Hatten Sie heute schon ein Meeting? Ja? Dann werden Sie sich vermutlich gefragt haben, ob Sie nicht Ihre Zeit verschwenden. Der Software-Hersteller Atlassian hat mehrere Umfragen zum Thema Zeitmanagement zusammengefasst und kommt zu dem Ergebnis: Ein Angestellter nimmt durchschnittlich an 65 Meetings im Monat teil, findet die Hälfte davon überflüssig und meint, im Durchschnitt 34 Arbeitsstunden pro Monat in Meetings zu vergeuden. Im Englischen gibt es dafür einen Begriff: "Death by Meeting".
Aber Meetings sind natürlich sinnvoll, und sie abzuschaffen ist sicherlich keine Lösung. Was sich ändern muss, ist die Vorbereitung. Nötig ist eine klare Struktur und vor allem eine gute Steuerung.
Was können Manager tun? Es gibt gute Tipps und Anleitungen, was zum Beispiel die Tagesordnung angeht. Einige davon haben Michael West und ich in unserem Buch "Teamarbeit, Teamdiagnose und Teamentwicklung" genauer beschrieben. Überhaupt eine Tagesordnung zu haben ist schon ein guter Anfang. Der Teamleiter sollte sie rechtzeitig allen Teilnehmern schicken, damit sie sich vorbereiten können.
Es sollte auch eine Prozedur geben, wie Teammitglieder eigene Punkte auf die Tagesordnung bringen können. Manager sollten aber am Beginn nicht fragen, ob noch jemand etwas hinzufügen möchte. Dies führt häufig zu Punkten, die gar nicht diskutiert werden. Und erzeugt Unzufriedenheit. Oder es kommt zu einer schlechten Diskussion, weil keiner der Teilnehmer vorbereitet ist.
Tagesordnungen können zu einem sehr viel besseren Ablauf beitragen, wenn sie gut strukturiert sind. Sie sollten folgende Punkte enthalten:
Wie Sie viel Zeit sparen können
Sehr wichtig ist ein Ergebnisprotokoll, in dem alle Entscheidungen und Aktionspläne (Wer macht was bis wann?) zusammengefasst werden. Es kann zum Beispiel reihum geführt werden wird und sollte wenige Tage nach dem Meeting an alle Teilnehmer versandt werden.
Alle diese Tipps werden Ihnen helfen. Aber es gibt ein weiteres, ganz einfaches Mittel, das nicht einen Cent kostet, sofort umgesetzt werden kann und nachgewiesen erfolgreich ist: Halten Sie Ihre Meetings im Stehen ab.
Die Auswertung lieferte aufschlussreiche Ergebnisse:
Bluedorn und seine Kollegen berichten in ihrem Beitrag, dass Meetings in vielen Bereichen seit langem im Stehen abgehalten werden - im Militär ist die kurze Lagebesprechung der Offiziere am Kartentisch stehend seit jeher üblich. Aber auch im Top-Management stehen die Teilnehmer manchmal bei einer Besprechung. Die Untersuchung ist aber die erste, die wirklich nachweist: die benötigte Zeit wird kürzer, aber die Qualität bleibt mindestens gleich, oder wird höher.
Neben der nachgewiesenen Effektivität bei gleichzeitig höherer Effizienz gibt es aber noch einen weiteren Grund für Meetings im Stehen: Rituale schweißen zusammen und tragen so zu einer gemeinsamen Identität des Teams bei. Wenn die Teammitglieder es gewohnt sind, dass jeden Mittwochmorgen zur Besprechung alle kurz aufstehen, wird es schnell zum einem positiven Merkmal, welches das eigene Team von anderen unterscheidet. Dies hilft den Mitgliedern, sich mit dem Team zu identifizieren, was wiederum zu mehr Zufriedenheit und Zusammenarbeit beiträgt.
Während also die Studenten in Bluedorns Experimenten etwas weniger zufrieden waren, sind nach meiner Erfahrung Teilnehmer "echter" Gruppen, die sich regelmäßiger treffen, sogar zufriedener, weil sie sich (nicht nur, aber auch) durch das stehende Meeting mehr mit dem Team identifizieren.
In meiner Abteilung führen wir seit mehreren Jahren unsere Meetings im Stehen durch. Die "alten Hasen" kennen es nicht anders. Neue Teammitglieder finden es anfangs lustig oder etwas komisch. Aber schon nach kurzer Zeit genießen sie es, Teil der Familie zu sein, indem sie an einem einfachen Ritual teilnehmen können.
Fazit
Stehen Sie auf! Ihre Meetings werden spürbar kürzer und bei gleich guten Ergebnissen zu einem Markenzeichen Ihres Teams werden.
Noch mehr Tipps zu Meetings gefällig? Zur Körpersprache bei Besprechungen gibt Charalambos Vlachoutsicos im Harvard Business Manager wertvolle Ratschläge.
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