Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaFrauen und KarriereRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Durchboxen im Job "Sei hart, aber unfair"

Aggressiv an die Spitze: "Frauen müssen heute härter kämpfen denn je" Zur Großansicht
Corbis

Aggressiv an die Spitze: "Frauen müssen heute härter kämpfen denn je"

Wer immer nur nett ist, kommt mit der Karriere selten voran, sagt Aggressionsexperte Jens Weidner. Sein Rat für alle Aufsteiger: Einfach mal ein Schwein sein. Vor allem die Frauen.

Zur Person
  • Thomas Duffé
    Jens Weidner ist Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Er hält Vorträge und schreibt Bücher("Die Peperoni-Strategie") für Menschen, die aggressiv ihre Ziele durchsetzen wollen. Sein letztes Buch erschien unter dem Titel "Hart, aber unfair".
KarriereSPIEGEL: Sie sagen, wer vorankommen will, muss aggressiv auftreten. Gilt das für jeden?

Weidner: Ja, aber in besonderem Maße für Frauen. Sie müssen heute härter kämpfen denn je. Denn ein altes Tabu gilt nicht mehr: Früher hat man Frauen nicht abgesägt, das tat man als Gentleman nicht. Heute ist das anders.

KarriereSPIEGEL: Frauen wurden damals gar nicht erst eingestellt.

Weidner: Richtig. Man muss nur einen Blick auf die Anzahl der Führungskräfte werfen. Früher hatten wir 100 Prozent Männer, heute sind es 80. Und die ganzen Vertreter der Chancengleichheit sagen zu Recht, das ist uns zu wenig, wir wollen die Hälfte. Das bedeutet für die Männer, dass 30 Prozent gehen müssen, die sich den Job hart erarbeitet haben. Natürlich fühlen die sich jetzt bedroht.

KarriereSPIEGEL: Und deshalb stürzen sich diese Männer nun auf Frauen?

Weidner: Nur auf die aufstiegsorientierten, die das Potenzial haben, einen zu überholen. "Jetzt ist die Kollegin noch Anfang 30 - nutze ich also besser die Chance", denken sich viele Männer. Sie geben den Frauen Aufgaben, die nicht zu bewältigen sind. Und wenn sie es trotzdem schaffen - es gibt verdammt gute Frauen heute -, dann konzentrieren sie sich eben auf den kleinen Teil des Ergebnisses, der Schrott ist. "Erlege die Frau, solange sie noch im Wachstum ist", solche Sprüche hört man.

KarriereSPIEGEL: Wo hört man denn so was?

Weidner: Ich habe knapp tausend Interviews mit Führungskräften und Menschen im Aufstieg geführt. Kein Karriere-Mann sagt, er sei gegen Gleichberechtigung. Aber wenn ich frage, was sie mit Konkurrentinnen tun, antworten sie: "Wir locken sie in die Frauen-Aggressivitätsfalle." Die geht so: Alles, was bei Männern hoch gelobt wird - Durchsetzungsstärke, Zielorientiertheit, Coolness - wird umgedeutet. Bei einer Frau heißt das dann plötzlich, sie sei hysterisch, verkrampft, habe einen krankhaften Ehrgeiz entwickelt, vielleicht ist der private Kontext ja auch allzu schwierig, wer weiß. Ihr Ruf wird dadurch angekratzt, ihr Status geschwächt.

So geht Streiten: Lernen von den Profis
  • Corbis
    Pure Harmonie macht schläfrig. Solange Konflikte nicht entgleisen, können sie im Berufsleben sogar fruchtbar sein. Im Magazin SPIEGEL JOB (www.spiegeljob.de) gibt es die Anleitung zum richtigen Zoffen. Wo lauern Gefahren? Und wie vermeidet man ein Gemetzel?
KarriereSPIEGEL: Das sind doch Rezepte aus den Siebzigerjahren. Ist das alles?

