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Bewerbungen Was passiert bei Lügen im Lebenslauf?

Lügendetektortest: Bei Bewerbungen sicher keine Lösung Zur Großansicht
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Lügendetektortest: Bei Bewerbungen sicher keine Lösung

Aus dem Strandurlaub wird eine Sprachreise, aus dem Praktikum eine berufliche Station - im Lebenslauf wird gern ein bisschen geschummelt. Doch das kann schwere Folgen haben.

KarriereSPIEGEL-Klassiker
Manche Dinge ändern sich (fast) nie: Wie man eine interessante Bewerbung schreibt. Wie man im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck hinterlässt. Die besten zeitlosen Artikel aus dem KarriereSPIEGEL präsentieren wir Ihnen in loser Folge.
Aus einem einfachen Studentenpraktikum wird eine berufliche Station, aus der Arbeitslosigkeit eine Selbstständigkeit, aus der Zeugnisnote "ausreichend" ein "gut". Aus dem Strandurlaub macht man flugs eine Sprachreise, aus der Rucksacktour durch Südamerika einen beruflichen Auslandsaufenthalt...

Warum nicht, denken sich viele Bewerber, nach dem Motto: Kleinere Notlügen wird schon keiner merken. Irgendwie muss man ja den Einstieg schaffen. Und tragen nicht auch Unternehmen in ihren Stellenanzeigen ganz schön dick auf?

Generell gilt bei Bewerbungen die Wahrheitspflicht. Dezente Lebenslaufkosmetik zur Lückenschließung, ein bisschen Schönfärberei sind die eine Sache; bei unzulässigen Fragen im Vorstellungsgespräch darf ein Bewerber sogar lügen. Aber handfeste Manipulationen sind alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Wer seine Bewerbungsunterlagen mit Falschangaben aufpoliert und dabei ertappt wird, riskiert den Job - und zwar fristlos, auch nach der Probezeit. Denn dass die Angaben der Wahrheit entsprechen, bestätigen Bewerber auch durch Datum, Ortsangabe und Unterschrift, mit denen sie ihren Lebenslauf versehen.

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Bewerbungsgespräch: Wann Sie straflos lügen dürfen
Landläufig mag die Meinung herrschen, es sei halb so schlimm, Lebensläufe ein wenig aufzuhübschen. Aber Falschangaben sind höchst problematisch. Die Gerichte unterscheiden nach Schwere der Täuschungsversuche; Folgen haben entdeckte Täuschungen trotzdem alle.

Entdecken Arbeitgeber den Schwindel bereits vor Abschluss des Arbeitsvertrags, kassiert der Bewerber fast immer eine Absage. Fällt bewusste Irreführung jedoch erst nach Jahren im Arbeitsverhältnis auf, sind die Konsequenzen weitreichender.

  • Wichtige Urteile und ihre Folgen

Für Furore sorgen immer wieder krasse Fälle von beruflicher Hochstapelei. So wurde im Juni 2015 eine Lehrerin zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, die jahrzehntelang unterrichtet hatte - in vier Bundesländern, mit gefälschten Abschlüssen und Urkunden. Die Frau gab zu, aus Angst vor Arbeitslosigkeit über 20 amtliche Stempel gefälscht zu haben. Mehrere Bundesländer fordern jetzt Rückzahlungen von Beamtenbezügen in sechsstelliger Höhe.

Vor Gericht chancenlos war ein Industrieschweißer, der seine Stelle in einem Autounternehmen gefälschten Unterlagen verdankte. Mit seinen echten Noten wäre er bei der Bewerbervorauswahl durchs Raster gefallen. Er hatte die Note seiner schriftlichen Prüfung von "ausreichend" auf "befriedigend" geändert, die der praktischen Prüfung von "befriedigend" auf "gut". Seine Arbeit erledigte er dann zufriedenstellend. Als der Arbeitgeber nach über acht Jahren die Zeugnisfälschung entdeckte, erhielt der Mitarbeiter die Kündigung aufgrund arglistiger Täuschung - zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg feststellte (Urteil vom 13. Oktober 2006, Aktenzeichen 5 Sa 25/06).

