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Skurrile Mitarbeitersuche Ein Job für Headbanger

Recruitingaktion: Ingenieure und Headbanger gesucht Fotos
DPA

Wummernde Bässe, sprühende Funken - wer das mag, muss eine Stahlfirma doch lieben, hofft Kay Butzkies-Schiemann. Dringend sucht der Unternehmer Ingenieure und lockt Bewerber mit Karten fürs Wacken-Festival. Warum Metal-Fans hinterm Deich so gut arbeiten können, erklärt er im Interview.

KarriereSPIEGEL: Herr Butzkies-Schiemann, Sie wollen potentielle Mitarbeiter mit der Verlosung von Karten für das Heavy-Metal-Festival in Wacken ködern. Dort zelten die Leute drei Tage lang im Schlamm, duschen nicht, trinken schales Bier aus Plastikbechern und hören Bands, die "Endstille" oder "Grave Digger" heißen. Solche Mitarbeiter wollen Sie?

Butzkies-Schiemann: Heavy Metal und Schwermetall passen nicht nur als Wortspiel gut zusammen. Funkenregen und klirrende Hämmer - so wie da auf der Bühne sieht es auch bei uns in der Werkstatt aus. Außerdem mag ich die Musik selbst sehr gern und war auch schon zweimal in Wacken dabei, von unserer Firma in Krempe aus ist man in 20 Minuten da. Viele der Besucher haben durchaus Stil - einen anderen als die Menschen, die Volksmusik oder Pop hören, aber keinen schlechteren. Das ist ein ehrliches Ausleben in der Freizeit! Die meisten unserer Mitarbeiter nehmen sich jedes Jahr für das Festival frei.

KarriereSPIEGEL: Bei Ihnen laufen also alle mit langen Haaren und schwarzen Mänteln herum?

Butzkies-Schiemann: Lange Haare nicht, aber dunkle Farben herrschen schon vor. Metal-Fans sind kein Mainstream, das empfinde ich aber als positive Eigenschaft. Wir stellen schließlich auch keine beliebigen Länge-Breite-Höhe-Container auf die Wiese, sondern übernehmen individuelle Großprojekte, bei denen man mit Herzblut dabei sein muss. Ein Hochhaus kann jeder bauen, aber wenn ein Scheich will, dass sich sein 420-Meter-Turm mit der Sonnenrichtung dreht und in den Aufzug auch sein Bentley passt, dann ist das unser Projekt.

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Heavy-Metal-Unternehmer: Vollgasmusik aus dem Ländle
KarriereSPIEGEL: Gebaut haben Sie nicht nur die "Rotating Towers" in Dubai, sondern auch das HSV-Stadion, die Airbus-Halle in Hamburg-Finkenwerder und das Hamburger Musical-Theater für "Der König der Löwen". Brauchen Sie da so eine Marketingaktion?

Butzkies-Schiemann: Das ist ja das Verrückte. Selbst große Unternehmen wissen oft nicht, dass es uns hier auf dem platten Land gibt. Und seit etwa zwei Jahren funktioniert die herkömmliche Art der Bewerbersuche nicht mehr. Der Markt ist leergefegt. Die meisten Bauingenieure knüpfen schon während ihres Studiums die Kontakte zum Arbeitgeber, und wir haben hier im Norden nicht viele entsprechende Fakultäten. Wir bieten mittlerweile zwar auch ein duales Studium an, zusammen mit der Fachhochschule Lübeck, aber es dauert natürlich, bis man die Leute großgezogen hat. Die Lücke kriegen wir kaum gefüllt. Ich könnte von heute auf morgen drei Bauingenieure einstellen, aber bis wir mit Zeitungsannoncen und Headhuntern jemanden gefunden haben, vergehen im Schnitt acht Monate.

KarriereSPIEGEL: Und die Metal-Fans sollen es jetzt richten?

"Karohemd und Samenstau"

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Butzkies-Schiemann: Kaum jemand will aufs Dorf hinterm Deich ziehen, das ist unser Problem. Uns haben schon Bewerber gesagt, dass sie lieber ein weniger lukratives Angebot in Hamburg annehmen - einfach, weil es in Hamburg ist. Wir haben uns also überlegt, welche Dinge hier attraktiv sind. Und da kommt man sofort auf Wacken.

KarriereSPIEGEL: Wenn Wacken vorbei ist, was machen die Metal-Fans dann bei Ihnen in Krempe, ganz tief in der norddeutschen Provinz?

