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Mythen der Arbeit Die Mehrheit der Beschäftigten ist männlich - stimmt's?

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Der Trend ist weiblich, sagt Arbeitsforscher Joachim Möller. Denn auf allen Ebenen der Berufswelt holen Frauen auf. Was es heute nicht mehr gibt: Eine weibliche Reservearmee auf dem Arbeitsmarkt, je nach Bedarf mal reingezwängt, mal rausgedrängt - diese Zeiten sind vorbei.

Dieses Mal stimmt die Überschrift der Kolumne ausnahmsweise - aber nur um Haaresbreite. So kommt es, dass die Aussage trotzdem in die Irre führt. Tatsache ist: Mittlerweile sind 49 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Frauen. Vor 20 Jahren lag ihr Anteil noch bei 44 Prozent - die Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben hat also deutlich zugenommen.

Beim Anteil an allen geleisteten Arbeitsstunden, dem so genannten Arbeitsvolumen, haben die Frauen mit 43 Prozent bis heute noch nicht gleichgezogen. Der Grund liegt in der im Mittel unterschiedlichen Arbeitszeit: Drei Viertel aller Teilzeitstellen, jedoch nur ein gutes Drittel der Vollzeitarbeitsplätze werden von Frauen besetzt. Dennoch: Auch beim Arbeitsvolumen haben weibliche Beschäftigte Boden gutgemacht, immerhin stieg ihr Anteil seit 1991 um vier Prozentpunkte.

Die Zahlen zeigen, dass das Erwerbsverhalten von Frauen einem fundamentalen Wandel unterliegt. Die Teilnahme am Arbeitsleben gehört für die große Mehrheit der Frauen zu ihrem Lebensentwurf hinzu. Dabei kommt den Frauen der Strukturwandel der Wirtschaft entgegen. Die von Männern dominierten Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe - also etwa der Eisen- und Stahlindustrie oder dem Maschinenbau - schrumpfen im Zeitablauf. Bei der wachsenden Zahl der Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich kommen dagegen vielfach Frauen zum Zuge. Der Trend ist weiblich.

Teilzeit bringt Nachteile bei Einkommen, Karriere, sozialer Sicherung

Der Anteil der Frauen an den Beschäftigten unterscheidet sich übrigens kaum zwischen Ost und West. Anders sieht es bei der Teilzeitquote aus: Sie ist bei den ostdeutschen Frauen mit 45 Prozent wesentlich niedriger als bei den westdeutschen (54 Prozent). Neben der stärkeren Erwerbsorientierung ostdeutscher Frauen spielt auch die dort besser ausgebaute Kinderbetreuung eine Rolle. Dass in Ostdeutschland die Lebenspartner häufiger arbeitslos sind als im Westen, erhöht in der Tendenz ebenfalls das Arbeitsangebot von Frauen.

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Wir müssen mal reden. Über Männer und Frauen. Im Beruf treffen sie sich täglich. Weltliteratur, Lebens- und Büroerfahrung zeigen: Das kann Probleme geben. Erste Hilfe leistet, sauber nach Geschlecht getrennt, das Kommunikationsquiz -: was Frauen sagen, wie Männer es deuten und umgekehrt. mehr
Während bundesweit also rund die Hälfte aller Frauen teilzeitbeschäftigt ist, arbeiten Männer nach wie vor erheblich seltener in Teilzeit. Auch ihre Teilzeitquote hat jedoch deutlich zugenommen und liegt jetzt bei 17 Prozent. Während Männer Teilzeit vor allem am Anfang und Ende ihres Erwerbslebens nutzen, nimmt bei Frauen die Teilzeitarbeit häufig im gesamten Erwerbsleben nach der Familiengründung breiten Raum ein. Das bringt Nachteile beim Einkommen, der Karriere und der sozialen Sicherung mit sich, Stichwort: Rentenansprüche.

Die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen würde ihre vereinbarte Arbeitszeit gerne ausweiten. Im Schnitt würden sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen mit einer Teilzeitstelle gern vier Stunden pro Woche mehr arbeiten, geringfügig beschäftigte Frauen sogar neun Stunden.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen würde sich um gut 2,5 Stunden auf rund 32 Stunden erhöhen, wenn alle Verlängerungswünsche umgesetzt werden könnten. Landesweit entspräche dies einem Arbeitsvolumen von 40,5 Millionen Stunden wöchentlich. Rechnet man all das in Vollzeitstellen um, kämen circa eine Million davon zusammen. Allein in den nicht realisierten Arbeitszeitwünschen von Frauen steckt also ein erhebliches Potenzial.

Frauen sind nicht mehr die Arbeitsmarkt-Reservearmee

An diesem Punkt bietet sich an, sich gleich mit einem weiteren Mythos zu beschäftigen: Viele würden spontan annehmen, dass sich in der sogenannten Stillen Reserve deutlich mehr Frauen als Männer befinden. Zur Stillen Reserve gehören jene, die keine Beschäftigung haben, jedoch grundsätzlich erwerbsbereit wären und aus den verschiedensten Gründen nicht in der Arbeitslosenstatistik erscheinen.

Ein typischer Fall wäre eine Person, die sich vom Arbeitsmarkt zurückzieht, da sie für sich ohnehin keine Job-Chancen sieht. Wenn kein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, liegt es nahe, sich dann auch gar nicht erst arbeitslos zu melden.