Ebenfalls den Job erschlichen hatte sich ein Bewerber die Stelle bei einer Berufsgenossenschaft: Er legte seinen Unterlagen kurzerhand gefälschte Diplomzeugnisse bei, weil der Arbeitgeber ein abgeschlossenes Hochschulstudium erwartete. Nach fünf Jahren flog der Schwindel auf - Kündigung. Auch für das Landesarbeitsgericht Nürnberg wog die arglistige Täuschung schwerer als die kontinuierlich gute Arbeitsleistung (Urteil vom 24. August 2005, Aktenzeichen 9 Sa 400/05).

Mitunter reichen die Folgen einer Zeugnisfälschung noch deutlich weiter. Ein Jurist kassierte wegen seiner schlechten Examensnote immer wieder Absagen und änderte die Note von "ausreichend" in "voll befriedigend" - bei Juristen ein Prädikatsexamen. Eine internationale Kanzlei stellte ihn mit einem Bruttojahresgehalt von 100.000 Euro ein. Weil der Kanzlei jedoch nach einigen Monaten seine schlechte Arbeitsleistung auffiel, wurde sie misstrauisch und kontaktierte das Prüfungsamt. Der Arbeitsvertrag wurde aufgehoben, der Jurist zur Rückzahlung von 75.000 Euro Gehalt verpflichtet.

Aber das war noch nicht alles: Mit seinem gefälschten Zeugnis bewarb sich der Jurist erneut, diesmal als Leiter des Personalamts bei einer Stadtverwaltung. Auch hier flog der Schwindel bald auf. Die Folge: Das Amtsgericht Düsseldorf verurteilt den Juristen aufgrund des Betrugs zu zehn Monaten Haft auf Bewährung (Urteil vom 7. Dezember 2010, Aktenzeichen 114 Ds 20 Js 1798/10 190/10).

  • Das rät Tobias Werner, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Ob große oder kleine Lüge, Arbeitgeber können auch Jahre später noch den Arbeitsvertrag anfechten. Denn die Frist von einem Jahr läuft erst ab dem Tag, an dem der Arbeitgeber von der Täuschung erfährt. Die Folgen reichen von der fristlosen Kündigung über Schadensersatz (sofern ein Arbeitgeber konkrete Aufwendungen nachweisen kann) bis zu strafrechtlichen Konsequenzen.

Die Täuschung muss jedoch einen Aspekt betreffen, der bei der Einstellung eine wesentliche Rolle gespielt hat. Das heißt: Lügen, die für den Arbeitsplatz nicht relevant sind, haben in der Regel keine Konsequenzen. Grundsätzlich sollten Bewerber sich aber gut überlegen, ob sie das Arbeitsverhältnis mit einer Lüge beginnen wollen.

