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Verkorkstes Image Fünf Gründe, warum Manager scheitern

Ist der Ruf erst ruiniert... Manager gelten als eitle Businesskasper Zur Großansicht
Corbis

Ist der Ruf erst ruiniert... Manager gelten als eitle Businesskasper

Gierige Egomanen, nur auf Macht und Geld bedacht? Manager haben einen miserablen Ruf. Dabei leisten die meisten gute Arbeit, findet Klaus Schuster - wären da nicht diese Glücksspieler und Wachstums-Fetischisten mit den Mondzielen.

Sie kennen das: Weil es Schwarzfahrer gibt und Ladendiebe, zahlen Sie in der Bahn und im Kaufhaus höhere Preise. Und weil ein paar Ärzte, die ihre Kunstfehler vertuschen wollten, mehr Presse bekommen als Mediziner, die Tag für Tag ihr Bestes geben, stehen Ärzte unter Generalverdacht.

Managern geht es nicht anders. Zehn Prozent schwarze Schafe lassen 90 Prozent ehrbar arbeitende Kollegen in einem schlechten Licht erscheinen. Auf einer Party zugeben, man sei Manager? Den Rest dieses Abends stehen nur die Härtesten durch. Oder Masochisten.

Zeit darüber nachzudenken, warum Manager anfällig werden für die Verführungen abseits des geraden Wegs. Entschuldigungen gibt es keine - bestenfalls Erklärungen. Fünf davon finden Sie hier.

  • Das Gambler-Syndrom

Warum gehen Sie eigentlich arbeiten? Sie haben Frau und Kinder, müssen ein Haus abzahlen und schließlich auch von irgendwas leben. Das gilt auch für 90 Prozent der Manager. Für zehn Prozent gilt etwas anderes. Sie würden selbst dann noch voll durcharbeiten, wenn sie zehn Millionen auf dem Konto hätten. Sie arbeiten nicht, um Geld zu verdienen, sondern um zu spielen.

Neulich traf ich einen Manager, der stolz verkündete: "Rate mal, wo unser neues Werk gerade gebaut wird, 20 Millionen Investitionssumme. In Libyen!" Ist der völlig übergeschnappt? Bei den Verhältnissen im Nahen Osten ist das Geld jetzt schon so gut wie futsch. Aber genau das braucht dieser Manager wie der Junkie sein Koks: Risiko. Je mehr, desto besser. Dass er dabei womöglich seine Firma ruiniert und die Existenz seiner Mitarbeiter riskiert, registriert er zwar - doch der Kitzel des Spiels vertreibt alle Bedenken.

Nach Menschen wie ihm wurde der Casino-Kapitalismus benannt: alles nur ein großes Spiel! Verlieren kann er dabei nicht: Bis die Fabrik in Libyen in den Wirren der Revolution untergeht und in Deutschland 200 Mitarbeiter und die Existenzgrundlage ihrer Familien in den Abgrund reißt, ist er längst weg. Solche Manager wechseln alle drei bis fünf Jahre das Casino.

Warum werden sie fündig? Warum werden Spieler, Hasardeure und Wettsüchtige nicht gleich beim Vorstellungsgespräch aussortiert? Mit welchen Persönlichkeitstests könnte das gelingen? Das sind gute Fragen. Sie werden nicht gestellt. Lieber regt man sich in Politik und Gesellschaft über den nächsten Korruptionsskandal im Management auf. Diese Unterlassung halte ich für den größeren Skandal.

  • Der Wachstums-Fetischist

Vor einiger Zeit las ich in einer Hausmitteilung eines Konzerns: "Bei den Konsumgütern sind wir nur um 14 Prozent gewachsen. Angepeilt waren aber 20 Prozent. Wir haben unser Ziel verfehlt." Hallo? Geht's noch? Mit dieser Hausmitteilung hat sich der Manager als Wachstums-Fetischist geoutet. Was ist an Wachstum schlecht? So fragt der Amateur. Der Business-Profi weiß: Menschen, die blind dem Diktat des Expansionsgottes verfallen sind, fangen an zu tricksen, sobald sie auch nur ein Quartal unter ihren (meist überzogenen) Wachstumszielen liegen.

