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Horrende Managergehälter "Das zerstört das Vertrauen in die Marktwirtschaft"

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Corbis

Gieriger Griff: "Einzelfälle kann man auch gut über den Codex regeln"

Verdienen Top-Manager zu viel? Welche Konzernchefs sind überhaupt ihr Geld wert? Klaus-Peter Müller, Aufsichtsrat der Commerzbank, fordert im Interview mehr Transparenz für Managergehälter. Drastische Gesetze, wie die Schweiz sie plant, lehnt er aber ab.

Frage: Herr Müller, die Gesellschaft empört sich über zu hohe Gehälter im Top-Management, die Debatte ist hitzig. Finden Sie die Bezahlung Ihrer Kollegen gerecht?

Müller: Die Spreizung hat zugenommen, und wir müssen aufpassen, dass wir nicht weiter an Akzeptanz für unser Handeln in der Bevölkerung verlieren. Wenn wir Unternehmer und Manager negativ auffallen, zerstört das auch das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft. Damit schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Im Übrigen ging der Anstieg der Vorstandsgehälter unter anderem auch mit der gesetzlich vorgeschriebenen individuellen Veröffentlichung der Gehälter einher: Diese führte letztlich zu einer Nivellierung nach oben. Und in der jüngsten Vergangenheit sind die Gehaltszuwächse auf Vorstandsebene auch wieder geringer ausgefallen.

Frage : Dennoch hat jetzt sogar die Bundesregierung die Geduld verloren. Sie plant ein Gesetz, nach dem die Aktionäre über die Gehälter der Vorstände entscheiden sollen.

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Pay Performance: Welche Dax-Chefs ihr Geld wert sind - und welche nicht
Müller: Die Regierung reagiert auf die Abstimmung über die Volksinitiative in der Schweiz. Leider wird dabei nicht bedacht, dass die Regelungen in den beiden Ländern nicht vergleichbar sind. Die Schweiz hat ein komplett anderes System, bei dem der Verwaltungsrat bislang bei Vergütungsfragen weit größere Gestaltungs- und Entscheidungsräume hat als ein deutscher Aufsichtsrat. Auch sind die deutschen Auskunftspflichten gegenüber den Aktionären weit größer. Nicht umsonst dauern Schweizer Hauptversammlungen nur einen Bruchteil der Zeit von denen in Deutschland. Wir haben in hierzulande ein System und Prozesse, die funktionieren. Ansonsten würden wir heute nicht immer wieder über die gleichen zwei, drei Fälle diskutieren.

Frage : Schon jetzt entlastet die Hauptversammlung den Vorstand, auch in puncto Vergütung. Was wäre an einem entsprechenden Gesetz denn so schlimm?

Müller: In der Tat lassen heute schon alle großen börsennotierten Unternehmen die Eigentümer über das jeweilige Vergütungssystem abstimmen. Und die Statistik zeigt, dass die Vorschläge des Aufsichtsrats mit ganz großer Mehrheit angenommen werden. Nun soll das, was schon praktiziert wird, per Gesetz zur Pflicht werden. Hinzu kommt, dass das Votum der Hauptversammlung dann auch bindend sein soll. Sicher: Theoretisch könnte sich der Aufsichtsrat nach heutiger Rechtslage über den Willen der Eigentümer hinwegsetzen. Aber welcher Aufsichtsrat, der letztlich doch von den Eigentümern gewählt werden möchte, wird schon die Eigentümer abstimmen lassen und dann das Ergebnis ignorieren? Hinzu kommt, dass sehr hohe Vorstandsbezüge in Deutschland absolute Einzelfälle sind. Und die kann man gut über den Codex regeln, da muss nicht gleich ein Gesetz her.

Frage : Die Codex-Kommission hat sich in einem Arbeitskreis fast neun Monate mit Vergütungsfragen beschäftigt. Mitte Mai wollen Sie Beschlüsse präsentieren. Was schlägt die Kommission vor?

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Gehälter: Das haben die Dax-Chefs 2012 verdient
Müller: Unsere Antworten gehen klar über das geplante Gesetz hinaus. Vor allem wollen wir die Rolle der Aufsichtsräte stärken, sie in die Verantwortung nehmen und gleichzeitig ihre Entscheidungsbasis durch mehr Transparenz verbessern.

Frage: Das heißt konkret?

Müller: Der Aufsichtsrat soll auch weiterhin Vorschläge für die Vorstandsvergütung im Plenum beschließen. Wir empfehlen aber, die individuellen Vergütungen in ihrem Gesamtbetrag und auch in ihren einzelnen Teilen nach oben mit einem transparenten Cap zu begrenzen. Der Aufsichtsrat soll künftig auch die Relation zwischen den Vorstandsgehältern und denen des oberen Führungskreises sowie der Gesamtbelegschaft bei seiner Entscheidung berücksichtigen.

Schließlich soll er auch das jeweils angestrebte Altersversorgungsniveau für den Vorstand definieren. Und nicht zuletzt wollen wir mehr Transparenz, damit der Aufsichtsrat eine bessere Entscheidungsgrundlage hat, die auch Eigentümern und Öffentlichkeit bei der Beurteilung der Angemessenheit helfen soll. Die Vergütungsberichte sind heute zu verschieden, um wirklich vergleichbar zu sein. Dies wollen wir mit einer einheitlicheren Aufbereitung der Daten verbessern. Das alles ist vielleicht wenig symbolträchtig, aber wir sind fest überzeugt, dass es in der Sache hilft.

