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Karriere-Spielregeln "Immer schön weiterlächeln"

Im Job nach oben: Nach Expertenmeinung alles andere als Zufall Zur Großansicht
Corbis

Im Job nach oben: Nach Expertenmeinung alles andere als Zufall

Nörgeln ist unsexy. Wer Karriere machen will, muss lächeln - und sich verhalten wie ein Baby, sagen zwei Beraterinnen von Top-Managern. Im Interview sprechen sie über Spielregeln für den Aufstieg und verraten, was man von Michelangelo und Lady Gaga lernen kann. Oder von Peter Maffay.

Frage: Frau Assig, Frau Echter, in Ihrem neuen Buch schreiben Sie: "Wenn zwei das Gleiche leisten, wird der eine Abteilungsleiter und der andere Vorstandsvorsitzender." Warum ist das so?

Assig: Ab einer bestimmten Ebene wird Leistung schlicht vorausgesetzt. Sie macht also nicht den Unterschied.

Frage: Sondern?

Echter: Unser Buch ist die Essenz aus zwanzig Jahren, in denen wir Top-Manager, aber auch Größen aus Wissenschaft, Musik, Politik oder Sport beraten und gecoacht haben. Unser Fazit ist: Jeder großen Karriere liegt die gleiche innere Dynamik zugrunde, egal ob es um Michelangelo, Lady Gaga oder den Vorstandschef eines Dax-Konzerns geht.

Frage: Wie sieht diese Dynamik aus?

Echter: Um wirklich Bedeutendes zu leisten, müssen Menschen von einem extrem starken inneren Willen geleitet sein. Eine innere Ambition, die denjenigen oder diejenige autonom führt, unabhängig von äußeren Umständen und Zufällen.

Frage: Sie reden von Ehrgeiz.

Assig: Ehrgeiz ist als Wort zu negativ besetzt und trifft auch nicht den Kern. "Ambitioniert" bedeutet anspruchsvoll, und zwar sowohl in Bezug auf die eigene Mentalität als auch in Bezug auf das, was man erreichen will. Ehrgeiz könnte auch auf Geld, Macht oder Berühmtheit zielen. Ambition dagegen ist immer intrinsisch, sie reicht über sich selbst hinaus und will die Welt verändern.

Frage: Das klingt recht abstrakt. Geben Sie uns ein Beispiel.

Echter: Die Ambition macht etwa den Unterschied zwischen Boris Becker und Steffi Graf. Während Becker vor allem die Klatschblätter unterhält, hat Steffi Graf ihren Erfolg in ein Lebenswerk umgewandelt.

Assig: Oder nehmen Sie jemanden wie Oliver Kahn. An ihm lässt sich sehr gut zeigen, wie er sich in jeder Phase seiner Karriere neu entwickelt, Neues gelernt hat, um die nächste Stufe zu erklimmen. Genau das Gleiche gilt im Top-Management.

Frage: Und dazu reicht schon ein starker innerer Wille?

Echter: Natürlich nicht. Die Ambition ist das Fundament, ohne das nichts geht, nicht mit noch so viel Anstrengung. Dazu kommen aber vier Dimensionen, die große Karrieren ausmachen. Zunächst geht es darum, das Können zu vervollkommnen. Also immer, wirklich immer im Lernmodus zu sein, sich nie zurücklehnen und sagen "Das kann ich ja schon". Mit der Devise eines Babys, das auch nur ein Ziel kennt: Lernen, Lernen, Lernen. Dazu kommt die psychische Dimension: Zu Beginn eines Aufstiegs geht es darum, das eigene Ego aufzuladen und zu stärken. An der Schwelle zur Spitze ist dann eher psychische Disziplin gefragt und Kontrolle des Egos. Dieses Wechselspiel ist nicht leicht.

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Frage: Warum ist die Kontrolle des Ichs so entscheidend?

Assig: Das hängt mit den anderen beiden Dimensionen zusammen: Die Gestaltung der eigenen Bühne, also die Frage: In welchem Umfeld fühle ich mich wohl, was ist das richtige Setting für mich? Wer die richtige Bühne für sich gefunden hat, wird sich fragen: "Wow, und dafür werde ich auch noch bezahlt?" Die vierte Dimension ist neben der Ambition vielleicht die Wichtigste: positive Resonanz in seine engere Umgebung, in die eigene Community bringen.

