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13. Dezember 2012, 08:52 Uhr

KarriereSPIEGEL-Adventskalender

Dann geh doch!

Jeden Tag ein guter Rat, dieses Pensum wuppen Karriere-, Stil- oder Benimmberater spielend. Sie erklären einfach alles, und sei es noch so banal. Heute im Adventskalender: Wie Sie den Zeitpunkt für den perfekten Abgang berechnen.

Darf ich im Bikini zur Arbeit gehen oder in Badehose? Ist es okay, den Kollegen mit Deo einzusprühen? Und eignet sich ein Hamster als Bürotier? Wahrscheinlich haben Sie sich diese Fragen noch nie gestellt. Beantwortet werden sie trotzdem - von Karriere-, Stil- oder Etiketteberatern. Sie geben jeden Tag alles, um anderen das Leben leichter zu machen. Und dann verstauben ihre Tipps bei uns in der Redaktion.

Schade eigentlich. Wären die Ratschläge halb so banal, wären sie doppelt so sinnvoll. Aber für einen Lacher taugen sie allemal. Wir haben die skurrilsten und pappnasigsten Tipps dieses Jahres gesammelt und im KarriereSPIEGEL-Adventskalender verstaut. Lesen Sie heute:

13. Dezember: Geh doch!

Guten Morgen, herzlich willkommen am Arbeitsplatz und bei der Lektüre von SPIEGEL ONLINE. Spukt auch Ihnen schon jetzt, zum Einstieg in den Arbeitstag, diese Frage im Kopf herum: Wann darf ich endlich nach Hause gehen?

Die einfache Antwort könnte lauten: Wenn die Arbeit getan ist. Aber wo - wie in diesem Adventskalender - Berater einer Rolle spielen, gibt es keine einfachen Antworten.

Überlegen Sie doch mal, welchen Eindruck es auf Ihre Kollegen macht, wenn Sie vor oder nach ihnen das Büro verlassen... Sie gehen pünktlich um 17 Uhr? Da haben Sie Faulenzer bestimmt wieder in der Fallabwicklung geschludert, und die anderen dürfen es morgen ausbaden! Sie gehen erst um 21 Uhr? Sie Ameisentätowierer brauchen für alles aber auch immer eine kleine Ewigkeit. Es ist Ihnen wumpe, was die Kollegen denken? Na, na, na, da spielen Sie als Berufsanfänger mit dem Feuer.

Wie Sie nun die karrieretechnisch günstigste Zeit zum Verlassen des Büros errechnen, erklärt Karriereberater Jürgen Hesse: "Berufseinsteiger sollten abends nicht als Letzter im Büro Schluss machen, das Büro aber auch nicht als Erster verlassen." Gehe man als Letzter, wirke das auf den Chef und die Kollegen schnell unsouverän. Es entstehe der Eindruck, dass der Anfänger seine Arbeit nicht effektiv erledige. Als Erster zu gehen, sei aber auch befremdlich. Ideal sei in diesem Fall "der goldene Mittelweg irgendwo zwischen beiden Extremen".

Weise gesprochen.

12. Dezember: Zeig her deinen Träger

Kein Arbeitgeber hat etwas gegen sportliche Mitarbeiter. Warum auch? Gute Schwimmer zum Beispiel kommen auch dann gut zurecht, wenn der Firma das Wasser bis zum Hals steht. Mit dem Schwimmtraining ist das aber so eine Sache, denn sportlich ist oft schon die Anreise: Um 21 Uhr macht die Schwimmhalle zu, vor 19 Uhr kommen Sie aber kaum vom Schreibtisch weg.

Zeit sparen lässt sich natürlich, wenn man das Bade-Outfit gleich morgens drunterzieht. Doch da schrillen schon die Alarmglocken, rein knigge-mäßig: Für Frauen wartet hier nämlich ein echtes Fettnäpfchen! Und wir fragen: Was ist denn nun schon wieder?

"Bikiniträger gehen im Büro gar nicht", sagt Knigge-Beraterin Karin Felicitas Hallinger aus Landsberg bei Augsburg seufzend. Da denke der Chef: Die wartet nur drauf, dass sie ins Wasser kann. Nicht ganz so streng mit den Kleidervorschriften nimmt es Personal Shopperin Sonja Grau aus Ulm. Bikini statt Dessous sei im Büro schon mal erlaubt, vorausgesetzt es entspricht ihren detaillierten Vorstellungen: "Es sollte ein unauffälliges, einfarbiges Modell mit Seitenträgern sein, das nicht im Nacken schließt." Schaut dann der Träger unter der Bluse hervor, werde er als BH-Träger wahrgenommen.

