• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Verwandlung nach Dienstschluss Nachts auf Geisterjagd

Manche Kollegen erkennt man nach Feierabend kaum wieder. Der eine verkleidet sich als Mangafigur, der andere hüpft zu esoterischen Klängen ums Lagerfeuer. Sachbearbeiterin Angelika Köllner aus Frankfurt am Main geht nach der Arbeit auf Geisterjagd.

Ist das da wirklich der Schalterangestellte, der tagsüber so mausgrau seinen Dienst verrichtet? Viele Menschen verwandeln sich, sobald sie ihr Arbeitsbiotop verlassen, und machen Dinge, die man ihnen am Arbeitsplatz nie zutrauen würde. In loser Folge zeigt KarriereSPIEGEL die verrücktesten Beispiele.

KarriereSPIEGEL: Spreche ich jetzt mit der Sachbearbeiterin oder mit der Geisterjägerin?

Köllner: Wenn Sie mich fragen, womit ich mich eher identifiziere, dann mit der Geisterjägerin. Ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit für paranormale Phänomene. Als in einem Internetforum jemand Mitglieder für ein Ghosthunter-Team suchte, habe ich mich sofort gemeldet.

KarriereSPIEGEL: Und was machen Sie als Geisterjägerin genau?

Köllner: Bei uns melden sich Menschen, die glauben, dass es in ihrem Haus oder ihrer Wohnung spukt. Mit Vor- und Nachbereitung brauchen wir etwa vier bis sechs Wochen für eine Untersuchung. Geld nehmen wir dafür nicht.

KarriereSPIEGEL: Wie findet man denn einen Geist?

Köllner: Wir legen zum Beispiel ein Blatt Papier auf den Boden und platzieren Gegenstände darauf, von denen wir glauben, dass sie den Geist provozieren. Im Verlies einer alten Burg, in dem angeblich Geister von Verhungerten herumspuken, würden wir zum Beispiel Lebensmittel nehmen. Wir umranden sie mit einem Stift, gehen weg und kommen nach einer bestimmten Zeit wieder, um zu gucken, ob sich die Sachen aus der Umrandung wegbewegt haben. Das ist der so genannte "Movetest".

KarriereSPIEGEL: Hat sich schon jemals ein Gegenstand bewegt?

Fotostrecke

4  Bilder
Esoterische Berufe: Ihr haltet uns für verrückt. Na und?
Köllner: Nein.

KarriereSPIEGEL: Sind Sie denn überhaupt schon mal auf einen Geist gestoßen?

Köllner: In einem leer stehenden Haus haben wir mal ein Diktiergerät im Keller versteckt. Wir haben uns um das Haus herum postiert, so dass niemand unbemerkt hineingelangen konnte. Als wir das Diktiergerät später abhörten, waren in der Mitte der Aufnahme Schritte zu hören, die nicht von uns waren. Das können wir uns bis heute nicht erklären.

KarriereSPIEGEL: Aber gejagt haben Sie den Geist dann nicht?

Köllner: Etwas nicht erklären zu können, bedeutet nicht gleich, dass die Ursache ein Geist sein muss. Wir besprechen das ausführlich mit dem Klienten und bleiben auf Wunsch in Kontakt. Das leer stehende Haus wurde inzwischen saniert und die neuen Eigentümer haben bisher keine Probleme.

KarriereSPIEGEL: Was sagen denn Ihre Kollegen zu Ihrer, nun ja, unkonventionellen Freizeitgestaltung?

Köllner: Ich habe es nicht an die große Glocke gehängt, aber irgendwann kam es raus. Mit meinen Kollegen habe ich echt Glück. Sie haben alle genau nachgefragt, viele waren auch beeindruckt. Wirklich negatives Feedback habe ich von keinem bekommen. Ein paar haben nur ungläubig gefragt: "Wie, glaubst du an Geister?"

KarriereSPIEGEL: Für ihr Hobby sind Sie immer nachts unterwegs. Können Sie sich am nächsten Morgen überhaupt auf Ihren Job konzentrieren?

Köllner: Ich bin sowieso ein Nachtmensch. Da wir unsere Einsätze häufig auf einen Freitag oder einen Samstag legen, habe ich ja auch mindestens einen Tag zum Ausruhen dazwischen, bevor es wieder an die Arbeit geht. Ablenken kann es einen aber schon, klar. Ich stelle mir dann bildlich vor, dass ich die Geister in eine Schublade packe und diese zumache, während ich im Büro arbeite. Das hilft wirklich gut.

KarriereSPIEGEL: Einige Geister sollen aber durch Wände gehen können...

Köllner: Ja, wenn man nicht aufpasst, tun sie das tatsächlich. Aber wenn viel im Büro zu tun ist, trauen sie sich aus der Schublade gar nicht raus.

KarriereSPIEGEL: Jetzt mal ganz ehrlich: Ist das alles nicht ein Riesenhumbug?

Köllner: Nein. Ich finde es sinnvoll, Menschen zu helfen, denen kein anderer helfen kann. Zum Psychiater trauen sich viele nicht, aus Angst, für verrückt erklärt zu werden. Die meisten Klienten haben aber tatsächlich ein psychisches Problem, der Spuk ist hausgemacht. Er kann aber auch auf Wahrnehmungsfehlern oder Fehlinterpretation basieren.

KarriereSPIEGEL: Dann sind Sie also gar keine Geisterjägerin, sondern eine Art Therapeutin?