Sie buchen zum Beispiel Umsätze ein, die noch nicht einmal als Aufträge vorliegen, sondern lediglich angekündigt sind. Dieser Trick etwa stürzt viele Bauunternehmen in den Ruin, die mehr Umsätze auf dem Papier als im Sack haben. Verkäufer in einem Unternehmen, das für besonders stramme Wachstumsziele bekannt ist, schlichen sich sogar nachts auf den Friedhof, um von den Grabsteinen die Namen der Toten in die Kundendatei zu kopieren. Der Vertriebschef hatte angeordnet: Kundenwachstum um jeden Preis! Den Preis bezahlte er: Er wurde gefeuert, als die Grabräuberei aufflog.

Warum werden solche Leute überhaupt eingestellt? Weil sie zur Unternehmenskultur passen. Wie ändert man die? Wieder eine gute Frage. Und wieder so eine, die niemand stellt.

  • Das Loser-Syndrom
Manager werden an Zielen gemessen und danach bezahlt. Deshalb unterschreiben viele auch völlig hirnrissige Mondziele - sie wollen ja bezahlt werden. Erpressung? Das nennt auch nur der Außenstehende so. Der Manager nennt es Management.

Einmal vereinbarte Ziele lassen sich nicht mehr ändern - auch wenn Griechenland zusammenbricht und damit über drei Ecken der Konsum in Deutschland. Ziel bleibt Ziel. Also bleibt dem Manager nur übrig, zu tricksen. Die Alternative ist undenkbar: vor seinen Managementkollegen als Loser dazustehen.

Andererseits: Wenn 90 Prozent der Manager nicht am Loser-Syndrom leiden, dann müssen die ja ein unerschütterliches Selbstwertgefühl besitzen. Sie sind die Stützen unserer Wirtschaft. Geben wir ihnen dafür Anerkennung? Nein, wir nehmen 90 Prozent dieser Aufrechten in Sippenhaft wegen zehn Prozent Losern.

  • Das Mafia-Syndrom

Die Geschäfte der Mafia beruhen auf Gegenseitigkeit. Legst du meinen Todfeind um, dann besorg ich dir die Baugenehmigung im Naturschutzgebiet. Ganze Branchen arbeiten auch nach diesem Schema.

Der Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens benötigt zum Beispiel für seine Mitarbeiter einige Sprachkurse, bevor er sie ins Ausland schickt. Er ordert sie bei der teuersten Sprachschule mit dem schlechtesten Service. Warum? Weil die Sprachschule im Gegenzug seine beiden Kinder gratis auf Studienreise schickt. Eine Hand wäscht die andere, sagte Seneca schon vor 2000 Jahren. So lange, wahrscheinlich länger gibt es korrupte Manager.

Nach Lehman und diversen Bankenskandalen dachten viele: Manager lernen was daraus! Diese Naivität ist rührend. Katastrophen schaffen das Mafia-Syndrom nicht ab.

  • Das Double-Bet-Syndrom

Was machen Sie, wenn Sie beim Roulette auf Rot setzen, es kommt Schwarz, und Sie verlieren Ihre gesetzten 100 Euro? Wahrscheinlich werden Sie den Einsatz beim nächsten Spiel verdoppeln, um den Verlust auszugleichen.

Aber Wirtschaft ist doch kein Roulette? Das glaubt nur Lieschen Müller - Wirtschaft ist nichts anderes. Zumindest für jene, die am Double-Bet-Syndrom leiden. Nach jedem Rückschlag, jeder gefloppten Produkteinführung, jeder Investitionsruine verdoppeln sie ihren Einsatz. Die Kugel rollt, und wenn der Zufall beim Roulette nicht gnädig ist, geht eher das Unternehmen kaputt, als dass der Verdoppler mit dem Verdoppeln aufhört.