Und diesen Anblick kennen Ihre Kollegen ja wohl, oder?

11. Dezember: Einfach mal die Klappe halten

Volle fünf Minuten müssen Sie warten, bis der Aufzug kommt. Dann quetscht sich eine ganz Kollegenhorde in die Kabine, allesamt genervt. Mit Mühe kommen Sie an den Knopf für den 13. Stock. Die Schalttafel leuchtet wie ein Christbaum in der Fußgängerzone: Zwischenstopp in der 1, 2, 5, ... das Meeting können Sie sich in die Haare schmieren.

Als Sie denken, schlimmer könne es kaum kommen, dringt eine bekannte Stimme zu ihnen durch: "Na, haben Sie nach unserer Weihnachtssause noch ein Taxi bekommen?", schnarrt es. Tatsächlich: Hinter dem Dicken aus dem Rechnungswesen lugt die Platte von Herrn Schmollinger hervor. Reden will er! Im Aufzug! Geht es noch unverschämter?

Unmöglich! Zumindest Carolin Lüdemann, Karriereberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat, ist sich da ganz sicher. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - diese Regel gelte vor allem im Fahrstuhl. Denn: "Die Zeit für ein Gespräch ist einfach zu kurz." Wie man's nimmt, die Fahrt mit Schmollinger ist mit acht Zwischenstopps so lang, dass es für eine Projektpräsentation reicht. Trotzdem: Im Lift sollte man lieber schweigen, findet Lüdemann, "die Gespräche können oft peinlich werden". Meist redeten ja nur zwei Personen - und die anderen Leute im Fahrstuhl hörten zu.

10. Dezember: Erste Hilfe für Unterkuschelte

Das Büro ist ein ungemütlicher Ort. Keine Couch zum Herumfläzen, keine Kissen zum Drücken, und die Kollegen reagieren immer so komisch auf Ihre Kuschelavancen. Ganz klar, ein Streicheltier muss her. Was darf's denn sein: Katze, Hamster, Frettchen?

Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund hat sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt. "Eine Katze will eher ihre Ruhe haben und sich ihren Aufenthaltsort selbst aussuchen." Auch Kleintiere wie Hamster kämen als Bürotiere kaum in Frage. Schon die Fahrt zur Arbeit stresse sie, und "außerdem sitzen die ja im Käfig und können deshalb nicht so ohne weiteres gestreichelt werden".

Als Bürotier eignet sich laut Tierexperte Tünte vor allem ein Hund. Hunde seien flexibel, könnten sich schnell auf neue Umgebungen einstellen und lebten gern im Rudel. Allerdings: "Einen Kampfhund aus dem Tierheim zu holen und an ein fremdes Büro gewöhnen zu wollen, geht wahrscheinlich eher schief."

Das Büro ist ein ungemütlicher Ort. Keine Couch zum Herumfläzen, keine Kissen zum Drücken, und die Kollegen reagieren immer so komisch auf Ihre Kuschelavancen. Ganz klar, ein Streicheltier muss her. Was darf's denn sein: Katze, Hamster, Frettchen?

9. Dezember: Ein Kompliment, ein Kompliment

Sie haben alles, aber auch alles richtig gemacht. Das wissen Sie. Die anderen wissen es auch. Aber natürlich sagt mal wieder keiner was, klar. Und dann auf einmal das: Der Chef kommt ins Büro. "Gute Arbeit! Weiter so."

Hat er das jetzt wirklich gesagt? Gibt's denn das, ein Kompliment, aus heiterem Himmel! Welch ein Triumph. Aber was nun? Wie immer in solchen Fällen versetzen Sie sich in Clint Eastwood, den Helden Ihrer Kindheit. Sie legen den Kopf schief, stemmen die Hände in die Hüfte und pressen ein "Ach, das war doch gar nichts" hervor. Oder sogar: "Vielen Dank an das gesamte Team". Und machen damit alles, aber auch alles falsch.

