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Versetzung, Training, Rauswurf Wie Chefs "Minderleister" loswerden

Minderleister: Mobben, triezen, mürbe machen
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Phil Wheeler für manager magazin

2. Teil: Warum Mitarbeiter plötzlich schwächeln

Jack Welch ging es nicht darum, Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern um den Erfolg der Firma. Außerdem verbaue es Menschen die Zukunft auf einen möglicherweise passenderen Job, fand er, wenn ihr Arbeitgeber sie zu lange über ihre Schwächen im Unklaren lasse.

Performance-Management ist auch in Deutschland in vielen Unternehmen Standard. Oft wird es jedoch ziemlich unprofessionell gehandhabt, weiß Gunther Schwarz, Partner bei Bain & Company und Human-Resources-Experte.

Es beginne, so Schwarz, "mit unpräzise formulierten Stellenbeschreibungen, aus denen der Mitarbeiter keine klaren Erwartungen herauslesen kann". Es gehe weiter mit "tendenziell zu guten und konfliktscheuen Bewertungen". Viele Manager könnten die Messkriterien gar nicht richtig anwenden. Und wo Schwächen tatsächlich gemessen werden, fehlen oft die passenden Trainings, um sie abzustellen.


In Fällen, in denen nichts mehr zu retten ist, weil ein Mitarbeiter einfach erkennbar und dauerhaft keinerlei Lust zur Anstrengung mehr verspürt, mag das zu verschmerzen sein. Doch meist wäre noch etwas zu retten - bei denen, die leistungswillig sind, aber auf der falschen Stelle sitzen.

Wer in Routinen erstarrt und kaum noch neue Herausforderungen erhält, kann genauso die Lust verlieren wie jemand, der nach einer schiefgegangenen Beförderung auf einem Job sitzt, für den ihm die Qualifikationen fehlen.

In diesem Fall setzen Vorgesetzte oft aus falscher Rücksicht eine regelrechte Schongangabwärtsspirale in Bewegung, weiß Arbeitsrechtsanwalt Thomas Dick aus Frankfurt: "Dann erhält der Betroffene immer weniger Aufgaben, damit seine Unfähigkeit nicht auffällt."

Schwächen, wo man bisher wunderbar klarkam

Genau das ist kontraproduktiv. Es passiert, was die moderne Hirnforschung "Priming" nennt, erläutert Christian Elger, Vorstandsmitglied im Center for Economics and Neuroscience an der Universität Bonn: "Der Low Performer macht sich die negativen Annahmen seiner Umwelt über ihn unbewusst zu eigen und zeigt schließlich auch dort Leistungsschwäche, wo er bislang wunderbar klarkam" - der direkte Weg in die totale Inkompetenz.

Auch Änderungen der Stellenanforderung durch Wandel im Unternehmen können ein klassischer Anlass sein, der einst solide Mitarbeiter in den Keller rutschen lässt. Diese Erfahrung machte Beatrice von Brauchitsch, Geschäftsführerin und Personalchefin für Deutschland, Österreich, Schweiz und Ungarn bei Avaya.

Der US-Telekomausrüster in Private-Equity-Besitz muss den Sprung aus der ISDN- in die Internetwelt schaffen - ein mühevoller Wandel für alle Beschäftigten, wo etwa der Mann vom Service keine Kabelschäden mehr repariert, sondern Knotenpunkte in digitalen Hightech-Netzen wartet.

Beim Telekomausrüster Avaya gilt als Low Performer, wer weniger als 80 Prozent dessen liefert, was seine persönliche Zielvereinbarung vorgibt. Rund zehn Prozent aller Mitarbeiter, hört man aus dem Unternehmen, sind betroffen und befinden sich in Entwicklungsprogrammen.

"Low Performer ist für uns kein Stigma"

Von Brauchitsch legt großen Wert darauf, dass diese kein Abschiebebahnhof sind. "Low Performer ist für uns kein Stigma, sondern eine Kategorie, in der sich ein Mitarbeiter temporär befinden kann." Mit Trainings und intensiver Begleitung durch die Vorgesetzten bemühe man sich, die Mitarbeiter wieder in Form zu bringen. Mit Erfolg, beteuert von Brauchitsch: "Bisher haben wir uns noch von keinem Mitarbeiter getrennt."

Erwartungen formulieren, trainieren, Feedback geben - eben führen: Da sind sie wieder, die wesentlichen Aufgaben im Umgang mit den Schwachen. Sie werden auch vom Arbeitsrichter nachgefragt, wenn es dann doch darum geht, eine saubere Trennung zu vollziehen.