Köllner: Den Begriff Therapeut finde ich sehr heikel. Die Menschen, die sich bei uns melden, sind nicht verrückt. Sie haben nur ein Problem, mit dem sie sich an keinen anderen wenden können. Oft stellt sich ein gruseliges Wimmern als defektes Lüftungsrohr heraus. Die Wahrscheinlichkeit, auf Geister zu treffen, ist verschwindend gering. Aber das soll jetzt nicht heißen, dass wir nicht an Geister glauben.

KarriereSPIEGEL: Sachbearbeiterin ist ja nicht gerade der aufregendste Beruf. Wäre Ihr Leben ohne Ihr Hobby zu langweilig?

Köllner: Die Arbeit im Büro macht mir auch Spaß. Aber sie ist natürlich ziemlich ruhig, und man bewegt sich nicht viel. Da ist die Geisterjagd, die oft gruselig ist und bei der man viel um die Ecke denken muss, ein guter Ausgleich. Gerade weil beides so gegensätzlich ist, ergänzen sich Hobby und Beruf perfekt, so dass ich mich immer jeweils für den anderen Bereich wieder aufgetankt und fit fühle.

  • Das Interview führte Almut Steinecke (Jahrgang 1972), Online-Redakteurin und freie Journalistin in Köln.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. kann vorkommen
Hamberliner 15.03.2013
Zitat von sysopManche Kollegen erkennt man nach Feierabend kaum wieder. Der eine verkleidet sich als Mangafigur, der andere hüpft zu esoterischen Klängen ums Lagerfeuer. Sachbearbeiterin Angelika Köllner aus Frankfurt am Main geht nach der Arbeit auf Geisterjagd. Kurioses Hobbys: Sachbearbeiterin jagt nach Feierabend Geister - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/kurioses-hobbys-sachbearbeiterin-jagt-nach-feierabend-geister-a-888668.html)
Stimmt. Es kann manchmal spuken. Hab ich auch schon erlebt. Damals, als ich an der Uni oft bis spät in die Nacht hinein so vor mich hin geforscht habe, als einziger im Gebäude, hörte ich oft so einen gedämpften Lärm, für einige Sekunden. Es hörte sich an, als ob in einem Nachbargebäude im Keller jemand mit der Hilti Wände aufstemmt und immer wieder neu ansetzt. Ich konnte mir das nicht erklären. Eine Bank, wo sich Einbrecher einen Zutritt zum Tresorraum hätten bahnen wollen, gab es in der Nachbarschaft nicht. Ich spielte schon mit dem Gedanken, mich untersuchen zu lassen, ob mit mir alles in Ordnung sei. Nach Wochen dämmerte mir, was das war: Eine dicke Staubflocke baumelte in den Lüfter des PC.
2. Hahaha, klasse Artikel,
dani216 15.03.2013
Zitat von sysopManche Kollegen erkennt man nach Feierabend kaum wieder. Der eine verkleidet sich als Mangafigur, der andere hüpft zu esoterischen Klängen ums Lagerfeuer. Sachbearbeiterin Angelika Köllner aus Frankfurt am Main geht nach der Arbeit auf Geisterjagd. Kurioses Hobbys: Sachbearbeiterin jagt nach Feierabend Geister - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/kurioses-hobbys-sachbearbeiterin-jagt-nach-feierabend-geister-a-888668.html)
ich habe mich köstlich amüsiert. Eine richtige Wohltat unter all den sachlichen Berichten über Euro-Rettung, Amok-Läufen, Missbrauchsskandalen und Papst-Hofberichten bis zum Abwinken. Bitte mehr davon über diese abgedrehten Zeitgenossen, die nichts vernünftiges mit sich anzufangen wissen. Bin gespannt, was es da noch so alles gibt.
3. wäre ein Fachmann nicht sinnvoller?
Hermann45 15.03.2013
Zitat: Ich finde es sinnvoll, Menschen zu helfen, denen kein anderer helfen kann... Wenn sich ahnungslose Laien nachts gruseln wollen - meinetwegen. Aber sich als Therapeut und Helfer aufzuspielen, ohne die geringste Ahnung zu haben, geht m.E. etwas zu weit! Es gibt tatsächlich Fachleute, z.B. bei www.jenseits-de.com, die wissen, wovon sie reden!
4. Fachmann?
Agent0815 15.03.2013
ahem, lieber Hermann45, Fachleute für Hirngespinste und Postum-Romantik?
5. Schwachsinn...
chip01 15.03.2013
Geister...die einzigen Geister sind die die diese Leute im kopf haben. Sollte es welche geben hätte man diese schon längst wissenschaftlich nachgewiesen. Es ist ein Hobby um geräusche geistern nachzusagen. Die "Geister" und Geräusche oder Licht erscheinungen werden von unserem Gehirn in Stresssituationen erzeugt. Im Klartext Unser Gehirn sotoll es auch ist spinnt uns was vor. Mehr nicht! Wenn ich sowas höre "schritte die nicht von uns kamen" :D da lach ich mich schlapp... Schlimmer ist bloß sein Schicksal in die Pfötchen von "Gott" zulegen und hoffen und bangen das alles toll wird...sorry ich schweife ab
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Kollegen sind die Pest - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Buchtipp
Verwandte Themen

Fotostrecke
Sonderbare Jobs: Berufe gibt's, die gibt's gar nicht

Psychologie im Berufsalltag
Interaktive Grafik


Social Networks