06. Dezember 2012, 08:51 Uhr

KarriereSPIEGEL-Adventskalender

Schenke lieber unpersönlich

Jeden Tag ein guter Rat, dieses Pensum wuppen Karriere-, Stil- oder Etiketteberater spielend. In ihrer Welt gibt es nichts, was nicht erklärt werden müsste - und sei es noch so banal. Überzeugen Sie sich selbst, im Adventskalender. Heute: Beim Schenken ist Schluss mit lustig.

Darf ich im Bikini zur Arbeit gehen, oder in Badehose? Ist es okay, den Kollegen mit Deo einzusprühen? Und eignet sich ein Hamster als Bürotier? Wahrscheinlich haben Sie sich diese Fragen noch nie gestellt. Beantwortet werden sie trotzdem - von Karriere-, Stil- oder Etiketteberatern. Sie geben jeden Tag alles, um anderen das Leben leichter zu machen. Und dann verstauben ihre Tipps bei uns in der Redaktion.

Schade eigentlich. Wären die Ratschläge halb so banal, wären sie doppelt so sinnvoll. Aber für einen Lacher taugen sie allemal. Wir haben die skurrilsten und pappnasigsten Tipps dieses Jahres gesammelt und im KarriereSPIEGEL-Adventskalender verstaut. Lesen Sie heute:

6. Dezember: Schenke lieber unpersönlich

Tante Annegret bekommt den Norweger-Schal vom Kirchenbasar, Onkel Klaus den Bierkrug, den es 2007 für den Drittplatzierten beim Kegeln gab - aber was schenkt man nur den lieben Arbeitskollegen? An Ideen mangelt es nicht: Bei Teamleiter Torben drängt sich der Gedanke an "Das kleine Arschloch" auf. Und für Sekretärin Gabi wäre Woody Allens "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten" eine sinnvolle Gabe. Oder vielleicht doch eher der Sado-Maso-Schinken "Shades of Grey"?

Imagetrainerin Imme Vogelsang aus Hamburg hat sich über Geschenke im Büro mal so ihre Gedanken gemacht. Und ist zu dem Schluss gekommen: Der Spaß hört schon beim Blumenstrauß auf.

"Geschenke an Geschäftspartner und Kollegen sollten nicht zu persönlich sein", sagt sie. Blumen und Parfum könne höchstens eine Kollegin der anderen schenken. Männer sollten sich eher an Krimis, Romane oder Sachbücher halten. Das darf dann auch ruhig ein Finanzratgeber sein oder das neueste Werk von Peter Scholl-Latour. Denn, so Imagetrainerin Vogelsang: "Selbst wenn der andere bisher kein ausgewiesener Kenner des Themas ist, ist es ein Zeichen der Wertschätzung, ihm das Interesse daran zuzutrauen."

Im Fall von Sekretärin Gabi geht "Shades of Grey" also in Ordnung.

5. Dezember: Urlauber einfach mal urlauben lassen

Der Kaffee ist schon wieder alle. Die neue Kollegin ist schwanger, gleich nach der Probezeit, haben Sie ja gleich gesagt. Und das Projekt wurde abgelehnt, da müsste man auch mal drüber reden - nur ist der Schreibtisch gegenüber leer. Kollege Haumann hat Urlaub.

Menno!

Drei lange Wochen, was da alles passieren kann. Zum Glück haben Sie Haumanns Handynummer. Sie tippen schon die ersten Zeilen einer SMS, der Zeigefinger kreist über dem "Senden"-Knopf... Doch nein, halten Sie ein! Das können Sie nicht verantworten! Warum, erklärt Ihnen Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: "Eine Nachricht oder ein Anruf haben bloß den Effekt, dass der Mitarbeiter gedanklich sofort wieder im Büro ist. So kann er im Urlaub nicht abschalten, und die Erholung ist gleich wieder dahin."

Das ist ja auch der Sinn der Sache - Ihr Kollege hat schließlich Erholung weder nötig noch verdient. Aber als Mitarbeiter der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat Windemuth selbstverständlich noch ein argumentatives Ass im Ärmel: "Der Kollege kann in seiner Abwesenheit ja ohnehin nichts machen." Darauf wären Sie jetzt nicht allein gekommen, oder?

4. Dezember: Wer früher aussteigt, darf länger laufen

Schon die fünf Stufen hinauf zur Lieblingskneipe lassen Sie schnaufen, die Jeans kneift mächtig, und Ihre Krankenkasse schickt Ihnen jedes Jahr die berüchtigte Hüftgold-Broschüre mit Abnehmtipps? Dann könnte es sein, dass Sie zu dick sind.

Direkt überraschen wird diese Diagnose Sie vermutlich nicht. Sie haben ja schon längst Erklärungen für ihre Power-Plautze parat: das lange Sitzen im Büro, die vielen Überstunden, das fettige Kantinenessen. Keine Zeit zum Joggen, kein Geld fürs Fitnessstudio.

Pah, alles faule Ausreden! "Bewegung in den Alltag integrieren" heißt die Zauberformel.