Karriereberaterin Claudia Enkelmann aus Königstein im Taunus sagt's: "Das ist schlecht." Niemand glaube an einen Arbeitnehmer, der nicht selbst von seiner Leistung überzeugt sei. Noch schlimmer als "Das war doch gar nichts" sei allerdings die Antwort "Wenn Sie wüssten, wie schwer das für mich war". Sie empfiehlt, Lob einfach "mit einem netten, kleinen Lächeln" anzunehmen und sich zu bedanken.

8. Dezember: Auch ein öder Job kann Freude machen. Nach Feierabend.

Ihre Arbeitstage ziehen sich wie Kaugummi. Bei Wikipedia haben Sie sich schon systematisch von A wie Annemarie bis G wie Geldbrandkäfer vorgearbeitet. Sie haben sich auf Ebay den Status Powerseller erkämpft, jeden einzelnen Buchstaben ihrer Tastatur mit einem Wattestäbchen gereinigt, und SPIEGEL ONLINE aktualisieren Sie ohnehin im Sekundentakt.

Trotzdem fühlen Sie unterfordert. Sie haben das Gegenteil von Burnout, nämlich Boreout. Sie leiden unter Bürostress durch Langweile.

Nun könnte man Ihnen natürlich raten, einfach den Job zu wechseln. Annekatrin Hoppe, Professorin für Arbeitspsychologie an der Berliner Humboldt-Universität, hat aber eine viel bessere Idee: "Betroffene können eine neue Sprache lernen." Das Lernen in der Freizeit fordere den Intellekt des Arbeitnehmers heraus und kompensiere die Unterforderung im Job. Wie? Sie haben Fremdsprachen schon in der Schule gehasst? Dann hat Psychologin Hoppe für Sie einen anderen Tipp: Suchen Sie sich neue Eindrücke im Museum. Oder widmen Sie sich einer anspruchsvollen Sportart.

7. Dezember: Niesen nur mit links

Sie haben sich trotz Erkältung ins Büro geschleppt. Das ist sehr nobel von Ihnen, aber Lob dürfen Sie dafür nicht erwarten. Was, wenn sich nun Herr Hofer bei Ihnen ansteckt, so kurz vor der Präsentation, die möglicherweise über seine Beförderung entscheidet? Vermutlich ist Ihnen das egal, oder eigentlich auch ganz recht, schließlich ist die Bilderbuchkarriere dieses verklemmten Schlipsträgers ohnehin unerträglich. Damit wäre dann der Punkt Ansteckungsgefahr abgehakt.

Doch damit ist es nicht getan! Noch lange nicht! Niesen muss nämlich gelernt sein. Etikette-Trainerin Karin Hallinger erklärt Ihnen den Prozess in drei Schritten:

1. Sobald Sie erste Anzeichen eines Kribbelns in der Nase verspüren, wenden Sie vorsorglich Ihrem Chef den Rücken zu. Denn: Sie dürfen auf gar keinen Fall in seine Richtung trompeten. "Das kommt noch aus Zeiten, in denen es einen König gab", erklärt Hallinger. Dahinter stecke der Gedanke, dass es weniger schlimm für die Gemeinschaft ist, wenn ein Rangniedrigerer wegen Krankheit ausfällt. Nach dieser Logik dürfen Sie Kollege Hofer also getrost ein paar Spritzerchen Nasensekret mitgeben - allerdings kommt hier schon die nächste Regel…

2. Heben Sie die Hand. Nein, nicht die rechte, die linke. Halten Sie sie vors Gesicht und niesen Sie hinein. In die linke Hand ist das erlaubt. Aber nur in die. Denn: "Die rechte Hand nimmt man zur Begrüßung", sagt Hallinger.

3. Haaa…tschi. Jetzt dürfen Sie sich auch schnäuzen. Aber bitte verstecken Sie danach sofort wieder die Taschentuchpackung. Und Ihr Nasenspray, die Grippetabletten und was die freundliche Apothekerin Ihnen sonst noch alles in die Tüte geworfen hat. "So etwas auf den Tisch zu stellen, ist unmöglich", sagt Hallinger. Krankheiten seien schließlich kein angenehmes Thema - die Kollegen sollten deshalb nach Möglichkeit damit nicht behelligt werden.

6. Dezember: Schenke lieber unpersönlich

Tante Annegret bekommt den Norweger-Schal vom Kirchenbasar, Onkel Klaus den Bierkrug, den es 2007 für den Drittplatzierten beim Kegeln gab - aber was schenkt man nur den lieben Arbeitskollegen? An Ideen mangelt es nicht: Bei Teamleiter Torben drängt sich der Gedanke an "Das kleine Arschloch" auf. Und für Sekretärin Gabi wäre Woody Allens "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten" eine sinnvolle Gabe. Oder vielleicht doch eher der Sado-Maso-Schinken "Shades of Grey"?

