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Modellbauerin im Legoland "Darth Vader habe ich dreimal gebaut"

Modellbauerin im Legoland: Stein auf Stein Fotos
DPA

Vera Feldmann kann Kinder glücklich machen. Oder auch ein bisschen neidisch. Sie ist eine von acht Modelldesignern im Legoland Deutschland und steckt den ganzen Tag bunte Plastiksteinchen zusammen. Damit hat Feldmann schon komplette Städte entstehen lassen - und auch "Star Wars"-Figuren.

Die bunten Kisten stapeln sich in Regalen bis unter das Dach der großen Halle, auf jeder klebt mindestens ein Legostein. Von klein und quadratisch über rechteckig und groß - jedes Steinchen lässt sich in der Modellbau-Abteilung des Legolands Deutschland im bayerischen Günzburg mit einem Griff finden. Unfertige Modelle stehen auf langen Tischen zwischen den Regalen. Eine riesige graue Schildkröte liegt auf dem Rücken und streckt ihre Beine von sich, auf dem Boden liegt ein noch unfertiger "Millennium-Falke" aus der bekannten "Star Wars"-Trilogie.

Zwischen den Modellen sitzt Vera Feldmann, 55, und steckt mit ruhiger Hand ein Steinchen auf das andere. Sie ist eine von acht Modelldesignern in Günzburg. Angefangen hat sie vor zehn Jahren im dänischen Billund, dort steht der älteste der insgesamt vier Legoparks. Ein weiterer soll im Herbst im US-Bundesstaat Florida eröffnet werden. Mit ihren Kollegen ließ die gebürtige Bremerin in Billund unter anderem das "Miniland" für das Legoland Deutschland entstehen, das 2002 öffnete. Bis dahin wurden etwa 25 Millionen Legosteine für Miniaturstädte wie Hamburg, Berlin oder Venedig verbaut.

Beim Arbeiten mit Legosteinen komme es vor allem darauf an, dass sie im Verbund verbaut werden, sagt Feldmann - "und wenn möglich nicht alle nur auf einer Stelle, eben so wie beim Mauern". Rund 200 Gramm schafft ein geübter Baumeister in der Stunde, bei großen Modellen und schweren Steinen können es auch mal 400 Gramm sein.

"Es ist alles da - paradiesisch"

Jeder einzelne Stein wird mit einem sogenannten Pin aufgenommen, über eine Fläche mit Kleber gezogen und auf das Modell gesetzt. Dadurch halten die Steine fest zusammen und können sogar der Witterung oder spielenden Kindern Stand halten.

Mit 1,3 Millionen Gästen pro Jahr zählt das Legoland Günzburg, das in der Nähe von Ulm liegt, zu den meistbesuchten Touristenattraktionen Bayerns. Ende August entstand dort das größte Lego-Mosaik der Welt - mit über einer halbe Million Steinen auf knapp 138 Quadratmetern. Das Mosaik entstand anlässlich des 60. Geburtstages der "Micky-Maus"-Hefte. Viereinhalb Tage lang setzten 35.000 Besucher die bunten Steinchen ein - orangefarbene für Donald Ducks Füße und seinen Schnabel, rote für seine Fliege.

Die Modelldesignerin ist auch nach zehn Jahren der Arbeit mit den bunten Steinen nicht überdrüssig. "Das ist natürlich paradiesisch. Das hatte keiner von uns zu Hause, dass man eine Schublade aufmacht und alles da hat", sagt sie.

Darth Vader war erst zu dünnbrüstig, dann zu klein

Für ihre Arbeiten haben die Modellbauer bis zu 2000 verschiedene Elemente in 60 verschiedenen Farben zur Verfügung. Allerdings gebe es nicht jedes Steinchen in jeder Farbe, sagt Feldmann. So wie sie früher müssen Bewerber auch heute noch kleine Bautests absolvieren: "Ein bisschen Kreativität und räumliche Vorstellungskraft kann man ganz schnell erkennen."

Daneben sei bei der Arbeit mit Legosteinen vor allem eine gute Logistik gefragt. "Das ist natürlich jede Menge Material", so Feldmann. Zuletzt hätten sie und ihre Kollegen die Schwierigkeiten im Umgang mit den Materialmengen beim Bau eines "Star Wars"-Parkteils für die Legoland-Parks in Billund, Günzburg und Florida zu spüren bekommen. "Das Projekt hat 13 Monate gedauert." Jede einzelne Figur habe das Filmproduktionsunternehmen Lucas Film absegnen müssen. "Darth Vader habe ich dreimal gebaut. Erst war er zu dünnbrüstig, dann zu klein."

In Günzburg wurden aus rund 1,5 Millionen Legosteinen sieben verschiedene Welten aus "Star Wars" nachgebaut. Auf Knopfdruck gehen Lichter und Musik an, Raumschiffe fangen an zu schweben. Alle Modelle haben die Designer ohne genaue Computer-Baupläne gebaut - als Vorlage dienten Filme oder auch Bücher der Kinofilme.

Gerade sitzt die Modellbauerin wieder an einer "Star Wars"-Figur und drückt geduldig Legosteine auf die Konstruktion. An ihren Handgelenken sind kleine Steine kleben geblieben, die ab und zu klimpernd auf den Tisch fallen. "Ich hatte sogar schon einmal einen Legostein in meiner Hosentasche und hab's erst zu Hause gemerkt", erzählt sie. Und auch die Abdrücke der Legosteine begleiten sie meist bis nach Hause.

Katia Rathsfeld, dpa/jol

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1. Nur der Vollständigkeit halber...
mee2 09.10.2011
... und weil die BUZ bei Bild 6 missverständlich sein kann: Das erste Legoland in Deutschland war das in Sierksdorf an der Ostsee (Anfang bis Mitte der 1970er Jahre, heute HANSA-Park).
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