Butzkies-Schiemann: Man kann hier sehr gut leben. Die Lebenshaltungskosten sind deutlich günstiger als in einer Metropole wie Hamburg, es gibt keine Parkplatzprobleme, in fünf Minuten ist man am Bahnhof - und in die Hamburger Innenstadt braucht man genauso lange wie von vielen Hamburger Stadtteilen aus.

KarriereSPIEGEL: Und die Musik kann man auch laut aufdrehen?

Butzkies-Schiemann: Absolut! Man hört ja auch den ganzen Tag die Maschinen von uns. Das stört niemanden. Die Kremper sind mit uns verwachsen, es arbeitet ja auch jeder zweite für uns. Und für Heavy-Metal-Fans ist das ohnehin Musik in den Ohren.

  • Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Redakteurin Verena Töpper.

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insgesamt 18 Beiträge
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    Seite 1    
1. selten so gelacht
MTMinded 23.11.2012
gratulation frau töpper, was eine stereotype "wackengänger" da erzeugt wird... ohne worte! btw.: wissen sie, was "schales" bier bedeutet? ich habe noch keinen wackengänger gesehen, der bei ankunft auf dem festivalgelände seine mitgebrachten biervorräte allesamt anbricht - also jede dose öffnet - um dann das ganze wochenende über schales bier zu geniessen. vor allem kippen wir dosenbier nicht in plastebecher, wir trinken direkt aus der dose...
2.
loncaros 23.11.2012
Wie ist das dann mit Electro Industrial? Das passt ja auch super zur Schwermetallindustrie. Krieg ich für Amphi, WGT und M'era Luna frei?
3.
Sleeper_in_Metropolis 23.11.2012
---Zitat--- Dort zelten die Leute drei Tage lang im Schlamm, duschen nicht, trinken schales Bier aus Plastikbechern und hören Bands, die "Endstille" oder "Grave Digger" heißen. ---Zitatende--- Genau so holzschnittartig habe ich mir Aussagen der Schlipsträger-Yuppies von Karriere-Spiegel vorgestellt.
4.
peddersen 23.11.2012
"Dort zelten die Leute drei Tage lang im Schlamm, duschen nicht, trinken schales Bier aus Plastikbechern und hören Bands, die "Endstille" oder "Grave Digger" heißen.......?" Naja, von den erwähnten Dingen ist wohl nur schales Bier was Negatives. Ich gehöre zugegebenerweise auch alterstechnisch nicht ganz zur Zielgruppe, aber mir sind Leute, die sich auch mal 3 Tage nicht duschen, weniger suspekt als die, die jeden Tag duschen. Das ist ein Kriterium, das für vieles steht - eigentlich für alles. Hätte bzw. bräuchte ich ein Personalbüro, wäre das eine der Einstellungsfragen - und dann erst das Zeugnis.
5. Schales Klischees
euredudeheit 23.11.2012
Von einem seriösem Magazin, wie dem Spiegel, erwarte ich mehr als platte Klischees, wenn über Heavy Metal berichtet wird. HM ist mindestens genauso facettenreich wie z.B. Jazz. Gleiches gilt für sein Publikum. Wenn man meint man kann Metalheads als versoffene Neandertaler darstellen, dann hat man sich offentsichtlich nie mit HM auseinandergesetzt.
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Zur Person
  • Butzkies
    Kay Butzkies-Schiemann (Jahrgang 1976) absolvierte eine Ausbildung zum Groß-und Außenhandelskaufmann bei Thyssen-Krupp in Hamburg und ist studierter Wirtschaftsingenieur. Bevor er als Trainee und Vertriebsingenieur bei Butzkies Stahlbau einstieg, arbeitete er in einer Personal- und Unternehmensberatung und war Juniorpartner in einem Planungsbüro für Automatisation und Engineering. Seit 2010 gehört er zusammen mit Dietmar Butzkies-Schiemann und Detlef Bengs der Geschäftsführung an.
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Zum Unternehmen
Butzkies Stahlbau GmbH ist ein Familienunternehmen, das 1912 von Erich und Lisbeth Butzkies im norddeutschen Krempe gegründet wurde. In 100 Jahren entwickelte sich die Firma von der kleinen Dorfschmiede zum Hightech-Unternehmen mit Zweigsitzen in Kiel und Polen.

Die Recruitingaktion läuft noch bis zum 20. Dezember. Zu gewinnen gibt es zwei mal zwei Eintrittskarten für das Wacken Open Air inklusive Weste, T-Shirt und Bauhelm. Bei der Verlosung werden nur ernstzunehmende Bewerbungen von Ingenieuren mit abgeschlossenem Studium berücksichtigt.

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