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14. März 2012, 14:53 Uhr

MBA-Rankings

Das große Messen und Wiegen

Von Bärbel Schwertfeger

So viele MBA-Programme, so viele Business Schools in aller Welt - schön, dass Ranglisten Orientierung geben. Aber allein darauf verlassen sollte sich bei der Entscheidung niemand. Denn die Rankings haben ihre Tücken und behängen die Top-Schulen nach oft seltsamen Kriterien mit Lametta.

Daumen hoch oder Daumen runter? Sie hoffen und sie bangen, denn für die großen Managerschulen weltweit kann die Veröffentlichung einer neuen MBA-Rangliste zum Entscheidungstag werden. Am 30. Januar war's wieder so weit: Die britische "Financial Times" (FT) veröffentlichte ihr jährliches Global MBA Ranking, bei dem die hundert besten MBA-Vollzeitstudiengänge international gekürt werden. An der Spitze stehen die üblichen Verdächtigen: die drei US-Top-Schulen Stanford, Harvard und Wharton. Die London Business School büßte ihren Spitzenplatz der letzten zwei Jahre ein und landete auf Platz 4, als beste europäische MBA-Schule. Erstmals schaffte es die Universität St. Gallen mit Rang 93 unter die Top 100 - als einzige Schule aus dem deutschsprachigen Raum.

Kaum etwas bewegt Interessenten für eine Ausbildung zum Master of Business Administration (MBA) mehr, als die Platzierung einer Schule in einem der großen Rankings, nicht selten gibt sie sogar den Ausschlag für die Entscheidung. Auch die MBA-Schulen warten stets mit größter Spannung auf ihre Bewertung, die kann Auf- oder Abwärtsspiralen in Gang setzen kann: Schneidet eine Schule gut ab, bekommt sie mehr und bessere Bewerber, damit auch mehr Studiengebühren. Weil sich Personalchefs ebenfalls gern an Rankings orientieren, rekrutieren sie bevorzugt Absolventen von gut gerankten Schulen. Die bekommen so schneller einen oftmals gut bezahlten Job, was sich wiederum positiv im nächsten Ranking positiv auswirkt.

Neben der "FT" ermittelt das britische Wirtschaftmagazin "Economist" jährlich die weltweit besten MBA-Vollzeitprogramme. Eher für den US-Markt relevant sind die Ranglisten von "Businessweek", "Wallstreet Journal", "Forbes" und "US News&World".

Sonderbare Achterbahnfahrten im Ranking

Aber jedes Ranking ist anders. Die Auswahl und Gewichtung der Kriterien ist sehr unterschiedlich, ebenso die Bewertungen. Aktuelles Beispiel: Stanford thront bei der "FT" auf dem Spitzenplatz, erreichte beim letzten "Economist"-Ranking aber nur Rang 8. Dort stand die amerikanische Tuck School of Business ganz oben - die "FT" führt sie lediglich auf dem 19. Platz.

Die Ranglisten sind fragwürdige Entscheidungshilfen, denn alle haben ihre Schwächen. Bei der "FT" ist es vor allem die Überbetonung des Gehalts: 40 Prozent der Bewertung werden durch das Gehalt und die Gehaltssteigerung - jeweils umgerechnet in Dollar - bestimmt. Zwecks globaler Vergleichbarkeit wird zudem das Gehalt entsprechend der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, kurz PPP) an die lokale Kaufkraft angepasst.

Das führt zu teils absurden Verzerrungen, von denen vor allem Schwellenländer profitieren. Denn für einen Dollar kann man in China oder Indien nun mal mehr kaufen als in der Schweiz. So verdienen dem aktuellem "FT"-Ranking zufolge Absolventen des Indian Institute of Management (IIM) in Ahmedabad mit 175.000 Dollar fast doppelt so viel wie Absolventen der Universität St. Gallen mit 91.000 Dollar.

