• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Mittelmanager Lastesel der Konzernwelt

Mittelmanager: Welche Probleme Führungskräfte belasten Fotos
Gulliver Theis / Outfit: Herrenausstatter Braun

Druck von oben, Nörgeln von unten - die Sandwich-Position in der Unternehmenshierarchie reibt viele Führungskräfte auf. Die Mittelmanager sind näher an den Kunden als ihre Vorstände, doch ihr Urteil gilt den Chefs wenig. So riskieren Firmen ihre Zukunft.

Er kommt zum Coaching, weil er die Schuld bei sich sucht. Er denkt, er sei einfach nicht gut genug. Zu wenig Durchsetzungskraft. Zu weich. "Was lässt Sie nachts nicht schlafen?", fragt der Coach. "Aufgaben wie diese", erwidert der 37-jährige Produktmanager: "Mein General Manager möchte, dass ich unser Portfolio erweitere. Ich habe da eine Idee, an der ich schon seit Monaten arbeite, aber ich komme nicht weiter."

Er ist bei einem amerikanischen Multi in der Waschmittelsparte beschäftigt. Nun will er ein spezielles Pulver für dunkle Textilien auf den Markt bringen, die Konkurrenz hat das länger schon am Start. Der Finanzchef steckte einen engen Kostenrahmen ab. Der Produktmanager fahndete nach günstigen Inhaltsstoffen, holte sich grünes Licht von den Entwicklern - und scheiterte am Einkaufschef. Dieser verweigerte die Kooperation: Wir haben feste Lieferanten, davon weichen wir nicht ab, hieß es.

"Sie werden Ihr Projekt niemals durchbringen", sagt der Coach. "Nicht Sie sind das Problem, sondern die Strukturen Ihrer Organisation, die Sie ausbremsen." Dieser Gedanke war dem Produktmanager noch nicht gekommen.

Wo stehen Sie im Vergleich zu Ihren Kollegen und innerhalb Ihrer Branche?

Finden Sie es heraus mit dem Gehaltsreport von manager magazin und XING.

Ein anderer Fall: Er ist Ingenieur, klassischer Maschinenbauer, und hatte mit Ende 40 die Beförderung zum Bereichsleiter geschafft. Im neuen Job sollte er ein Entwicklerteam aus Japan, Indien und den USA zusammenstellen und im Tagesgeschäft koordinieren. Er führte, wie er es für richtig hielt, sachbezogen und mit klaren Ansagen. Es gab Reibereien, vor allem der japanische Kollege brachte nichts mehr zustande. Aus der Geschäftsführung kam das Urteil: "Na, Sie können's wohl nicht." Der Coach fragt: "Schon mal ein Training in Diversity Management erhalten?" Der Ingenieur verneint.

Episoden aus dem Tagesgeschäft deutscher Unternehmen. Erlebnisse des Scheiterns, des Sich-Aufreibens und des Frusts. Die Protagonisten: Führungskräfte des mittleren Managements, die an ihrer Sandwich-Rolle verzweifeln. Sich alleingelassen fühlen. Weil sie häufig alleingelassen werden.

Frust und Reibereien im Alltag

Mittelmanager stellen in nahezu jedem größeren Unternehmen die Mehrheit der Führungskräfte. Sie setzen die Unternehmensstrategie um, sie transportieren Ziele und Werte in alle Verästelungen des Konzerns und treiben die operativen Mitarbeiter an. Namenlose Offiziere der Wirtschaft.

Mittelmanager stehen von zwei Seiten unter Druck: Der Vorstand fordert mehr Leistung, die Basis will Entlastung. Die Top-Ebene kommuniziert Visionen, die Mitarbeiter scheitern an den Grenzen der Machbarkeit. Die Abteilungs- und Bereichsleiter stehen als Puffer dazwischen.

Jede Unternehmensführung müsste ein "vitales Interesse" an motivierten und fähigen Mittelmanagern haben, sagt Matthias Fifka von der Cologne Business School, der zusammen mit Stella Kraus Angehörige der mittleren Ebenen zu typischen Konflikten in ihrem Job befragt hat (siehe Fotostrecke). Doch die Realität sieht anders aus. Ob in Konzernen oder im Mittelstand, der Führungskräftemittelbau verschleißt sich im täglichen Kampf um Einfluss, um Wertschätzung und Aufstiegschancen.

