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Karrierefrauen Nichts wie raus

Erfahrene Managerin: Weit gekommen, aber frustriert und ausgezehrt von all den Kämpfen Zur Großansicht
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Erfahrene Managerin: Weit gekommen, aber frustriert und ausgezehrt von all den Kämpfen

Was denken Frauen, die es trotz Männern in eine Führungsetage geschafft haben? Gelohnt hat es sich nicht. Eine Studie zeigt: Viele Karrierefrauen um die 50 ziehen eine bittere Bilanz. Sie haben einen zu hohen Preis gezahlt - mehr als die Herren Kollegen. Und die können immerhin Chef des Vorstands werden.

Was wollen die Unternehmen nicht alles für qualifizierte Frauen tun! Deutsche Konzerne überbieten sich mittlerweile mit Angeboten für ehrgeizige Nachwuchsmanagerinnen. Frauenförderung ist en vogue, nicht erst seitdem die Deutsche Telekom die Frauenquote eingeführt hat. Akademikerinnen gelten als wichtige Ressource, um den demografisch bedingten Fachkräftemangel abzufedern.

Doch vom Hype um die Frauenförderung scheinen längst noch nicht alle Trägerinnen des doppelten x-Chromosoms zu profitieren. Vor allem nicht die Pionierinnen auf dem Feld weiblichen Berufserfolges, Managerinnen um die 50 Jahre. Sie blicken ernüchtert auf ihre Laufbahnen zurück und sind vielfach der Ansicht, dass sich ihre beruflichen Anstrengungen nicht ausgezahlt haben. Etliche planen einen radikalen Kurswechsel und wollen ihre Unternehmen verlassen.

All dies jedenfalls legt eine Studie nahe, die die Soziologin Christiane Funken an der TU Berlin erstellt hat. Die Geschlechterforscherin führte im Auftrag des Bundesfrauenministeriums und auf Initiative des Managerinnen-Zirkels European Women's Management Development Network (EWMD) Tiefeninterviews mit 30 Managerinnen zwischen 45 und 55. In den ausführlichen Gesprächen nahmen die Frauen zu ihren Erfahrungen und Zukunftsplänen Stellung. Die Studie betritt wissenschaftliches Neuland - eine dezidierte Auswertung der Karrieren älterer Managerinnen lag laut EMWD bisher nicht vor.

Erste Generation einer offeneren Gesellschaft

Nun sind 30 Gespräche wohl keine repräsentative Grundlage für Urteile über eine ganze Frauengeneration und ihren Berufserfolg. Interessante Hinweise auf die Befindlichkeiten der "weiblichen Profis 50 plus" geben sie aber vielleicht doch.

Die Teilnehmerinnen der Studie gehören zur ersten Frauengeneration, die von der Bildungsexpansion der sechziger Jahre und der neu erwachten Forderung nach Chancengleichheit profitierten. Sie sind nach 1955 geboren, konnten Universitäten besuchen und mit liberaleren Partnerschaftsmodellen experimentieren - und sie haben ihre Möglichkeiten gründlich genutzt. In Ausbildung, Berufserfahrung und zeitlichem Engagement für den Job stehen sie ihren männlichen Kollegen nicht nach.

Frauen in Führungspositionen 2008 nach Betriebsgröße
Betriebe der Privatwirtschaft mit ...
Beschäftigten

Frauenanteil
in %
1. Führungs-
ebene

Frauenanteil
in %
2. Führungs-
ebene

Frauenanteil
in %
an allen Beschäftigten

1 bis 9 27 - 50
10 bis 49 21 37 44
50 bis 99 20 34 41
100 bis 199 16 28 40
200 bis 499 12 23 39
500 und mehr 9 18 34
insgesamt

25

35

42

Quelle: IAB-Betriebspanel 2008

Allerdings zahlten sie privat einen höheren Preis als Männer ihrer Generation, hat Autorin Funken festgestellt: Die Mehrheit der befragten Managerinnen hat keine Kinder und lebt überdies in unkonventionellen und teils anstrengenden Beziehungen. Der Anteil der Doppelkarrieren und der getrennten Wohnsitze ist hoch.

Ihr Berufsleben hat die Frauen in verantwortungsvolle Positionen gebracht - allerdings nicht an die Spitze. Vorstandspositionen und Aufsichtsratsposten sind noch immer fest in der Hand der Männer, und die sind typischerweise ebenfalls Mitte 40 bis Ende 50. Während ihre Kollegen vom Schreibtisch gegenüber, mit denen sie einst im Traineeprogramm saßen, also heute die Unternehmen regieren, sind die Karrieren der Frauen auf hohem Niveau eingefroren.

So macht sich in der Lebensmitte Bitterkeit breit. "Das Erreichte steht aus Sicht der Frauen häufig in keinem Zusammenhang zu den erbrachten Opfern", fasst Funken die Stimmung zusammen. "Das niederschmetternde Fazit lautet: No return on investment", der Einsatz zahlt sich nicht aus.

Frauen suchen einen Teil der Schuld auch bei sich selbst

Ehrlicherweise suchen die Frauen die Gründe für die Stagnation ihrer Karrieren nicht nur in mangelnder Unterstützung durch die Arbeitgeber, sondern auch bei sich selbst. Nur eine Minderheit gibt an, sie habe ihre Karriere strategisch geplant. Typischerweise suchten sich die Frauen "interessante Aufgaben", in denen sie sich entfalten konnten. Bei den meisten bildeten sich erst in der zweiten Lebenshälfte - ab 40 - Ambitionen auf höchste Führungsämter heraus. Da war es bereits zu spät.