Weidner: Nicht nur aus den Siebzigern, sondern aus Jahrhunderten der Machtgeschichte. Beliebt ist auch die Innovationsfalle. Denn Frauen ändern Dinge gern, noch lieber als Männer. Das Problem ist jedoch: Innovationen sind risikobehaftet. Ein bis zwei Sachen klappen, der Rest geht in die Binsen. Außerdem mag traditionellerweise niemand Menschen, die Unternehmen umkrempeln. Die zerstören ja die Tradition des Hauses. Eine Lose-Lose-Situation für innovative Frauen.

KarriereSPIEGEL: Und was hilft dagegen?

Weidner: Wann gilt in einem Unternehmen das Motto "Im Zweifel für den Angeklagten"? Doch nur, wenn man so gut vernetzt ist, dass sich die anderen nicht trauen, einen anzuschießen. Die ganzen Machtspiele finden nicht statt, wenn ich weiß, dass ich dann mit mächtigen Leuten Ärger bekomme. Und hier liegt ein weiteres Problem, das viele Frauen haben: Sie definieren Netzwerken zum Teil als überflüssige Zeitverschwendung, die von der eigentlichen Arbeit ablenkt. Und mit ihrem Netzwerk offen umzugehen, finden sie noch schlimmer, geradezu anbiedernd. Dabei nützt ihnen ihr ganzes schönes Netzwerk nichts, wenn sie es nicht nach außen tragen. Gut, die mächtigen Freunde können natürlich immer aus dem Hintergrund noch das Schlimmste verhindern. Aber ich will erst gar nicht in den Brunnen fallen, aus dem die mich dann wieder herausholen müssen.

KarriereSPIEGEL: Finden Sie das nicht ein wenig pessimistisch?

Weidner: Im Berufsleben kann man gern zu 80 Prozent ein feiner Mensch sein. Die übrigen 20 Prozent sollten wir aber durchsetzungsstark, strategisch und bereit sein, pessimistisch anthropologisch zu denken. Den Menschen als des Menschen Wolf zu sehen. Wenn Sie im Berufsleben jedem unterstellen, er meine es gut mit Ihnen, werden Sie permanent enttäuscht und ein Opfer von Machtspielen.

KarriereSPIEGEL: Sie sind Kriminologe. Wie kamen Sie auf diese Theorie?

Weidner: Ich habe zehn Jahre lang hauptberuflich mit Gewalttätern gearbeitet und deren Aggressivität abgebaut. Damals kamen Manager auf mich zu und fragten: "Kann man das nicht auch umdrehen - und Gutmenschen ein bisschen bissiger machen?" Es gebe so viele hochqualifizierte Männer und Frauen, die zu gut seien für diese Welt. Sobald ein starker, aufgeblasener Ellenbogenkarrierist vorbeikommt, fallen die um. Ich habe dann eine Befragung mit Führungskräften gemacht: Welche Schattenseiten brauchten Sie zu Ihrem Erfolg? Und welche bissigen Sachen sind mit Ihnen gemacht worden? So kam ich zu meinen Machtspiel-Erkenntnissen: Sei hart, aber unfair, wenigstens zu 20 Prozent, dann kommst du voran.

