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Nach Diktat verreist Der kleine Unterschied

Die Rechnung ohne Frau Bengt gemacht: Achtenmeyers Abenteuer im MittelmanagementZur Großansicht
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Die Rechnung ohne Frau Bengt gemacht: Achtenmeyers Abenteuer im Mittelmanagement

Ränkespiele, Winkelzüge, Frontalangriffe - wie tückisch die Welt des Managements ist, zeigt Klaus Werle in seiner Karriere-Kolumne. Marketingmann Achtenmeyer kann sich nicht mal mehr auf uralte Geschlechter-Klischees verlassen: Volle Deckung, jetzt bekommt er es mit Frau Bengt zu tun.

Mit der neuen Abteilungsleiterin Controlling hatte Achtenmeyer lange kaum zu tun, bis Frau Bengt neulich in seinem Büro stand, zum update über das Phönix-Projekt. Phönix soll die interne Abstimmung zwischen den Abteilungen, insonderheit Marketing und Controlling, auf eine ganz neue Effizienz-Stufe heben. Phönix ist hochgeheim, nur top level ist involved, es geht um Synergien und Prozesse. Aber natürlich ist allen klar, dass es vor allem um Karrieren geht, um die von Frau Bengt und um die von Achtenmeyer. Wer Phönix zum Erfolg führt, dem steht der Weg nach ganz oben offen.

Deshalb hatte sich Achtenmeyer natürlich vorbereitet, weniger auf Frau Bengt persönlich, vielmehr auf die Tatsache, dass sein Gegenspieler diesmal weiblich ist. "In dieser Schlacht", hatte Achtenmeyer noch am Abend zuvor gewichtig seiner Gattin verkündet, "geht es nicht um Qualifikation. Sondern um gender." Die Gattin blätterte eine Seite in ihrem Krimi um und entgegnete: "Na, dann hast du ja vielleicht eine Chance."

Nun, mit Sarkasmus war Achtenmeyer wenig geholfen, und so sah er sich nach längerer Pause genötigt, sich wieder mit Frauen zu beschäftigen. Er fand heraus, dass mehr Frauen in Führungspositionen verlangt werden und dass Start-ups erfolgreicher sind, wenn Frauen im Führungsteam sind. Nicht so gute Nachrichten für sein persönliches Anliegen.

Plauderstündchen? Aber nicht mit Frau Bengt

Weiter fand er heraus, dass Frauen zwar kommunikativer sind, dafür aber schlechter verhandeln können, es sei denn, sie verhandeln nicht für sich selbst, sondern für jemand anderen. Das war doch schon mal was.

"Meine liebe Frau Bengt, herzlich willkommen in meinen bescheidenen Räumlichkeiten. Was darf ich Ihnen anbieten?", eröffnete Achtenmeyer die erste Runde. Eigentlich wollte er noch einige Getränke wie Kaffee, Tee, Fruchtsaft aufzählen, wegen der Konversation. Doch Frau Bengt fiel ihm ins Wort: "Meine Zeit ist knapp. Lassen Sie uns sofort anfangen."

Corbis
Wir müssen mal reden. Über Männer und Frauen. Im Beruf treffen sie sich täglich. Weltliteratur, Lebens- und Büroerfahrung zeigen: Das kann Probleme geben. Erste Hilfe leistet, sauber nach Geschlecht getrennt, das Kommunikationsquiz - was Frauen sagen, wie Männer es deuten und umgekehrt. mehr
Soviel also zur weiblichen Kommunikationsfreude, dachte Achtenmeyer, ging mit Frau Bengt ermüdende zwanzig Minuten langweilige Charts durch und startete dann seinen wichtigsten Vorstoß: "Ich möchte Ihnen bestimmt nicht zu viel Arbeit aufhalsen, doch Sie sind neu in der company, da wäre es doch sicher eine gute Gelegenheit, wenn Sie unsere results bei Dr. Karl präsentieren und das künftige set up aushandeln?", säuselte er. "Einverstanden. Wiedersehen", sagte Frau Bengt und war weg.

Von wegen perfekter Plan - besser die Gemahlin fragen

Eigentlich ein schwerer taktischer Fehler Achtenmeyers, schließlich sind Präsentationen DIE Gelegenheit, sich mit den Lorbeeren anderer zu schmücken und die Weichen in die gewünschte Richtung zu stellen. Doch eingedenk des qua Geschlecht geringeren Verhandlungsgeschicks von Frau Bengt war das Risiko minimal. Es geht eben nichts über ausgiebigen research über den Gegner, freute sich Achtenmeyer über seinen Schachzug.

Tags darauf kam eine Mail von Dr. Karl, in der er ihm mitteilte, dass ihn "Frau Bengts Ergebnisse überzeugt" hätten und dass er in Sachen Phönix künftig bitte an Frau Bengt berichten wolle. Achtenmeyers prompte Einladung zum Bier unter Männern - eine Panikreaktion - ließ Dr. Karl unbeantwortet.

"Ich versteh' das nicht", klagte Achtenmeyer abends seiner Gemahlin. "Ich hatte mich so intensiv mit den Stärken und Schwächen des weiblichen Managementstils beschäftigt. Mein Plan war perfekt." Seine Gattin legte das Buch beiseite und sah ihn an wie vor drei Wochen den Schuhverkäufer, der ihr erklärt hatte, das von ihr präferierte Gucci-Modell sei leider ausverkauft.

"Glaubst du etwa wirklich noch, es gibt Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Top-Managern?", fragte sie entgeistert. "Es geht nur um Qualifikation und um Leistung. Das hatte ich ja gleich befürchtet."


+++ Lessons learned +++

  • Kenne den Gegner: Sun Tzu, der große chinesische Stratege, sagte: "Kenne Deinen Feind und kenne Dich selbst, und in hundert Schlachten wirst Du nie in Gefahr geraten." Was vor Hunderten von Jahren in China galt, kann auch bei Machtkämpfen im Konzern nicht schaden. Doch jeder Gegner ist individuell - allgemeine statistische Erkenntnisse unbesehen auf konkrete Situationen und Menschen anzuwenden, ist gefährlich.
  • Wer bin ich? "Kenne Dich selbst", sagt Sun Tzu ebenfalls, was im Zweifel noch wichtiger ist als das Wissen über den Feind. Nur wer die eigenen Stärken kennt, kann sie ausnutzen. Und wer seine Schwächen kennt, kann versuchen, sie zu umgehen.
  • Konzentration auf das Wesentliche: Langwierige Ausführungen, Rechtfertigungen und Erklärungen gehören nicht ins Management, wo Entscheidungsfreude und Zupacken gefragt sind. "Never explain, never complain", lautet das Motto von Queen Mum. Insofern hat die wortkarge Frau Bengt alles richtig gemacht.

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  • Klaus Werle (Jahrgang 1973) ist Redakteur beim manager magazin und Buchautor und arbeitet derzeit im Rahmen der Arthur F. Burns-Fellowship beim "San Francisco Chronicle". In seiner Kolumne "Nach Diktat verreist" demonstriert Protagonist und Mittelmanager Achtenmeyer regelmäßig, dass Karriere machen wirklich ganz einfach ist. Nach allem, was er so hört.

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