Anders geht der "Economist" vor. Hier entfallen je 35 Prozent der Bewertung auf neue Karrieremöglichkeiten und die persönliche Entwicklung/Bildungserfahrung - wie die Qualität der Professoren. 20 Prozent macht der Gehaltsanstieg aus, 10 Prozent zählt das Netzwerk-Potential. "Businessweek" lässt Studenten und Personalmanager die Programme bewerten; das "Wall Street Journal" lässt Absolventen und Unternehmen beurteilen, wie gut ein Programm Management und Führungsfähigkeit vermittelt. Und das Ranking des Wirtschaftsmagazins "Forbes" kennt nur ein Kriterium: Return on Investment, also die Rendite eines MBA-Studiums, gemessen am Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital - sprich den Kosten des Studiums.

Fast keine deutschen MBA-Schulen dabei

Das ist schon verwirrend genug. Und dazu kommen noch die rasanten, schwer erklärlichen Abstürze einiger Schulen. So erreichte die britische Henley Business School im "Economist"-Ranking 2010 noch Rang 17, ein Jahr später reichte es nur für Platz 57. Oder die britische Durham Business School: im "FT"-Ranking nun auf Rang 94 und damit satte 39 Plätze schlechter als im Vorjahr. Manche vermeintlichen Top-Schulen entpuppen sich gar als Eintagsfliegen, die in den nächsten Rankings überhaupt nicht mehr auftauchen.

Das nährt Zweifel, wie seriös die Bewertungsmethoden sind und welche Aussagekraft solche Ranglisten insgesamt haben. Fazit: Schneidet eine Schule in mehreren renommierten Ranglisten ordentlich ab, ist das ein Anhaltspunkt dafür, dass ihr Programm zu den besten gehört. Ob sie jedoch den 3. oder 15. Platz erreicht, das ist meist eher eine Frage der Bewertungskriterien.

Deutsche MBA-Schulen haben noch ein anderes Problem. Sie sind in den relevanten Rankings, zumindest bei den Vollzeit-Studiengängen, überhaupt nicht vertreten (mit Ausnahme der Mannheim Business School, im letzten "Economist"-Ranking auf Platz 42). Oft ist der Grund banal: Für die Ranking-Teilnahme braucht eine MBA-Klasse in den letzten drei Jahren mindestens 30 Teilnehmer; das haben nur sehr wenige deutsche Schulen.

Fünf Palmen für gehobene Gerüchte

Mal ist die Studentenzahl zu gering, mal fehlt die internationale Akkreditierung - jedenfalls bleibt vielen durchaus akzeptablen Schulen der Sprung in renommierte Rankings verwehrt.

Diese Marktlücke haben zahlreiche Anbieter fragwürdiger Rankings entdeckt. Die französische Beratungsfirma SMBG zum Beispiel kürt in ihrem "Eduniversal Ranking" jährlich die besten Business Schools in 153 Ländern und verleiht als Bestnote "fünf Palmen". Dabei bekommen Rektoren und Dekane von tausend ausgewählten MBA-Schulen für jedes einzelne Land die gleiche Frage gestellt: "Welche Business School würden Sie einem Interessenten empfehlen, der in dem jeweiligen Land studieren möchte?" Solche reinen Image-Maßstäbe haben eine Qualität zwischen Gerücht und Hörensagen - denn welcher Rektor kann schon guten Gewissens die Qualität einer Business School in Bhutan, Dschibuti oder im Jemen einschätzen?

Die European Foundation of Management Development (EFMD), die auch das Akkreditierungs-Siegel EQUIS vergibt, beobachtet die Aktivitäten von Eduniversal daher mit großer Skepsis. Je mehr eine Schule mit solchen "Anerkennungen" werbe, desto mehr signalisiere sie, dass ihre Qualität nicht ausreiche, um fundierten Qualitätsbeweisen wie einer internationalen Akkreditierung oder der Platzierung in einem anerkannten Ranking standzuhalten, heißt es bei der Stiftung.

Bei der European Business School (EBS) im hessischen Oestrich-Winkel, gebeutelt durch den Skandal um den geschassten Ex-Präsidenten, ist das offenkundig noch nicht angekommen. Zweimal scheiterte die Schule bereits bei der wichtigen EQUIS-Akkreditierung - und verkündete Ende Oktober dann stolz: "Im aktuellen Eduniversal Ranking unter den tausend besten Business Schools weltweit wurde die EBS mit fünf Palmen ausgezeichnet und zählt damit zur Spitzenkategorie 'Universal Business Schools with major influence'."

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