Früher waren tatsächlich mehrheitlich Frauen in der Stillen Reserve: So setzte sich im Jahr 1975 die Stille Reserve aus etwa 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer zusammen. Seit den achtziger Jahren sank der Anteil der Frauen an der Stillen Reserve aber nahezu kontinuierlich und pendelte sich bereits in den neunziger Jahren bei rund 50 Prozent ein. Die Zeiten sind vorbei, in denen Frauen eine Reservearmee von Arbeitskräften bildeten, die je nach Bedarf rekrutiert oder aus dem Arbeitsmarkt verdrängt werden.

Um das Bild vollständig zu machen, sei noch ergänzt, dass auch unter den Arbeitslosen Männer und Frauen ungefähr gleich stark vertreten sind. Anders sieht es bei den Selbständigen aus. Da sind Männer deutlich in der Mehrheit. Der Frauenanteil an den Erwerbstätigen insgesamt ist mit 48 Prozent daher etwas niedriger als der Frauenanteil an den Beschäftigten.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. ausgekautes Thema
germanvirgin 28.12.2011
Zitat von sysopDer Trend ist weiblich, sagt Arbeitsforscher Joachim Möller. Denn auf allen Ebenen der Berufswelt holen Frauen auf. Was es heute nicht mehr gibt: Eine weibliche Reservearmee auf dem Arbeitsmarkt, je nach Bedarf mal reingezwängt, mal rausgedrängt - diese Zeiten sind vorbei. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,805964,00.html
ob nun 43% oder 66 oder 88% aller Beschaeftigten maennlich oder weiblich sind ist doch so etwas von wurscht, wen interessierts? Das ist genauso Bloedsinn wie diese bescheuerte Diskussionen ueber irgend welche Frauenquoten. Mir ist es total egal ob mein Boss eine Frau oder ein Mann ist. Ankotzen wuerde es mich wenn er/sie auf Grund von irgend welchen Prozentzahlen dort hocken wuerde. Einzig und allein Faehigkeiten und Leistungen zaehlen. Alles andere ist Unsinn
2. Ist das so?
Fragende_Leere 29.12.2011
Zitat von germanvirginob nun 43% oder 66 oder 88% aller Beschaeftigten maennlich oder weiblich sind ist doch so etwas von wurscht, wen interessierts? Das ist genauso Bloedsinn wie diese bescheuerte Diskussionen ueber irgend welche Frauenquoten. Mir ist es total egal ob mein Boss eine Frau oder ein Mann ist. Ankotzen wuerde es mich wenn er/sie auf Grund von irgend welchen Prozentzahlen dort hocken wuerde. Einzig und allein Faehigkeiten und Leistungen zaehlen. Alles andere ist Unsinn
Ist das wirklich so? Denken Sie mal anders herum: wenn sich in den Verteilungen der Beschäftigten keine Unterschiede mehr ausmachen lassen (und ebenfalls keine signifikanten Varianzunterschiede), dann gäbe es doch einen wichtigen Grund weniger für eine Quote. Wenn die Beschäftigung also nicht von Geschlecht abhängt (abhängen wird), scheinen also andere Kriterien eine Rolle zu spielen, und damit sollte sich (dann) eine Genderforschung beschäftigen, anstatt weitere Mythen zu verbreiten.
3. ...
jollen 30.12.2011
Zitat von sysopDer Trend ist weiblich, sagt Arbeitsforscher Joachim Möller. Denn auf allen Ebenen der Berufswelt holen Frauen auf. Was es heute nicht mehr gibt: Eine weibliche Reservearmee auf dem Arbeitsmarkt, je nach Bedarf mal reingezwängt, mal rausgedrängt - diese Zeiten sind vorbei. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,805964,00.html
Das Wort deutlich kommt mir nicht richtig vor...... Wenn der Anstieg durch die Teilzeit erzielt wurde....
4. .....
jollen 30.12.2011
Zitat von Fragende_LeereIst das wirklich so? Denken Sie mal anders herum: wenn sich in den Verteilungen der Beschäftigten keine Unterschiede mehr ausmachen lassen (und ebenfalls keine signifikanten Varianzunterschiede), dann gäbe es doch einen wichtigen Grund weniger für eine Quote. Wenn die Beschäftigung also nicht von Geschlecht abhängt (abhängen wird), scheinen also andere Kriterien eine Rolle zu spielen, und damit sollte sich (dann) eine Genderforschung beschäftigen, anstatt weitere Mythen zu verbreiten.
Dann wären ALLE Interessen und Talente gleichverteilt.... Und das wird es nie geben.
5.
unterländer 31.12.2011
Zitat von sysopDer Trend ist weiblich, sagt Arbeitsforscher Joachim Möller. Denn auf allen Ebenen der Berufswelt holen Frauen auf. Was es heute nicht mehr gibt: Eine weibliche Reservearmee auf dem Arbeitsmarkt, je nach Bedarf mal reingezwängt, mal rausgedrängt - diese Zeiten sind vorbei. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,805964,00.html
Hmm, wie ist denn die Verteilung zwischen Frauen und Männern in der arbeitsfähigen Bevölkerung Deutschlands? Schätzungsweise dürften die Frauen dabei etwa die Hälfte ausmachen. Gibt es irgendeinen Grund, warum sie dann nicht auch die Hälfte der tatsächlich arbeitenden Bevölkerung stellen sollten? Zumal die Kindererziehung in immer stärkerem Maße vom Staat und nicht mehr von den Eltern übernommen wird.
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Zum Autor
Der Volkswirt Joachim Möller (Jahrgang 1953) ist seit 2007 Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Die Forschungsstelle gehört zur Bundesagentur für Arbeit. In seiner regelmäßigen Kolumne auf KarriereSPIEGEL rückt er falsche Gewissheiten über die Arbeitswelt zurecht.
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