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Karriereverweigerer "Elternzeit als Karrierebaustein anerkennen"

Christoph Kübel, Personalgeschäftsführer bei Robert Bosch: "Nicht immer ist ein fachlich exzellenter Mitarbeiter auch eine gute Führungskraft" Zur Großansicht

Christoph Kübel, Personalgeschäftsführer bei Robert Bosch: "Nicht immer ist ein fachlich exzellenter Mitarbeiter auch eine gute Führungskraft"

Manche jungen Akademiker, die es sich aussuchen können, wollen gar nicht mehr Chef werden. Sie verzichten lieber auf klassische Führungsjobs in Konzernen. Im Interview spricht Bosch-Personalchef Christoph Kübel über die Fachkarriere als Alternative und die Erwartungen der "Generation Y".

Frage: Herr Kübel, "Karriere machen" wird allgemein als stetiger Zuwachs an Personal- und Budgetverantwortung begriffen. Mit der "Fachkarriere" haben Sie dieses Prinzip bei Bosch außer Kraft gesetzt. Warum?

Kübel: Nicht immer ist ein fachlich exzellenter Mitarbeiter auch eine gute Führungskraft. Umgekehrt verspürt nicht jeder, der das Zeug dazu hätte, den Drang zu führen. Als hochinnovatives Unternehmen wollen wir alle guten Leute halten. Deshalb bieten wir seit den siebziger Jahren neben der Führungs- auch die Fachkarriere an, mit inhaltlicher Weiterentwicklung und gleichen Gehaltsbändern wie in der Führungslaufbahn. Seit 2008 gibt es mit dem Graduate Specialist Program auch einen speziellen Einstieg für die Fachkarriere. Und als dritten Weg noch die Projektkarriere. So können wir das Potential jedes Mitarbeiters optimal nutzen.

Frage: Führung ist heute hochkomplex und fordernd. Die Fachlaufbahn klingt attraktiv für alle, die diese Mühe scheuen.

Kübel: Das sehe ich nicht so. Natürlich gibt es Mitarbeiter mit Führungspotential, die den Expertenpfad einschlagen, weil sie ihre Zeit lieber mit Forschung als mit Management verbringen. Doch auch die Fachkarriere setzt, gerade weil sie finanziell und organisatorisch der Führungslaufbahn ebenbürtig ist, ein hohes Maß an Engagement, Weiterbildung und persönlicher Entwicklung voraus. Zudem unterstützen wir die Möglichkeit, zwischen beiden Laufbahnen zu wechseln. Feste Karrierepfade mit definierten Positionen geben wir bewusst nicht vor, um die individuelle Entwicklung zu stärken. Aber auch für alle Führungspositionen haben wir keine Schwierigkeiten, gute Leute zu finden.

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Karriereverweigerer: Talente verzichten auf Führungsanspruch
Frage: Noch nicht. Der Generation Y, die derzeit in den Beruf einsteigt, sagt man ein stärkeres Interesse an Freizeit als an Führungsaufgaben nach.

Kübel: Die Berufseinsteiger sind sehr leistungsorientiert und zeigen großes Interesse an den Karrieremöglichkeiten bei Bosch. Natürlich mit zum Teil neuen Prioritäten. Als ich vor gut 20 Jahren hier anfing, fragte ich, wie es denn mit den Aufstiegsmöglichkeiten aussehe. Heute sind für diese Generation eher die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie flexibles Arbeiten wichtig.

Frage: Also doch mehr Work-Life-Balance. Wer will denn überhaupt noch Chef werden?

Kübel: Das eine darf das andere eben nicht mehr ausschließen. Bosch wurde gerade als familienfreundlichstes Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet, auch, weil wir über hundert flexible Arbeitszeitmodelle anbieten und unsere Kultur ständig weiterentwickeln. So ermöglichen wir etwa Führung in Teilzeit oder erkennen Eltern- und Pflegezeit als Karrierebaustein an.

Frage: Führungsjobs müssen sich also wandeln, um wieder attraktiver zu sein?

Kübel: Führungsaufgaben sind weiterhin gefragt. Neben Wertschätzung werden vor allem Offenheit und Vertrauen künftig noch wichtiger als bisher. Der Fokus wird stärker auf dem Erreichen von Ergebnissen und weniger auf Präsenzkultur liegen.

  • Das Interview führte Klaus Werle, Redakteur beim manager magazin. Auf dessen Online-Portal erschien der Text zuerst.

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Gang runterschalten: Die Generation Y und die Karriere
CEO of the Future


McKinsey und manager magazin suchen die künftige Führungselite
Der Wettbewerb
Wer sich fragt, ob eine Karriere als Manager das Richtige für ihn ist, dem bietet seit dem Jahr 2000 der Wettbewerb "CEO of the Future" die Möglichkeit, genau das herauszufinden. Auch 2012 suchen McKinsey, manager magazin und Spiegel Online wieder die Führungselite der Zukunft, gemeinsam mit Bayer, Bertelsmann, Porsche, ThyssenKrupp und Vodafone sowie dem Medienpartner n-tv. Mitmachen können Young Professionals mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung sowie examensnahe Studenten und Doktoranden.
Die Herausforderung
In der ersten Runde sollen die Teilnehmer ins Jahr 2030 blicken – und ihre Ratschläge für einen CEO von heute in einem klugen Essay formulieren. Zusammen mit einem Lebenslauf soll dieser bis zum 16. September auf www.future-ceo.de hochgeladen werden. Die besten Bewerber können sich in Workshops für die zweite Runde qualifizieren. Dort bauen die 20 überzeugendsten Kandidaten in Seminaren ihre Führungskompetenzen aus – und trainieren für das Finale.
Die Gewinner
In der Endrunde am 2. Februar 2013 in Kitzbühel präsentieren die Kandidaten Fallstudien vor den CEOs der Partnerunternehmen. Die drei Sieger erhalten Karrierebudgets in Höhe von 7000, 5000 und 3000 Euro sowie ein Mentoring durch ein Jurymitglied.
Die Jury
Die Talente bewerten Marijn Dekkers, Vorstandsvorsitzender von Bayer, Bertelsmann-Primus Thomas Rabe, Porsche-Lenker Matthias Müller, Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey, Herbert Henzler, ehemaliger Europa-Chef von McKinsey, ThyssenKrupp-Vorsteher Heinrich Hiesinger, Jens Schulte-Bockum, designierter Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland, sowie Vertretern der Medienpartner. Mehr Infos bei e-fellows, Facebook und www.future-ceo.de.

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