Was wirkt, ist Sache der Einfühlung und der Kreativität des einzelnen Vorgesetzten. Diese Lektion hat Till Wahnbaeck gelernt. Der Manager bei Procter & Gamble übernahm einen echten "Problemfall" - ein Vertriebsteam des Haarpflegespezialisten Wella, den der Konzern kurz zuvor gekauft hatte. Die zehn Mann starke Truppe galt seit der Übernahme als Ansammlung notorischer Low Performer, sie dümpelte als letztes von 18 deutschen Teams vor sich hin. Das Management hatte ein Drittel auf Abschusslisten gesetzt und war überzeugt: "Diese Leute können nicht verkaufen."

P&G-Verkaufsteam: Vom Low Performer zum Bundessieger

Wahnbaeck aber machte eine überraschende Entdeckung: Ein paar Jahre zuvor waren dieselben Leute echte Top-Verkäufer und unter den Besten im gesamten Bundesgebiet gewesen. Und: Sämtliche smarten Schulungen, sämtliche gut gemeinten Anregungen der Zentrale hatten nichts genützt - die Verkäufer waren nur noch schlechter geworden.

Bei näherem Hinsehen zeigte sich, dass die Wella-Leute in einer anderen Kultur groß geworden waren: im analytisch geführten Procter-Reich mit seinen ausgeklügelten Steuerungsmechanismen fanden sich die Verkäufer, die zuvor mit Bauchgefühl für ihre Friseure vor Ort gepunktet hatten, nicht zurecht.

Er warf die Steuerungsvorgaben so weit wie möglich über Bord und setzte auf althergebrachte Motivationsinstrumente: Beschwören des Gemeinschaftsgefühls (man firmierte künftig als "Piratenteam", frei nach Störtebeker), Anerkennung ("Pirat des Monats") und etliche Stunden persönlicher Begleitung auf Kundenbesuchen und in Team-Meetings brachten Selbstwertgefühl und Energie der Vertriebler zurück. Ein Jahr später wurde Wahnbaecks Team Bundessieger.

  • Eva Buchhorn ist Redakteurin beim manager magazin, wo dieser Artikel zuerst erschien. Unsere Fassung ist leicht gekürzt.

