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24. Februar 2013, 09:23 Uhr

Reklamehersteller

Den Bus habe ich beklebt!

Mal eben 80 Limousinen für eine Filmpremiere mit Folie bekleben - und in der selben Nacht wieder abrüsten: Schilder- und Lichtreklamehersteller machen alle Arten von Oberflächen bunt. Und sind damit weit mehr als die Handlanger der Werbeagenturen.

David Lange setzt Plexiglasplatten zusammen, es sollen hunderte werden. Was jetzt noch auf seiner Werkbank liegt, wird später müden Gästen helfen, nach Hause zu finden: Die Platten werden als Schilder neben den Zimmertüren in einem Hotel hängen.

Noch bevor David Lange fertig ist, kennt er schon seinen nächsten Auftrag: Er muss den großen Drucker für die Produktion eines Werbebanners einrichten. Lange ist bei der Berliner Firma Furore Azubi als Schilder- und Leuchtreklamehersteller.

Innerhalb der dreijährigen Ausbildung fasziniert ihn ein Bereich besonders, in dem es um Papierposter, Textilbanner und bedruckte Folien geht: "Ich spezialisiere mich im Digitaldruck", sagt der 26-Jährige. Alternativ hätte er sich auch auf Technik, Montage und Werbeelektrik konzentrieren können.

Doch egal welcher Schwerpunkt, in dem Beruf fällt viel Arbeit am Computer an. So muss Lange zum Beispiel immer überprüfen, ob die vom Auftraggeber übermittelten Daten im richtigen Format vorliegen und die benötigte Auflösung aufweisen. Falls es notwendig ist, muss er an den Daten noch Korrekturen vornehmen.

Das ist nicht alles: Lange hat sich auch mit Bildbearbeitungs- und Malprogrammen beschäftigt. "Ich kann jetzt Digitaldruckverfahren anwenden, weiß aber auch, wie man Messe- und Ausstellungsstände herstellt." In der Berufsschule hat Lange eigene Logos entworfen und musste ganze Kommunikationskonzepte entwickeln und präsentieren. "Der Job ist kreativ und abwechslungsreich", sagt er.

Das bestätigt auch Produktionsleiterin Andrea Gellert: "Man arbeitet mit verschiedensten Materialien und Geräten." Beispielsweise müssen Objekte aus Holz oder Keramik beschriftet, aber auch Oberflächen aus Metall oder Glas bedruckt werden. "Und die Branche wird laufend vielfältiger", beobachtet Martina Gralki vom Zentralverband für Werbetechnik (ZVW). Ständig kämen neue Maschinen und Techniken hinzu: Neuerdings seien durch das vollflächige Bekleben von Autos oder die Lichtgestaltung mit LED-Technik ganz neue Märkte entstanden.

"Man findet eigentlich überall Arbeit"

Arbeitsplätze nach der Ausbildung gibt es deshalb viele verschiedene: Vor allem bei Firmen der Werbetechnik, bei Kongressveranstaltern oder Firmen im Bereich Fahrzeugbeschriftung. Darüber hinaus können sie aber auch in Druckereien für Siebdruck oder in Montagebetrieben für Lichtreklame arbeiten. "Und auch bei Zulieferern gibt es Jobs", sagt Martina Gralki. "Die Werbebranche ist groß und bunt und wird immer vielfältiger. Man findet eigentlich überall Arbeit." Und wer noch weiterlernen möchte, geht an die Hochschule: Gut sei etwa, im Anschluss Betriebswirtschaftslehre zu studieren oder als Grafikdesigner den gestalterischen Bereich zu vertiefen.

Wer Schilder- und Lichtreklamehersteller werden möchte, sollte sich für Technik begeistern und handwerkliches Geschick beweisen. "Und man muss mit dem Computer umgehen können", sagt Andrea Gellert. In der Produktion geht es nicht ohne Teamarbeit und die Azubis müssen auch bereit sein, flexible Arbeitszeiten hinzunehmen: "Es kommt vor, dass für die Verleihfeier eines Filmpreises 80 Autos beklebt und direkt nach der Veranstaltung wieder von den Folien befreit werden müssen." Dann sei die gesamte Belegschaft auch abends und am Wochenende im Einsatz. "Körperliche Fitness braucht man übrigens auch", ergänzt David Lange. Längere Strecken zurücklegen, zügig Treppensteigen oder auf Leitern klettern muss den Werbemittelherstellern leicht fallen. Mitunter müsse man auch schwere Plakatballen oder Aufstellerteile tragen.

Die Stadt mitgestalten

Für ihre Arbeit bekommen Azubis im ersten Ausbildungsjahr laut Bundesagentur für Arbeit durchschnittlich 460 Euro. Im zweiten Ausbildungsjahr sind es 520, im dritten Ausbildungsjahr 610 Euro. Später bekommen die tariflich beschäftigten Schilder- und Lichtreklamehersteller laut ZVW 13,30 Euro brutto in der Stunde.

David Lange ist bald so weit, in Kürze hat er seine Abschlussprüfung. Mit der Wahl des Berufes ist er immer noch sehr zufrieden. Das Umfeld der Werbebranche findet er spannend, langweilig wird es nie: "Man muss sehr sorgfältig arbeiten und kniffelige Probleme lösen", erklärt Lange. Vor allem dann, wenn ein Projekt aus vielen Einzelschritten besteht und einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Eine besondere Motivation sei aber das Gefühl, die eigene Stadt mitzugestalten und der Stolz, wenn ein Bus vorbeifährt, den er selbst beklebt hat.

Andreas Monning/dpa/mia

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