Volkswirtschaftlich brisant dürfte aber sein, dass die Enttäuschten mehrheitlich planen, sich in Zukunft nicht weiter für ihre Firma abzurackern: Laut EWMD-Studie plant ein Drittel der Frauen den Ausstieg und sucht neue Aufgaben im Ehrenamt oder dem dritten Sektor. Ein weiteres Drittel hat innerlich gekündigt. Die übrigen kämpfen weiter um Anerkennung und Aufstieg.

Mit Blick auf den in vielen Unternehmen erwarteten Fachkräftemangel könnte die Verweigerung der Frauen durchaus riskant sein. Die Umsteigerinnen nehmen ihr fachliches Know-how und ausgeprägtes Erfahrungswissen mit, "den Firmen geht wertvolles Potential verloren", konstatiert Funken.

Manche Männer dürften dabei noch neidisch werden. Von ihnen steigen die allermeisten ja auch nicht bis an die Spitze auf. Den Wechsel mit 50 in ein schlecht bezahltes, aber seelisch befriedigenderes Amt in einer NGO muss man sich erst einmal leisten können. Hier sind die finanziell gutgestellten Managerinnen ohne Familienverantwortung ausnahmsweise ganz klar im Vorteil.

Eva Buchhorn ist Redakteurin beim manager magazin.

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insgesamt 146 Beiträge
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    Seite 1    
1. ja Ja die leidige Partnersuche und das Alter
jocurt 29.08.2011
Zitat von sysopWas denken Frauen, die es trotz Männern in eine Führungsetage geschafft haben?*Gelohnt hat es sich nicht. Eine Studie zeigt: Viele Karrierefrauen um die 50 ziehen eine bittere Bilanz. Sie haben einen zu hohen Preis gezahlt - mehr als*die Herren*Kollegen. Und die können immerhin Chef des Vorstands werden. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,782724,00.html
Es ist für eine "oben" stehende Frau nun mal schwer dem recht verbreiteten Kalkül zu folgen:" ich suche mir meinen Partner oben". (uncharmante Bezeichungen dazu spare ich mir hier) Das ist der/die, die dann den Absturz auffangen muss. Im klassischen Rollenmodell kein Problem und fest verdrahtet, im neuen Frauenmodell schon ein Problem. Viele der Hirngeburten ala Alice Schwatzer erledigen sich duch 100.000 Jahre Biologie des Menschen von ganz allein. Jeder/Jede soll das Recht auf hohe Posten haben, keine Frage, aber er/sie soll die Folgen gleichBERECHTIGT TRAGEN. Es ist ein Recht auf Posten nicht eine 50% PFLICHT.
2. Wieder ein Beweis dafür
Martin Franck 29.08.2011
Karriere und Famillie zusammen geht nicht. Und warum wundern sich nur die Politiker, dass sie einen auffordern sich beruflich anzustrengen, um voran zu kommen, und dabei so wenige Kinder geboren werden? Wo leben denn unsere Politiker?
3. Unbedeutendes Thema
det1959 29.08.2011
Hier handelt es sich wieder mal um ein medial inszeniertes Thema, dem eine angebliche gesamtgesellschaftliche Relevanz angedichtet wird, in Wahrheit aber - wenn überhaupt - für 1% der Bevölkerung von Belang ist. Den meisten Beschäftigten in den Irrenanstalten, welche hierzulande als Unternehmen bezeichnet werden ist es doch völlig schnurz, ob es Männer oder Frauen sind, welche mit ihren hirnrissigen Entscheidungen dazu beitragen, daß hier immer mehr Arbeitnehmer in den Wahnsinn getrieben werden. Ich frage mich nur, warum dieses unbedeutende Thema immer wieder durch die Medien gezerrt wird.
4. Soso
lalito 29.08.2011
Opfer mit Kalkül. Wie geht das genau zusammen?
5. Sie leben auf dem Ursula Planeten im von der Leyen Universum
jocurt 29.08.2011
Zitat von Martin FranckKarriere und Famillie zusammen geht nicht. Und warum wundern sich nur die Politiker, dass sie einen auffordern sich beruflich anzustrengen, um voran zu kommen, und dabei so wenige Kinder geboren werden? Wo leben denn unsere Politiker?
mit genug Geld für Kindermädchen, wie es schon früher an Höfen der Adligen Norm war. Heutzutage, wo das "normale Volk" mit dem Bildungsstand des Adels (produktionstechnisch erforderlich) aber dem Einkommen eines Tagelöhners (Als Relation, bitte nicht wieder von geneigten Foristen als Absolutwert gegenüber Steinzeit oder Bronzezeit)existiert, klappt das nicht. Indirekt bewiesen durch die Sarrazin-These:" Die Falschen kriegen die Kinder". Keine sichtbare verbesserte Lebensprognose keine Kinder. So simpel ist der Mensch seit der Steinzeit gestrickt. Und es klappt heute noch.
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Männer oder Frauen als Vorgesetzte? Erstaunlichen 57 Prozent der Arbeitnehmer ist das egal. Von den übrigen 43 Prozent würden sich gut drei Viertel für einen Mann entscheiden. Das zeigt zumindest eine Umfrage des Demoskopie-Instituts Allensbach. Für die Studie "Kommunikationsstile und -welten von Männer und Frauen" wurden 1852 Menschen befragt.
Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
Lob und Tadel
Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.
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