frühere Chefredakteurin der "taz" tut das gerade in ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen", in dem sie gegen "Rollenfallen, Geiselmentalität, Selbstbetrug" streitet. Und ein paar Jahre zuvor hat schon die Wirtschaftsjournalistin Barbara Bierach Frauen "verlogenes Gemeckere" vorgehalten: Sie kämpften nicht für ihre Karriere, ließen sich mit Krümeln der Macht abspeisen und nutzten Kinder als "Heldennotausgang".
Solche einseitigen Schuldzuweisungen kranken natürlich am aggressiven Tonfall. Vor allem aber blenden sie einfach aus, wie machtvoll kulturelle Werte und Stereotypen individuelles Rollenverhalten prägen. Die Frauenquote will Frauen stärken; sie will Frauen wie Männern den Zugang erleichtern zu Denk- und Verhaltensweisen des anderen Geschlechts. Die Hoffnung ist: Wenn erst mehr Frauen in Führungspositionen stehen, dann ändern sich diese alten Rollenvorstellungen hin zum gleichberechtigten Prinzip.
Männer werden ihre Karriere kaum makrohistorisch deuten
Diese Rechnung wird aber leider so einfach nicht aufgehen. Denn die Frage für Frauen lautet nicht nur: "Wie gelange ich in die Führung?". Sie lautet vor allem: "Wie behaupte ich mich in der Führung?"

Es gibt eine dritte Paradoxie, die für Ärger sorgt: Die Quote will Gleichberechtigung durch Diskriminierung erreichen. Auf der Strecke bleibt eine Menge benachteiligter Männer. Man mag nun einwenden: Was sind schon einige Ungerechtigkeiten gegen die Jahrtausende der Unterdrückung, die Frauen erdulden mussten? Leider wollen aber die wenigsten Männer ihre Karriereentwicklung makrohistorisch deuten. Was sie wollen, ist eine Gehaltserhöhung!
Drei Tipps für Frauen und Männer
Man sieht, dass die Quote Unfrieden stiftet und neue Probleme schafft. Falls sie kommt, zwingt sie den Einzelnen und die Einzelne allerdings, sich zu ihr zu verhalten. Für diesen Fall drei Ratschläge:
Quote hin oder her - in der Zukunft könnte mehr und mehr gelten: "Women cannot be lazy. Neither can men."
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