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1.
malcom3 01.09.2015
"Auch bei der Bewerbung gilt: Du sollst nicht lügen. Und doch werden Lebensläufe frisiert und massiert, geföhnt und geschönt." So beginnt die Einleitung zu einem Artikel, in welchem es dann aber ausschließlich um Zeugnisfälschungen geht, die natürlich strafrechtlich relevant sind. Was ist denn, wenn man im Lebenslauf aus einer längeren Arbeitslosigkeit vor zwölf Jahren eine Selbstständigkeit macht oder einfach einen Job dazuerfindet und bei Nachfrage behauptet, kein Arbeitszeugnis erhalten zu haben? Solcherlei Tricks bei Lebensläufen kommen doch viel häufiger vor als ganze Zeugnisfälschungen!
2. Ein guter Freund von mir,
Analog 02.09.2015
hatte nach langer Zeit im Nachtleben, den Sprung ins "normale" Geschäftsleben geschaft. Der Lebenslauf war von vorne bis hinten ein Fake, also reine Erfindung. Arbeitszeugnisse von erfundenen Firmen selbst geschrieben... Er ist seit über 10 Jahren als Anzeigenleiter in einem guten Verlag tätig und sehr erfolgreich. Mit der Wahrheit hätte er den Job nie bekommen.
3. Ein guter Freund von mir
outsider-realist 11.10.2015
Zitat von Analoghatte nach langer Zeit im Nachtleben, den Sprung ins "normale" Geschäftsleben geschaft. Der Lebenslauf war von vorne bis hinten ein Fake, also reine Erfindung. Arbeitszeugnisse von erfundenen Firmen selbst geschrieben... Er ist seit über 10 Jahren als Anzeigenleiter in einem guten Verlag tätig und sehr erfolgreich. Mit der Wahrheit hätte er den Job nie bekommen.
Ob sie ein guter Freund sind, darf angezweifelt werden. Die Anzahl der Anzeigenleiter, die seit über 10 Jahren in "guten" Verlagen arbeiten, ist recht überschaubar. Er wird sich für ihren Kommentar bedanken.
4.
marthaimschnee 11.10.2015
An der Situation sind gerade deutsche Arbeitgeber aber gehörig mitschuld. In Deutschland gilt schließlich, daß man nur das kann, was einem auf einem Stück Papier bestätigt wurde. Jemanden der im letzten Semester seines Studiums warum auch immer aufgeben muß so zu behandeln, als würde das gesamte Studium nicht existieren, ist genausowenig hinnehmbar, aber die Regel. Ich kenne mehrere Fälle, bei denen Personen mit Mechanikerausbildung Arbeiten eines Technikers oder sogar Ingenieurs ausüben - sehr gut ausüben!, denen man aber gehaltstechnisch keinen Cent entgegenkommt, weil sie eben nur Mechaniker auf dem Papier stehen haben (womit die natürlich irgendwann völlig demotiviert auf eine gehaltsspezifische Beschäftigung drängen, sprich irgendwas schrauben). Und auf der anderen Seite werden Blender und Poser, die außer (echten) guten Noten und einer enormen Fähigkeit, sich selber zu verkaufen, nichts zu bieten haben eingestellt und sich dann beschwert, daß die nix können. Mit etwas Selbstbewußtsein in seine eigenen Fähigkeiten müßte man im Bewerbungsgespräch den potentiellen Arbeitgeber eigentlich fragen, warum er denkt, daß ich es denn verdiene, daß ich für ihn arbeite! Aber hierzulande kommt man sich eher als Bittsteller vor, denn als jemand, der künftig den Unternehmensgewinn erwirtschaften wird.
5. Manchmal reine Notwehr
GungaDin 11.10.2015
Natürlich ist das Fälschen von Abschlüssen und/oder Diplomen nicht nur strafbar sondern auch dumm, aber warum soll ich Zeitdauer, inhaltliche Beschreibung und Bewertung einer früheren Tätigkeit einem desinteressierten, desinformierten und vielleicht sogar rachsüchtigen Vorgesetzen überlassen? Da schreibe ich mir mein Zeugnis lieber selber, eine Unterschrift darunter bekomme ich immer, so oder so.
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Lug und Trug im Bewerbungsgespräch
Gute Fragen, schlechte Fragen
Der Personaler fragt Ihnen Löcher in den Bauch - darf der das? Zulässige Fragen müssen Sie beantworten, unzulässige nicht. Sie dürfen sogar lügen. Aber welche Frage ist nun zulässig und welche nicht?
"Wie viel verdienen Sie zurzeit?"