Frage : Vor allem das Bonus-System sorgt ja für die extremen Gehälter. Wollen Sie das so lassen, wie es ist?

Müller: Wir sind bereits auf dem richtigen Weg zu einer nachhaltigen Sichtweise - mit mehrjährigen Auszahlungsplänen und der Möglichkeit, Zahlungen auch wieder zu kassieren. Vorstände wie andere Manager sollen am Erfolg, aber eben auch am Misserfolg des Unternehmens beteiligt werden. Aber auch hier darf das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden.

Frage: Wie meinen Sie das?

Müller: Wer heute ausschließlich nach Fixvergütung ruft, springt zu kurz: Das Management würde dann zwar nicht am Erfolg beteiligt - aber auch nicht am Misserfolg. Im Übrigen zeigen erste Erfahrungen, dass der unsichere variable Teil dann gerne in eine sichere fixe Vergütung umgewandelt wird. Gerade an der Debatte über Boni sehen wir, wie wichtig es ist, dass wir uns des Themas annehmen. Richtig ist aber auch: Ausreißer wird es auch in Zukunft wieder geben. Eine perfekte Gesellschaft gibt es nicht.

Fünfjahresbilanz: Welche Dax-Chefs ihr Geld wert sind

  • Das Interview führte Klaus Werle, Redakteur beim manager magazin. Auf dessen Online-Portal erschien der Text zuerst.

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insgesamt 44 Beiträge
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    Seite 1    
1. Blah, blah, blah
4qfghei3pers 08.05.2013
Die einzige Bremse, die wirklich wirkt: Die Lohnforderungen der Arbeiter und Angestellten an die Bezügeerhöhungen der Manager binden. Genehmigt sich das Management z.B. 60%, müssen das auch alle Arbeiter und Angestellten bekommen. Dann hat die Gier ganz schnell ein Ende gefunden.
2. Kpm?
dapmr75 08.05.2013
Der gleiche Klaus Peter Müller, der für die Lage und Ergebnisse der Commerzbank der letzten 12 Jahre verantwortlich ist? Wieviel Geld wurde in seiner Zeit durch die Bank vernichtet? Das so etwas passieren kann, schadet meinem Vertrauen in echte Marktwirtschaft um Einiges mehr. Gehälter von Chefs deren Firmen gut laufen, sind da nur PEANUTS.
3. Kopplung von Gehältern
chb_74 08.05.2013
Exzessen und gesellschaftlich unguten Spreizungen lässt sich vermutlich wirklich nur mit einer Kopplung der Art "das höchste vom Unternehmen gezahlte Einkommen darf nicht x-fach über dem niedrigsten im Unternehmen gezahlten Einkommen" liegen. Faktoren wie 200x bis 300x schüren den massiven Unmut, ein Faktor wie 50x bis 60x wird sicherlich akzeptiert werden: wenn die Kantinenfrau 15.000 EUR p.a. erhält, ist die Leistung des Vorstandschefs eben max. 1 Mio. EUR wert. Damit ist ein Vorstandschef immer noch mehr als reichlich bezahlt. Eine solche Regelung ließe sich gesetzlich zwar wohl schwerlich durchsetzen (möglich ist sie rechtlich allerdings schon), allerdings sollten die ganzen "Kodex"-Kommissionen sich das als Richtschnur nehmen. Nur sitzen da leider genau die Leute drin, die sich selbst etwas wegnehmen müssten, und Frösche haben noch nie ihren eigenen Teich ausgetrocknet... ;-)
4. Managergehälter...
che1973 08.05.2013
Eine Hebamme hat ein Jahreseinkommen von ca 14.000 €,eine Frisöse ca 12.000 €.DAX-Vorstände ca 1000x mehr (10 Mio €) Wer hat was"verdient"?Was ist gerechte Entlohnung?Übrigens:Wenn immer auf die hohe Verantwortung für viele MA hingewiesen wird um das Einkommen zu rechtfertigen,dann müßte zB unsere Kanzlerin ja 10 Mrd (10.000.000.000.)€ p.a.erhalten!Noch Fragen Hauser?Nein Kienzle!
5. ....
janne2109 08.05.2013
fein, super bashing, da stören mich die Gehälter der Fussballspieler ( u. anderen Sportler) mehr. Es gibt eine Menge Manager die ihre Firmen hervorragend veralten und für die Zukunft aufstellen, hier nur Reizle von Linde genannt. Nicht immer vor Neid im Auge meckern. Es steht allem Menschen frei in Deutchland sich zu bilden und einen guten Job zu bekommen, heßt allerdings auch lebenslang lernen und arbeiten und das nicht von 9-5.
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  • DPA
    Klaus-Peter Müller gibt nach fünf Jahren sein Amt als Vorsitzender der Regierungskommission für gute Unternehmensführung(Corporate Governance) ab. Er ist weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrats der Commerzbank.
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