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insgesamt 86 Beiträge
MichaelundNilma 07.12.2012
In Ihrem Beitrag über Minderleister vermisse ich die Objektivität. Wer Minderleister ist bestimmt schließlich der Chef. Chefs haben aber die Angewohnheit jemanden als Minderleister einzustufe,schon weil ihnen u. U. die Nase nicht [...]
In Ihrem Beitrag über Minderleister vermisse ich die Objektivität. Wer Minderleister ist bestimmt schließlich der Chef. Chefs haben aber die Angewohnheit jemanden als Minderleister einzustufe,schon weil ihnen u. U. die Nase nicht paßt. Dann beginnt das manchmal jahrelange Mobbing. Beliebt ist auch, zwei Arbeitsaufträge gleichzeitig zu vergeben. Da man aber nur jeweils einen Arbeitsauftrag gleichzeitig erfüllen kann, bekommt man dann für den nicht geleisteten eine Abmahnung wegen Nichtleistung. Im Arbeitsrecht gibt es keine Waffengleichheit. Der Arbeitnehmer muß beweisen, das sein Chef unrecht hat, nicht umgekehrt. Die Beweise dazu hat aber das Unternehmen. Wenn es um Arbeitsaufträge geht müssen die Zeiten auf 8 Std. genau, pro Jahr nachgewiesen werden - vom Arbeitnehmer. Falschbehauptungen und Lügen von Chefs sind daher schwer beweisbar. Arbeitsgerichte glauben Chefs sehr gerne. Selten aber Arbeitnehmern. Sollte das Unternehmen den Prozeß verloren haben, kann es immer wieder in der selben Sache klagen. So lange es will. Wer hält das durch ? Es fehlt also bis heute an der nötigen Waffengleichheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor Gericht. Es gibt auch viele "Minderleister" unter den Chefs, die dann im Zweifelsfalle für ihre Schlechtleistung Untergebene zur Verantwortung ziehen. Da hilft dann nur ein neues Arbeitsrecht. Ich bin sicher. Mit einem Arbeitsrecht, das Waffengleichheit bietet, sinkt die Menge an "Minderleistern" unter den Arbeitnehmern rapide.
gg1963 07.12.2012
Schon allein die Wortwahl ist menschenverachtend und widerlich, suggeriert sie doch, dass er könnte wenn er / sie wollte. Der Mensch ist keine Maschine ( obwohl dies natürlich angestrebt wird von dem faschisttoiden [...]
Zitat von MichaelundNilmaIn Ihrem Beitrag über Minderleister vermisse ich die Objektivität. Wer Minderleister ist bestimmt schließlich der Chef. Chefs haben aber die Angewohnheit jemanden als Minderleister einzustufe,schon weil ihnen u. U. die Nase nicht paßt. Dann beginnt das manchmal jahrelange Mobbing. Beliebt ist auch, zwei Arbeitsaufträge gleichzeitig zu vergeben. Da man aber nur jeweils einen Arbeitsauftrag .....
Schon allein die Wortwahl ist menschenverachtend und widerlich, suggeriert sie doch, dass er könnte wenn er / sie wollte. Der Mensch ist keine Maschine ( obwohl dies natürlich angestrebt wird von dem faschisttoiden Kapitalistensystem ) und es nie sein und bei guter Mitarbeiterführung gibt es keine "Minderleister", höchstens Menschen, die vielleicht die falsche Stelle bzw. tätigkeit ausüben. Kein Mensch ist per se faul.
eigene_meinung 07.12.2012
Das Beispiel am Schluss des Artikels trifft den Kern der Sache. Oft werden gerade die besten Leute von neuen Chefs ohne praktische Erfahrung zu Änderungen ihrer Arbeitsmethoden gezwungen, die ungeeignet und nicht zielführend sind [...]
Das Beispiel am Schluss des Artikels trifft den Kern der Sache. Oft werden gerade die besten Leute von neuen Chefs ohne praktische Erfahrung zu Änderungen ihrer Arbeitsmethoden gezwungen, die ungeeignet und nicht zielführend sind und die den erfahrenen Mitarbeitern nicht liegen. So werden "Low Performer" erzeugt.
iconoclasm 07.12.2012
Dann müssten sie doch damit einverstanden sein, dass Menschen die "vielleicht die falsche Stelle ausüben" von dieser Last befreit werden. Die meisten wissen leider selber nicht was für sie die passende Tätigkeit ist, [...]
Zitat von gg1963Schon allein die Wortwahl ist menschenverachtend und widerlich, suggeriert sie doch, dass er könnte wenn er / sie wollte. Der Mensch ist keine Maschine ( obwohl dies natürlich angestrebt wird von dem faschisttoiden Kapitalistensystem ) und es nie sein und bei guter Mitarbeiterführung gibt es keine "Minderleister", höchstens Menschen, die vielleicht die falsche Stelle bzw. tätigkeit ausüben. Kein Mensch ist per se faul.
Dann müssten sie doch damit einverstanden sein, dass Menschen die "vielleicht die falsche Stelle ausüben" von dieser Last befreit werden. Die meisten wissen leider selber nicht was für sie die passende Tätigkeit ist, da klafft Anspruch, gerade was die Knete angeht, und Wirklichkeit meist meilenweit auseinander.
khanar 07.12.2012
Sie verwechseln anscheinend den persönlichen Umgang mit der definierten, gegenseitig vereinbarten und mit dem Gehalt bezahlten Arbeitsleistung. 1. Die Leistungseinstufung bestimmt auch der Mitarbeiter. Dieser hat sich mit [...]
Sie verwechseln anscheinend den persönlichen Umgang mit der definierten, gegenseitig vereinbarten und mit dem Gehalt bezahlten Arbeitsleistung. 1. Die Leistungseinstufung bestimmt auch der Mitarbeiter. Dieser hat sich mit seinem Vertrag zu einer bestimmten Leistung verpflichtet, die er bezahlt bekommt und daher auch zu erbringen hat. Das ist nur fair den Kollegen gegenüber, die für das gleiche Geld mehr arbeiten. Zu je mehr Sie sich verpflichten, desto mehr Gehalt werden Sie bekommen. Aber dann müssen Sie auch liefern! Die Firma verlässt sich schließlich drauf. 2. Nicht Sie können entscheiden, ob ein Chef Minderleister ist, da nicht Sie seine Ziele definieren. Sie können natürlich eine Meinung haben, aber wenn es kein Mitarbeiter von Ihnen ist, dann ist sie leider nicht sehr wichtig! Nicht Sie entscheiden über die Qualität Ihrer Leistung, sondern andere. 3. Der Brief von Wirth war vollkommen in Ordnung. Man hätte ihn vielleicht als Ganzes bringen sollen. Denn dann ist klar, dass nur die Vertriebler sich den Schuh anziehen, der ihnen auch passt. Von nix kommt einfach nix! Wenn der Vertrieb keinen Umsatz generiert, kann man den Laden zumachen! Deswegen sind Vertriebler gemessen an der Eigenleistung mit am bestbezahlten. Der Wirth'sche Schuss vor den Bug ist immer noch besser, als wenn angefangen wird, die "Minderleister" wirklich zu entlassen. 4. Ich bin erstaunt über Ihr "Kriegs-Vokabular". Das lässt Rückschlüsse auf Ihr generelles Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber zu. Vielleicht sollten Sie mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen, und das unternehmerische Risiko, aber auch die Verantwortung für ALLE Mitarbeiter einmal selbst zutragen.
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