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Beratung beim Bilderkauf Ist das Kunst? Das ist Kunst!

Von Beruf Kunstberater: Kauf doch mal das hier Fotos
DPA

Ein roter Klecks auf weißem Grund - sollte man dafür Geld ausgeben? Helge Achenbach hat aus diesen Zweifeln einen Beruf gemacht: Er berät Manager und Neureiche beim Bilderkauf, seit mehr als 30 Jahren schon. Viele der von ihm vermittelten Kunstwerke sind heute Millionen wert.

Helge Achenbach hat vor mehr als 30 Jahren seinen Beruf selbst erfunden: Kunstberater. Er sagt Menschen, welche Bilder sie kaufen sollen. Zu seinem Job gehört es, Manager für Künstler zu begeistern, deren Namen sie vorher noch nie gehört haben, und Reiche davon zu überzeugen, dass Kunst die perfekte Geldanlage ist. Das kann der 60-Jährige gut.

Sein jüngster Coup: Er hat eine Kooperation zwischen dem Volkswagen Konzern und dem New Yorker Museum of Modern Art eingefädelt. Die Aufgabenteilung dieser Partnerschaft sieht so aus: Die Wolfsburger geben mehrere Millionen Dollar für zeitgenössische Kunst und bekommen dafür im Gegenzug etwas vom Glanz des weltbekannten Museums ab. Zur Feier in New York kamen Pop- und Kunstgrößen wie Madonna und Jeff Koons, Cindy Sherman, Patti Smith und Yoko Ono. "Ich bin nach 40 Jahren an einem Punkt angekommen, wo ich das Gefühl habe: Klasse, da fühle ich mich wohl", sagt Achenbach.

Der gebürtige Siegerländer ist im Kohlenhandel seines Großvaters aufgewachsen, er hat nie Kunst studiert. "Das war nichts für mich", sagt er. "Aber ich war schon immer interessiert am Gespräch und am Deal. Ich bin ein Vernetzer."

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Als Student der Sozialpädagogik war Achenbach Asta-Sprecher, Juso-Vorstand, ein Jahr lang arbeitete er im Jugendstrafvollzug. Und er suchte schon immer die Nähe zu Künstlern. Schon 1973 war er Chef einer kleinen Galerie, in der er die Zero-Künstler Uecker, Mack und Piene ausstellte: "Ich bin ein neugieriger und offener Mensch. Dass ich bei den 'richtigen' Künstlern geblieben bin, hat sehr viel mit den intensiven Gesprächen zu tun, die ich mit vielen geführt habe."

Eher zufällig bekam Achenbach 1978 den Auftrag, für die Duisburger Klöckner-Werke ein Kunstkonzept zu entwickeln: "Das schlug sich plötzlich auch in einem überdimensionalen Umsatz nieder." Die Geschäftsidee des "art consulting" war geboren. An der Düsseldorfer Kunstakademie lernte Achenbach Professor Gerhard Richter kennen - und vermittelte eines seiner Bilder für 30.000 Mark an die New Yorker Niederlassung der Hessischen Landesbank und zwei weitere für 290.000 Mark an die Victoria-Versicherung. "Spottbillig", sagt Achenbach. Heute seien die Bilder 50 Millionen Euro wert.

Die Galerie ist der Schlüssel zum Erfolg

An jedem verkauften Bild verdient der Kunstberater mit. Seine Handelsspanne läge bei 20 bis 50 Prozent, "selten 100", sagte er 1988 dem SPIEGEL. Ende der neunziger Jahre besaß Achenbach Filialen in München, Frankfurt und Berlin. "Kunst ist die vornehmste Art, Reichtum zu zeigen. Der Bedarf ist unermeßlich!", sagte er damals. Doch dann kam 2001 die große Krise, Aktien stürzten ab, Unternehmen verkauften ihre Sammlungen. Achenbach musste seine Firma verkleinern, konzentrierte sich auf Mittelständler.

Heute arbeiten in Düsseldorf zehn Mitarbeiter für "Achenbach Art Consulting". Auf der Homepage ist nachzulesen, was Künstler und Manager angeblich gemeinsam haben: Erfindungsgeist, Offenheit, konsequentes Handeln und die Bereitschaft, an die eigenen Grenzen zu gehen. "Der erste Schritt ist die Entdeckung des Künstlers. Das kann beispielsweise beim Rundgang durch die Akademie geschehen", erklärt Achenbach. "Viele Kunststudenten kommen nicht groß raus, weil sie nicht gut genug sind, nicht originär genug, weil sie nicht das Besondere schaffen." Erfolgreich werde aber auch ein begabter Künstler nur, wenn alle mitspielen: Galeristen, Museumsleute, Sammler. "In der ersten Reihe steht die Galerie. Wenn sie gut ist, dann kommen die anderen automatisch."

Das Ästhetische mit dem Finanziellen verbinden - damit hat sich Achenbach nicht nur Freunde gemacht. Einigen in der Kunstszene ist sein lukrativer Berater-Beruf immer noch suspekt. Ihm ist das egal: "Ich kann mit Künstlern, Sammlern, Unternehmern und auch Kritikern reden, es macht mir irrsinnig viel Spaß." Und nebenbei fährt er den Bentley, der einst Joseph Beuys gehörte.

Dorothea Hülsmeier/dpa/vet

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Kunst
Arno Nühm 16.07.2012
So manches, was heute als Kunst bezeichnet wird, lässt man sich vielleicht lieber von seinen Kindern basteln. Ist billiger und die ganze Familie hat was davon...
2. ...dann mach es!
mop 16.07.2012
Den Satz habe ich schon einmal gehört, als Damien Hirst neben seinem an die Wand genagelten Vogel stand. Seine Antwort, ich habe es aber gemacht.
3.
qvoice 16.07.2012
Ich schlage für die Einschätzung von Kunstwerken den Blindversuch vor. Dem Kunstverständigen wird das Werk ohne Kenntnis des Urhebers vorgestzt. Wenn die Kennerschaft wirklich so gross ist, wird der Sachverständige problemlos zwischen einer Amateurzeichnung und einem Millionenwerk unterscheiden können, oder?
4. Is doch völlig egal....
TodAllenFanatikern 16.07.2012
was da für ein Rotz auf der Leinwand klebt, hauptsache, man kann als "Wertanlage" damit spekulieren. Am Besten, in Vakuumfolie verpacken und ab damit in den Tresor. Genau da gehört Kunst hin. Oh Mann, wie mich diese ganze Gesellschaft und ihr Tanz ums goldene Kalb anekelt. Scotty, Sie können mich jetzt nach oben beamen. Kein intelligentes Leben auf diesem Planeten vorhanden....
5. ...genau
ThomasVeil 16.07.2012
Stimme dem Vorgaenger zu: Das hat alles mit Wertanlage zu tun, wenig mit Kunst. Wird Zeit das Handwerk wieder ein Teil des Ganzen wird - und nicht nur Schock und Massenproduktion. Sowieso: Kuenstler die mit Megafirmen zusammen arbeiten haben die eigentliche Aufgabe ihres Berufs vergessen.
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