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Mitarbeiter-Motivation Geld allein ist ein zu schwacher Motor

Büroschläfer: Auch ein höheres Gehaltszuckerl wird ihn kaum in Wallung bringen Zur Großansicht
Corbis

Büroschläfer: Auch ein höheres Gehaltszuckerl wird ihn kaum in Wallung bringen

Eine Gehaltserhöhung nehmen Angestellte immer gern. Aber darum arbeiten sie noch lange nicht besser oder mehr - denn Motivation ist nicht käuflich, wie eine neue Studie zeigt. Die Botschaft an Chefs: Als Ansporn für Fach- und Führungskräfte zählen andere Faktoren viel stärker.

Mit Speck fängt man Mäuse, weiß der Volksmund. Mitarbeiter sind keine Mäuse - und eine Gehaltserhöhung langt nicht, um sie zu Höchstleistungen anzutreiben. Einer aktuellen Umfrage zufolge ist das Einkommen für Arbeitnehmer durchaus wichtig. Aber wenn ihnen ein höheres Gehalt in Aussicht gestellt wird, ist das kein entscheidender Anreiz.

Das geht aus einer StepStone-Studie hervor. Zusammen mit der Unternehmensberatung Hay Group hat die Online-Jobbörse rund 18.500 Fach- und Führungskräfte befragt: "Was motiviert Sie am meisten?" An erster Stelle rangierte ein kollegiales Arbeitsumfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten - für 80 Prozent besonders wichtig. Zwei Drittel motiviert es besonders, wenn der Job sie erfüllt. Ein starker Antrieb ist auch ein guter Vorgesetzter, der seine Mitarbeiter fördert und fair behandelt. Nur für 56 Prozent steht ein angemessenes Gehalt im Vordergrund.

Genau gleich groß ist aber die Gruppe, die auch negative Effekte durch eine leistungsorientierte Bezahlung sieht: Ebenfalls 56 Prozent gaben an, dass sie sich mit einem variablen Gehaltsbestandteil von 30 Prozent aufwärts eher unter Druck gesetzt als zusätzlich angespornt fühlten. Knapp jeder dritte Befragte lehnte variable Vergütungen grundsätzlich ab.

"Eher Hygiene- als Motivationsfaktor"

Ein Leistungsbonus steht der Studie zufolge in keinem guten Ruf bei den befragten Angestellten, von denen über die Hälfte Personalverantwortung trägt und die meisten viel Berufserfahrung haben. Wichtig dabei: Es handelt sich nicht um Leichtlohngruppen in prekären Arbeitsverhältnissen, sondern um Menschen, die mit ihrem Einkommen auskommen können. Für sie beeinflussen finanzielle Faktoren insgesamt die Motivation nicht entscheidend.

"Das Fixgehalt ist bei Fach- und Führungskräften eher ein Hygienefaktor als ein nachhaltiger Motivator", so StepStone-Geschäftsführer Sebastian Dettmers, "Unternehmen können Mitarbeiter durch eine gute Bezahlung zwar gewinnen, doch sie lassen sich durch Gehaltssteigerungen und Boni nicht dauerhaft zufriedenstellen und binden."

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Die Einschätzung stützen auch die Antworten auf die Frage, was die Arbeitnehmer am ehesten zu einer Kündigung bewegen würde. Allen voran ist es ein schlechtes Arbeitsklima - für 86 Prozent ein klarer Abwanderungsgrund. Dagegen würden nur 29 Prozent zur Kündigung greifen, wenn ihr Einkommen niedrig ist und ein anderer Arbeitgeber mit plus zwanzig Prozent lockt.

Auf die Freude an der Arbeit kommt's also an. Da bringt die Momentaufnahme in der Umfrage allerdings keine ganz neuen Erkenntnisse. Bereits in den letzten Jahren gab es einige Untersuchungen zur Mitarbeiter-Motivation mit dem gleichen gemeinsamen Nenner: Arbeitgeber, behandelt eure Leute pfleglich, gebt ihnen Verantwortung, lasst sie nicht ausbrennen - dann bekommt ihr auch viel von ihnen. Ob jemand in einer gehobenen Unternehmensposition 200 Euro mehr bekommt, einen Dienstwagen oder ein Smartphone, das sind alles lediglich Zuckerl. Mehr als solche monetären Extras zählen die weichen Faktoren, etwa das Betriebsklima und die Chance, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Leiden Chefs unter Kontrollzwang und schwenken sie allzu ausdauernd die Wurst vor der Nase ihrer Mitarbeiter, kann die Arbeitsatmosphäre darunter sogar schwer leiden. "Manche Firmen veranstalten eine regelrechte Dauerolympiade, wo es permanent gegeneinander geht", sagte der Managementberater Reinhard K. Sprenger schon vor Jahren in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview, "dann arbeiten die Mitarbeiter nicht vertrauensvoll miteinander für ein gemeinsames Ziel, sondern versuchen sich alle gegeneinander auszuspielen."

Finanzielle Anreize wertet Sprenger als eher kontraproduktiv, sieht aber eine positive Ausnahme: die direkte Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg. Daran indes trauen sich deutsche Firmen bislang nur selten heran.

  • Jochen Leffers (Jahrgang 1965) ist SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und leitet das Ressort KarriereSPIEGEL.

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