Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaBürolebenRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Meine Firma, das Irrenhaus Wo der Wahnsinn wütet

Vorsicht, Irrenhaus: Mal lächelt Firmenwahnsinn leise, mal brüllt er lautstark Zur Großansicht
Corbis

Vorsicht, Irrenhaus: Mal lächelt Firmenwahnsinn leise, mal brüllt er lautstark

3. Teil: Außen hui, innen pfui - vier Warnsignale für den Irrsinns-Check

Woran können Sie schnell erkennen, ob Ihre Firma ein Irrenhaus ist? Im Laufe der Jahre sind mir vier wichtige Kennzeichen aufgefallen, von denen mindestens eines zutreffen muss:

1. Heuchelei: Die Firma tut nicht, was sie sagt, und sagt nicht, was sie tut. Sie verspricht Mitarbeitern (und Kunden) mehr, als sie hält. Sie pflegt Leitsätze, die nicht gelten. Sie stellt Forderungen, die sich ausschließen. Nur eine Moral ist ihr heilig: die Doppelmoral. Wahr ist, was ihr nützt. Solche Firmen sind Spezialisten für Fassadenbau - nur ihr Außenbild ist makellos.

2. Profitsucht: Die Firma fühlt sich nur einem "höheren" Ziel verpflichtet: der Gewinnmaximierung. Der Kunde ist für sie nur eine Einnahmequelle, ein "Account"; die Umwelt ist für sie nur ein Rohstoff, den es auszubeuten gilt; und der Mitarbeiter ist nur ein Mohr, der gehen kann, wenn er seine Schuldigkeit getan hat. Vor allem Konzerne handeln nach dieser plutokratischen Maxime.

3. Egozentrik: Die Firma ist vor allem mit sich selbst beschäftigt - nicht mit dem Markt. Man definiert Prozesse, zelebriert Meetings, pflegt Bürokratie, schlägt Schaum. Mal herrscht Chaos, etwa nach einer Restrukturierung, dann Erstarrung, etwa nach einer Budgetsperre. Die Mitarbeiter sind nur auf den Chef fixiert. Der Kunde spielt die letzte Geige.

4. Dilettantismus: Die Firma stolpert über die eigenen Füße. Hier wird kein Geschäft geführt, hier wird fröhlich dilettiert. Die Führungskräfte verdienen ihren Namen nicht. Die Entscheidungen werden gewürfelt. Der Horizont reicht nicht weiter als der Stadtbus. Vor allem im Mittelstand macht sich dieser unfähige Irrenhaus-Typus breit.


Der Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus Martin Wehrles neuem Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus - vom ganz normalen Büroalltag".

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
...ergo sum, 28.04.2011
Köstlich und leider zu wahr ! Aber auch hier stinkt der Fisch vom Kopf her, - beginnen wir mal z.B. mit unserer Bundesregierung, genau gesagt mal mit unserer lieben Frau Kanzler. ^ Dann fragen noch Einige weshalb man nicht mehr wählen geht ? Ein paar Kranke gaben vor vielen Jahren vor wie genau man sich zu verhalten hat in allen Bereichen wenn man nicht gesellschaftlich untergehen will. Deren Benehmen und agieren wurden zur Vorlageschablone für das berufliche und gesellschaftliche Miteinander, hochgelobt. Nun, nachdem diese vorgelebten und noch immer hochgelobten "Tugenden" bis nach ganz unten, zu den Kindern, durchgedrungen ist - mit den sattsam bekannten Folgen in Schulen, auf Straßen und z.B. U-Bahnhöfen, DA soll genau dieses so vorgelebte Verhalten der selbsternannten "Eliten" und "Leistungsträger" plötzlich falsch sein ? Weshalb DAS denn nun ? Die aufgezählten u.a. Verhaltensweisen sind nicht krank, sie sind inzwischen gesellschaftlicher Konsens, seit Jahren so gewollt und verlangt. Also lebt gefälligst damit oder schafft euch eine private Nische als Ausgleich. Ihr alle habt es so gewollt. Genau SO.
2. Ein wirlich guter Artikel...
ordoban 28.04.2011
...und nachdem ich ihn gelesen und dabei viele Charaktere meiner letzten Firma dort wiedergefunden habe, bin ich jetzt doch froh, dass ich mich vor diesem Irrsinn in die Rente in Sicherheit bringen konnte. Mir tun eigentlich nur alle die leid, die dieses Glück (noch) nicht haben.
3. Wie wahr!
Blueser, 28.04.2011
Der tägliche Wahnsinn scheint wirklich immer mehr werden. Cholerische Chefs, unfähige, intrigante und aufgeblasene Mitarbeiter, Vetternwirtschaft bei der Besetzung von Positionen und noch viel mehr. Was kann man gegen diesen Wahnsinn tun? Wie kann man sich schützen, um nicht selbst verrückt zu werden? Ich habe vor vielen Jahren begonnen ein Firmentagebuch zu schreiben. Zuerst eigentlich nur, um die miesesten Vorwürfe und Begebenheiten meines damaligen Chefs zu dokumentieren. Im Laufe der Zeit wurde aber aus diesem Tagebuch ein Selbstläufer mit therapeutischem Aspekt: ich schreibe mir alles von der Seele, karikiere meine Chefs und Kollegen und großen Spaß macht es auch noch. Nebenbei sammle ich noch Daten und Fakten für Eventualitäten. Mittlerweile habe ich fast eintausend Seiten in Word und werde diese Aufzeichnungen auch irgendwann einmal (spätestens nach Ausscheiden aus dieser Firma) veröffentlichen. Vielleicht bekomme ich dann auch einmal einen Artikel im SPON zur Förderung des Absatzes...
4. Meine Schule, das Irrenhaus
Cancun, 28.04.2011
Glaubt bloß nicht, im Bildungssystem sei irgend etwas anders. Bei den "Soziopathen", die "als Kinder narzissistische Quälereien erdulden" mussten und jetzt wie besessen an die Spitze rauschen, um endlich das Gefühl der Ohnmacht loszuwerden, es endlich anderen vermitteln und diese selbst quälen zu können, fiel mir sofort einer meiner ehemaligen Fachleiter ein.
5. erst Ausbeuten, dann rausmobben
RaMaDa 28.04.2011
Ich kann auch von haarsträubenden Geschichten aus meinem Berufsleben berichten, bei denen Chefs leider nur durch Druck, Mobbing und dem Aufbau von Angstszenarien brillierten. Personalethik, Moral, Wertschätzung der Mitarbeiter - sowas findet man nur in Imagebroschüren aber nicht im echten Leben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zum Autor
Martin Frommann
Martin Wehrle (Jahrgang 1970) war Manager, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde. Er ist Autor der Bücher "Lexikon der Karriere-Irrtümer" und "Geheime Tricks für mehr Gehalt".
Verwandte Themen

Buchtipp

Martin Wehrle:
Ich arbeite in einem Irrenhaus
Vom ganz normalen Büroalltag.

Econ Verlag; Februar 2011; 224 Seiten; 14,99 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.

Fotostrecke
Chef-Typologie: Superstars, kreative Chaoten, Nichtskönner

Die schlimmsten Chef-Sprüche (4)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil



Social Networks