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Mützenstreit bei der Lufthansa Auch männliche Piloten dürfen oben ohne arbeiten

Pilot versus Lufthansa: Die Mütze des Anstoßes Fotos
DPA

Bisher müssen Piloten der Lufthansa stets eine Mütze tragen, Pilotinnen dürfen die Kopfdeckung weglassen. Diskriminierung von Männern? Ja, hat jetzt das Bundesarbeitsgericht entschieden.

Die Lufthansa darf ihre Piloten nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) nicht zum Tragen einer Uniformmütze auf Flughäfen verpflichten. Ein Pilot, der sich von der Mützenpflicht, die nur für Männer gilt, diskriminiert fühlte, hatte am Dienstag mit seiner Klage in der letzten Instanz Erfolg.

Der Mann kritisierte, dass die blaue Cockpit-Mütze für Pilotinnen nur ein Uniform-Accessoire ist: Sie könnten die Mütze in der Öffentlichkeit tragen, für Männer sei das obligatorisch. Die Bundesrichter sahen in den Lufthansa-Argumenten - Tradition und die Besonderheiten von Damenfrisuren - keine ausreichenden Gründe für eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen.

Das BAG bestätigte damit ein Urteil des Arbeitsgerichts Köln. Geklagt hatte ein Pilot, der aus Nordrhein-Westfalen stammt und in München stationiert ist. Er arbeitet seit 2006 als Flugzeugführer für die Fluglinie. Er war 2009 von einem New-York-Flug abgezogen worden, für den er als Co-Pilot eingeplant war, weil seine Mütze fehlte. Damals verwies der Pilot auf die Betriebsvereinbarung zur Dienstbekleidung und flog ohne den späteren Kläger los.

Befürchtung der "Gleichmacherei"

Der Mann zog damit vors Arbeitsgericht Köln, das dem Mann recht gab. Allerdings kassierte 2012 die nächste Instanz, das Landesarbeitsgericht, das Urteil. In der Begründung hieß es, dass die sehr detaillierte Betriebsvereinbarung zur Dienstbekleidung der Lufthansa genau vorschreibt, wie sich Männer und Frauen kleiden sollten, dies aber nicht in allen Punkten isoliert verglichen werden kann. Die unterschiedlichen Vorschriften für die Geschlechter würden nicht automatisch eine Zurücksetzung des einen gegenüber dem anderen Geschlecht erkennen lassen. So sei vorgesehen, dass Frauen Bluse zu tragen haben, Männer aber Hemd und Krawatte.

Der klagende Pilot hatte sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) berufen. Die Kölner Richter fanden, seine Forderung laufe auf "Gleichmacherei" zwischen den Geschlechtern hinaus, die aber gar nicht das Ziel des AGG sei. Vielmehr gehe es darum, eine Benachteiligung zu verhindern.

Schwache Begründung für eine ungleiche Behandlung

Die Bundesrichter in Erfurt dagegen haben sich in diesem Fall gar nicht um das AGG gekümmert. Sie beschäftigten sich mit dem Recht zur Betriebsverfassung, nach dessen Vorschriften Vereinbarungen über die Dienstkleidung zustandekommen. Immer, wenn dabei eine Gruppe besonders behandelt wird, bedarf es dafür eines guten Grundes. "Die Begründung der Lufthansa reichte den Richtern aber nicht aus", erläutert Gerichtssprecherin Stephanie Rachor.

joe/mamk/dpa

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Ein gutes und richtiges Urteil
rebew_01 30.09.2014
wer sagt denn, dass das AGG nur für den Schutz von weiblichen oder älteren Mitarbeitern da sei. Haufig ist es so, dass Männer ungleich behandelt werden, die dieses aber nich sofot als Unterdruckung und Ausbeuteung sehen, Männer wehrt euch!
2. Aber schon bissl unkollegial jemand wegen einer fehlenden Mütze stehenzulassen
joot 30.09.2014
Da liegen scheinbar ganz andere Dinge im argen.
3. Lächerliche Probleme
ffmfrankfurt 30.09.2014
haben diese Menschen. Damit die Justiz zu belasten, grenzt an nicht zu überbietender Engstirnigkeit. Und so etwas darf ein Flugzeug fliegen?
4. wow
inter90 30.09.2014
Männer können also auch diskriminiert werden. Ist mir ja völlig neu....
5. Es erschließt sich nicht ein wirklich rationaler Grund
Criticz 30.09.2014
warum Piloten Mützen tragen sollten. Zur Ausübung der Tätigkeit, Fliegen, braucht sie kein Mensch. Und wenn es um die "Optik" / Aussendarstellung geht hat das BAG völlig Recht: warum sollen nur Männer dem genügen? Glückwunsch an den Kläger, wir brauchen mehr Männer die gegen Diskriminierung klagen. Alsbald bei der Quote. Man sieht - es geht doch
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