Frage: Also das Netzwerk pflegen.

Echter: In der Community geht es nicht um Netzwerken, sondern um Geben. Eins ist doch klar: Karriere wird nicht im stillen Kämmerlein gemacht, sie ist Produkt eines Austauschs mit anderen. Wer innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter agiert - Lernpartner, Mentoren, Studienfreunde - erlebt ein Zugehörigkeitsgefühl, das ihn trägt: Man steigt auf, weil alle in der Gruppe einfach davon ausgehen, dass sie Erfolg haben werden. Dazu aber ist es entscheidend, positiv und optimistisch aufzutreten.

Frage: Bei Karrieren geht es doch um Konkurrenz und darum, wer den spitzesten Ellbogen hat.

Assig: Falsch. Das mag am Rande eine Rolle spielen, aber im Kern funktioniert Aufstieg viel simpler: Indem man bei anderen Menschen - und Vorgesetzten - ein positives Gefühl auslöst. Die Menschen müssen andocken können. Unkompliziertheit ist extrem wichtig. Niemand mag den Problematisierer - aber alle lieben den Problemlöser.

Echter: Konkret heißt das: Selbst wenn es mal nicht so toll läuft, mit einem Lächeln darüber hinweggehen. Kritik, sogar authentische, berechtigte Empörung sind Karrierekiller.

Frage: Wer nach oben will, muss schauspielern.

Echter: Er muss seine positive Ausstrahlung pflegen. Die Menschen müssen gern mit ihm reden, Wert auf seine Meinung legen. Auch wenn ich dreimal ungerecht behandelt wurde, ist es karrieretechnisch klüger, es ein viertes Mal zu versuchen als mich zu beschweren. Das mag uns nicht gefallen, aber es ist einfach so.

Assig: Und nicht wenige Karrieren scheitern kurz vor der Spitze, weil die Leute zwar ihr Können perfektioniert, aber darüber die positive Resonanz vergessen haben.

Frage: Haben sich die Karrierespielregeln durch Globalisierung und Internet nicht verändert?

Assig: Die Grundprinzipien sind immer gleich, egal ob für Männer oder Frauen, egal in welcher Zeit und Branche. Nur die Ausformungen wandeln sich.

Frage: Woher weiß ich denn, dass ich die nötige Ambition für den ganz großen Aufstieg habe?

Echter: Ambition kann man weder lernen noch sich vornehmen. Wenn Sie aber in dem, was Sie tun, einen "Flow" erreichen, wenn es also das ist, was Sie fordert, ohne Sie zu überfordern und woran Sie Freude haben, sind Sie auf einem guten Weg. Das Handeln belohnt sich dann selbst. Hohes Einkommen und andere Statussymbole kommen anschließend von allein - als Motivation sind sie jedoch unzureichend.

Assig: Denken Sie nur an den Erfolg von Peter Maffay. Von seinem sängerischen Talent her hätte man nicht vorhergesagt, welches große Renommée er erreichen wird und welche Reputation. Heute wird er überhäuft mit Auszeichnungen. Er ist auch niemand, der in den Feuilletons hymnisch besprochen würde. Aber er hat viel Gutes bewirkt, Stiftungen gegründet, und seinen Ruhm und seinen Erfolg für traumatisierte Kinder eingesetzt. Diese Überhöhung ist es, die nachhaltig gelingende Karrieren ausmacht. Das Einsetzen für andere Menschen.

  • Das Interview führte Klaus Werle, Redakteur beim manager magazin. Auf dessen Online-Portal erschien der Text zuerst.