Im Mittelmanagement zerplatzen leicht jene Träume von Führung und Verantwortung, die Recruiter und Personaler mit blumiger Rhetorik in Konzernnachwuchsgruppen geweckt haben. Er war als Ingenieur in ein deutsches Traditionsunternehmen eingestiegen, und er war gläubig gewesen: "Ob Sie bei uns Erfolg haben werden, hängt nur von Ihrer Leistung ab." Er fand das fair.

Mit Mitte 30 hat er es zum Global Commodity Manager gebracht, der strategische Einkauf aller Werke für Lüfter und Heizungen läuft nun ausschließlich über ihn. Kein schlechter Job, doch er will mehr. Nach intensiven Recherchen zieht er einen kostengünstigeren Lieferanten in Osteuropa an Land. Der Entwicklungschef, mit dem er bei der Einführung des Lieferanten in die konzerninternen Prozesse zusammenarbeitet, stellt ihm eine Gruppenleiterposition in Aussicht: Sie wissen ja, ein Bereichswechsel qualifiziert bei uns auch für höhere Aufgaben.

"Up or out" wäre die klarere Ansage

Gruppenleiter wird dann doch ein anderer. Der Entwicklungschef geht plötzlich ins Ausland, sein Nachfolger hat eigene Favoriten aufgebaut. Die Perspektiven des Global Commodity Managers: bis auf weiteres unklar.

Offen beklagen will er sich nicht, er murrt lieber im Stillen, wie alle anderen Mittelmanager, die das manager magazin für diese Geschichte befragt hat. Aber er wüsste schon gern, ob er nicht besser zu einer Beratung gegangen wäre. "Up or out", das wäre vielleicht die ehrlichere Ansage gewesen.

Vorstand eines Konzerns zu werden, ist angesichts der oftmals auf die Kopfzahl einer halben Fußballmannschaft limitierten Plätze in diesem Gremium für Jungmanager eigentlich keine realistische Option. "Doch 90 Prozent der Neulinge reißen sich jahrelang Arme und Beine aus, weil sie meinen, ausgerechnet sie werden es schaffen", sagt René Dominik, der in mittleren Führungspositionen bei Procter & Gamble Karriere gemacht hat und gerade eine eigene Beratungsfirma namens Brandtertain aufbaut.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
mart.n 12.02.2013
Ein schöner Artikel, kann man so unterschreiben. Selber habe ich in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass hauptsächlich die Middle-Manager aufsteigen, die die Fähigkeit entwickeln sich nach unten hin abzustoßen. Sprich: Druck schön ungefiltert nach unten durchgeben, damit die Zeit für das Networking und die Präsentation nach oben da ist. Sowas freut die blöden Arbeitsbienen immer am meisten.
2.
WertPacket 12.02.2013
Sehr guter Artikel ... Viele Probleme sehe ich korrekt beschrieben!
3. Brückenbauer
galileo-gudrunhappich 12.02.2013
Freut mich, dass den Führungskräften im mittleren Management mal wieder ein Artikel gewidmet wird. Ich arbeite in meinen Coachings überdurchschnittlich häufig mit diesen Managern. Sie sind meiner Erfahrung nach oft starke Leistungsträger, die durch ihre Sandwich-Position vor ganz besonderen Herausforderungen stehen. Trotz ihrer wichtigen Rolle als Brückenbauer erhalten sie in vielen Unternehmen zu wenig Wertschätzung.
4. Ach so, Managermagazin
Ganzgeber 12.02.2013
Habe mich schon gewundert, warum die Beispiele keine Frauen sind, wo die Suggestionen, dass alles die Schuld der Männer ist?
5. Hamsterrad
zahorsky77 12.02.2013
Mir kommt da gleich der alte Spruch: "Das Hamsterrad sieht nur von innen aus wie eine Karriereleiter" in den Sinn. Die wenigsten wissen wirklich wie abhängig sie schon sind vom "nächsten Schritt" wie, größerer Dienstwagen, höherer Bonus ect. um sich dann mit überteuerten Konsumartikeln kurz etwas Sinn in Ihr Leben zu zaubern. Die die dann mit Mitte 40 aufwachen und merken wie die besten Jahre vorbeigezogen sind fallen erstmal in ein tiefes Loch... Die die es wieder rausschaffen machen sich Selbstständig - viele als Coach für die die noch im Rad feststecken ;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Gehaltsreport - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Assistenten: Die sich für den Chef den Kopf zerbrechen
Verwandte Themen



Social Networks