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Neuanfang nach der Lehre Nur die Hälfte der Azubis bleibt im Beruf

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DPA

Besonders Lehrlinge aus kleinen Betrieben wechseln später den Beruf

Erst machen sie eine ordentliche Lehre, dann springen sie von Job zu Job: Nur 48 Prozent aller Azubis bleiben in dem Beruf, den sie gelernt haben. Dabei sind besonders krasse Wechsel schlecht fürs Einkommen.

Einmal Bäcker immer Bäcker? Von wegen. Knapp die Hälfte aller jungen Erwerbstätigen wechselt nach der Ausbildung ihren Beruf (48 Prozent). Ein Drittel (32 Prozent) arbeitet anschließend immerhin in einem verwandten Bereich, 16 Prozent jedoch in einem Job, in dem sie das, was sie gelernt haben, nur noch selten anwenden können.

Laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin orientieren sich besonders Handwerker um, die in kleinen Betrieben gelernt haben. Von ihnen sucht sich im Schnitt jeder Fünfte einen ganz neuen Job.

Wissenschaftler werten das als Reaktion auf die gängige Ausbildungspolitik in Handwerksbetrieben. Chefs in kleinen und mittelständischen Unternehmen bilden nämlich in der Regel mehr Azubis aus, als sie am Ende übernehmen können. Diejenigen, die aussortiert werden, wagen oft einen kompletten Neuanfang.

Ein wenig besser sieht es in der Industrie aus: Dort suchte sich jeder Neunte (elf Prozent) eine neue Herausforderung in einem ganz neuen Bereich.

Die BIBB-Analyse zeigt, dass Berufswechsler in der Regel zunächst für eine Weile beim alten Arbeitgeber bleiben und offensichtlich ganz gezielt ihren Ausstieg aus dem festen Job planen: So arbeiteten von den Arbeitnehmern, die 2012 ihren Abschluss machten, zunächst noch 96 Prozent in ihrem Ausbildungsbetrieb.

Gut geplanter Umstieg

Ganz anders sah es allerdings schon bei den Kollegen aus, die ein Jahr zuvor ihre Ausbildung beendet hatten: Von ihnen wechselten nicht nur zwölf Prozent den Betrieb, sondern fingen beruflich ganz von vorne an. Und vom Jahrgang darüber reichten sogar knapp 19 Prozent die Kündigung ein, um noch einmal etwas ganz anderes zu machen.

Welche Folgen ein Berufswechsel hat, hängt entscheidend davon ab, aus welchen Gründen der Beschäftigte gegangen ist. Auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 zeigt sich, dass nur unfreiwillige vollständige Berufswechsel mit signifikanten Einkommenseinbußen verbunden sind. Bei Personen, die in einem verwandten Beruf arbeiten, kommt es im Durchschnitt nicht zu Einkommenseinbußen gegenüber jenen, die im erlernten Beruf verbleiben.

Unterscheidet man nach Schulabschluss, weisen Hauptschulabsolventen die höchsten Berufswechselquoten auf (rund 24 Prozent). Mit einem höheren Schulabschluss liegt die Wechselquote bei etwa 13 Prozent. Männer wechseln häufiger den erlernten Beruf (rund 18 Prozent) als Frauen (knapp 13 Prozent).

Für die Umfrage wurden 740 Erwerbstätige zwischen 18 und 24 Jahren mit dualer Berufsausbildung befragt.

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Azubis gesucht: Und wer soll jetzt den Tisch decken?

dpa /sid

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
ClausWunderlich 21.04.2015
Und wo ist jetzt der Fachkräftemangel?
2. Wie
Flying Rain 21.04.2015
Wie ich bei so einigen Bekannten gesehen habe war das Problem einfach das sie zum Teil in so Kleinbetrieben unter völligen A****löchern ihre Ausbildung machen musste, Überstunden ohne Ende welche nicht entlohnt wurden, geschweigedenn ein Danke bekommen haben sodass sie nach der Ausbildung keinerlei Lust an dem Job hatten....
3. Fata Morgana
Der_Franke 21.04.2015
Zitat von ClausWunderlichUnd wo ist jetzt der Fachkräftemangel?
Das für die wenigen Arbeitsstellen die zu hohe Geburtenrate (und auch Zuwanderung) einen Fachkräfteüberschuß ergibt, ist hinlänglich bekannt. Sttdessen dreht man den Spieß um und erfindet den Fachkräftemangel. Man sollte sich daher mal überlegen, warum so viele Fachkräfte jenseits der 50 keine Stelle mehr erhalten. Bei dem angeblichen Mangel.
4. Ursache liegt oft im Betrieb
klugscheißer2011 21.04.2015
Dass junge Gesellen in ihrem Beruf oft nicht weitermachen, liegt nicht selten daran, dass viele Unternehmen (z.B. im Hotel- und Gaststättenwesen sowie bei anderen Dienstleistern (Physiotherapie, Fitness) in Tourismusgebieten gar nicht für den eigenen Bedarf ausbilden, sondern Azubis nur als billige Arbeitskräfte sehen. Viele sind gezwungen, nach der Ausbildung etwas anderes zu machen. Oder sie gehen, weil sie trotz Gesellenbrief weiter als Laufbursche behandelt würden. Im redaktionellen Bereich sieht das oft nicht anders aus. Volontäre werden eingestellt, um produktbezogene Aufträge abzusichern, pro forma finden auch ein paar Lehrstunden statt. Und nach dem Volontariat (und dabei handelt es sich ja meistens um Leute, die schon vorher einen ordentlichen Studienabschluss in der Tasche hatten) werden ihnen maximal noch schlecht bezahlte Pauschalistenjobs angeboten oder sie rutschen als Jungredakteure in outgessourcte Bereiche mit außertariflicher Bezahlung. Überall dasselbe. Ein Jammer, was sie heute mit den jungen Leuten machen. Verlangt wird von den Mitarbeitern, dass sie schuften bis zum Umfallen - nur anständig bezahlen will sie niemand. Wenn das so weitergeht, kracht es bald - ähnlich wie damals bei den 68ern.
5.
comtom 21.04.2015
"Wissenschaftler werten das als Reaktion auf die gängige Ausbildungspolitik in Handwerksbetrieben. Chefs in kleinen und mittelständischen Unternehmen bilden nämlich in der Regel mehr Azubis aus, als sie am Ende übernehmen können. " Da fragt man sich dann auch in Anbetracht der Jugendarbeitslosigkeit von 8-10% wo der angebliche Fachkräftemangel ist und warum dann händeringend um jeden Flüchtling gebuhlt wird damit er hier eine Ausbildung macht. Da stimmt doch vorne und hinten was nicht und dem Deutschen (inkl. Migranten) wird etwas vorgemacht.
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