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Mentor als Karriereturbo Mach mir den Murdoch

Bekannte Karriere-Duos: Mentoren und ihre Schützlinge Fotos
Reuters

Suche Beschützer mit Netzwerk, biete Disziplin und Ehrgeiz: Für eine steile Karriere ist nichts so wertvoll wie ein mächtiger Mentor. Das wusste auch Rebekah Brooks, die bis zuletzt auf Rupert Murdoch zählen konnte. Solche Karriere-Tandems haben schon einigen den Weg an die Spitze geebnet - nicht nur in der Wirtschaft.

Als Rupert Murdoch vor zwei Wochen in London eintraf, um sein Medienimperium zu retten, wurde er nach seiner obersten Priorität gefragt. "Die hier", sagte er, und zeigte auf Rebekah Brooks. Der Ruf der Frau mit der roten Lockenmähne war an jenem Abend bereits schwer beschädigt, schließlich war sie Chefredakteurin der "News of the World", als Journalisten des Boulevardblatts Telefone von Prominenten und Mordopfern anzapften.

Trotzdem gab Murdoch den Beschützer, führte Brooks zum Essen aus, zeigte sich vor Reportern demonstrativ an ihrer Seite. Doch seine Vertrauensbekundungen nützten nichts, Brooks war nicht als Chefin der Zeitungsgruppe News International zu halten. Wie kam es, dass der Medienzar der 43-Jährigen so bedingungslos vertraute?

Brooks war für Murdoch nicht nur irgendeine - wenn auch hochrangige - Mitarbeiterin. Die beiden verbindet ein Vertrauensverhältnis, das sich über Jahre hinweg entwickelt hat und bei dem die Rollen klar verteilt waren. Der Verleger förderte Brooks, indem er ihr die richtigen Leute vorstellte. Die ohnehin zielstrebige Geschäftsfrau profitierte von der Erfahrung und dem exzellenten Netzwerk ihres Chefs. Mit anderen Worten: Murdoch diente Brooks als Mentor.

Von der Mentorin zur Patentante

Dass ein erfahrenes Alphatier einem auserwählten Mitarbeiter den beruflichen Aufstieg erleichtert, ist nicht neu. "Mentoring ist weit verbreitet", sagt Karriereberater Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader. "Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik oder im Kulturbetrieb." Aber besonders in Konzernen sei Mentoring gang und gäbe. "Fast alle Chefs größerer Unternehmen hatten einen Fürsprecher, der Ihnen auf ihrem Weg nach oben Türen geöffnet hat."

Konzerne wie VW oder RWE bieten auch organisierte Mentoringprogramme an, etwa für Berufseinsteiger oder junge Führungskräfte. "Erfahrene Kollegen sollen den Mentee im Berufsalltag unterstützen und ihm ehrliches Feedback geben", sagt Hesse. In einigen Fällen könne der Ranghöhere den Protegé sogar in den Chefsessel hieven. So wie im Fall Murdoch/Brooks.

Auch hierzulande gibt es prominente Karriere-Duos, eines davon ebenfalls im Verlagswesen: Einst von der Verlegerwitwe Friede Springer entdeckt und gefördert, gilt Springer-Verlagschef Mathias Döpfner heute als Springers enger Vertrauter. Die Grenzen zwischen beruflichem und privaten Leben sind bei ihnen längst verschwommen: Springer kaufte das Haus neben Döpfners Potsdamer Villa, sie ist Patentante seines Sohnes.

Was, wenn der Mentee zu erfolgreich wird?

"Was dem Kind die Eltern sind und dem Auszubildenden der Lehrmeister, ist dem Berufstätigen der Mentor", sagt Hesse. "Im unsicheren beruflichen Umfeld suchen wir uns jemanden, dem wir vertrauen und an dem wir uns orientieren können." In vielen Fällen geschehe das unbewusst. Allerdings könne man auch gezielt nach einem Unterstützer suchen. "Dabei nur nach Rang und Erfahrung zu gehen, macht wenig Sinn. Der Mentor sollte dem Mentee in erster Linie sympathisch sein." Und ob die Chemie stimmt, sei nun mal nicht planbar.

Zudem sollten sich beide Seiten gut überlegen, wie sehr sie den anderen in ihr Privatleben einbinden. Oft ist der Übergang von der beruflichen zur privaten Verbindung fließend. Das sei aber auch riskant, so Hesse: "Wenn man sich in beruflicher Hinsicht auseinanderlebt, hat das auf die private Verbindung Einfluss - oder umgekehrt."

Kritisch wird es auch, wenn der Protegé genauso erfolgreich wird wie der Mentor oder ihn gar vom Thron stößt. "Manchmal kann der Sturz des einen auch den Fall des anderen bedeuten", sagt Hesse. Ein Szenario, das auch Rupert Murdoch droht.

Foto: H. Günther
Anja Tiedge (Jahrgang 1980) arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Wir fordern Gender equality!
Tastenhengst 21.07.2011
Zitat von sysopSuche Beschützer mit Netzwerk, biete Disziplin und Ehrgeiz: Für eine steile Karriere ist nichts so wertvoll ist wie ein mächtiger Mentor. Das wusste auch Rebekah Brooks, die bis*zuletzt auf Rupert Murdoch zählen konnte.
Unternehmen mit frauen in der führungsposition sind ja profitabler und weniger anfällig für schädliche männliche machtstrukturen.
2. verwerflich
Hamberliner 21.07.2011
Zitat von sysopSuche Beschützer mit Netzwerk, biete Disziplin und Ehrgeiz: Für eine steile Karriere ist nichts so wertvoll ist wie ein mächtiger Mentor. Das wusste auch Rebekah Brooks, die bis*zuletzt auf Rupert Murdoch zählen konnte. Solche Karriere-Tandems haben schon einigen den Weg an die Spitze geebnet - nicht nur in der Wirtschaft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,775606,00.html
Wenn jemand unverdiente Karrieresprünge jemandem verschafft, weil dieser sich einschleimt, wird auf besonders verwerfliche Weise der Wettbewerb ausgehebelt. Solche mafiösen Netzwerke gehören hart bestraft.
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