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23. November 2012, 09:01 Uhr

Personal Shopper für Chinesen

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Sein Jagdrevier: der Duty-Free-Shop. Seine Beute: ratlose Chinesen. Mit einem Lächeln und einer Begrüßung auf Mandarin pirscht Wasim Hussain sich an - und schon landen Parfum, Wein, teure Uhren im Einkaufskorb. Der Sinologe arbeitet am Frankfurter Flughafen als Einkaufsberater.

Reger Betrieb im Duty-Free-Shop am Frankfurter Flughafen: Kurz bevor der Flieger nach Peking abhebt, sind Scharen von Chinesen auf der Suche nach zollfreien Souvenirs und Mitbringseln aus Deutschland. Und Wasim Hussain, 43, ist in seinem Element. "Ni hao", hallo, sagt er und nähert sich einem jungen Pärchen, das etwas verloren vor dem Weinregal steht. Überrascht drehen sich die jungen Leute um und lächeln schüchtern. Hussain sagt zu den beiden etwas in fließendem Mandarin, dann packt das Pärchen mehrere Flaschen Riesling und Eiswein in den Einkaufswagen.

Wasim Hussain ist Personal Shopper am Frankfurter Flughafen. Er hat chinesische Sprachwissenschaften und Wirtschaftsgeschichte in Bochum und Oxford studiert, spricht Englisch, Französisch und Mandarin. Knapp fünf Jahre hat er in China gelebt und dort unter anderem für die Frankfurter Messe gearbeitet. Nun hat ihn der Flughafenbetreiber Fraport engagiert.

Das Projekt "Chinese Personal Shopper" läuft seit September, das Team besteht aus drei Personen. "Wir helfen den chinesischen Kunden bei der Rückerstattung der Mehrwertsteuer und beraten sie beim Einkauf, zusammen mit den Verkäuferinnen und Verkäufern", sagt Hussain.

Sein Arbeitgeber Fraport ist prozentual am Umsatz der Geschäfte und Gaststätten in den Terminals beteiligt - und bestreitet damit knapp die Hälfte des Gewinns. Das erklärte Ziel von Fraport-Chef Stefan Schulte: Mit jedem Fluggast sollen im Schnitt vier Euro verdient werden. Aktuell sind es etwas mehr als drei Euro.

Die Chinesen gelten als besonders konsumfreudig. Für viele ist der Einkauf am Frankfurter Flughafen eine echte Schnäppchenjagd: So können sie Mehrwertsteuer, Zölle oder Luxussteuer umgehen. "Die Preise für europäische Waren sind in China um 60 bis 350 Prozent höher", sagt Hussain. Dass nicht jeder der 1,1 Millionen Chinesen, die jährlich den Frankfurter Flughafen passieren, auch sein Portemonnaie zückt, liegt laut Fraport vor allem an der Sprachbarriere. Und da kann Hussain helfen.

In schwarzem Hemd und orangefarbenem Jackett schlendert er über die Verkaufsflächen am neuen Flugsteig. Langsam, aber zielstrebig geht er auf asiatische Fluggäste zu und spricht sie auf Chinesisch an. Die meisten sind freudig überrascht, ihre Sprache zu hören. "Wenn man als Europäer die Chinesen in ihrer Landessprache anspricht, macht man ihnen ein Kompliment", sagt Hussain. Manchmal liegt er allerdings auch daneben - und spricht einen Koreaner auf Chinesisch an.

Jakob Blume/dpa/vet

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