  • Uros Hocevar
    Klaus Schuster war mehrere Jahre Vorstand einer internationalen Bankengruppe. Im Auftrag von EU und Zentralbank wickelt er derzeit ein mitteleuropäisches Bankhaus geordnet ab. Außerdem berät, coacht und trainiert er Topmanager, Führungskräfte und High Potentials und schreibt Managementbücher.

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1. So einen Quatsch
hevopi 05.06.2014
habe ich bisher noch nie gelesen. Es mag ja stimmen, dass Herr Schuster in einer Bangstergruppe genau diese Erfahrungen gesammelt hat, seine Bücher oder Vorträge sollte man jedoch mit Vorsicht genießen, denn da ist die Ausrichtung ja in erster Linie auf Vorurteile und auf seine Erfahrungen, die mit echten Managern nichts zu tun hat. Der "Normal-Manager" engagiert sich für seine Mitarbeiter, hat den nötigen Weitblick für das zu verantwortende Unternehmen, trägt wirklich soziale Verantwortung, hat zu den wichtigen Kunden eine ehrliche Beziehung (nicht wie Bangster oder sogenannte Finanzberater, die ja recht nah zum "Enkeltrick" stehen) und ist jemand, für den "Humanität" kein Fremdwort ist. Ich stelle mir die Inhalte von diesem eigentümlichen Managementberater so vor, dass er hier sein Programm vorstellt, viel Spass dabei.
2. Heute:
veremont 05.06.2014
"Wenn der Chef nicht da ist, läuft es bei uns sowieso viel besser! Der hat überhaupt keine Ahnung!" Dies - und mehr, heute im SPON Forum. Außerdem noch: "Wie ist mein Chef eigentlich an diesen Job gekommen und warum verdient er mehr als ich obwohl ich doch viel schlauer bin?" Erleben auch Sie wieder eine spannende Unterhaltung über die Mysterien des "Berufs-)lebens und Popcorn nicht vergessen!
3. Glücksspieler und Wachstums-Fetischisten mit Mondzielen
Trollfrühstücker 05.06.2014
Wieso habe ich da jetzt das Gesicht von Hartmut Mehdorn vor mir - dem GRÖMAZ. Der Größte Manager Aller Zeiten hat eine praktisch ungebrochene Folge von katastrophalen Mißerfolgen vorzuweisen: - Heidelberger Druckmaschinen, mit Großmannssucht und aberwitzigen "Visionen" an den Abgrund gebracht - Deutsche Bahn - Kommentar überflüssig - Air Berlin - okay, für die Lufthansa ist es gut gelaufen - BER - unter seiner Herrschaft wurde nichts besser, nur kam das Problem Korruption hinzu Lustigerweise sind seine zerstörerischen Dienste wohl so unentbehrlich, daß er selbst im hohen Alter immer wieder an die Front geschickt wird. Da fragt man sich, wer eigentlich ungeeignet ist - er oder seine Auftraggeber.
4. optional
der_pfau 05.06.2014
Das Problem ist die Rechtsform der Unternehmen. Vorstände werden kaum überwacht und fallen weich. Die Trendwende zum Kapitalbeschaffungsmarkt verschafft uns diese Auswüchse. Genauso wie wir Aktien kaufen und uns dann wundern, warum wir arbeitslos werden, wenn die Unternehmenszahlen nicht stimmen. Mit dem Wechsel zur flächendeckenden AG-Unternehmensform haben wir uns zugleich von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet. Da wir alle mitziehen, dürfen wir jetzt nicht jammern, wie der Zauberlehrling.
5. Er hat recht und auch nicht!
bernd25647 05.06.2014
vieles läuft in Deutschland besser, als das Image dieser Damen und Herren! Was mir nur immer wieder auffällt: Das Wort Selbstorganisation spielt bei vielen leider keine Rolle und deshalb tun sich viele enorm schwer! Unnötig. Etwas mehr Empathie und schon läufts!
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