Fotostrecke

11  Bilder
SPIEGEL JOB: Rundflug durchs Magazin

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte richtig rechnen!
alex-c 14.07.2014
Wenn die Männerquote von derzeit 80% auf 50% gesenkt werden soll, dann müssen nicht 30%, sondern 37,5% der Männer gehen!
2. Schlag euch
Spiegelwahr 14.07.2014
Schlag euch, aber schlag euch nicht zuviel, weil sonst der Profit sinkt. Natürlich haben es die Manager gerne, wenn sie der Pöbel sich schlägt und werfen noch Öl ins Feuer. Nur wenn der Pöbel immer mehr Zeit verbraucht, um seine Position im Pöbelpack abzusichern und gleichzeitig mit treten auf die lästigen Aufsteiger aus dem Pöbel und sägen am Stuhl des Chefs, wer macht dann die Arbeit, wer erzeugt dann den Profit. Dieses Assi-Verhalten ist im Endeffeckt Machterhalten weil sich der Pöbel zerfleischt und vor lauter Beisserei seinen wirklichen Feind nicht mehr sieht und es ist Profitschädlich weil es züchtet Ja-Sager, Rückversicherer und Nurnochgutebotschaftenüberbringer und damit Stillstand von Entwicklung in Unternehmen. Die Guten flüchten und die Nullen bleiben, weil sie finden nichts neues. Die gegenseitigen Kleinkrieg erzeugen soviel Störungen, dass es profitgefährend wird und das Unternehmen zerstört, aber da der gute Manager nur 3 Jahre im Unternehmen bleibt und dann geht, juckt es dem Manager nicht, es gibt noch genung Unternehmen, die man effecktiv mache äh zerstören kann.
3. Zwei Fragen stellen sich hier:
RalfHenrichs 14.07.2014
1. Will man im Leben oder im Beruf weiterkommen? Laut Weidner muss man sich für das eine oder andere entscheiden. Vor allem: wer sich im Beruf so verhält, wird sich auch privat so verhalten. Ansonsten ist man schizophren und das ist selten. 2. Weidner beschreibt sehr schön, warum an der Spitze stets - zumindest sehr oft - Arschlöcher sitzen. Und dann wundert man sich, warum die Welt so ist, wie sie ist. Vielleicht wäre es sinnvoller zu überlegen, wie eben diese Arschlöcher nicht nach oben kommen. Weidner ist da sehr resignativ.
4. ...
nixkapital 14.07.2014
Zitat von sysopCorbisWer immer nur nett ist, kommt mit der Karriere selten voran, sagt Aggressionsexperte Jens Weidner. Sein Rat für alle Aufsteiger: Einfach mal ein Schwein sein. Vor allem die Frauen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/karrieretipps-von-jens-weidner-frauen-muessen-aggressiver-werden-a-969239.html
...naja, wenn im Zuge wachsender Produktivität die Zahl der Arbeitsplätze immer mehr schwindet, rufen die "Experten" zu mehr animalischen Verhalten auf, um sich die wenigen attraktiven Jobs zu sichern. So gibt es parallele Entwicklungen. "Ganz unten" wächst Agressivität wegen fehlender Jobs, fehlender Perspektiven und damit fehlender Teilhabe am Gesamtwohlstand und oben wird die Agressivität künstlich geschürt. Und ganz, ganz oben amüsieren sich die wirklich Mächtigen über die Kämpfe in der Arena und heben oder senken je nach Laune den Daumen. Schöne Zukunft...
5. Bullshit!
tiefer 14.07.2014
Wenn man die berufliche Karriere als Lebensmittelpunkt setzt, mag das ja irgendwie von Interesse sein. Wer allerdings sein Leben über diese eindimensionale Sichtweise hinaus gestalten und als Mensch reifen und sich entwickeln will, der kann und will mit diesem unmenschlichen Schwachsinn nichts anfangen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Das Magazin SPIEGEL JOB 1/2014
  • Arbeit ist das halbe Leben, plusminus. Aber was ist mit dem Rest - wo bitte bleiben Freizeit, Freunde, Hobbys? Das neue Magazin SPIEGEL JOB zeigt, wie es gelingt, den Berufsalltag zu meistern und ihm auch mal zu entfliehen. So finden sich Einsteiger, Aufsteiger, Aussteiger in der Berufswelt zurecht. Einige Themen:

    Prima, Ballerina: Der harte Alltag einer Spitzentänzerin / Ausstiegsträume: "Das mach ich eh nur fünf Jahre" / Branchenreport Energie: Zeit, dass sich was dreht.

    Und noch viel mehr. Schauen Sie doch mal rein.
  • Direkt zur digitalen Ausgabe
  • Heft versandkostenfrei bei Amazon bestellen
Fotostrecke
Psychopathen: Raubtiere ohne Kette

Verwandte Themen
Fotostrecke
Typologie der Bosse: Ich Chef, du nix


Anzeige

Social Networks