Imagetrainerin Imme Vogelsang aus Hamburg hat sich über Geschenke im Büro mal so ihre Gedanken gemacht. Und ist zu dem Schluss gekommen: Der Spaß hört schon beim Blumenstrauß auf.

"Geschenke an Geschäftspartner und Kollegen sollten nicht zu persönlich sein", sagt sie. Blumen und Parfum könne höchstens eine Kollegin der anderen schenken. Männer sollten sich eher an Krimis, Romane oder Sachbücher halten. Das darf dann auch ruhig ein Finanzratgeber sein oder das neueste Werk von Peter Scholl-Latour. Denn, so Imagetrainerin Vogelsang: "Selbst wenn der andere bisher kein ausgewiesener Kenner des Themas ist, ist es ein Zeichen der Wertschätzung, ihm das Interesse daran zuzutrauen."

Im Fall von Sekretärin Gabi geht "Shades of Grey" also in Ordnung.

5. Dezember: Urlauber einfach mal urlauben lassen

Der Kaffee ist schon wieder alle. Die neue Kollegin ist schwanger, gleich nach der Probezeit, haben Sie ja gleich gesagt. Und das Projekt wurde abgelehnt, da müsste man auch mal drüber reden - nur ist der Schreibtisch gegenüber leer. Kollege Haumann hat Urlaub.

Menno!

Drei lange Wochen, was da alles passieren kann. Zum Glück haben Sie Haumanns Handynummer. Sie tippen schon die ersten Zeilen einer SMS, der Zeigefinger kreist über dem "Senden"-Knopf... Doch nein, halten Sie ein! Das können Sie nicht verantworten! Warum, erklärt Ihnen Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: "Eine Nachricht oder ein Anruf haben bloß den Effekt, dass der Mitarbeiter gedanklich sofort wieder im Büro ist. So kann er im Urlaub nicht abschalten, und die Erholung ist gleich wieder dahin."

Das ist ja auch der Sinn der Sache - Ihr Kollege hat schließlich Erholung weder nötig noch verdient. Aber als Mitarbeiter der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat Windemuth selbstverständlich noch ein argumentatives Ass im Ärmel: "Der Kollege kann in seiner Abwesenheit ja ohnehin nichts machen." Darauf wären Sie jetzt nicht allein gekommen, oder?

4. Dezember: Wer früher aussteigt, darf länger laufen

Schon die fünf Stufen hinauf zur Lieblingskneipe lassen Sie schnaufen, die Jeans kneift mächtig, und Ihre Krankenkasse schickt Ihnen jedes Jahr die berüchtigte Hüftgold-Broschüre mit Abnehmtipps? Dann könnte es sein, dass Sie zu dick sind.

Direkt überraschen wird diese Diagnose Sie vermutlich nicht. Sie haben ja schon längst Erklärungen für ihre Power-Plautze parat: das lange Sitzen im Büro, die vielen Überstunden, das fettige Kantinenessen. Keine Zeit zum Joggen, kein Geld fürs Fitnessstudio.

Pah, alles faule Ausreden! "Bewegung in den Alltag integrieren" heißt die Zauberformel.

Wiete Hirschmann, Arbeitsmedizinerin vom TÜV Rheinland, sagt Ihnen, wie's geht: Auf dem Weg zur Arbeit steigen Sie einfach eine Haltestelle zu früh aus Bus oder U-Bahn aus. Wie, Sie fahren mit dem Auto? So einfach schütteln Sie eine Frau vom TÜV nicht ab: Autofahrern empfiehlt Hirschmann, "in einiger Entfernung vom Büro zu parken". Der kurze Spaziergang zur Arbeit sei schließlich gut für die Gesundheit.

