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Gehalt und Kaufkraft Was vom Lohn übrig blieb

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DPA

Wie lange muss man malochen, um sich seine Wünsche erfüllen zu können? Ein Durchschnittsverdiener heute hat seinen Fernseher in vier Tagen zusammengespart - so schnell wie nie. Allerdings bekommen Münchner ihr iPhone zwei Tage früher als Berliner.

55,5 Stunden Arbeit und dazu noch eine Nulldiät: So lange musste ein Berliner mit einem Achtstundentag 2012 arbeiten, bis er sich ein iPhone leisten konnte. Dazu müsste er während der fast sieben Werktage hungern, denn für diesen statistischen Wert darf er sein Geld für nichts anderes ausgeben - nicht mal für Essen. Etwas leichter haben es Frankfurter und Münchner: Mit 41,5 und 42,5 Stunden haben sie sich ihr iPhone knapp zwei Tage schneller verdient.

Wohlgemerkt: Hier handelt es sich um Durchschnittswerte. Wer weniger verdient, muss deutlich länger für sein Telefon ranklotzen. Das zeigen Daten, die die Schweizer Bank UBS erhoben hat. Seit 1976 vergleicht sie jedes Jahr Preise und Löhne in 72 Städten weltweit.

3311 Euro brutto im Monat haben die Deutschen 2011 im Durchschnitt verdient. Laut Statistischem Bundesamt waren es ein Jahr später 2,6 Prozent mehr. Nach Abzug der Inflation bleibt ein Plus von 0,6 Prozent übrig. Das wirkt sich auf die Kaufkraft aus, den Teil vom Einkommen, der für den Konsum aufgewendet wird. Nach Daten der Gesellschaft für Konsumforschung können die Deutschen 2013 monatlich etwa 50 Euro mehr ausgeben als im Vorjahr.

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Wichtig für die Konsumenten: Bekommt man für das Mehr an Gehalt auch mehr und bessere Waren? Ja, meint Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Die Kaufkraft hat seit 1991 kontinuierlich zugenommen - wenn auch nur gering." Die öffentliche Wahrnehmung ist oft eine andere - nach ihr wird alles immer teurer. "Zumindest von den Daten her stimmt das nicht", erklärt Schröder. Heute gibt es hochwertigere Güter zu einem geringeren Preis. Das liege am Fortschritt.

Große Technik, kleiner Preis

Als der erste VW Golf in den siebziger Jahren auf den Markt kam, kostete der Kompaktwagen etwa 8000 D-Mark - bei einem monatlichen Durchschnittsverdienst von 1778 Mark. Der inzwischen zum Mittelklassefahrzeug mutierte Golf 7 fängt bei 16.975 Euro an. Und ist seinen Vorgängern in Leistung, Ausstattung, Komfort und Sicherheit um einiges überlegen. "De facto konsumieren wir mehr für unser Geld als früher, weil wir qualitativ mehr dafür bekommen", sagt Schröder.

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Technische Produkte wie Fernseher sind über die Jahre immer günstiger geworden: Für eine Schwarzweiß-Flimmerkiste, die 1960 umgerechnet etwa 450 Euro gekostet hätte, musste man 42 Tage arbeiten, während der Farb-Röhrenfernseher 1991 schon nach etwa zehn Arbeitstagen erschwinglich war. Ein 37-Zoll-Full-HD-LCD ist heute in nicht einmal vier Tagen verdient.

Das gilt auch für Lebensmittel: Für ein Laib Brot musste ein Westdeutscher 1960 noch 19 Minuten lang arbeiten, heute kann er es sich dagegen schon nach zehn Minuten leisten. Noch krasser ist der Vergleich beim Rindfleisch: Fast zwei Stunden Schufterei früher, nur etwa eine halbe Stunde heute. Allerdings hat sich in den letzten 20 Jahren bei Lebensmitteln nicht viel geändert - zwar kostet das Fleisch heute etwa zwei Euro pro Kilo mehr als 1991. Aber mit den Preisen sind auch die Löhne gestiegen, der Wert ist also gleich geblieben.

Teurer sind dagegen Dienstleistungen geworden: Ein Friseurbesuch kostete die Frau von Welt 1961 anderthalb Stunden ihrer Arbeitszeit, 1991 nur 57 Minuten. Heute muss man dagegen für schöne Haare wieder eine Viertelstunde länger arbeiten. "Friseure können ihre Produktivität ja nicht steigern, es dauert noch genauso lang wie früher", erklärt Schröder.

Billiges Berlin, reiches München

Überdurchschnittlich gestiegen sind auch die Wohnpreise. "Die 30 Prozent vom Einkommen, die man jahrelang als Orientierung für Mietkosten verwendet hat, reichen heute selbst in Berlin oft nicht mehr", sagt Barbara Riedmüller, emeritierte Professorin für Sozialpolitik und Komparatistik an der Freien Universität Berlin. Dabei treffe es einige Teile der Bevölkerung härter als andere: "Wie viel man sich tatsächlich von seinem Gehalt leisten kann, hängt ganz stark von der Branche, vom Alter, der Region und dem Geschlecht ab." Während Arbeiter der Metallbranche in den letzten Jahren von höheren Einkommen profitieren konnten, sehe das im Dienstleistungssektor und öffentlichen Dienst ganz anders aus.

