Für die Teilnahme am Meeting gibt's nur ein Argument: die Schokokekse. Ein gutes Argument, denn die leckeren mit der Füllung rückt die Sekretärin nur heraus, wenn der Chef dabei ist. Natürlich greifen alle beherzt zu, einmal, zweimal - und zack: Schon liegt auf dem Teller nur noch ein einsamer Keks. Eine brenzlige Situation, die Fingerspitzengefühl und überlegtes Handeln erfordert. Also: Was tun Sie?
a) Gar keine Frage: Schnappen und runter damit.
b) Die anderen werden sich bestimmt auch nicht trauen. Nach dem Meeting trödele ich einfach so lange herum, bis alle draußen sind, und stopfe mir den Keks unauffällig in den Schlund.
c) Ich frage freundlich: Will jemand den letzten Keks?
d) Ich verkrieche mich in meine mentale Höhle, die mir mein Psychotherapeut bei der letzten Sitzung gezeigt hat, und grüble den Rest des Meetings, warum ausgerechnet ich nie einen Keks abbekomme.
Als in unzähligen Teambuilding-Seminaren geschulter Büromensch wissen Sie natürlich, dass a), b) und d) gar keine guten Optionen sind. Nassforsch, hinterrücks oder gar introvertiert wollen Sie schließlich auf keinen Fall rüberkommen. Also c).
Mööööööööpp.
Das ist auch falsch. Meint zumindest Carolin Lüdemann, Karriereberaterin in Stuttgart und Mitglied im deutschen Knigge-Rat. "Will jemand den letzten Keks?" sei eine scheinheilige Frage, auf die man keine ehrliche Antwort erwarten könne. Damit signalisiere man nämlich, dass man Lust hätte, den Keks zu essen. Und das sei unhöflich. Schokoliebhaber müssen jetzt ganz tapfer sein, denn daraus folgt: Der letzte Keks muss liegenbleiben. Sie sollten das aber positiv sehen: Auch die Reinigungskraft freut sich über eine kleine Stärkung.
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