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insgesamt 10 Beiträge
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    Seite 1    
1. So, so
jagenauundso 19.03.2012
Zitat von sysopCorbisNörgeln ist unsexy. Wer Karriere machen will, muss lächeln - und sich verhalten wie ein Baby, sagen zwei Beraterinnen von Top-Managern. Im Interview sprechen sie über Spielregeln für den Aufstieg und verraten, was man von Michelangelo und Lady Gaga lernen kann. Oder von Peter Maffay. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,821718,00.html
Interessant. Das erklärt auch, warum sich in vielen grossen Konzernen nichts mehr bewegt: nur nicht kritisieren, immer lächeln, nur nicht anecken, dann kommt man nach oben ... und kostet mit diesem Verhalten die Firma ein Vermögen. Wenn das wirklich die Kriterien sind, kommen in erster Linie echte Versager voran, Leute, die der Firma mehr schaden als sie nutzen. Ich kenne da einen Konzern, der jedes Jahr zig Millionen versanden lässt, weil Kritik nicht angesagt ist, sondern Abnicken, damit irgendwer kurzfristig glücklich ist, wider besseren Wissens. Das führt dazu, dass junge motivierte Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit resignieren und nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Unternehmen, die wirklich voran kommen wollen, brauchen Leute, die Kritik üben können, nicht lächeln, wenn es nicht angebracht ist, und die auch mal Dinge tun, mit denen sie anecken. Davon abgesehen: Topmanager wird man nur mit den richtigen Netzwerken, egal, was man kann oder wie man ist.
2.
D0nJuAn 19.03.2012
Zitat von jagenauundsoInteressant. Das erklärt auch, warum sich in vielen grossen Konzernen nichts mehr bewegt: nur nicht kritisieren, immer lächeln, nur nicht anecken, dann kommt man nach oben ... und kostet mit diesem Verhalten die Firma ein Vermögen. Wenn das wirklich die Kriterien sind, kommen in erster Linie echte Versager voran, Leute, die der Firma mehr schaden als sie nutzen. Ich kenne da einen Konzern, der jedes Jahr zig Millionen versanden lässt, weil Kritik nicht angesagt ist, sondern Abnicken, damit irgendwer kurzfristig glücklich ist, wider besseren Wissens. Das führt dazu, dass junge motivierte Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit resignieren und nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Unternehmen, die wirklich voran kommen wollen, brauchen Leute, die Kritik üben können, nicht lächeln, wenn es nicht angebracht ist, und die auch mal Dinge tun, mit denen sie anecken. Davon abgesehen: Topmanager wird man nur mit den richtigen Netzwerken, egal, was man kann oder wie man ist.
Da braucht man sich als Hochschulabsolvent nicht wundern, wenn alle konkurrenten beim Interview Tag gleich aussehen, sich gleich benehmen, die gleichen Witze erzählen und im Endeffekt alle unzufrieden sind mit dem was sie machen. All Glatte typen die genau das sagen was der anddere hören will um den größtmöglichen eigenen Erfolg zu erreichen. Prima Topmanager ... Natürlich will niemand kritik hören, weil die meisten menschen unfähig sind kritik richtig zu verwerten. Das ist aber eine Schwäche das kritisierten und nicht eine Schwäche das kritisierenden.
3. Präsentation des Gefälligen
favela lynch 19.03.2012
Als hätte man vergessen, dass es der kritische Geist war, der Europa seit der Antike motorisierte. Der Abstieg Europas wird beschleunigt durch den Aufstieg des Mediokren. Und das ist: die Präsentation des Gefälligen.
4. Vorbild DDR?
tichy_meets_pirx 19.03.2012
Manchmal sollte man meinen, dass die Top-Manager und ihre Berater ihre Methoden beim Sozialismus abgeschaut haben. Haben diese in ihrem Studium gar nichts von Schumpeters Theorie der Innovation gelernt bzw. zumindest mal davon gehört? Mit Lächeln kommt man da nicht weit. Aber Bürokratien ähneln sich nun einmal, mögen sie sich Konzern oder VBE nennen.
5. .
c_c 19.03.2012
die Aussagen in dem Interview sind vollkommen weltfremd und sollen wohl suggerieren, daß 'Top'leute mit Recht dort oben gelandet sind, weil sie 'so nett gelächelt' und anderen 'geholfen' haben. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt drei Faktoren für Karriere: der erste ist Glück. Der zweite gutes Aussehen. Und der Dritte Leistungsmimicry auf Kosten Dritter. Ausnahmen bestätigen die Regel.
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Zu den Personen
  • Dorothee Echter (links) und Dorothea Assig arbeiten seit mehr als 20 Jahren als Coaches für Top-Manager, Spitzensportler, Politiker, Künstler und Wissenschaftler. In ihrem Buch "Ambition" dekodieren sie das System Karriere neu und beschreiben, worauf es wirklich ankommt auf dem Weg nach ganz oben.
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