Kauderwelsch-Quiz Verstehen Sie Beratersprech?
"Was sagt eigentlich Financial zu dem Draft?" Unternehmensberater verwenden eine Geheimsprache, die immer mehr Berufszweige infiziert. Verstehen Sie Beratersprech? Testen Sie hier, ob Sie ein Resulter sind - oder doch nur ein Underperformer!
"Wenn der CEO keine Guidance gibt, ist die Equity Story hinüber. Dann muss ein Capex-Holiday das Ebit-Target sichern, möglichst mit ein bisschen cream on top." Wie bitte? Wer spricht denn so?
Mehr Leute, als man denkt. Vor allem Unternehmensberatern wird vorgeworfen, sie spickten ihre Sätze mit einer Zahl von Anglizismen, die komplett out of the ball park ist.
Wer häufig mit den Herren von A.T. Kearney, Roland Berger oder Bain zu tun hat, der weiß: Der Vorwurf stimmt. Aber ganz fair ist die Beraterschelte nicht. Denn derlei Business-Kauderwelsch sprechen inzwischen - bewusst oder unbewusst - auch Hunderttausende Arbeitnehmer, die noch nie eine Unternehmensberatung von innen gesehen haben.
Testen Sie, ob Sie ein Resulter sind - oder doch nur ein Underperformer.
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"Mein Leben ist eine giving-story. Für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported."
Das ist lupenreiner Beratersprech. Anders als bei schnödem Denglisch werden hier Fachbegriffe aus der Betriebswirtschaftslehre verwendetet (audience), ferner rhetorische Figuren aus dem Amerikanischen (giving story).
Das Ganze muss etwas mit der Globalisierung zu tun haben. Und mit dem Umstand, dass selbst urdeutsche Konzerne wie die Allianz sich Englisch als offizielle Unternehmenssprache verordnet haben.
Neben Unternehmensberatern reden deshalb inzwischen Heerscharen von Konzernmitarbeitern über legal (Rechtsabteilung), die guidance (finanzielle Prognose) oder das kick-off meeting - von Werbern, Softwareexperten oder PR-Leuten ganz zu schweigen.
Dedizierte Teams, Aufgegleiste Projekte
Beratersprech ist keine Schrulligkeit einiger masters of the universe mehr, die zu sehr von den eigenen Fähigkeiten eingenommen sind, sondern ein quicklebendiger Verkehrsdialekt, der sich weiterverbreitet - und weiterentwickelt.
Mitte der Neunziger reichten englische buzz words als mark of disctinction aus. Das ist heute, um auch einmal einen Französimus zu verwenden, passé. Sätze mit zu vielen Anglizismen gelten inzwischen als vulgär, als too much of a good thing, weswegen eine Rückbesinnung aufs Teutonische stattgefunden hat.
Zum einen werden nun aus dem Angelsächsischen entlehnte Begriffe rückübersetzt, was die Sache nicht unbedingt besser macht. Dedizierte Teams setzen nun Prozesse auf, um performante Lösungen zu replizieren - während anderswo im Unternehmen der Chef einen Plan mit den Worten quittiert: "Da bin ich fein mit."
Zum anderen bedienen sich versierte Beratersprecher seit einiger Zeit der Fachsprache anderer Berufsgruppen. Noch vor zehn Jahren konnten lediglich Bundesbahner etwas aufgleisen - nämlich einen Zug. Heute kann man auch Projekte oder Mitarbeiter auf die Schiene setzen: "Nach sechs Wochen Urlaub müssen wir den Meier erstmal völlig neu aufgleisen."
Aber nur, wenn der Meier sich nicht ganz von alleine zu dem Thema aufschlaut - was man von einem echten Selfstarter eigentlich erwarten könnte.
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- Tom Hillenbrand (Jahrgang 1973) ist freier Wirtschaftsjournalist. Er betreibt die Facebook-Seite "Beratersprech", die Business-Phrasen und -Vokabular sammelt.
Benne Ochs
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