Wiete Hirschmann, Arbeitsmedizinerin vom TÜV Rheinland, sagt Ihnen, wie's geht: Auf dem Weg zur Arbeit steigen Sie einfach eine Haltestelle zu früh aus Bus oder U-Bahn aus. Wie, Sie fahren mit dem Auto? So einfach schütteln Sie eine Frau vom TÜV nicht ab: Autofahrern empfiehlt Hirschmann, "in einiger Entfernung vom Büro zu parken". Der kurze Spaziergang zur Arbeit sei schließlich gut für die Gesundheit.

3. Dezember: Finger weg vom letzten Keks

Für die Teilnahme am Meeting gibt's nur ein Argument: die Schokokekse. Ein gutes Argument, denn die leckeren mit der Füllung rückt die Sekretärin nur heraus, wenn der Chef dabei ist. Natürlich greifen alle beherzt zu, einmal, zweimal - und zack: Schon liegt auf dem Teller nur noch ein einsamer Keks. Eine brenzlige Situation, die Fingerspitzengefühl und überlegtes Handeln erfordert. Also: Was tun Sie?

a) Gar keine Frage: Schnappen und runter damit.

b) Die anderen werden sich bestimmt auch nicht trauen. Nach dem Meeting trödele ich einfach so lange herum, bis alle draußen sind, und stopfe mir den Keks unauffällig in den Schlund.

c) Ich frage freundlich: Will jemand den letzten Keks?

d) Ich verkrieche mich in meine mentale Höhle, die mir mein Psychotherapeut bei der letzten Sitzung gezeigt hat, und grüble den Rest des Meetings, warum ausgerechnet ich nie einen Keks abbekomme.

Als in unzähligen Teambuilding-Seminaren geschulter Büromensch wissen Sie natürlich, dass a), b) und d) gar keine guten Optionen sind. Nassforsch, hinterrücks oder gar introvertiert wollen Sie schließlich auf keinen Fall rüberkommen. Also c).

Mööööööööpp.

Das ist auch falsch. Meint zumindest Carolin Lüdemann, Karriereberaterin in Stuttgart und Mitglied im deutschen Knigge-Rat. "Will jemand den letzten Keks?" sei eine scheinheilige Frage, auf die man keine ehrliche Antwort erwarten könne. Damit signalisiere man nämlich, dass man Lust hätte, den Keks zu essen. Und das sei unhöflich. Schokoliebhaber müssen jetzt ganz tapfer sein, denn daraus folgt: Der letzte Keks muss liegenbleiben. Sie sollten das aber positiv sehen: Auch die Reinigungskraft freut sich über eine kleine Stärkung.

2. Dezember: Kaufen Sie Ihre Hemden doch mal passend

Speckröllchen sind unter Stoff schon schlimm genug. Grausam wird es, wenn die letzte Barriere zwischen Ihnen und der Umwelt fällt: Hochgerutschte Hemden geben den Blick frei auf verirrte Härchen, Leberflecken, fahle Hautfalten. Das muss doch nicht sein, meint Personal-Shopperin Sonja Grau aus Ulm.

Sie hat nachgemessen: Hemden, die 20 bis 25 Zentimeter unter den Gürtel reichen, bleiben auch dann noch in der Hose, wenn man versucht, mit den Fingern die Zehen zu berühren oder den vermissten Bleistift aus dem Spalt zwischen Regal und Wand herauszufischen. Etwas fülligere Zeitgenossen könnten zudem auf ein Hemd mit Rückenfalte zurückgreifen, das sei "quasi eine Stoffreserve für den Träger".

1. Dezember: Sorry meine Liebe, aber du stinkst

Abteilungsleiterin Meier ist gefürchtet im Büro. Nicht nur wegen ihrer verwegenen Ideen ("Wir könnten doch mal alle zusammen Bowling spielen"), sondern vor allem wegen ihres atemberaubenden Mundgeruchs. Die Kollegen macht das ungemein produktiv: Weil niemand will, dass Meier über die Schulter guckt oder aus nächster Nähe einen Ratschlag gibt, erledigen alle ihre Arbeit so schnell und gewissenhaft wie nie. In absehbarer Zeit wird Meier das Unternehmen also nicht verlassen. So kann es aber auch nicht weitergehen. Was tun?

Agnes Jarosch, Mitglied im Deutschen Knigge-Rat, weiß es: Abteilungsleiterin Gerke muss ran. In der Hackordnung des Unternehmens steht sie mit Meier auf einer Stufe, außerdem hat sie das gleiche Geschlecht - laut Jarosch eine gute Ausgangsbasis, um Kritik zu äußern.

Ein Opfer ist also gefunden, nun kommt der schwierige Part: Ein Vertrauenspakt muss geschlossen werden. Der Dialog könnte so aussehen, schlägt Jarosch vor:

Gerke (vorsichtig): "Sag mal, Gudrun, wenn bei mir das Deo versagt oder ich eine Laufmasche habe, dann würdest du mir das doch sagen, oder?"

Meier: "Na klar. Ist doch selbstverständlich."

Gerke: "Ich finde es super, dass wir dieses Vertrauensverhältnis haben."

(Meier freut sich wie ein Schnitzel)

Gerke: "Du, wo wir gerade dabei sind, muss ich dir auch was sagen. Du riechst aus dem Mund ziemlich übel."


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