3. Dezember: Finger weg vom letzten Keks

Für die Teilnahme am Meeting gibt's nur ein Argument: die Schokokekse. Ein gutes Argument, denn die leckeren mit der Füllung rückt die Sekretärin nur heraus, wenn der Chef dabei ist. Natürlich greifen alle beherzt zu, einmal, zweimal - und zack: Schon liegt auf dem Teller nur noch ein einsamer Keks. Eine brenzlige Situation, die Fingerspitzengefühl und überlegtes Handeln erfordert. Also: Was tun Sie?

a) Gar keine Frage: Schnappen und runter damit.

b) Die anderen werden sich bestimmt auch nicht trauen. Nach dem Meeting trödele ich einfach so lange herum, bis alle draußen sind, und stopfe mir den Keks unauffällig in den Schlund.

c) Ich frage freundlich: Will jemand den letzten Keks?

d) Ich verkrieche mich in meine mentale Höhle, die mir mein Psychotherapeut bei der letzten Sitzung gezeigt hat, und grüble den Rest des Meetings, warum ausgerechnet ich nie einen Keks abbekomme.

Als in unzähligen Teambuilding-Seminaren geschulter Büromensch wissen Sie natürlich, dass a), b) und d) gar keine guten Optionen sind. Nassforsch, hinterrücks oder gar introvertiert wollen Sie schließlich auf keinen Fall rüberkommen. Also c).

Mööööööööpp.

Das ist auch falsch. Meint zumindest Carolin Lüdemann, Karriereberaterin in Stuttgart und Mitglied im deutschen Knigge-Rat. "Will jemand den letzten Keks?" sei eine scheinheilige Frage, auf die man keine ehrliche Antwort erwarten könne. Damit signalisiere man nämlich, dass man Lust hätte, den Keks zu essen. Und das sei unhöflich. Schokoliebhaber müssen jetzt ganz tapfer sein, denn daraus folgt: Der letzte Keks muss liegenbleiben. Sie sollten das aber positiv sehen: Auch die Reinigungskraft freut sich über eine kleine Stärkung.

2. Dezember: Kaufen Sie Ihre Hemden doch mal passend

Speckröllchen sind unter Stoff schon schlimm genug. Grausam wird es, wenn die letzte Barriere zwischen Ihnen und der Umwelt fällt: Hochgerutschte Hemden geben den Blick frei auf verirrte Härchen, Leberflecken, fahle Hautfalten. Das muss doch nicht sein, meint Personal-Shopperin Sonja Grau aus Ulm.

Sie hat nachgemessen: Hemden, die 20 bis 25 Zentimeter unter den Gürtel reichen, bleiben auch dann noch in der Hose, wenn man versucht, mit den Fingern die Zehen zu berühren oder den vermissten Bleistift aus dem Spalt zwischen Regal und Wand herauszufischen. Etwas fülligere Zeitgenossen könnten zudem auf ein Hemd mit Rückenfalte zurückgreifen, das sei "quasi eine Stoffreserve für den Träger".

1. Dezember: Sorry meine Liebe, aber du stinkst

Abteilungsleiterin Meier ist gefürchtet im Büro. Nicht nur wegen ihrer verwegenen Ideen ("Wir könnten doch mal alle zusammen Bowling spielen"), sondern vor allem wegen ihres atemberaubenden Mundgeruchs. Die Kollegen macht das ungemein produktiv: Weil niemand will, dass Meier über die Schulter guckt oder aus nächster Nähe einen Ratschlag gibt, erledigen alle ihre Arbeit so schnell und gewissenhaft wie nie. In absehbarer Zeit wird Meier das Unternehmen also nicht verlassen. So kann es aber auch nicht weitergehen. Was tun?

Agnes Jarosch, Mitglied im Deutschen Knigge-Rat, weiß es: Abteilungsleiterin Gerke muss ran. In der Hackordnung des Unternehmens steht sie mit Meier auf einer Stufe, außerdem hat sie das gleiche Geschlecht - laut Jarosch eine gute Ausgangsbasis, um Kritik zu äußern.

Ein Opfer ist also gefunden, nun kommt der schwierige Part: Ein Vertrauenspakt muss geschlossen werden. Der Dialog könnte so aussehen, schlägt Jarosch vor:

Gerke (vorsichtig): "Sag mal, Gudrun, wenn bei mir das Deo versagt oder ich eine Laufmasche habe, dann würdest du mir das doch sagen, oder?"

Meier: "Na klar. Ist doch selbstverständlich."

Gerke: "Ich finde es super, dass wir dieses Vertrauensverhältnis haben."

(Meier freut sich wie ein Schnitzel)

Gerke: "Du, wo wir gerade dabei sind, muss ich dir auch was sagen. Du riechst aus dem Mund ziemlich übel."

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