Kommt drauf an. Im Vorstellungsgespräch darf die Frage eigentlich nicht gestellt werden, aber später, wenn das Auswahlverfahren fortgeschritten ist und der Mitarbeiter in spe einen Personalfragebogen ausfüllen soll, verbieten sich falsche Angaben. Also können Sie auch gleich Ihre Karten, zumindest ein paar davon, auf den Tisch legen. Wenn eine zu große Lücke zu Ihrer im Anschreiben geäußerten Gehaltsvorstellung klafft, weichen Sie geschickt aus: "Das ist schwer zu sagen, weil ein Teil meiner Vergütung leistungsabhängig gezahlt wird. Mein monatliches Grundgehalt beträgt zwar nur x Euro, aber mit Bonus und Provisionen kann ich auf jährlich y Euro kommen, was ja ungefähr meiner Gehaltsvorstellung im Anschreiben entspricht.
"Haben Sie Kinder?"
Zulässig. Der Familienstand gehört wie Name, Anschrift und Geburtsdatum zu den grundlegenden Daten, die der Arbeitgeber braucht, um beispielsweise den Ansprüchen der Sozialversicherung gerecht zu werden oder um im Falle von betriebsbedingten Kündigungen eine Sozialauswahl zu treffen.
"Wollen Sie Kinder haben?"
Unzulässig. Genauso wie die Frage nach Schwangerschaft oder Heiratsplänen. Die Lizenz zum Lügen haben hierbei nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Schließlich gehen immer mehr Väter in Erziehungsurlaub, sodass ein ehrliches "Ja!" die Entscheidung des Arbeitgebers - gegen den Bewerber - beeinflussen könnte.
"Haben Sie Punkte in Flensburg?"
Kommt drauf an. Prinzipiell sind Fragen nach Gesetzesverstößen oder Vorstrafen nicht erlaubt. Es sei denn, es besteht ein Zusammenhang zu der angestrebten Tätigkeit. Ein Berufskraftfahrer, der beim nächsten Rotlichtvergehen den Führerschein verliert, wäre für ein Umzugsunternehmen eine Fehlbesetzung. Genauso müsste sich jemand, der am Schalter einer Bank sitzen soll, die Frage nach einem Vermögensdelikt gefallen lassen.
"Haben Sie Schulden?
Kommt drauf an. Die Vermögensverhältnisse des Bewerbers sind tabu - eigentlich. Uneigentlich kann der Arbeitgeber ein besonderes Interesse haben, mögliche Konflikte, die mit der Berufsausübung zu tun haben, auszuschließen. Sucht er beispielsweise einen Chefeinkäufer, will er natürlich niemanden einstellen, der aus einer finanziellen Notlage heraus Geldgeschenke von Lieferanten annimmt.
"Sind Sie Allergiker?"
Kommt drauf an. Der Arbeitgeber darf nicht nach Krankheiten oder allgemein nach dem Gesundheitszustand fragen. Doch es gibt Ausnahmen: Typische "Berufskrankheiten" wie Hautallergien bei Friseuren können eine Anstellung des Bewerbers von vornherein sinnlos machen - in diesem Fall ist die Frage erlaubt.
"Sind Sie schwerbehindert?"
Kommt drauf an. So pauschal gestellt, braucht man die Frage nicht wahrheitsgemäß zu beantworten. Wenn aber eine bestimmte Schwerbehinderung die Ausübung der angestrebten Tätigkeit unmöglich machen würde, darf der Arbeitgeber sich durchaus erkundigen, ob die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit erfüllt sind.
"Sind Sie katholisch?"
Kommt drauf an. Religions-, Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit gehen den Arbeitgeber nichts an. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Für ein katholisches Bistum, das die Stelle eines Pressesprechers ausgeschrieben hat, ist die Religionszugehörigkeit ein naheliegendes Auswahlkriterium.
"Haben Sie zu Hause das Sagen oder Ihre Frau?"
Unzulässig. Die Frage geht zu weit ins Privatleben. Ein Zusammenhang zur künftigen Tätigkeit lässt sich beim besten Willen nicht konstruieren. Überhaupt müssen Fragen zum Lebenspartner nicht beantwortet werden.
"Sind Sie homosexuell?"
Unzulässig. Fragen zur sexuellen Orientierung haben im Vorstellungsgespräch nichts zu suchen. Ebensowenig darf sich der Personaler danach erkundigen, wann Sie zum ersten Mal Geschlechtsverkehr oder wie viele Partner Sie bislang hatten.

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