Auch innerhalb Deutschlands gibt es große Unterschiede: In Berlin ist vieles deutlich günstiger zu bekommen als in Frankfurt oder München - hier verdient man im Bundesschnitt aber auch weniger: Während Münchner für durchschnittlich 23 Euro brutto die Stunde arbeiten, verdienen Berliner nur 19,90 Euro. Sie machen dafür aber drei Tage mehr Urlaub als die Münchner und arbeiten im Schnitt einige Stunden weniger.

Wie viel das Gehalt wert ist, kann aber auch davon abhängen, wie viel Freizeit zur Verfügung steht. "Zugunsten von mehr Freizeit wurde die Arbeitszeit in den letzten Jahren massiv reduziert", sagt Daniel Kalt, Chefökonom bei UBS. Kalt hat festgestellt, dass man in den USA zwar mehr verdient als in Europa - dafür aber auch mehr arbeitet. Diese kontinuierliche Reduktion der Arbeitszeit in Europa sei auch als Wohlstandsfaktor zu betrachten - und wird in den offiziellen Statistiken kaum berücksichtigt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels war der Preis eines VW Golf 1974 irrtümlich mit 17.000 D-Mark angegeben, tatsächlich lag er bei 8000 D-Mark. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Melanie Hofmann (Jahrgang 1984) ist freie Journalistin in Berlin und schreibt über Themen wie Karriere, Bildung, Energie und Trends.
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insgesamt 157 Beiträge
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1. VW Golf in den 70ern
ikke75 04.04.2013
hat der wirklich schon 17.000 EUR gekostet? Waren es nicht eher 17.000 DM? Andere Quellen sprechen sogar von nur 8.000 DM im Juni 1974. Wieso gibt es eigentlich keine direkte Kommetarfunktion oder E-Mail-Link o.ä. Der obige Sachverhalt scheint deutlich falsch zu sein.
2. optional
kumi-ori 04.04.2013
Na Ja. Dass technische Neuerungen im Laufe ihrer Veralterung immer weniger kosten, kann man nicht als eine generelle Steigerung der Kaufkraft interpretieren. Mein erster Computer hatte einen Speicher von 1 MB. Mein jetziger hat 30 GB, somit hätte sich meine Kaufkraft in den letzten 20 Jahren um den Faktor 30.000 erhöht. Selbiges gilt für Iphones und das ganze Zeug, oft Trendartikel, die in kürzester Zeit wieder megaout sind. Interessant sind hierbei solche Güter, die in einer gewissen Begrenztheit zur Verfügung stehen und um Qualitätsprodukte mit Manpower-Komponente. Wie die Autorin richtig schrieb, hat sich der Preis eines Laibs Brot (arbeitszeit-technisch) halbiert. Dabei denkt sie aber sicher an ein Fließbandprodukt aus dem Lidl oder einer Filialbäckerei. Wenn Sie eine Semmel von einem selbst backenden Bäcker im städtischen Raum kaufen (also nicht einen aufgebähten Rohling in der Filiale oder an der Tankstelle), dann haben sich die Preise auf jeden Fall drastisch erhöht, von 6 Pfennig in den 60er Jahren auf ca. 1 Euro (195 Pfennig) heute. So stark sind die Gehälter nicht gestiegen. Fazit: man muss den Stand der Technik und die Qualität des Produkts miteinbeziehen.
3.
muellerthomas 04.04.2013
Zitat von kumi-oriNa Ja. Dass technische Neuerungen im Laufe ihrer Veralterung immer weniger kosten, kann man nicht als eine generelle Steigerung der Kaufkraft interpretieren. Mein erster Computer hatte einen Speicher von 1 MB. Mein jetziger hat 30 GB, somit hätte sich meine Kaufkraft in den letzten 20 Jahren um den Faktor 30.000 erhöht. Selbiges gilt für Iphones und das ganze Zeug, oft Trendartikel, die in kürzester Zeit wieder megaout sind.
So einfach kann man das natürlich nicht rechnen, da sich die Qualität eines Rechners wohl kaum ausschließlich am (Arbeits-)Speicher bemisst. Dass die heutigen Rechner jedoch in der Tat deutlich leistungsfähiger sind, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten wollen. ---Zitat--- Wenn Sie eine Semmel von einem selbst backenden Bäcker im städtischen Raum kaufen (also nicht einen aufgebähten Rohling in der Filiale oder an der Tankstelle), ---Zitatende--- Also m.E. ist die Qualität von handgefertigten Backwaren keienswegs per se besser als die konstante Qualität einer maschinellen Produktion. ---Zitat--- Fazit: man muss den Stand der Technik und die Qualität des Produkts miteinbeziehen. ---Zitatende--- Genau das lehnen Sie doch aber im ersten Abschnitt noch ab.
4.
homersimpson75 04.04.2013
Mit Sicherheit kostete ein Golf I in den 70ern keine 17.000 DM. Dafür bekam man in den späten 80ern einen Golf II.
5.
muellerthomas 04.04.2013
Zitat von ikke75hat der wirklich schon 17.000 EUR gekostet? Waren es nicht eher 17.000 DM?
Im Text stehen zumindest nun 17.000 DM. Wurde das korrigiert oder haben Sie das falsch gelesen? ---Zitat--- Andere Quellen sprechen sogar von nur 8.000 DM im Juni 1974. . ---Zitatende--- Laut Wikipedia lag alleine der Grundpreis des günstigsten Modells bei knapp 8.000 DM. Eine Verdoppelung selbst bei teureren Modellen mit mehr Ausstattung kommt mir allerdings auch sehr viel vor. Von der Größe her, müsste man aber wohl auch den heutigen Polo mit dem damaligen Golf vergleichen.
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